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Urteil gegen Oskar Gröning: In Auschwitz durfte man nicht mitmachen
DPA

Vor dem Prozess gegen Oskar Gröning fragten viele: Muss das noch sein, 70 Jahre nach Kriegsende? Gegen einen greisen Angeklagten? Ja, es muss sein. Die Verhandlungen in Lüneburg haben das bewiesen.

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tallinn1960 15.07.2015, 19:33
120. Ich habe ein Problem

Ich habe ein grosses Problem mit dem Prozess und dem Urteil.

Einerseits packt mich die kalte Wut angesichts der Mordmaschine der Nazis, an der hunderttausende mitgewirkt haben, von den Denunzianten über die örtlichen Verwaltungen, die Manager der Verschleppungslogistik, die Betreibermannschaften der KZs, die Bürokraten des Todes in den Ministerien, die Lieferanten der Tötungswerkzeuge und und und.

Andererseits sehe ich da einen 94-jährigen Mann, der augenscheinlich dem Prozess gegen ihn gar nicht mehr folgen kann.

Dann sehe ich ein Urteil, das im Strafmaß geradezu lächerlich ist angesichts des Unheils, das getan wurde.

Und völlig überzogen gegen ein Rädchen, auf dessen reibungsloses Funktionieren es nun wirklich nicht ankam bei der Mordmaschine Auschwitz.

Die Hinterbliebenen sind froh über den Schuldspruch, hatten im Vorfeld allerdings schon betont, dass es ihnen nicht um Strafe gehe. Das ehrt sie ungemein. Der Satz, "Auschwitz war eine einzige Mordmaschine", das war es wohl, was sie hören wollten. Weil es wahr ist.

Musste dieser greise Mann vor Gericht gebracht werden, um diesen Satz endlich in ein deutsches Urteil zu schreiben? Hätte das nicht schon viel früher geschehen können, viel früher geschehen müssen, und das in Prozessen gegen Leute, die die Architekten der Mordmaschine waren, und ganz ohne Zweifel das Morden wollten?

Ich finde, es hätte.

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double-U13 15.07.2015, 19:35
121. Nicht nur Auschwitz war

"eine auf die Tötung von Menschen ausgerichtete Maschinerie"!
Auch die Jagt nach vermeintlichen "Terroristen" mit Hilfe von Drohnen ist eine Tötungsmaschinerie. Mit weitaus mehr unschuldigen Kindern, Alten oder Frauen, die als "Kollateralschaden" einfach hingenommen werden als echten Terroristen. Deutschland leistet Beihilfe zu diesem Massenmord. Die Täter von damals bis ins hohe Greisenalter zu verfolgen wird dann absurd, wenn man sich heute wieder aktiv an Kriegsver-brechen beteiligt.

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spitzaufknoof 15.07.2015, 19:35
122. Beitrag 85

Absolut zutreffend der Vergleich mit den DDR Grenzern. Und nicht zu vergessen die vielen Stasi Mitarbeiter.
Ich erwarte, dass Grönings Anwalt Rechtsmittel einlegen wird.

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Mac_Beth 15.07.2015, 19:36
123.

Zitat von kjartan75
Ihre Logik verstehe ich nicht, aber muss man auch nicht, oder? Wenn Sie das als Show abtun, dann haben Sie echt ein sehr perverses Verständnis von Recht und Gerechtigkeit. Schon mal an die Betroffenen gedacht? Aber nein, Sie müssen gleich nach typisch deutscher Manier sofort auch ohne nachzudenken, Nebelkerzen zünden und auf alle anderen zeigen...ekelhafte Sichtweise, die zynisch ist.
Da haben wir die andere typisch deutsche Manier, die moralische Keule schwingen als gäbe es keinen Morgen.

Erklären sie doch mal wie 70 Jahre nach Kriegsende die Verurteilung eines 94-jährigen alten Mannes und zig "Aufarbeitungen" noch irgendwas zu Recht und Gerechtigkeit beitragen kann?

Aber Hauptsache sich über mit seiner übergeordneten Moral über andere Menschen echauffieren, nur weil man verstanden hat, dass die Welt aus mehr besteht als political correctness und westlichen Wertevorstellungen. Wenn für sie das allerdings ein Lebensinhalt darstellt respektiere ich das natürlich.

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bloßich 15.07.2015, 19:36
124.

Zitat von mrp84
Was hat er denn getan? Es war Krieg und er war Soldat. Und jetzt wird er auch noch von einem Zivilgericht verurteilt. Unfassbar das man ihn überhaupt angeklagt hat.
Ja - es war Krieg.

Aber Auschwitz war auch nach Kriegsrecht illegal.
Es war ein Kriegsverbrechen. Es war sogar ein Verbrechen gegen die Menschlickeit.

Und er war Soldat. Ja. Freiwillig !
Es ist freiwillig zur SS gegangen - er wurde nicht eingezogen !

Und auf einen Befehlsnotstand hat er sich nicht berufen !

Damit passen auch die Vergleicher zur Wehrmacht nicht.
Die Wehrmacht war (mit Ausnahmen) nicht direkt am Holocaust beteiliggt. Und einfache Soldaten sind regelmäßig eingezogen worden und unterlagen einem Befehlsnotstand.
ER nicht !

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Dietmar der Gerechte 15.07.2015, 19:36
125. Mal langsam....

Zitat von halitd
Nicht ganz richtig. Er war kein einfacher Soldat, sondern ein Mensch, der sich freiwillig als Mitglied der SS, in den Dienst eines Menschen verachtenden Systems gestellt hat. Der dessen Ideale bewusst angenommen, befürwortet und sich in dessen Dienst gestellt hat. Das ist der wesentliche Unterschied zu den zum Wehrdienst eingezogenen Soldaten, die diese Posten in den KZ's auch nicht besetzt haben. Der Verurteilte ist ein aktiver Täter und nicht, wie so oft in der deutschen Nachkriegsgeschichte verharmlost und vertuscht, ein Opfer. Warum wohl war er in der SS? Zur SS wurde man nicht eingezogen.
Es haben sich viele freiwillig zur SS gemeldet. Mit 20 und vermutlich in der HJ groß geworden, ist man nun mal begeisterungsfähig. Das gleiche gilt für junge Frauen, die als 19-jährige Todesmärsche begleitet haben. Anfangs indoktriniert und begeistert, danach zu spät. Jetzt verbleibende Überlebende durch das Dorf zu jagen, ist lächerlich. Die echten Täter und (An-)Führer waren damals zwischen 35 und 55 Jahre alt. Meinetwegen kann man die posthum verurteilen. Aber das hier ist ein Witz.

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charlybird 15.07.2015, 19:36
126. @fans

Zitat von fans
Manche schämen sich geradezu inflationär für Deutschland - wer´s braucht... Aber die Mär vom blinden rechten Auge glauben Sie doch selbst nicht. Ist doch mit linken Mördern nicht anders. Oder kennen Sie eine einzige ernsthafte Initiative unseres Rechtssystems, die Mörder der letzten RAF Generation zu ermitteln und zu verurteilen? Und die sind noch keine 94...
Machen Sie sich nicht lächerlich, den zu Recht gescheiterten RAF Terror mit den ungezählten Tätern des NS-Staates zu vergleichen. Das ist ja zum Fremdschämen.
Im übrigen habe ich Herrn O. Göring im Rahmen einer SS Dokumentation, die wohl gut 20 bis 25 Jahre zurückliegt, gesehen und er durfte dort seine Ansichten über die Nazis und ihr Tun rechtfertigen. Er klang dort ganz und gar nicht einsichtig, im Gegenteil, er fand sein damaliges Handeln nicht nur vertretbar, sondern der Situation durchaus angemessen.

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Oskar ist der Beste 15.07.2015, 19:36
127. vor 50 Jahren war man feiger...

...denn damals lebten viele Taeter noch und wurden trotzdem nicht bestraft. Dieses Urteil kommt zu spät und ist sinnlos...ich empfehle einmal die Tonprotokolle vom 1. Ausschwitzprozeß in Frankfurt vor mehr als 50 Jahren...http://auschwitz-prozess.de/ : ABER ACHTUNG: man braucht Zeit, sollte Wikepedia nutzen, um zu wissen wer da aussagt und wer die Prozeßbeteiligten sind und am Besten beginnt man mit den den Täterzeugen, die Aussagen der Haeftlinge sind nichts fuer weiche Gemueter.Selbst Ärzte, die in Auschwitz an der Rampe selektiert haben, sind damals nur zu 4 Jahren verurteilt worden bzw. wurden freigesprochen; Und Gröning hat seine Handlungen seit Jahrzehnten offen zugegeben, auch deshalb ist hier eine Gefängnisstrafe nicht angezeigt.

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reiisa 15.07.2015, 19:36
128. Im selbsternannten Auftrage

Ich versuche es mal chronologisch: Als das NS-Regime zur Macht kam, hat es den Staatsapparat massiv umgebaut, es gab keine Wahl des Mitmachens oder Verweigerns. Vielleicht gab es für einige Wenige die Möglichkeit, sich von den Machthabern bzw. ihren Organen sinnvolle Alternativaufgaben zuteilen zu lassen (Schindler), aber die große Masse mußte spuren. Nach dem Krieg hatten die Bestzungsmächte das Sagen: sie wuschen rein oder aber klagten an. Normal konnte jeder, der im Krieg mitgewirkt hatte, wo auch immer, nach dieser Besatzungsepoche davon ausgehen, ja, sich darauf verlassen, nicht nachträglich für Handlungen als Befehlsempfänger bestraft zu werden. Selbst BP v.Weizsäcker wollte für Rudolf Hess noch Gnade erwirken. Dann jedoch, mehr als 60 JAhre nach dem Krieg macht sich nun die Enkelgeneration daran, ihre Großväter abzuurteilen. Niemand von der heutigen im Beruf stehenden Generation hat den Krieg, das Regime und das Leid/die Verbrechen erlebt. Heute, wo wir alle medial überversorgt sind, gelingt es den meisten nicht einmal den Mut aufzubringen, am Wahltag anders zu wählen. Wie, bitte schön, sollte es den Großeltern in einer Diktatur möglich gewesen sein, Widerstand zu leisten bzw. sich zu verweigern? Darüber sollte sich auch mal die im sicheren Amtssitz urteilende Richterschaft Gedanken machen.

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martin281 15.07.2015, 19:37
129.

Zitat DRStom66:"Was waere passiert wenn sich der Groening damals geweigert haette ? Als Soldat Befehlsverweigerung und auch ab in die Konzentrationslager oder an die vorderste Front. Aber der Posten selber, waere an einen Anderen gegangen. Alles waere genauso abgelaufen wie zuvor"

Die Frage muss lauten, was wäre passiert wenn sich alle geweigert hätten?

Es gab und gibt immer gestörte Persönlichkeiten, die solche Taten ausführen würden. Ziel eines moralisch und sozial entwickelten Bürgers muss es sein diese Personen an ihrem tun zu hindern. Dafür trägt jeder selbst und alleine die Verantwortung. Mit dem Finger auf andere zeigen und sagen "der hat aber auch nichts gemacht" ist nicht legitim.

Die Gräultaten im 3. Reich wurden sicherlich nur zum geringsten Teil von Psychophaten begangen, denn die Inzidenz ist rein statistisch gesehen zu gering. Die Verbrechen wurden von Mitläufern begangen, die "nur" die Befehle Ihrer Vorgesetzten ausgeführt haben.

Aus meiner Sicht hätte die Strafe "lebenslänglich" lauten müssen, schon um ein Zeichen zu setzen das die Mitwirkung an einem Genozid nie begnadigt wird.

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