Forum: Panorama
Tokio: Stadt im Bann von Angst und Apathie

Der Strom ist rationiert, die Leuchtreklamen sind erloschen - und es scheint, als seien mit dem Licht auch die letzten Funken*Lebensfreude aus Tokio gewichen. Die Stadt trägt Grau, ihre Einwohner haben resigniert. "Nichts zu machen", lautet ihre ständige Formel.

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blitzunddonner 22.03.2011, 16:11
100. Wenn die Nachrichtenlage stimmt ...

Zitat von maximixa
wo sind denn die samurai ritter aus den chefetagen des japanischen industriell-atomaren komplexes? der einsatz als liquidator im trümmerfeld, feuerwehrmann oder klempner an den maroden kühlungsrohren der atommeiler von fukushima würde diesen herrschaften gut zu gesichte stehen. heldenhaftes harakiri ist (noch) gar nicht nötig.
... dann entsorgen die dort Arbeits- und Obdachlose.
Ich bekomme Depressionen, wenn ich die Nachrichten verfolge. Noch mehr, wenn ich manche Kommentare hier lese ...
Mir hat schon die erhöhte Krebsrate bei Kindern in der Umgebung von Würgassen gereicht, um meine Anti-Atom-Einstellung bestätigt zu sehen. Was ich hier zum Teil lese, lässt die Vermutung zu, dass manche erst im Endstadium von strahlenverursachtem Krebs ihren Zynismus ablegen würden.

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cohorte 22.03.2011, 16:14
101. Auch Raucher...

Zitat von penille111
Es ist aber schon komisch, dass die Leute wegen leicht erhöhter Werte in Japan besorgt sind, wenn ein großer Teil der deutschen Bevölkerung sich doch freiwillig Tag für Tag die Lungen mit Radioaktivität verseucht (siehe Link).
...reden das Krebsrisiko gerne klein.

Mein Laster: Ich gönne mir gelegentlich mal einen Wein, auch das steigert das Krebsrisiko...

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Maxjonthal 22.03.2011, 16:15
102. Danke,

Zitat von r-tokio
Dass die Leute sich hier nicht im Freudenrausch befinden, ist wohl in Anbetracht der Situation jedem klar. Von einer Stadt im Bann von Angst und Apathie kann jedoch keine Rede sein. Ich lebe seit vielen Jahren hier, ich .......
aber Hoffnung,daß Ihr am Ende geäußerter Wunsch in Erfüllung geht,habe ich nicht.

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muzz 22.03.2011, 16:17
103. Nirgendwo Messwerte

An keiner Stelle sind klare Messwerte zu finden!!

"Es ist alles stabil", aber es dürfen keine Helikopter über den Reaktoren eingesetzt werden - warum, fragt sich der Unwissende?

Das erinnert doch stark an Tschernobyl mitsamt seiner Vertuschungs- und Beruhuigungstaktik seit 25 Jahren, grauenvoll ...
http://www.youtube.com/watch?v=EdKZX...eature=related
Wer also eins und eins zusammenzählt weiss, warum dort keine Helikopter eingesetzt werden!! Und damit, wie hoch die Strahlung dort tatsächlich sein muss!!

Immer noch von einem drohenden Super-GAU zu schreiben ist infam! Der Super-GAU ist längst vorhanden, es ist nur noch die Frage, wie grosse Teile der Erde er diesmal verseuchen wird und wie viele Menschenleben er vernichten wird!!

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Alias_aka_InCognito 22.03.2011, 16:17
104. Krise als Chance

Die Japaner waren auch vor der Krise nicht gerade helle Gemüter. Auf den japanischen Durchschnittsbürger lastet ein ungemeiner Druck, den die Gesellschaft auf jeden einzelnen ausübt.

In kürzester Zeit muss ein junger Japaner bis zum 30. Lebensjahr alles erreicht haben, d.h. einen glänzend abgeschlossenes Studium, eine hohe Anstellung, und eine Familiengründung. Das wird einfach ohne zu hinterfragen erwartet. Dabei werden die jungen Leute gnadenlos aus den Schulen und Unis rausgeprüft und auch auf die guten Jobs gibt es so viele Bewerber, dass viele auf der Strecke bleiben.

Um sich diesem Druck zu entziehen, der auch noch in der Erwachsenenwelt herrscht, frönen die Leute dort weitere Exzesse wie Spielsucht, Konsumwahn, Technik- und Medienfetischismus und anderen, sagen wir mal unkonventionellen Spielereien.

Diese Krise könnte doch für alle Japaner eine Chance sein, die allgemeinen gesellschaftlichen Konventionen und ruinösen Lebensstile zu hinterfragen. Das Leben zu entschleunigen.

Jetzt wo der Strom bei ihnen rationiert worden ist, müssen sie sich fragen, was hat die ganze Energieverschwendung einer illuminierten Scheinwelt gebracht und ob der Lebensstil nicht einfach Unsinn war.

Was hat der einzelne Japaner von dem ganzen Wirtschaftswachsum und dem enormen Reichtum, wenn er so emotionslos abgestumpft, aufs Arbeiten fixiert und nie das machen darf, was der eigentliche Mensch will.

Jetzt wo viele Menschen obdachlos geworden sind und die Hilfe anderer bedürfen und ihre Nächsten vorloren haben, könnten sich viele Vorwürfe machen, dass sie nie wussten, worauf es in ihrem oberflächlichem, hektischen Leben wirklich angekommen wäre und wichtig war.


Die Japaner haben so ein Tempo in ihrer Entwicklung vorgelegt, dass viele andere grosse Volkswirtschaften damit nicht klarkamen. Es sind auch viele japanischen Zustände auch bei uns eingesickert, und vielen Menschen auch hier sind sie unangenehm. Zum Beispiel von der wirtschaftlichen Entwicklung immer betroffen zu sein, ihr sozusagen ausgeliefert zu sein und nicht mehr Herr über das eigene Schicksal sein zu können.

Diese Krise könnte eine Chance für die ganze globalisierte Welt sein, umzudenken.

Ich betone das in konjunktiv gehaltene "könnte".

Wäre aber dennoch ein netter Gedanke.

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hollo43 22.03.2011, 16:18
105. Hallo, Silverhair...

Zitat von Silverhair
Was ist objektiver Journalismus? Jubelschreie der Atomlobby - war doch alles nicht soschlimm - wir haben nur ein drittel eines Landes etwas verseucht, aber frest jetzt das verseuchte , trinkt das Risiko des Krebses, erzeugt Kinder die Missgebildet sind? Eher wohl nicht -weil all diese Gadjets, dieser "scheinwohlstand" diese Künstliche Geschäftswelt die Menschen selber überhaupt in ihrem innersten nicht wirklich interessiert - sondern die Menschen wollen eine möglichst Hohe Sicherheit vor "allen Möglichen Risiken" - und kein "Restrisiko" des lebens für diese "Gadjets"! Die Menschen sind eben Phychologische Wesen - sie urteilen nicht nach den Wünschen des Kapitals oder der Atomlobby - sie urteilen danach was sie fühlen - und was sie fühlen wollen! Die "Objektivität" war das man ein System dort hingestellt hat was eben das Land verseuchen könnte - und es ist egal wie hoch da irgendwelche Jubler diese Technik als Notwendig preisen - die Menschen fühlen das etwas nicht stimmt, und innerlich gehen sie einfach! Es ist nicht die erste Stadt auf der Welt die "verlassen wurde" - fast alle grossen Städte wurden irgendwann einmal verlassen, zu wenig Wasser, Dürre oder sonstige Katastrophen waren immer irgendwann der Auslöser für ein "Weggehen" und anderswo neu anfangen! Wer mit dem Risiko spielt das eine Landschaft "verseucht" wird, der sollte sich schlicht nicht wundern das die Menschen das nicht "Objektiv sehen" - sondern er sollte sich klar machen das die Menschen eben das "Risiko" immer sehen , und beschönigende Worte von "Restrisko" daran nichts ändern! Die Journalisten beschreiben hier nur was die Menschen fühlen - und nur das zählt letztlich , das man sich dort einfach nicht mehr "wohlfühlt" und fühlen kann - und das man diese Stimmung wohl auch nicht mehr loswerden wird! Die Apokalypse, die haben die "Bauer der AKW's" heraufbeschworen - nicht die Journalisten, diese können nur von dem fühlbaren Niedergang des Vertrauens in die Sicherheit dieser Technologie, in die Sicherheit der Städte und des lebens berichten! Die Märchenerzähler, das waren die Atomkraft befürworter - sie haben von einer "sicheren Welt" geredet - haben die gewaltigen Risiken kleingeschrieben - aber es gab immer nur das "Risiko" und nicht ein "Restrisiko" .. Risiken werden nicht kleiner, sie verschwinden nicht - sie sind immer da oder nicht da - und jetzt ist das Risiko eben die Realität geworden!
...stimmt. Eine Bitte, Sie haben dieser Tage mal etwas zur Geologie Japans geschrieben, unterirdische Flussläufe usw. Das fand ich sehr interessant.
Können Sie mit einer Quelle helfen? Danke.

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tmayer2 22.03.2011, 16:18
106. ...

Zitat von nitram1
Denn wenn erst die Zufallsstropmversorgung der "Erneuerbaren Energien" einsetzt ist es reiner Zufall wenn dann strom daist bzw. Wenn man ohne Zahlenmaterial nur auf Panik macht als wennin Japan ein neues Tchernobyl existiert klappt das.....
Trotz aller Kritik an diesem Beitrag, beinhaltet er doch etwas wahres. Im unbeschädigten Deutschland scheinen die Medien und die Bevölkerung pessimistischer zu sein, als in Japan. So stimmt es, dass man auf einem Transatlantikflug mehr strahlung aufnimmt, als beispielsweise in Tokyo. Auserhalb des 20-30km Umkreises der anlage besteht keine akkute Gefahr für die menschliche Gesundheit. Doch die Deutsche Bevölkerung scheint ja immernoch auf die komplette Verstrahlung Japans zu hoffen. Die Deutschen Medien können auch nichts anderes, als die Situation hochzuspielen. Es ist im Grunde eine schande zu sehen, wie sich die Berichterstattung in Deutschland entwickelt hat. Und leiter ist es auch Fakt, dass wir vorerst nicht ohne Atomkraft auskommen und auch nicht alle Reaktoren der welt ausstellen können. Ich hoffe, dass die Menschen in Deutschland zur Besinnung kommen und nicht sofort vom Super-gau reden.

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RobinB 22.03.2011, 16:21
107. .

Zitat von sonobox
Natuerlich ist es Restrisiko. Sie wissen auch, dass in Zukunft immer wieder Flugzeuge abstuerzen werden, Zuege entgleisen und Menschen auf den Strassen ueberfahren werden. Das ist aber sicherlich kein Grund keine Flugzeuge oder Zuege mehr zu benutzen und die Strasse zu meiden. Sie hoffen nur, dass es sie nicht trifft. Bei KKW gilt das gleiche, nur dass alle beteiligten Menschen deutlich achtsamer sind!
Risiko (ob "Rest" oder nicht) wird in statistischen Wahrscheinlichkeiten gemessen. Das bedeutet aber auch, dass etwas passieren wird. Selten aber doch, solange man Atomstromgewinnung betreibt.

Dazu kommt, dass man das Risiko immer erst a posteriori angeben kann. D.h. niemand kann das Risiko serioes vor dem Vorfall beziffern. Sicher ist nur, dass etwas passieren wird, da das Risiko niemals auf Null sinkt.

Natuerlich gibt es ueberall (auch groessere) Risiken fuer mein Leben und meine Gesundheit. Allerdings habe ich da eine gewisse persoenliche Kontrolle darueber. Z.B. kann ich einfach nicht fliegen. Und wenn ich doch fliege, so ist das zu meinem Nutzen. Die Kernkraft dagegen wird nur als billiger Exportstrom produziert. Daran verdienen die Kraftwerksbetreiber, nicht ich. Ich trage nur das Risiko und andere sahnen ab.

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cassiopeia... 22.03.2011, 16:22
108. das passt mal wieder gut.

Japan ist doch nur eines der vielen Beispiele für menschliche Arroganz.
Wer auf einer seismisch hochaktiven Zone baut, muss früher oder später mit solchen starken Erd/Seebeben/Tsunamis rechnen. Das geht weiter mit Siedlungsgebieten in Vulkannähen, oder der Annahme das Klima wäre seit der Entstehung unseres Planeten konstant geblieben (natürlich so wie es heute ist) etc. Tritt dann sowas ein reden alle von einer Naturkatastrophe. Das schlimme dabei ist, dass es meistens die Ärmsten der Armen trifft.
Und dann gehts los: Wie konnte SOWAS nur passieren? Man kommt natürlich nicht auf die Idee, dass zu Lebzeiten die Erde bebt, ein Vulkan explodiert oder es zu lokalen Klimaänderungen kommt. Dabei interessiert keinen, dass es beispielsweise Studien über seismische Gefährdungsgebiete gibt, die dank dem Fortschritt der Wissenschaft, ziemlich genau sind. Siehe Haiti - wo klar war, dass das passieren würde.

Ich bin gespannt, was für "Naturkatastophen" in den nächsten Jahren noch auf uns zukommen. Wenn man bedenkt, dass alles zusammenspielt. Das Erdbeben in Chile (möglicherweise im Zusammenhang damit der Vulkanausbruch in Island), das Seebeben in Japan... Die liegen am zirkumpazifischen Feuerring, in geologischen Zeitskalen nur einen Bruchteil einer Sekunde aufeinander folgend und möglicherweise nun der Trigger für längst erwartete Beben in Nordchile, Los Angeles und Nordkalifornien. Und was weiß ich noch wo.

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ONI 22.03.2011, 16:23
109. Physikbuch anstelle des Feuilleton

Zitat von joe49
habe ich das richtig gelesen, atomare Strahlung ist bis zu einer Hoehe gesundheitsfoerdernd! Das ist so wie leichte Schlaege auf den Hinterkopf erhoehen das denkvermoegen und geben dem Gesaess eine gesunde Gesichtsfarbe. Wie anmassend ist denn so eine Aussage vor der dem Hintergrund dass Menschen unterschiedlich reagieren und was bei dem Einen zum sichern Tod oder einer Krebserkrankung fuehrt einen Anderen unbeschadet laesst. Wir haben hoffentlich aus der Katastrophe in Japan etwas gelernt (bis auf ein paar unverbesserliche natuerlich) die Erzeugung von Strom mittels Kernspaltung ist mit nicht kalkulierbaren Risiken behaftet und muss endlich sein. Je schneller wird aus der Atomwirtschaft aussteigen um so besser.
Sie haben vollkommen Recht - solche "Studien" sind natürlich rein politisch motiviert, um Verwirrung über die wahren Konsequenzen von Unfällen im Bereich Kernkraft zu schaffen und um die Debatte darüber zu stören.

Ich hoffe auch auf einen schnellen Ausstieg, denn Kernkraftwerke verstrahlen ihre nähere Umgebung auch im Normalbetrieb beträchtlich.
Wer Kernkraft tatsächlich befürwortet, sollte mal seine/ihre Hausaufgaben machen und sich zur Abwechslung ein Physikbuch anstelle des Feuilleton zur Hand nehmen...

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