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Umgang mit psychisch Kranken: Zuhören, Nachfragen, Unterstützung anbieten
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"Wir sind nicht bloß traurig!" Unter dem Hashtag #notjustsad sprechen Depressive über das Unverständnis, das ihnen begegnet. Was können Freunde und Angehörige tun? Was sollten sie besser lassen?

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Poco Loco 14.11.2014, 13:32
1. Ein Rezept für alle?

Es sind nicht alle psychischen Krankheiten gleichzusetzen mit einer Depression. Es gibt auch Bipolare Störungen (Manisch-Depressiv), wer diese Krankheit kennt weiss, da kommt man mit "Zuhören, Verständniss und Unterstützung" keinen Schritt weiter. Das Problem dabei ist die fehlende Einsicht der Betroffenen, die vor allem in den manischen Phasen kaum noch erreichbar bzw ansprechbar sind. Von einem "Problem" wollen die meistens nichts wissen, im Gegenteil, die Betroffenen sind so abgehoben, dass sie dich Verachten wenn du vorschlägst, sich professionelle Hilfe zu suchen.

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Hornblower 14.11.2014, 13:42
2. Trotzdem

manchmal kann man auch sagen, des Menschen Krankheit ist sein Heiligtum.
Aber dann will ich das auch gerne akzeptieren.
Es geht auch ein bisschen in Richtung "Krankheit als Weg". Psychische Krankheiten fallen jedoch nicht aus dem Rahmen.
Es sind Krankheiten, die der Einzelne noch eine sehr lange Zeit bearbeiten kann.
Sie sind aber auf keinen Fall Gottgewollt und leider auch - wie aber auch jede andere Krankheit - "einprägsam".
Will sagen, ich bin unbedingt dafür, psychischen Erkrankungen den stoffwechselhaften Boden zu entziehen.
Das gibt dem Erkrankten Kraft und Mut, Probleme anzugehen.
Probleme lösen zu können ist zuviel verlangt.
Eigentlich sollte dies ein Unterrichtsfach sein "Lebenskunst und Bewältigung".
Wissenschaftlich und philosophisch muss an den Grundlagen gearbeitet werden.
Heutzutage ist Camus´ Definition des Absurden und Nietzsches Schwesterseele - was ja gleichbedeutend sein soll - kein religiöser Tabubruch mehr.
Die Frau muss also dem Manne ebenbürtig gedacht werden.
Die Tochter reagiert anders als der Sohn und NIEMALS ist der eine oder die andere BEIDES.
So ist zwar nicht gleich jede Familie Patchwork, aber keine vollkommen.
Willkommen in der Realität. Und ich würde niemals behaupten zu wissen, was für ein Kind geboren wird.
Und wenn der Ort der Familien immer weiter für obsolet erklärt wird, sehe ich mehr Schwieirgkeiten für die Zukunft.
Vergesellschaftung ist nicht der Ersatz, sondern die Begleitung zu Familien, Bindungen etc.
Dorothee Sehrt-Irrek

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Leser161 14.11.2014, 13:45
3. Ich weiss nicht ob das hilft

Depression ist eine Erkrankung des Geistes. Ich frage mich daher ob man den wirklich Kranken damit hilft, wenn man sie als Kranke behandelt. Denn Krankheit bietet oft eine willkommene Entschuldigung nicht selbst aktiv zu werden, sondern die Behandlung der Krankheit "den Ärzten" zu überlassen oder einfach ganz aufzugeben, weil man halt unheilbar krank ist.

Aber gerade bei einer psychischen Erkrankung kommt es auf den Erkrankten an, er muss ich aus dem Loch kämpfen. Niemand sonst. Dabei kann Unterstützung von Freunden eine wichtige Sache sein, die Frage ist nur wie die korrekte Unterstützung aussieht.

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Victor Salomakhin 14.11.2014, 13:48
4. Bringt gar nichts

Meine persönliche, leidvolle Erfahrung ist: Reden, Zuhören, Verständnis usw. bringen genau gar nichts. Auch nicht von Profis. Andere Betroffene hatten mich gewarnt ("gib es auf, ist Zeitverschwendung").

Man kann den Betroffenen nur wünschen, dass sie erstens Einsicht in die Behandlungsbedürfigkeit zeigen und zweitens eine medikamentöse Behandlung anschlägt.

Sorry, liebe Gesprächstherapeuten und Tiefenpsychologen, das ist leider auch in dieser Verallgemeinernopeung wahr.

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RogerRabit1962 14.11.2014, 14:11
5. Bipolare Störung

Zitat von Poco Loco
Es sind nicht alle psychischen Krankheiten gleichzusetzen mit einer Depression. Es gibt auch Bipolare Störungen (Manisch-Depressiv), wer diese Krankheit kennt weiss, da kommt man mit "Zuhören, Verständniss und Unterstützung" keinen Schritt weiter. Das Problem dabei ist die fehlende Einsicht der Betroffenen, die vor allem in den manischen Phasen kaum noch erreichbar bzw ansprechbar sind. Von einem "Problem" wollen die meistens nichts wissen, im Gegenteil, die Betroffenen sind so abgehoben, dass sie dich Verachten wenn du vorschlägst, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Aus familiärer Erfahrung kennen wir diese Krankheit genau.

Erstaunlicherweise lässt sich mit Medikationen nicht wirklich etwas bewirken.

Was hilft, aus Erfahrung ist eine konsequente Umstellung der Ernährung.
Dies setzt aber voraus, dass derjenige bereit ist, sich selber zu ändern.

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KlausKram 14.11.2014, 14:14
6.

Auf Depressionen/Depressive aufmerksam zu machen ist wichtig - schließlich ist es ein Leiden, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten kann und zu oft nicht behandelt wird, vor allem aus Scham. Je nach Konstitution der jeweiligen Person, können Depressionen unterschiedliche Auswirkung auf das eigene Verhalten haben. Und da sind wir beim entscheidenden Punkt:

Für das Umfeld eines Depressiven ist es extrem belastend mit den Launen umzugehen. Zu dem tweet von @alphabetismus gibt es eine Antwort von ihm selbst, wo er (sinngemäß) sagt, dass die Kälte, mit der ihm seine Frau entgegentritt sehr verletzend ist.
Die "Jenna Shotgun" ist das beste Beispiel dafür, dass sie offensichtlich die Schuld bei den anderen sucht. Ja, natürlich sollte man aufmerksam sein wenn jemand sich anders verhält als sonst - aber nein, die Schuld liegt bei niemandem, es ist schlichtweg eine psychische Störung, die im übrigen inzwischen hervorragend über verhaltenstherapeutische Ansätze in Kombination mit richtiger Medikation, relativ schnell bessern lässt.

Vorwürfe den "anderen" Gegenüber führen nicht zu einer breiteren Akzeptanz der Störung, sondern nur zu einer noch ablehnenderen Haltung und Verharmlosung des Problems.
Depressionen und Essstörungen hängen symptomatisch eng zusammen, sind aber unterschiedliche Störungen.
Eines haben aber beide Störungen gemeinsam: für jemanden der das Glück hat, nicht an diesen schlimmen Störungen zu leiden, erscheinen diese Menschen nervig und anstrengend, weil unfähig sich aufzuraffen, in Selbstmitleid badend und sehr Aufmerksamkeitsbedürftig.


Quintessenz: Diese Aktion ist nicht förderlich. Der Umgebung Vorwürfe zu machen, führt nur noch mehr dazu, dass die meisten Menschen genervt sind von diesen Störungen. Richtig ist aber: jeder sollte seine Fühler ausstrecken und auf sein Umfeld achten - wenn Depressionen früh diagnostiziert werden, kann man diese sehr gut behandeln.

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RogerRabit1962 14.11.2014, 14:14
7.

Zitat von Hornblower
manchmal kann man auch sagen, des Menschen Krankheit ist sein Heiligtum. Aber dann will ich das auch gerne akzeptieren. Es geht auch ein bisschen in Richtung "Krankheit als Weg". Psychische Krankheiten fallen jedoch nicht aus dem Rahmen. Es sind Krankheiten, die der Einzelne noch eine sehr lange Zeit bearbeiten kann. Sie sind aber auf keinen Fall Gottgewollt und leider auch - wie aber auch jede andere Krankheit - "einprägsam". Will sagen, ich bin unbedingt dafür, psychischen Erkrankungen den stoffwechselhaften Boden zu entziehen. Das gibt dem Erkrankten Kraft und Mut, Probleme anzugehen. Probleme lösen zu können ist zuviel verlangt. Eigentlich sollte dies ein Unterrichtsfach sein "Lebenskunst und Bewältigung". Wissenschaftlich und philosophisch muss an den Grundlagen gearbeitet werden. Heutzutage ist Camus´ Definition des Absurden und Nietzsches Schwesterseele - was ja gleichbedeutend sein soll - kein religiöser Tabubruch mehr. Die Frau muss also dem Manne ebenbürtig gedacht werden. Die Tochter reagiert anders als der Sohn und NIEMALS ist der eine oder die andere BEIDES. So ist zwar nicht gleich jede Familie Patchwork, aber keine vollkommen. Willkommen in der Realität. Und ich würde niemals behaupten zu wissen, was für ein Kind geboren wird. Und wenn der Ort der Familien immer weiter für obsolet erklärt wird, sehe ich mehr Schwieirgkeiten für die Zukunft. Vergesellschaftung ist nicht der Ersatz, sondern die Begleitung zu Familien, Bindungen etc. Dorothee Sehrt-Irrek
"Eigentlich sollte dies ein Unterrichtsfach sein "Lebenskunst und Bewältigung".
Wissenschaftlich und philosophisch muss an den Grundlagen gearbeitet werden.
"

Depression hat mit Lebensumständen nur begrenzt zu tuen.

Depression ist nicht "Verzweiflung".

Nur jemand, der eine Depression wirklich mal erlebt hat, kann die Gefühlswelten Depressiver ansatzweise verstehen.

Eine "depressiver Verstimmung", oder eine "Sinnkrise" sind keine Depressionen.

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Allan Clarke 14.11.2014, 14:25
8. Nein!

Ich als (inzwischen chronisch) an Depression Erkrankter habe keine Lust, mich in klassischer "Aufschrei"-Manier zum Opfer stilisieren zu lassen. Das überlasse ich gerne den "neuen Feministinnen", die ihre Rolle als "gesellschaftliche Schwächlinge" dadurch lediglich manifestieren. Das bin ich nicht, war ich nie und werde es auch nie sein.

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chrome_koran 14.11.2014, 14:27
9.

Zitat von Leser161
Depression ist eine Erkrankung des Geistes.
Da Ihr vermeintlicher Geist in diesem Fall nichts anderes als elektrochemische Prozesse im Gehirn ist, handelt es sich bei "psychischen" Krankheiten durchaus um materiell mess- und beeinflussbare Störungen, die wir gerade in den letzten Jahrzehnten immer besser zu verstehen lernen.

Ich weiß, dass es furchtbar unromantisch klingt, aber wir sind hier nicht in Hollywood und nicht in einer Operette.

Die von Ihnen dargelegte, naiv-idealisierende Einstellung hat im Übrigen Jahrhunderte lang dazu geführt, dass Menschen mit psychischen Leiden eingesperrt, vertrieben, ausgelacht, gesellschaftlich isoliert, auf Scheiterhaufen verbrannt, von Schamanen und Exorzisten aller Art eingeschüchtert wurden.

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