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Therapie-Tagebuch: Leben wie ein Langstreckenflug

Festgezurrt, ohne Bewegungsfreiheit, zur Untätigkeit verdammt: So fühlt sich SPIEGEL-ONLINE-Autor Jörg Böckem in der 43. Woche seiner Hepatitis-C-Behandlung. Schicksalsergeben wartet er auf das Ende der Therapie.

wassoll 05.07.2007, 21:12
1.

Der Autor Her Böckem hat sich durch seine Drogensucht doch selbst in die Situation gebracht. Mitleid ist also total fehl am Platz. Es hat ihn niemand zum Drogenkonsum gezwungen. So trist kann die Jugend in Erkelenz auch nicht gewesen sein, daß es zur Droge keine Alternative gab. Millionen andere sind in Kleinstädten zu geachteten Mitgliedern der Gesellschaft herangewachsen.

Ich gehe mal davon aus, daß Herr Böckem krankenversichert ist und die Behandlungskosten übernommen werden.
Selbstverschuldete Erkrankungen sollten zumindest mit einem EIGENANTEIL belastet werden. Ich meine das generell und möchte auch nicht zwischen Drogensucht und Skiunfall unterscheiden. Vielleicht wäre eine Lösung ähnlich der KFZ-Versicherung denkbar, dort werden grob fahrlässig verschuldete Unfälle zwar von der Versicherung reguliert, der Fahrer aber mit bis zu Euro 5.000 in Regreß genommen.

Noch zu meiner Person, ich bin 12 Jahre älter als Herr Böckem, habe nie Drogen genommen, nie geraucht und trinke nicht, außer dem gelegentlichen Glas guten Weines zum Essen. Ich kann nicht ausschließen, daß ich auch mal krank werde, versuche aber, offensichtliche Risikosituationen zu vermeiden.

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Mona_Baudelaire 06.07.2007, 01:49
2. was solls...

Fahren Sie Auto? Wenn Sie einen Autounfall haben und verletzt werden, ist es wohl die logische Konsequenz dass Sie Ihre Behandlung dann auch selbst bezahlen. Es ist irrelevant ob Sie schuld sind oder nicht, denn schliesslich haben Sie sich in die Situation begeben.

Schoen, dass Sie so ein Saubermann sind, da haben Sie ja Glueck gehabt. Ich habe selbst drei Hepatitis C-Behandlungen durchgemacht bis ich geheilt war und ja, so gesehen bin ich auch selbst dran schuld.

Jemand, der so wie sie noch nie Drogen genommen hat und ueberhaupt keinen Plan von der Problematik hat, sollte sich mit seinen Platitueden lieber zurueckhalten.

Uebrigens, ich bin etwa im gleichem Alter wie Herr Boeckem. Zu unserer Drogenzeit war Hepatitis C ueberhaupt noch nicht entdeckt. Es gab auch nicht viele Moeglichkeiten, saubere Spritzen zu bekommen, weil solche Saubermaenner wie Sie dass fuer verwerflich und Beihilfe hielten.

Haette es damals schon saubere Spritzen zur staendigen Verfuegung gegeben, haetten sich viele HCV- und HIV-Faelle vermeiden lassen. Das haette den Staat ein paar Pfennige gekostet.

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Mona_Baudelaire 06.07.2007, 01:54
3. Therapiebericht

Ich finde die Kolumne von Herrn Boeckem sehr gut. Vor allem weil ich mir vorstellen kann, wie schwer es ihm faellt im Moment zu schreiben. Vielen Leuten wird das eine Hilfe sein um mit ihrer eigenen Krankheit klarzukommen. Es ist allerdings eine subjektive Sicht. Nicht jeder muss so massive Probleme mit der Interferon-Behandlung bekommen.

In meinem Fall war die erste Behandlung ziemlich heftig, weil ich erst spaet gemerkt habe, dass ich Depressionen bekam. Nachdem ich ein Antidepressiva bekam, war es einigermassen ok. Die anderen zwei Behandlungen waren im Vergleich zu Herrn Boeckems Erfahrungen ein Spaziergang. Es wirkt sich auf jeden anders aus. Eine andere Person, die genau die gleiche Dosierung und Ribavirin wie ich bekommen hat, musste abbrechen weil sie tagelang hohes Fieber hatte. Warum sich das gleiche Medikament so unterschiedlich auswirken kann, weiss ich nicht.

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chrome_koran 06.07.2007, 07:59
4. Ich nehme an, das meinen Sie alles ironisch.

Zitat von wassoll
Der Autor Her Böckem hat sich durch seine Drogensucht doch selbst in die Situation gebracht. [...] Selbstverschuldete Erkrankungen sollten zumindest mit einem EIGENANTEIL belastet werden. Ich meine das generell und möchte auch nicht zwischen Drogensucht und Skiunfall unterscheiden.
Worunter sind Sie denn geneigt, zu unterscheiden? Manchen Autoren zu Folge ist jede Krankheit auf irgendeine Weise "selbst verschuldet". Kausale Zusammenhänge sind dabei oft genauso willkürlich wie fragmentarisch und unbewiesen. Nach Ihrem Prinzip könnten Sie jedwede Krankenversicherung abschaffen - oder, besser noch, Beiträge kassieren und im Versicherungsfall Kunden pauschal in Regress nehmen. Lungenkrebs? Selber schuld, warum lebte er in den 1960er mit dem ganzen Asbest. Schwangerschafts-Komplikationen? Selbst schuld, keiner hat sie gezwungen, ein Kind zu kriegen.

NB: Die Krankheit von Herrn Böckem ist keine Folge des Drogenmissbrauches, sondern die einer viralen Infektion. Dass durch die unnötige Illegalität mancher Drogen die "User" irgendwann in hygienisch zweifelhafte Umstände geraten, ist weder der Droge noch Herrn Böckem anzulasten.

Zitat von wassoll
Ich gehe mal davon aus, daß Herr Böckem krankenversichert ist und die Behandlungskosten übernommen werden.
Das hoffe ich!

Zitat von wassoll
Noch zu meiner Person, ich bin 12 Jahre älter als Herr Böckem, habe nie Drogen genommen, nie geraucht und trinke nicht
Das ist Ihre persönliche Entscheidung, die wohl kaum jemand in Frage stellt (was durchaus ginge, zum Beispiel: "Sie führen vermutlich ein sehr langweiliges Leben"). Dass Ihre Abstinenz Sie aber nicht automatisch zu einem besseren Menschen macht - zu einem schlechteren auch nicht - dürfte Ihnen aber schon klar sein, oder?

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rem023 06.07.2007, 08:07
5. Ignorant

Leute wie Du sind der Grund, warum viele den Weg aus einer Sucht nicht finden... und manchmal frage ich mich, warum sie den Weg denn suchen sollten, wenn Ihnen soviel Ignoranz und Arroganz entgegenschlägt.

Der Begriff Emphatie scheint für Dich eben auch nur ein Konversationsbegriff zu sein.

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AndreXY 08.07.2007, 17:53
6. Therapie Tagebuch

Hallo Zusammen!
Ich finde es klasse, das Herr Böckem dieses Tagebuch schreibt und das er sich öffentlich zu seiner Krankheit bekennt.Nun möchte ich auch etwas dazu schreiben Ich habe ebenfalls HCV und mache zur Zeit zum 2.mal diese miese Therapie, die letzte war nicht erfolgreich.Mit neun Jahren hatte ich Krebs(Non Hodkin Lymphom) und schon damals musste ich schlimme Dinge erleben,Chemotherapie,Bestrahlungen und Medikamente in allen Farben und Formen und Nadeln in jeder erdenklicher Größe. Ich habe fast 1 1/2Jahre dauerhaft im Krankenhaus verbracht. Ich habe dies überlebt,so gerade eben. Ca. fünf Jahre später bekamen meine Eltern einen Anruf,ich sollte doch wieder zur Untersuchung ins Krankenhaus vorbei kommen,es könnte sein,dass etwas nicht in Ordung ist.Als ich mit meinen Eltern im Wartezimmer saß und die Gesichter der Krankenschwestern sah,die ich noch von damals kannte war klar das etwas nicht stimmte. Ich war immer ein sehr fröhlicher Mensch und war schon damals für jeden Mist zu haben,auch als es mir schlecht ging.Aber zu dem Zeitpunkt hätte ich nur heulen können,der Arzt sagte uns,daß in meinen Blutkonserven HCV war und Sie damals nicht in der Lage waren dies zu untersuchen.Er entschuldigte sich und sagte das Sie leider nichts tun können,ich sollte doch mal zu einem spezialisten gehen.Dies hat der Onkologe dann auch bestätigt und ich sollte doch regelmäßig zur Untersuchng kommen.Wieder ein paar Jahre später war es notwendig etwas zu tun,ich musste eine Einverständnisserklärung unterschreiben,dass ich eine neue Therapie ausprobiere die noch nicht offiziell freigegeben ist.Ich hatte keine Wahl meine Leberwerte waren schlecht und die Viren fühlten sich wohl in meiner Leber.Dies war dann mein 1.Jahr mit der Inteferon/Ribavarin Therapie,dieses Jahr war natürlich nicht so schlimm wie die Chemotherapie,aber es hat so ziemlich meine Freude an allem und Jedem genommen. Man fragt sich, warum schon wieder ich, ich habe doch Niemanden etwas getan! Die Therapie hat zwar geholfen,die Viren wurden weniger und die Leberwerte gut, aber ich war nicht geheilt. Ich habe ab dann nur noch versucht alles zu verdrängen und so gut zu leben wie es ging, aber das funktioniert nicht man denkt immer daran und es holt einen immer wieder ein. Zwischendurch bekam mein Vater Leukemie, er ist genauso zäh wie ich und wir haben dies auch zusammen überstanden. Zum Glück hatte ich immer ein paar Freunde, die auch in schlechten Tagen zu mir standen und natürlich meine Familie, ohne die ich wahrscheinlich nicht mehr da wäre. Die helfen mir auch jetzt wieder, bei meiner 2. Therapie (Freitag 9. Spritze). Ich hoffe diesmal klappt es, ich tue wieder alles dafür. Es wird wieder eine schwierige Zeit, ich schreibe nebenbei noch meine Diplomarbeit, aber wenn ich dies überstanden habe kann kommen was will, ich halte alles durch! Zum Abschluss muss ich noch erwähnen, es ist wirklich schwierig anderen Menschen zu erklären wie man sich in der Therapie fühlt und was man da durchmacht. Wirklich verstehen kann man es auch nur wenn man es erlebt hat, deshalb sollten sich hier mache Leute besser zurück halten. Mir geht es immer besser wenn ich darüber geredet habe, ich habe aber nie gejammert so wie viele Leute die nur wegen einer kleinen Erkältung direkt zum Arzt rennen und sich´nen Krankenschein besorgen. Dies sind auch meist die Egoistischen Menschen die sich nicht annähernd um andere Leute kümmern und sich lieber zurück ziehen wenn es mal anderen Menschen(Freunden) schlecht geht.

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