Forum: Panorama
Thomas Fischer und 219a: Welches Frauenbild steckt dahinter?

In einem Beitrag für SPON kritisierte Thomas Fischer die Ärztin Kristina Hänel, bekannt geworden als Symbolfigur im Kampf für die Abschaffung des Werbeverbots bei Abtreibungen. Hier antwortet Hänel auf Fischer.

Seite 5 von 14
wille17 18.05.2018, 11:08
40. Fischer nicht so hoch hängen

Als Strafverteidiger habe ich seinen in der Justiz verwendeten Strafrechtskommentar zur Kenntnis zu nehmen. Meines Erachtens steht da auch viel Käse drin. Einfach reden lassen. Bleiben Sie gelassen. Neurotische Allüren und Selbstdarstellung hat es immer gegeben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tom S. 18.05.2018, 11:13
41.

Zitat von shaboo
Wenn der Politik der Zugang zu objektiven Informationen ohne jegliche "Werbung" oder "Verführung zur Abtreibung" so wahnsinnig wichtig ist, warum gibt es denn dann keine Internetpräsenz des Gesundheits- oder des Familienministeriums, das sich exakt dieser Aufgabe widmet? Inklusive Ärzteverzeichnis und entsprechendem Portal, unter Beteiligung aller, die zu diesem Thema Sinnstiftendes beizutragen haben, objektiv und ideologiefrei?
Vielleicht gibt es so was ja? Vielleicht nicht direkt auf der Ministeriums-Homepage (das wäre wohl zu viel verlangt), aber zumindest als Verlinkung auf entsprechend objektiv informierende Sites.
Das hielte ich jedenfalls für sinnvoll...Kann das mal jemand recherchieren?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Johnnynameless 18.05.2018, 11:16
42. Anderer Blickwinkel: Männer in die Verantwortung

Ein vollkommen anderer Blickwinkel auf den Fragenkomplex der Abtreibung würde sich ergeben, wenn Männer stärker in die Verantwortung für das entstehende Leben und die Folgen für die Frau und Mutter genommen würden. Tatsache ist, dass eine Schwangerschaft / ein Kind das Leben der Mutter vom ersten Monat an und meist lebenslang verändert. Mann kann sich vom Acker machen...

Ungewollte Schwangerschaften müssen verhütet werden, sonst folgt oftmals die Abtreibung. Das darf nicht nur das Risiko der Frau sein. Ich schlage vor, das Verursachen einer ungewollten Schwangerschaft für den Mann unter Strafe zu stellen und der Frau ein Schmerzensgeld für die Risiken von Schwangerschaft und Geburt zuzugestehen. Mal sehen ob dann die Abtreibungszahlen zurückgehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Maria--Galeria 18.05.2018, 11:18
43. Der eigentliche Skandal ist

dass nach Gusto der Politik ein Schwangerschaftsabbruch strafrechtlich verfolgt werden kann und die Frau kein endgültiges Verfügungsrecht über ihren Körper hat. Dies wird der Frau durch diesen Paragraphen klar gemacht, eine Frau kann durch einen Schwangerschaftsabbruch strafrechtlich verfolgt werden, je nach Gusto der politischen Meinungsmache, Werbung hin oder her. Frauen haben schon immer einen Weg gefunden wenn sie auf Biegen und Brechen kein Kind in die Welt setzen wollten, auch wenn sie es mit ihrem Leben bezahlt haben, dieses Risiko sind sie eingegangen, so furchtbar war und ist für sie die Vorstellung für ein Kind Sorge tragen zu müssen. Die Umstände waren früher z.B. für ledige Frauen nicht prickelnd und heute, alleinerziehende Mütter landen überwiegend in Altersarmut. Die pervertierte christliche Wertegemeinschaft macht dies möglich, Leben an sich schützen, aber es war und ist scheint egal wenn die Kinder durchs Leben geprügelt wurden und werden, dies kann auch mental erfolgen, über die Folgen für die Frauen ganz zu schweigen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
44. Antwort

Ich finde, dass dieser Beitrag von Frau Hänel erstaunlich ist.
In der Sache (§ 219a) trägt sie eigentlich überhaupt kein Argumkent vor, außer dem, dass das Werbeverbot "die Informationshoheit von Abtreibungsgegnern" fördere. Das ist unverständlich, denn § 219a hat damit ja gar nichts zu tun; er richtet sich nicht gegen Information.
Ansonsten schreibt Frau Hänel, wie wichtig und richtig eine liberale Abtreibungspolitik sei. In dieser Punkt stimme ich mit ihr überein, wie sie genau weiß. In einem EMail-Wechsel von einigen Tagen schrieb sie mir: "Wir sind wahrscheinlich gar nicht weit auseinander." Dass sie gleichwohl ihre "Replik" veröffenticht, als sei ich ein frauenfeindlicher Abtreibungs-Verteufler, ist enttäuschund und für mich scghwer nachvollziehbar.
Das gilt insbesondere auch für die abwegigen Ausführungen zu dem Kommentar "Fischer, StGB". Der Vorautor Tröndle ist aus diesem Kommentar vor 19 Jahren ausgeschieden. Über seine eifernde, religiös motivierte Kommentierung habe ich miich bereits vor 20 Jahren überworfen; Seine aklte Kommentierung der §§ 218 ff. STGB war das erste, was ich in dem Kommentarkomplett geändert habe. Seither habe ich 16 weitere Auflagen (50. Aufl. 2001 bis 65. Aufl. 2018) allein geschrieben. Nichts an der Kommentierung erinnert mehr an alte Zeiten.
Frau Hänel hat offensichtlich überhaupt noch nie einen Blick in das Buch geworfen. Sie hat ihre Diffamierungen einfach abgeschrieben, vermutlich aus dem Kommentar von Frau Mayr für Deutschlandradio vom April 2018, in dem diese die unverschämte Lüge verbreitet: "Tröndles Kommentierung der §§ 218 ff. lebt weiter", und mir auch sonst verdrehtes Zeug nachsagt. Die von mir ausdrücklich als Zitat gekennzeichnete Begründung des Gesetzgebers von 1995 gibt sie als meine Ansicght wieder und fordert dazu auf, deswegen (!) den Kommentar nicht mehr zu benutzen. All das ist abwegig.

Ich habe es schon mehrmals gesagt: § 219a ist eher symbolisch und weitgehend belanglos. Seine Aufhebung würde nichts für Schwangere "erleichtern", denn es gabe ja keine PFLICHT zu Abtreibung oder zur Werbung. Wer in Passau einen Arzt suicght, der eine Abtreibung vornimmt, soll nicht sämtliche Ärzte Niederbayerns ab-googlen, um dann vielleicht einen zu finden (oder auch nicht), sondern zu pro familia gehen.

Ich finde es sehr enttäuschend, wenn sachliche Diskussionen von viornherein verweigert werden und angebliche "Gegner" nurmehr über Reizwörter und Worthülsen identifiziert werden. Nach der freundlichen und aufgeschlossenen Mitteilung, die Frau Hänel vor drei Tagen persönlich an mich gerichtet hat, kann ich nur schwer verstehen, dass sie hier wieder die Fischer-Bekämpferin gibt.
Thomas Fischer

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bronko 18.05.2018, 11:28
45. Chance vertan

Einem Kommentar von Fischer entgegenzutreten fordert mir durchaus Respekt ab. Nicht, weil ich ihn als große moralische Instanz betrachte, sondern aufgrund seiner extrem oppurtunistischen Argumentationsweise. Da buttert er in einem Satz mit immer leicht verächtlichem (oder eben "mit spitzer Zunge", wie es bei Befürwortern dann gerne heißt) die grob fahrlässigen Pauschalisierungen der Gegenseite ab, nur um ein paar Sätze später selbst solche nach eigenem Gutdünken zu verbreiten.
Nichtsdestotrotz wurde hier nach der treffenden Einleitung meiner Meinung nach eine Chance vertan, ihm auf der Sachebene die Grenzen aufzuzeigen. Und zwar natürlich nicht auf juristischer Ebene, dort steht er im Strafrecht auf weiter Flur allein. Sondern auf der Ebene einer Ärztin, die die Problematiken des Alltags aus erster Hand kennt. Stattdessen hat sich die Autorin aufs Feld des Feminismus bzw. der Geschlechterdebatte begeben, für das wohl beide kein überlegenes Wissen beweisen können. Damit wurde jeglichen Deskreditierungen die Tür geöffnet, die an der richtigen Sachebene vorbeigehen.
Ein Beispiel, wie es anders gegangen wäre: natürlich sind Abtreibungen und Informieren über diese nicht verboten, es gibt extra ein dafür aufgebautes Netzwerk. Der Zugang zu diesen Informationen ist allerdings bewusst nicht niedrigschwellig, was nur zur Folge haben kann, dass es einige Frauen eben doch daran hindert, sich diese zu beschaffen. Die letzten zwei Fragen, die Fischer dieser Diskussion vorangestellt sehen möchte, sind beide also klar mit "ja" zu beantworten. Wo die Diskussion anfangen sollte, hört sich dann aber leider auf.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dschauhara 18.05.2018, 11:29
46. Sehr gute Antwort!

Lieben Dank für die Veröffentlichung dieses Kommentars. Ich finde es unsäglich, dass uns Frauen immer noch unterstellt wird, wie würden nicht selbst entscheiden können, was für uns gut ist und rationale und maßvolle Entscheidungen treffen, wenn es um die Frage geht, ob wir ein Kind behalten oder nicht. Die wenigsten Frauen treffen hier übereilte Entscheidungen, auch ohne jede Beratung. Dass ich, wenn ich in die Situation käme, abtreiben zu müssen, in vielen Fällen tatsächlich einen Beratungsschein brauche, ist der blanke Hohn und zeigt, dass in diesem patriarchalischen System uns Frauen immer noch nicht zugetraut wird, adäquate Entscheidungen zu treffen, ohne gegängelt zu werden. Dementsprechend: nicht nur §219 gehört abgeschafft, der §218 ebenso!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tom S. 18.05.2018, 11:29
47.

Zitat von klausebner9
In weiten Teilen des ländlichen Bayern und Baden-Württenbergs gibt es fast nur christliche Ärzte. Die Frau könnte sich also nicht sicher ob am nächsten Tag der ganze Ort darüber Bescheid weiß.
Abgesehen davon, dass es ziemlich bösartig ist, Landärzten oder "Christen" zu unterstellen, Sie würden sich nicht an die ärztliche Schweigepflicht halten, kann jede Frau zu einem auswärtigen Arzt gehen, wenn Sie dem lokalen Kollegen nicht vertraut.
Man muss ja auch nicht beim eigenen Dorfpfarrer beichten, wenn man nicht will ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Martuk 18.05.2018, 11:29
48.

Zitat von Politische Bildung?
Der Autorin geht es zwar nicht um missbräuchliche Werbung, aber wo ist da die Grenze zu ziehen? Das würde zu extremer Rechtsunsicherheit führen.
Wenn Juristen nicht zwischen Information und missbräuchlicher Werbung unterscheiden können, dann tut es mir Leid, dann muss die Werbung erlaubt werden. Denn das sich die Frauen informieren können wiegt schwerer als im Kino von einer Abtreibungswerbung genervt zu werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
waddehaddeduddeda 18.05.2018, 11:38
49.

Zitat von u30
Wichtig ist nun, dass die Frauen die abtreiben möchten oder unsicher sind sich über den Prozess und ihre Möglichkeiten - erstmal in Ruhe, sachlich, anonym und online informieren können. Nicht nur über das wie (hier gibt es verschiedene Methoden mit teils unterschiedlichen Zeitrahmen) sondern auch das wo. Das ist momentan nicht möglich und hier muss nachgebessert werden.
Natürlich kann man sich informieren, wieso soll das denn nicht möglich sein?
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsabbruch
Alles weitere hat Herr Fischer ja schon selber in seiner Antwort geschrieben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 14