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Unterhaltszahlungen: Explosion der Väterkriminalität?
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"Skrupellose Väter" haben, so las man, Deutschland in die jüngste Krise gestürzt: Die Eintreibung des sogenannten Unterhaltsvorschusses lasse zu wünschen übrig. Eine Nachschau führt zu gewissen Zweifeln.

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leberhart 02.03.2019, 20:45
130. Kompliment

Herr Fischer.
Ich würde mir generell mehr von solchen Artikeln von Fachleuten wünschen.
Viel zu oft wird auf den Zug aufgesprungen, ohne die Fakten zu kennen; Hauptsache man hat guten Stoff zum Schreiben.
Oder es werden Sachen gut oder schlecht geredet, um die eigene Peergroup zu bedienen oder die Leser zu belehren.
Zum Glück gibt es aber einen Richter, der uns zeigt, wie kritischer und guter Journalismus aussehen kann.

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widower+2 02.03.2019, 21:07
131. Na ja

Zitat von leberhart
Herr Fischer. Ich würde mir generell mehr von solchen Artikeln von Fachleuten wünschen. Viel zu oft wird auf den Zug aufgesprungen, ohne die Fakten zu kennen; Hauptsache man hat guten Stoff zum Schreiben. Oder es werden Sachen gut oder schlecht geredet, um die eigene Peergroup zu bedienen oder die Leser zu belehren. Zum Glück gibt es aber einen Richter, der uns zeigt, wie kritischer und guter Journalismus aussehen kann.
Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, was die Qualität von Fischers Kolumnen angeht, aber als pensionierter Richter eine Kolumne zu seinem Fachgebiet zu schreiben, hat mit Journalismus oder dem normalen Alltag eines Journalisten nur ganz am Rande zu tun. Herr Fischer ist auch kein Journalist, sondern "nur" ein Kolumnist. An jeden Artikel oder jede Meldung zu welchem Thema auch immer die Qualitätsmaßstäbe anzulegen, die Herr Fischer mit seiner Kolumne erfüllt, wäre "normalen" Journalisten gegenüber höchst unfair.

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gladwyne 02.03.2019, 21:41
132. meine erfahrungen

die ich mit einem guten freund erlebte: mann zahlt, frau lässt die kinder nicht zu den besuchszeiten. frau meineidlich sagt , dass der mann nicht zahlt. staatsanwalt hält meineidsverfahren nicht fuer relavant. mann zahlt weiter. das gericht verurteilt die frau jedes jahr mehrmald die kinder zu den besuchszeiten zu lassen. mein freund hat die kinder seit 14 jahren nicht gesehen. soweit muenchner verhältnisse.....

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yor 02.03.2019, 22:25
133. Vielen Dank fürs Seminar

Fischer ist dann am stärksten, wenn er bei seinen Leisten - sprich Strafrecht - bleibt, und hier sagt der juristische Laie: Ich verstehe zwar nur die Hälfte, aber die ist großartig. Generell wird hier versucht, eine gesellschaftliche Entwicklung in den Gerichtssälen aufzuarbeiten, und das funktioniert nun mal nicht. Die Zahl der Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil ist in der vergangenen zwanzig Jahren absolut praktisch gleich geblieben, will heißen von relativ 14 auf 19 Prozent oder um ein Drittel gestiegen, und im Trend sind Alleinerziehende fast ausschließlich weiblich, etwas weniger gebildet und etwas ostdeutscher als in Partnerschaft lebende Eltern; schätze mal, die Statistik der Alimentenverweigerer bildet genau das ab. Der wahre Missstand liegt darin, dass es überhaupt ungewollt Alleinerziehende gibt; das kann mal mal anmerken, aber ändern wird es sich nicht - eine solidarische und soziale Gesellschaft sollte eigentlich in der Lage sein, so etwas abzufedern. Inwieweit, wie auch Fischer indirekt bemerkt, ein soziales Netz zu sozialer Verantwortungslosigkeit führt, ist eine gute Frage.

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widower+2 02.03.2019, 23:05
134. Wo fange ich nur an?

Zitat von yor
Die Zahl der Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil ist in der vergangenen zwanzig Jahren absolut praktisch gleich geblieben, will heißen von relativ 14 auf 19 Prozent oder um ein Drittel gestiegen, und im Trend sind Alleinerziehende fast ausschließlich weiblich, etwas weniger gebildet und etwas ostdeutscher als in Partnerschaft lebende Eltern; schätze mal, die Statistik der Alimentenverweigerer bildet genau das ab. Der wahre Missstand liegt darin, dass es überhaupt ungewollt Alleinerziehende gibt; das kann mal mal anmerken, aber ändern wird es sich nicht - eine solidarische und soziale Gesellschaft sollte eigentlich in der Lage sein, so etwas abzufedern. Inwieweit, wie auch Fischer indirekt bemerkt, ein soziales Netz zu sozialer Verantwortungslosigkeit führt, ist eine gute Frage.
Um ein Drittel gestiegen, ist also fast gleich geblieben?

Und "im Trend sind Alleinerziehende fast ausschließlich weiblich, etwas weniger gebildet und etwas ostdeutscher als in Partnerschaft lebende Eltern"?

Der Anteil der männlichen Alleinerziehenden bewegt sich seit 20 Jahren recht konstant knapp unter 20 Prozent. Das ist für sie fast ausschließlich weiblich? Nun ja.

Für Sie muss ich ja geradezu ein Einhorn sein. Ich bin alleinerziehend, Westdeutscher, männlich und verfüge über einen Universitätsabschluss. Mich gibt es tatsächlich!

"Der wahre Missstand liegt darin, dass es überhaupt ungewollt Alleinerziehende gibt". Da setzen Sie noch einen drauf auf Ihren Beitrag, der intellektuell erscheinen soll, aber absolut inhaltsloses Geschwurbel ist. Wie würden Sie denn verhindern wollen, dass es ungewollt Alleinerziehende gibt?

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matbhmx 03.03.2019, 03:47
135. Vorab, ich habe - leider - ...

... keine Kinder, und also bin ich auch keinen Unterhalt schuldig. Der Beitrag Fischers ist wie üblich zu lang, aber verdammt gut. Und er belegt damit die Fake-News der Presse. Es gibt selbst im so genannten gehobenen Journalismus eine Skandalisierungsindustrie, die beschämend ist. Man muss eine ganze Menge Journalisten in diesem Land fragen, was für eine Berufsehre sie eigentlich haben!

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_axel_ 03.03.2019, 07:38
136. Klasse

Sehr geehrter Herr Fischer,


ein, wie immer, klasse Artikel von Ihnen.

Vielleicht haben Sie mal Lust, über die Absurditäten des deutschen Familienrechts zu berichten. Strafrechtler kriegen da regelmäßig das Grauen, wenn sie dort einen Blick hineinwerfen.

Ich kenne beispielsweise einen Fall inklusive den entsprechenden Akten, in dem ein Kind nach dem falschen Kindeswohlmaßstab (Nichtwissen, ob der Umgang dem Kind guttue, während die Kindeswohlverträglich per nicht vereidigtem und nicht öffentlich bestelltem Sachverständigem nachgewiesen werden sollte) im Alter von knapp 3 Jahren für 15 Monate von seinem Vater getrennt wurde, weil Nichtanwesende behaupteten, er täte dem Kind nicht gut - was er mit Videos und Fotos widerlegen konnte, entsprechenden Stellungnahmen aber das rechtliche Gehör verweigert wurde. Nachdem das Jugendamt 2015 Entfremdung (psychische Kindesmisshandlung) festgestellt hatte, verbringen Kind und Papa seitdem wesentlich weniger Zeit zusammen als je zuvor. Das Gutachten sollte 2,5 Monate benötigen, brauchte aber 13 Monate. Das Gericht beauftragte auch mal den gegnerischen Anwalt zum Parteiverrat, er sollte Verfahrensbeistand des Kindes werden. Dieser Beschluss wurde korrekterweise wieder aufgehoben. Das Gericht terminierte in einem abgeschlossenen Verfahren und ließ auch schonmal nur einen Tag Vorbereitung zu, obwohl sonst jedes einzelne Verfahren mindestens fünf Monate dauerte. Die Großeltern wurden entsorgt, indem das Gericht das Verfahren fünf Monate verschleppt wurde und dann per Ferndiagnose behauptet wurde, nach der Zeit sei die Bindung nun aber weg - womit meiner Meinung nach §171StGB erfüllt wäre. In 3,5 Jahren wurden 1.200 Seiten Akten gefüllt, es wurden alle milderen Mittel des BGB ausgeschöpft (Sanktionsanträge - nicht bearbeitet, Umgangspflegschaft - Umgangspfleger vereitelte selbst Umgänge), weswegen nun, Achtung, dem Vater das Sorgerecht entzogen werden soll...

Und es gibt noch zahlreiche weitere nicht zu glaubende und nicht zu verstehende Schoten, alles aktenkundlich...

Mit freundlichen Grüßen
Axel

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spon_4_me 03.03.2019, 07:53
137. @ widower+2 (# 131):

Dass die Attraktivität der Fischerschen Kolumnen daher rührt, dass er zu Strafrechtsfragen aussergewöhnliche, nicht replizierbare Erfahrung besitzt und daher eine Art Solitär ist, den andere Kolumnisten nicht erreichen können, dieser Gedanke ist mir auch schon gekommen. Aber es ist in meinen Augen nur ein Teil der „Marke Fischer“. In dieser Kolumne beispielsweise rechnet er eigentlich nur (was auch ein Praktikant könnte); seine Kolumnen zur Richterwahl am Supreme Court oder zur Organspendethematik waren auch nicht eng aufs Strafrecht beschränkt. Wenn SPON ein Bezahlmodell für seine Kolumnen einführen würde: Für Fischer jeden 2. Freitag würde ich mit Vergnügen löhnen, bei Stöcker und Lobo (die ja auch als Experten gebrandet werden und deren Beiträge ich gerne lese, wenn sie dieses Fachwissen zum Inhalt haben) würde sich mein Portemonnaie nur zögernder öffnen, der Rest: Nice to have, aber nur für lau. Woran liegt das? Zum einen: Fischer kann wirklich schreiben: Klingt seltsam, unterscheidet ihn aber von manchen seiner hiesigen Kollegen. Zum anderen ist Herr Fischer meiner Ansicht nach nicht auf Klicks oder Twitterlikes oder die anderen ochlokratischen Bestätigungssignale angewiesen. Er diskutiert mit den Lesern auf eine ganz eigene Art, die mir fast mehr Vergnügen bereitet als der ursprüngliche Text. Zuletzt: Er ist slow-news in einer zunehmend McDonaldisierten Medienwelt - lange Kolumnen, komplexe Gedankengänge, unvorhersehbare Wendungen, Bereitschaft, ausserhalb der gezogenen Bahnen und danit verwegen zu denken. Vieles davon scheint mir übertrag- und wiederholbar. Mehr noch: Es scheint mir der Ansatz eines neuen, erfolgreichen Geschäftsmodells für seriöse Medien mit anspruchsvolker Leserschaft zu sein.

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bongu 03.03.2019, 08:33
138. Der Artikel in der F.A.S.

war tatsächlich grauenhaft, äußerst tendenziös. Wie der Autor selbst auf Twitter einräumte, sind die genannten Zahlen, kein Beweis für seine Behauptungen, allenfalls "Indizien".
Wahrscheinlich geht es auch schon mal um Stimmungsmache für den anstehenden Wahlkampf: es empört sich ja so leicht, über nichtzahlende Väter, denen ein SPD-Ministerium nicht nachgehen will/kann.

Würde man endlich mal das Unterhaltsrecht anpassen - laut Familiengerichtstag ist das deutsche Familienrecht absolut ungeeignet, um die inzwischen gelebten, möglichen Formen des Zusammenlebens zu regeln - und die staatliche Unterstützung für Kinder auf ein zeitgemäßes Niveau bringen, würden viele der genannten Probleme gar nicht erst entstehen.
Das hat dieser Artikel ja sehr schön dargelegt, obwohl da noch einiges mehr geben würde. Danke dafür.

Mich würde noch interessieren, wie hoch der Aufwand ist, um diese erfolgreich zurück geholten 13% zu realisieren. Wahrscheinlich ist es ähnlich wie bei den jüngst veröffentlichten Zahlen beim ALG2: 60 Millionen Ausgaben um 20 Millionen zurück zu holen.

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Einhorn 03.03.2019, 08:59
139.

Zitat von Sokrated
Warum ist der Entzug von Umgang eigentlich keine Straftat?
Vermutlich, weil das einen ganzen Rattenschwanz an Gesetzesänderungen hinter sich herziehen würde. Es müsste gleichzeitig auch eine Umgangspflicht geben. Dann bräuchte es klare Fristenregelungen wie weit im Voraus ein vereinbarter Umgangstermin abzusagen ist und so weiter um die gelebte Schikane zu unterbinden. Das Ziel ist ja immer der Expartner - aber der Treffer geht immer zu 100% gegen das Kind.

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