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Tödlicher Polizeieinsatz: Erschossene Frau in München war psychisch krank

War es legitime Notwehr oder doch eine Überreaktion? In München hat ein Polizist bei einem Einsatz in ihrer Wohnung eine Frau mit seiner Dienstwaffe getötet. Die 49-Jährige, die früher psychiatrisch behandelt wurde, soll die Ermordung ihrer Tochter angekündigt und den Beamten bedroht haben.

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namlob 01.01.2011, 13:19
110. .......

Zitat von sysop
War es legitime Notwehr oder doch eine Überreaktion? In München hat ein Polizist bei einem Einsatz in ihrer Wohnung eine Frau mit seiner Dienstwaffe getötet. Die 49-Jährige, die früher psychiatrisch behandelt wurde, soll die Ermordung ihrer Tochter angekündigt und den Beamten bedroht haben.
Es ist immer "gut" mit unklaren Sachverhaltsangaben "Volkesstimme" zu erforschen.
Der Polizei dürfte nicht klar gewesen sein, dass die Tochter sich nicht in der Wohnung befand. Als Zugang blieb daher nur das Zerstören der Eingangstür oder eines Fensters übrig. Der behandelnde Arzt dürfte gleichfalls nicht bekannt gewesen sein und hätte darüber hinaus der Schweigepflicht unterlegen. Es geht also nur darum, ob der Polizist in die falsche Richtung gezielt hat. Das aber können die Foristen ohne Kenntnis der Verhältnisse in der Wohnung beim besten Willen nicht beurteilen.

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SpiegleinOhneWand 01.01.2011, 13:30
111. Meine Meinung

Erstmal können wir uns alle natürlich nur aufgrund der Informationen des Artikels ein Urteil bilden. OB sich alles so zugetragen hat oder noch was fehlt, können wir ja nicht beurteilen... Das vorweg...

Erstens: Ist die Wohnung mal grundgesetzlich geschützer Raum. Jegliches Eindringen provoziert bei jedem individuelle Reaktionen.
Über eine Feuerleiter in die Wohnung einzudringen war - meiner Meinung nach - ein grober Fehler des Polizisten! Denn ihm fehlt damit jegliche schnelle Rückzugsmöglichkeit. Er ist quasi - bei Gefahr - gefangen. Es hat wohl keiner die Lage als so bedrohlich angesehen, daß die Tür aufgebrochen worden ist. Es war Zeit mit der Feuerwehr die Leiter zum Balkon zu benutzen und eine Scheibe einzuschlagen (warum auch immer). Das warten auf einen Schlüsseldienst wäre wohl auch möglich gewesen. Ggf. kann auch die Feuerwehr ein Schloss aufbohren???

Daß sich eine Frau ein Messer greift, wenn in Ihrer Wohnung jemand eine Scheibe einschlägt und durch diese eindringt, ist - meiner Ansicht nach - nicht weiter verwunderlich. Ich denke, mir käme dieser Gedanke auch. Wer weiß auch, ob sie nicht eh grad ein Messer (im hausüblichen Sinne) genutzt hatte und es somit legitim bei ihr war.

Erst Pfefferspray dann Schuß!?
Das braucht Zeit. Sie wird also kaum in Tötungsabsicht auf ihn zugerannt sein???
(Wurde das Pfefferspray überhaupt korrekt verwendet? Oder war sie zu weit weg? Hat er "daneben" gesprüht?

Der Schuß ging in die Schlüsselbeinregion?
DAS wiederum klingt für mich nach einer Panikreaktion des Polizisten. Auf die Entferung einer üblichen Wohnungsgröße gesehen dürfte ein gezielter Schuß in die Beinregion das Ziel ebenso erreicht haben.

Vermutlich wird bei Schießübungen die Waffe gezogen und mit einigermaßen horizontal ausgestrecktem Arm geschossen!? Das würde für mich den Treffer im oberen Oberkörper erklären als reines unterschwelliges Ziehen der Waffe ohne eine bewußte Aktion zu starten (z.B. auf die Beine zielen).

Meine Meinung mit dem Wissensstand des Spiegelartikels: Der Polizist hat sich falsch verhalten.
1. über den Balkon einzusteigen und sich somit keine Rückzugsmöglichkeit zu sichern
2. Überforderung des Polizisten mit der Situation.

Ich denke der Polizist sollte zumindest permanent in den ausschließlichen Innendienst ohne Waffe versetzt werden, denn für mich sieht es so aus, als käme er mit solchen Situationen nicht zurecht.

Ein Gedankengang noch:
Das Tragen einer Waffe verleitet dazu, sie auch zu benutzen.

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harzvier 01.01.2011, 13:32
112. Armes Opfer oder gefährliche Irre?

[QUOTE=muehle79;6882989]

Nach meiner Ansicht sind hier mindestens staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Totschlags aufzunehmen..

Natürlich muss die Verhältnismässigkeit der Mittel auch überprüft werden. Rückblickend entstehen Verzerrungen.
Besonders vom heimischen Computer aus lässt sich bequem urteilen. Das ist wie beim Fussball. Die beurteilenden Experten sitzten auf der Couch vor dem Fernseher. Im konkreten Fall sitzen sie wahrscheinlich in sicheren Büros und bedenken Protokolle.
Aus hinreichender Distanz betrachtet war die Frau nur noch ein krankes bedauernswertes Opfer und der Polizist ein tötender Versager. Angst ist schliesslich unprofessionell, und der Ausgang ungünstig für die mediale Selbstdarstellung.

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discurso 01.01.2011, 13:54
113. darkmaan, Sie reden Quatsch

Zitat von darkmaan
Wenn in Deutschland Taser zugelassen wären, hätte man in diesem Fall noch ein zusätzliches, tödliches, Mittel gehabt um die Frau handlungsunfähig zu machen.
Harsche Kritik an Elektroschockern: Laut Amnesty International kamen in den vergangenen acht Jahren 334 Menschen bei Taser-Einsätzen der US-Polizei ums Leben.
http://www.spiegel.de/panorama/justi...596670,00.html

Darüber bezeichnet die UN Tasereinsätze als Folter.
http://www.news.at/articles/0806/10/...aellen-einsatz

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Lochblech.19 01.01.2011, 13:58
114. trauriger, finaler Verlauf

Zitat von glass88
...Frau kündigt an jemanden umzubringen. Frau widersetzt sich der Polizei. So klar im Kopf musste sie gewesen sein, denn sie hat ja auch die Nummer der Polizei gewählt um die Tat anzukündigen. Sie hat anscheinend gewusst wer vor dr Tür steht.
Die Bewertung "klar im Kopf" passt nicht. Es ist eher davon auszugehen, dass ihre Wahrnehmung nicht eingeschränkt war, jedoch die Verarbeitung und die Schlußfolgerungen sowie die daraus resultierenden Handlungen nicht einem psychisch Gesunden entsprachen. Wer behält gegenüber einem erkennbaren Polizisten nach dessen Warnschuß ein Messer in der Hand?

Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und insbesondere dem Polizisten und seinen Angehörigen!

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Neurovore 01.01.2011, 14:48
115. ...

Zitat von SpiegleinOhneWand
...Es hat wohl keiner die Lage als so bedrohlich angesehen, daß die Tür aufgebrochen worden ist. Es war Zeit mit der Feuerwehr die Leiter zum Balkon zu benutzen und eine Scheibe einzuschlagen (warum auch immer). Das warten auf einen Schlüsseldienst wäre wohl auch möglich gewesen. Ggf. kann auch die Feuerwehr ein Schloss aufbohren???...
Die Feuerwehr hat ja versucht, die Tür aufzustemmen..

"Die Beamten versuchten mehrfach eine Kontaktaufnahme über die Wohnungstür und über Telefon. Aufgrund der nach wie vor bestehenden unklaren Lage forderten die Beamten über die Einsatzzentrale die Feuerwehr an, um eine Wohnungsöffnung durchzuführen.

Da sich die Tür jedoch nicht öffnen ließ, wurde mittels Drehleiter versucht, in die Wohnung zu gelangen. Der 26-jährige Polizeiobermeister begab sich mit zwei Feuerwehrmännern in den Drehleiterkorb und wurde zum Balkon gehoben. Der zweite Beamte sicherte die Wohnungstür."
[polizei.bayern.de]

Man hatte also genug Zeit, die Feuerwehr zu kontaktieren, ein bißchen an der Tür rumzufruckeln und mit der Drehleiter auf den Balkon zu hüpfen. Auf Verstärkung oder kompetentere/erfahrenere Kollegen zu warten, das hielt man wohl für überflüssig;schließlich galt es, Heldenmut zu beweisen und eine telefonisch bedrohte Tochter unter allen Umständen zu retten.

Dieser Fehler mag ja allzu menschlich sein und man ist versucht, das alles unter Tragik des Lebens zu versuchen. Was allerdings unangenehm aufstößt, ist diese Wagenburgmentalität; die uneingeschränkte Rechtfertigung des überforderten Polizisten. Und vor allem das hier:

"Aufgrund der gegenwärtigen Erkenntnisse besteht derzeit kein Anlass gegen den betroffenen Polizeibeamten ein Ermittlungsverfahren einzuleiten." [polizei.bayern.de]

Das ist ja wohl extrem abartig!

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discurso 01.01.2011, 14:50
116. Fragen über Fragen

Dies ist nun wirklich nicht der erste Fall, bei dem psychisch kranke Menschen von der Polizei erschossen wurden.

Warum gibt es kein Konzept bei der Polizei, wie in solchen Fällen verfahren wird?

Warum werden keine psychologisch geschulten Beamten zum Ort des Geschehens hingeschickt?

Warum haben die Beamten keine Schutzwesten an?

Warum wird kein (ehemals) behandelnder Arzt zu Rate gezogen?

Warum versucht ein Polizeibeamte sich nicht erst durch Flucht in Sicherheit zu bringen? War der Einsatz hier wegen mangelnder Rückzugsmöglichkeit (mittels Drehleiter) nicht ein Fehler?

Warum wird, wie in diesem Fall, nicht auf das SEK gewartet?

Hier sind viele offene Fragen, die, wie ich befürchte, nicht hinreichend beantwortet werden.

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Ex-Rettungsdienstler 01.01.2011, 15:05
117. Tragische Sache-Sicher wurden auch Fehler gemacht

Als ich gerade mal aus Südamerika diesen Bericht und die Kommentare dazu lese kann ich nur Kopfschütteln.
Sicher sind bei der Einschätzung der Situation auch Fehler gemacht worden, denn sonst wäre die Sache anders gelaufen.
Daraus entstehen dann weitere Fehler.

Was genau falsch gelaufen ist kann hier glaube ich keiner von uns ohne genaue Informationen beurteilen.

Wenn ich (der auch schon mehrfach unerwartet angegriffen wurde) dann in der Situation des Polizisten gewesen wäre könnte ich nicht sagen ob ich nicht genauso gehandelt hätte.

Der Polizist wird mit Sicherheit kein schönes Neues Jahr haben, obwohl er in die Situation nur gegangen ist um zu helfen.

Dass es vielleicht auch an der nicht optimalen Ausbildung, oder Ausrüstung gelegen haben kann, würde ich nicht unbedingt dem Polizisten anlasten.

Ich weiss warum ich, als ich die Möglichkeit hatte nicht vom Rettungsdienst zur Polizei gewechselt hatte.

Ich wünsche ihm und den Angehörigen der Toten alles Gute.

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Wolf_68 01.01.2011, 15:11
118. ....

Zitat von ft60user
Der Einsatz der Schusswaffe war hier sicherlich nicht nötig.
Laut ersten Berichten hatte der Beamte zuvor mehrmals vergeblich versucht, die Frau mit Pfefferspray abzuwehren.

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CobCom 01.01.2011, 15:20
119. ...

Zitat von sushi1902
Immer wieder erschreckend, was für unglaubliche Vorstellungen in den Köpfen mancher Forenschreiber herumspuken! Gegen die Bedrohung mit einem Messer ist die Schusswaffe das EINZIGE adäquate Mittel, ohne jede Alternative! Das und nichts anderes ist Usus in der Polizeiausbildung und wird auch so gelehrt.Weder Pfefferspray noch Schlagstock sind geeignet, einen Messerangriff aufzuhalten Ein Messer ist auch in der Hand einer 70jährigen eine tödliche Waffe und wer glaubt, mit Selbstverteidigung jemanden entwaffnen zu können, dem wünsche ich, dass er seinen Irrglauben hoffentlich nie in der Realität einsehen muss. Auch wer glaubt, im Hochstress einen gezielten Schuss ins Bein abgeben zu können, darf dies gerne Mal auf der Schießstätte seiner Wahl ausprobieren... wer Angst um sein Leben hat, kann froh sein, überhaupt irgend etwas zu treffen! Leider scheinen mache hier ihre Vorstellungen offenbar einzig aus Krimis und Westernfilmen zu beziehen, das tut schon ein bischen weh!!
Grundsätzlich richtig.
Was aber war mit der Axt?
Vielleicht sehe ich das als jemand, der mit Schlägern geübt ist, zu entspannt, aber falls das tatsächlich eine 90 cm Feuerwehraxt war, mit dem die Tür geöffnet wurde, hätte ich sie einfach in der Hand behalten. Ein ungeübter und körperlich unterlegener Messermensch kommt dann nicht heran und auch, wenn erhebliche Verletzungen des Angreifers (auch bei Stieleinsatz) bei einer Abwehr wahrscheinlich sind, fallen die idR nicht tödlich aus.
Zumal man die Sekunden spart, bis man die Kanone rausgefingert hat und die Stopwirkung der Axt auf Kurzdistanz, wie einige ja schon zum Thema Messer bereits geschrieben haben, erheblich besser liegt.
Falls es aber doch nur ein Beilchen von 30 cm gewesen sein sollte, wäre das natürlich nicht gegangen.
Bei der vorhandenen Nachrichtenlage ist aber alles reine Spekulation.

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