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Umgang mit psychisch Kranken: Zuhören, Nachfragen, Unterstützung anbieten
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"Wir sind nicht bloß traurig!" Unter dem Hashtag #notjustsad sprechen Depressive über das Unverständnis, das ihnen begegnet. Was können Freunde und Angehörige tun? Was sollten sie besser lassen?

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kibbs 14.11.2014, 19:54
40.

Zitat von Me, Myself and I
Das Krankheiten sich um Rechtmäßigkeiten kümmern müssen ist mir neu. Zum lokalen Auftreten: Auch Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder diverse Erkrankungen des alten Menschen werden Sie in der dritten Welt weniger finden.
es kann aber auch niemand mit depressionen andauernd andere leute vor den kopf stoßen und das alles mit der krankheit rechtfertigen.dann darf man sich auch nicht wundern wenn es dann auch leute gibt die das nicht mehr aushalten.
genauso ist es bei jeder anderen krankheit,klar versteht man das es den leuten nicht gut geht aber das gibt trotzdem keinem das recht andere leute zu verletzen.

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kibbs 14.11.2014, 19:59
41.

Zitat von lindenbast
Natürlich können Sie das nicht verstehen. Deshalb ist es ja auch eine Krankheit. Mit 'Recht' hat das gar nichts zu tun. Hat ein Sturm das Recht, mein Dach abzudecken?
wir reden hier aber nicht von einer naturgewalt sondern von einem menschen und wenn ein mensch mit depressionen von anderen verständnis verlangt,dann kann man als angehöriger aber auch verständnis von dem betroffenem verlangen,denn die depression schaltet ja nun nicht den gesunden menschenverstand aus oder jegliche emotionale intelligenz.

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pinselhexe 14.11.2014, 20:12
42. Schon verstanden worum es geht

Zitat von Bondurant
"Und wir sind nicht umsonst da..." in diesem einen Satz erkenne ich die große Hoffnung, dass es eben doch "Mehr" gibt... Wen dem nicht so wäre, wäre nämlich auch egal, ob sich irgendjemand an Sie erinnerte, denn davon könnten Sie nichts merken, denn "Sie" gäbe es nicht (mehr). Warum also sollte dies Ihnen etwas bedeuten, solange Sie noch sind? Also Hoffnung hält gesund, und Depressive haben eben manchmal keine mehr. Darum geht es.
Das Fehlen von Hoffnung. Das ist ja das Wesen der Depression. Das ist mir schon klar. Nein. Ich meine das nicht esoterisch mit dem "es ist mehr da".
Es ist natürlich meine Sichtweise eines Nichtdepressiven. Obwohl ich auch, wie jeder Mensch, dunkle Momente mit wenig HOffnung kenne. Aber das geht immer schnell vorbei-
Dann ist die Frage im Fall echt depressiver Hoffnungslosigkeit : Wie kommt wieder Hoffnung ins Leben?

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pinselhexe 14.11.2014, 20:25
43. Unsere Gesellschaft stigmatisiert auch andere Krankheiten

Zitat von sittinglion
Aus meiner Sicht darf NIE der enorme Leidensdruck vergessen werden, den Betroffene empfinden. Dies wurde leider bisher nur von einem Schreiberling zu diesem Thema hervor getan. Und es nicht die Frage, ob oder inwieweit sich Betroffene eigenmächtig sozial isolieren, sondern vielmehr die Tatsache, dass unsere Kultur den psychisch kranen Menschen stigmatisiert, so dass aus eigenen Antrieb des Erkrankten kaum eine Chance für eine Rückkehr zur sozialen Situation von vor dem Erstauftreten der Erkrankung. Nicht zu vergessen sind ebenso, dass allgmein Krankheiten nicht nur biochemische Ursachen haben, sondern auch soziale. Ich bin kein Soziologe. Dennoch möchte an dieser Stelle auf den Begriff bzw. die Bewegung der "Antipsychiatrie" hinweisen. Das wird leicht und schnell vergessen... Seien Sie empathisch zu ihnen(uns)...
Ja, Sie haben recht. der Depressive selbst hat einen enomen Leidensdruck. Meine Empathie, mein Mitgefühl, nicht Mitleid bekommen Depressive in jedem Fall. Ohne Stigma und Diskriminierung.
Nur gibts eben auch die andere Seite - die Leute, die nicht depressiv sind und auch nur bedingt belastbar sind. Man muß sich als direktes Umfeld abgrenzen, sonst geht man auch vor die Hunde. Das "meine Baustelle, deine Baustelle" ist ganz wichtig. Und ohne die Mithilfe des von Depressionen betroffenen geht es leider auch nicht. Auch wenn es klar ist, daß der Depressive einen großen Leidensdruck hat. Dennoch hat das Umfeld das mitunter , ich sag mal, unglückliche Sozialverhalten auch nicht verdient. Es gibt Grenzen und es geht eben um von Depression betroffene und Nichtbetroffene, denn Depressive haben Familie und Freunde und wenn beides erhalten bleiben soll, dann muß auch Verständnis für die Angehörigen vorhanden sein und es müsste mehr HIlfen und Wege geben, den seelischen Schaden auf beiden Seiten zu begrenzen.

Mit gesellschaftlicher Mißachtung macht man es nicht besser in unserer Gesellschaft. Richtig. Einseitige Aktionen von Verständnis auf der "gesunden" Seite allein macht es nicht im geringsten besser. Depressionen müssen behandelt werden, damit es für alle besser wird.

Viel interessanter ist für mich aber noch die Frage, wie bekommt man Depressive, die sich nicht helfen lassen wollen, dazu einzusehen, daß sie ein Problem haben? Denn wenn ein Depressiver sich helfen lässt gibts immer Mittel und Wege in "klaren" Momenten alles irgendwie wieder halbwegs in Ordnung zu bringen, was im Depressiven Schub schiefgelaufen ist.

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pinselhexe 14.11.2014, 20:35
44. lokales Auftreten

Zitat von Me, Myself and I
Das Krankheiten sich um Rechtmäßigkeiten kümmern müssen ist mir neu. Zum lokalen Auftreten: Auch Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder diverse Erkrankungen des alten Menschen werden Sie in der dritten Welt weniger finden.
Keine Krankheit unterliegt Rechtmässigkeiten. "Schuld" ist da keiner. Nicht bei Depressionen. Nicht beim Diabetes, nicht bei Kreislauf und Herzgeschichten.
Und in der Dritten Welt findet man sog. "Zivilisationskrankheiten" seltener, weil die medizinische Versorgung nicht gut ist und dort kaum einer richtig alt wird.

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RogerRabit1962 14.11.2014, 21:24
45.

Zitat von Florentinio
Meine persönliche Erfahrung ist, dass ein Therapievorschlag für Menschen die man nicht kennt, mehr Gefahren mit sich bringen, als das sie helfen.
Dann möchte ich dazu anmerken, dass wir leider zu oft sehen mussten, wie nicht funktionierende Standardtherapien unglaubliches Leid gebracht haben.

Menschen, die verantwortlich selber nach Heilung suchen, finden diese in vielen Fällen.

Menschen, die sich unkritisch auf Andere verlassen, eher selten.

Ärzte, die Diagnosen nach kurzen Gesprächen anhand Aktenlage und Standardschema einordnen, sind nur manchmal hilfreich um eine Erstsituation zu stabilisieren.

In den psychischen Krankheiten wenn ein Partner in einer Ehe betroffen ist, ist der gesunde Partner in der misslichen Situation Verantwortung zu übernehmen an Stellen für die er weder ausgebildet noch erfahren ist.

Leider geben Ärzte hier nur eine Akutversorgung und kurzfristige Einstellung, mit der gerade Phasenwechselpatienten nicht wirklich glücklich sind.

Ich habe in einem wichtigen Moment auch einmal geglaubt der allgemein vorherrschenden Lehrmeinung vorbehaltslos glauben zu können.
Leider hat sich dies, wie so oft, später als flasch herausgestellt.

Ich empfehle ihnen mal, wenn Sie so Standardtherapiegläubig sind, sich zB mit der Geschichte von Lorenzos Öl auseinander, sowie mit den vielfältigen Ergebnissen, die aus den Selbsthilfegruppen resultieren.

Eine monostrukturelle Denke führt nicht immer zu Lösungen, sondern oft nur zu Linderungen statt Heilung.

Wenn man hier eigene Erfahrungen aufzeigt, dann kann das für Betroffene eine Hilfe sein, sich in der Richtung selber zu informieren und Gedanken zu machen.

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RogerRabit1962 14.11.2014, 21:36
46. Rat oder Erfahrungsbericht?

Zitat von Bondurant
Vor allem sind Leute, die Depressiven empfohlen haben, besser keine Antidepressiva zu nehmen, für manchen Todesfall verantwortlich. Man sollte sie zur Rechenschaft ziehen.
Nur leider haben die Psychopharmaka an der Stelle eben genau das nicht verhindert, wozu sie da waren.

Ich würde nie einem Depressivem empfehlen Antidepressiva abzusetzen, ich bin kein Arzt.

Aber Menschen mit Bipolaren Störungen sind komplexer.

Die Phasensuppressoren werden, ohne dass es Positivstudien gibt gegeben, weil sich diese in der Epillepsie Behandlung als Anfallsunterdrückung bewährt haben.

Vielleicht hat sich in den letzten Jahren da mehr getan, ich verfolge es zwischenzeitlich nicht mehr.

Ich habe gerade nochmals nachgesehen, aber Lithium scheint immer noch der "Goldstandard" zu sein. Und das hat seinerzeit nicht geholfen.

Wer die Komplexität etwas sehen will google mal Phasenpropylaxe Bipolare Störung dgbs.

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vierteldeutscheösi 15.11.2014, 02:26
47. Ja, es stimmt,

wer diese Krankheit nie hatte, kann sich nicht reinversetzen. Das merkt man an der Mehrzahl der Kommentare.
Ich bin durch 2 1/2-jährige Gesprächstherapie geheilt. Aber als ich noch krank war, war es so:
Mental empfand ich mich insgesamt wie eine große aufgebrochene Wunde, wie ein grausiger Fleischpatzen ohne Haut. Sowas bewegt sich möglichst wenig. Und jede notwendige Alltagsaufgabe kostete unglaublich viel Kraft, die aber nicht da war, sich aufzuraffen war schwerstens. Und dann entstand diese Unordnung im Haushalt, die ich mir wiederum zusätzlich unerbittlich vorwarf und für die ich mich schämte.
Die Natur konnte ich nicht in den üblichen leuchtenden Farben sehen, alle Farben wirkten dunkler und gedämpfter. Kontakte zum Umfeld schränkte ich ein, weil ich zusätzliche Verletzung fürchtete, leicht dahin gesagte Aufforderungen und "mach doch" verletzten zusätzlich. Freunde und die wenigen Angehörigen merkten trotzdem nichts. Dann stand ich im Urlaub am Balkon und traute mich nicht nach vorne, aus Angst vor dem Impuls, runter zu springen. Doch, das ist ein Impuls! Das meint, es geht spontan schneller, als man denken kann und eigentlich will man nicht! Ich wollte das Grauen den anderen Hotelgästen nicht zumuten. Saß ich am Meer, sah ich mich als Leiche im Wasser gegen die Felsen schlagen. Schwamm ich, wollte ich untergehen, wissend, dass das nicht gelingen wird. Den Angehörigen machte ich vorsichtige Andeutungen, eh nur, dass es mir seelisch schlecht ginge. Sie hätten es sonst nicht bemerkt. Aber sie reagierten überhaupt nicht darauf.
Antidepressiva und Aufarbeitung des Kindheitstraumas haben mich mit meinen inneren Wunden versöhnt. Ich kann jetzt schon viele Jahre gut leben, es geht mir bestens! Sogar mit den alten Narben die mich veranlassen, ganz alleine zu leben und die halt nun mal da für immer da sind. Alle Depressiven, die hier vielleicht lesen: DOCH, Psychotherapie kann helfen, hach, traut euch doch...

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pinselhexe 15.11.2014, 12:12
48. Danke für den Bericht

Zitat von vierteldeutscheösi
Den Angehörigen machte ich vorsichtige Andeutungen, eh nur, dass es mir seelisch schlecht ginge. Sie hätten es sonst nicht bemerkt. Aber sie reagierten überhaupt nicht darauf.... Alle Depressiven, die hier vielleicht lesen: DOCH, Psychotherapie kann helfen, hach, traut euch doch...
Diese Empfindungen hat ein sog. "Gesunder" nicht, auch wenn natürlich jeder traurige Phasen kennt und mancher auch ausgesprochen melancholisch veranlagt ist. Das ist ja eine haarscharfe Gratwanderung zwischen Depression und Lebenslust. Macht sehr kreativ, aber ist eben keine Depression. Mehr ein in Schwermut lustvolles Tauchen - ein schmaler Grat zwischen Normalität und Depression.
Es ist nicht das selbe wie die Depression, es ist ein kreativer Zustand des Memento Mori als solchem. Schwer zu beschreiben, wenn man es nicht kennt.

Zurück zu den schwarzen Wolken der Depression.
Sie haben es geschafft, mit den Depressionen fertig zu werden. Ihr Bericht war sehr eindrücklich, wie man sich dabei fühlt. EIn kritischer Seelenzustand. Daß das Umfeld nicht reagiert trotz beginnender Offenheit, ist symptomatisch für unsere Gesellschaft. Leider. Damit lässt man sie noch mehr allein. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz, das verbaut Wege.

Was würden Sie als gut im Leben stehender ehemals Betroffener dem (interessierten und besorgten) Umfeld raten, wie man Depressive aus der Reserve locken kann? Gibt es Tricks und Kniffe, mit denen man anregen kann, sich doch helfen zu lassen? Denn so furchtbar die Situation für einen Depressiven im Schub ist, so schwer ist es auch für sein Umfeld, wenn ein Angehöriger immer mehr wegdriftet, ausrastet, launenhaft ist etc.

Ich denke aber doch, daß die ganze Arbeit und Toleranz nicht allein beim Umfeld liegen sollte. Man muß doch gemeinsam dran bleiben, denn der Leidensdruck ist für beide da, für die Betroffenen der Depression und für deren nahes Umfeld. Wie also hilft man Depressiven zu der Erkenntnis, daß sie Hilfe suchen sollten, damits für alle leichter wird?

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cm1 15.11.2014, 14:42
49. Trifft auf alle Krankheiten/ Störungen zu

Zitat von KlausKram
Quintessenz: Diese Aktion ist nicht förderlich. Der Umgebung Vorwürfe zu machen, führt nur noch mehr dazu, dass die meisten Menschen genervt sind von diesen Störungen.
Diesselbe Aussage könnte man zu jeder gesundheitlichen Störung verbreiten vom Asthma über Bandscheibenvorfall, Demenz bis Krebs usw. frei nach dem Motto "das modische Sympathsieren mit Invaliden ist mir zuwider, ich halte es für dekadent, Krankheit verdient kein Mitgefühl, Gesundheit ist das erste und oberste Gebot des Lebens." (aus Bunbury von O. Wilde)

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