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Urteil im Brunner-Prozess: Mit aller Härte

Die Rollen in der Tragödie um Dominik Brunner waren im Prozess klar verteilt: Ein couragierter Held gegen jugendliche Schläger. Das Urteil im Prozess gegen die beiden Täter scheint dies zu bestätigen - zumindest einer der beiden wurde jedoch viel zu hart bestraft.

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micscholz 09.09.2010, 12:28
340. .

Zitat von stier11194
Hier darf man nicht vergessen, dass diese in dieser massiven Form erst durch die der Situation m.E. unglücklichen Reaktion von Herrn Brunner entstanden ist.
Die Gruppe um Brunner wurde seit der Donnersbergerbrücke, von den gewaltbereiten Tätern verfolgt, sollte er mit den Schülern wirklich den belebten S-Bahnhof verlassen, wo sie Hilfe der Polizei erwarteten, um danach in einer unbelebte Ecke zu gehen ?
Brunner sah vielleicht keine andere Möglichkeit mehr, als sich zu wehren.

Zitat von stier11194
Aber in gewisser Weise davon betroffen sind auch die Täter.
Die Täter hatten im Gegensatz zu den Opfern immer die Möglichkeit aufzuhören.

Zitat von stier11194
In diesem Fall das Schwarz-Weiß-Denken nicht angebracht. Hier gibt es im nachhinein nur Opfer. Zwar waren die Täter vorher auch nicht gerade ungeschriebene Blätter, aber "Mord" ist doch etwas anderes. Und wirklich "geplant" sehe ich das eben auch nicht.
Mit dem Beweggrund niedrige Motive muss ein Mord nicht geplant sein.
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann machen niedrige Beweggründe einen Totschlag zu Mord, von daher wäre das Urteil begründet.

Zitat von stier11194
Wichtig ist eben, dass die Deeskalation in solchen Fällen immer anzustreben ist. Wäre Herr Brunner einfach mit den jugendlichen konsequent weggegangen, wäre m.E. nicht weiter - außer weiteren Schimpfworten - passiert. Wissen kann man es natürlich nicht, aber es ist jedoch sehr wahrscheinlich.
Wäre Brunner vom belebten S-Bahnhof fort gegangen, an einem unbelebten Seitenweg, hätte das seine Situation garantiert nicht verbessert.
Die Täter sind ihnen ja immer weiter gefolgt.
Dummes Beispiel, wenn Raubtiere jagen, verfolgen sie ihr Opfer auch bis zu einem Punkt wo sie relativ sicher zuschlagen können.
Von daher war die Reaktion Brunners auf den Bahnhof zu bleiben, wo er auch Hilfe erwarten konnte, nachvollziehbar.

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stier11194 09.09.2010, 14:36
341. .

Zitat von micscholz
„Diesen ersten Faustschlag Brunners haben zahlreiche Zeugen beobachtet. Sie berichten übereinstimmend, dass es danach eine Art Zäsur gegeben habe, einen Moment gleichsam der Fassungslosigkeit, ehe Sebastian und vor allem Markus regelrecht "austickten". In der Anklageschrift wird dieser Faustschlag Brunners als Abwehrbewegung gewertet. Diese Pause wird übereinstimmend von allen Zeugen gesehen. Erst einmal sind alle Fassungslos, dann haben sich die beiden kurz abgesprochen und Markus S hat sich mit einem Schlüssel bewaffnet.
Eine "Zäsur" , einen Moment gleichsam der Fassungslosigkeit, etwas anderes als sich miteinander besprechen und dann drauflos schlagen.

Zitat von micscholz
Die Täter hatten im Gegensatz zu den Opfern immer die Möglichkeit aufzuhören.
Ich glaube nicht, dass der Täter S. sich wirklich noch unter Kontrolle hatte, er war wohl rasend vor Wut, so dass diese Möglichkeit eben auch nicht mehr wirklich vorlag. Nur das Eingreifen von L. hat hier vermutlich die Sache früher beendet (wenn überhaupt). Viele Zeugen haben hier eben auch von "Ausrasten" gesprochen.

Zitat von micscholz
Wäre Brunner vom belebten S-Bahnhof fort gegangen, an einem unbelebten Seitenweg, hätte das seine Situation garantiert nicht verbessert.
Das ist reine Spekulation.

Der Erstschlag Brunners dürfte die Hemmschwelle der Täter deutlich reduziert haben. Ob Diese andernfalls so ausgerastet wären, wie erfolgt ist daher extrem zu bezweifeln.

Die Deeskalation der Situation ist immer das oberste Gebot und die erreicht man nicht durch einen Faustschlag.

Außerdem hat er den großen Fehler gemacht, alleine mit den Tätern fertig werden zu wollen. Passanten hat er nicht angesprochen.

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stier11194 09.09.2010, 17:05
342. Täter-Aussage?

Zitat von micscholz
Punkt 7 Täter Aussage
Quelle?

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micscholz 09.09.2010, 20:03
343. TäterQuelle fürs Ausrasten

Zitat von stier11194
Quelle?
Markus S. will nach dem Schlag gegen die S-Bahn geprallt sein. Dann habe er wie besinnungslos zurückgeschlagen. Sebastian L. half ihm dabei. „Es kam mir so vor, als wäre Markus unterlegen", sagt er, „da habe ich Herrn Brunner auch mit der Faust geschlagen." Einer der Schüler versucht noch, Sebastian L. wegzuziehen. Als der ihn abgeschüttelt hat und sich umdreht, soll Brunner schon am Boden gelegen haben.

Sebastian L. berichtet, sein Freund habe auf Brunner eingetreten. „Als ich gesehen habe, dass der ihn tritt, habe ich ihn weggezogen", sagt er . „Hör auf, übertreib's nicht", will er gesagt haben. Trotzdem habe Markus noch einmal zugetreten. „Von oben nach unten", berichtet Sebastian L. Wo sein Freund Brunner getroffen hat, will er nicht gesehen haben. Richter Baier fragt nach, warum er ihn zurückgezogen habe. „Das kam mir alles zu krass vor", antwortet Sebastian.

http://www.merkur-online.de/lokales/...ld-839939.html

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stier11194 09.09.2010, 21:25
344. Ende

Zitat von micscholz
Markus S. will nach dem Schlag gegen die S-Bahn geprallt sein. Dann habe er wie besinnungslos zurückgeschlagen. Sebastian L. half ihm dabei. „Es kam mir so vor, als wäre Markus unterlegen", sagt er, „da habe ich Herrn Brunner auch mit der Faust geschlagen." Einer der Schüler versucht noch, Sebastian L. wegzuziehen. Als der ihn abgeschüttelt hat und sich umdreht, soll Brunner schon am Boden gelegen haben. Sebastian L. berichtet, sein Freund habe auf Brunner eingetreten. „Als ich gesehen habe, dass der ihn tritt, habe ich ihn weggezogen", sagt er . „Hör auf, übertreib's nicht", will er gesagt haben. Trotzdem habe Markus noch einmal zugetreten. „Von oben nach unten", berichtet Sebastian L. Wo sein Freund Brunner getroffen hat, will er nicht gesehen haben. Richter Baier fragt nach, warum er ihn zurückgezogen habe. „Das kam mir alles zu krass vor", antwortet Sebastian.
Lesen Sie mal Ihren eignen Punkt 7 nach. Was hat jetzt Ihr ursprünglicher Punkt 7 mit Ihrer jetzigen Darstellung zu tun?

Aber uns bringt das nicht weiter.

Leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen und daher erübrigen sich Diskussionen über was wäre wenn. Jeder hat da wohl seine eigene Meinung. Für mich ist daher die Diskussion hier beendet.

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micscholz 10.09.2010, 13:33
345. .

Wenn es den Moment der Fassungslosigkeit gab nach Brunners Schlag und sich die Täter dann kurz zurückzogen um sich zu besprechen
und Markus S dabei den Schlüssel aus seiner Tasche holte, um ihn zwischen die Finger zu stecken, kann man dann nicht mehr von zurückschlagen im Affekt reden.

Der Ablauf des Geschehens, war zwischen Verteidigung und Anklage bis auf einen Punkt unstrittig.

Diese Verteidiger faselten nicht etwas von Notwehr und das Brunner versucht habe an den Tätern Selbstjustiz zu üben, oder ihnen sogar hinterherlief.

Selbst eine Frau Friedrichs kannte diesen unumstrittenen Ablauf , Sie unterschlug lediglich einen Teil des Hergangs, welcher so für manche Freiraum ließ einen Tathergang zu erfinden, der davon handelte, daß Brunner aus der S-Bahn stürmte, die Täter verfolgte dabei triumphierend zum S-Bahnfahrer schrie, „gleich passiert etwas“, um dann mit Kickboxtritten die Täter angriff und sie in Selbstjustiz zu bestrafen.
Selbst Frau Friedrichs wusste, daß es nicht so war, aber sie nährte es weiter, indem sie einige Sachen einfach wegließ.

Daß war für mich der Hintergrund meine Punkte aufzuzählen, in dem ich den Tathergang so beschrieb, wie er im groben zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung unstrittig war.

All diese Punkte, bis auf einen Teil den ich einräumte, waren von Täteraussagen gedeckt.

Ich schreibe selbst, daß die Täter sagten, es gab sofort nach den Schlag Brunners ein Handgemenge, daß Markus S im Affekt zurückgeschlagen habe und Sebastian L einfach ihm nur geholfen hätte, weil er meinte Markus S wäre unterlegen.
Nur diese Sache ist umstritten.
Im Rest der Hergangs ist dagegen Einigkeit.

Zitat von stier11194
Quelle?
Das Ausflippen das ich bei Punkt 7 mit einer Zeugenaussage belegte, wurden dann aber auch von den Tätern eingeräumt und ist unumstritten und dafür habe ich dann auch noch eine Täteraussage zitiert.
Sie müssen also dann auch den Zusammenhang lesen.
Ich benannte klar die Differenz zwischen Anklage und Verteidigung.
Den Rest kann ich mit Zeugen und auch der Aussage der Angeklagten belegen und liefere auch gerne Quellen dafür.

Möglich das es daher ein wenig verwirrend für Sie rüber kam.

Daher noch einmal für sie, ich kenne keine Quellen, in der Markus S oder Sebastian L zugaben das sie einen Schlüssel aus dem Rucksack genommen haben, oder sich vor dem Angriff auf Brunner kurz besprachen.
Ich kenne nur Quellen, wo die Angeklagten selbst zugaben das Markus S ab einem bestimmten Zeitpunkt ausgerastet ist.

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seerecht 28.10.2010, 01:14
346. Ungleiches Recht

Vor Jahren fuehrte ich (der Schreiber dieser Zeilen) einen aussichtslosen Prozess gegen 2 Polizisten, die mich ohne mein Dazutun -falscher Ort und falsche Zeit- zusammenschlugen und wobei der eine von ihnen mit einem massiven Fusstritt mit seinem stahlkappenbewehrten Kampfstiefel in meinen Kopf mir Jochbein und Nase zertruemmerte. Nachdem ich als Erstreaktion von der Polizei eine Gegenklage erhielt wegen Gewalt gegen Beamte, von der ich erst in 2.Instanz freigesprochen wurde, und die eine ungeheuerliche und schamlose Taktik von Polizeiseite war (niemand wuerde angeblich von der Polizei angegriffen, ohne selbst angegriffen zu haben...-!!!), musste ich zusehen, wie meiner Anzeige nicht Folge geleistet wurde. Von Rechtes wegen, wenn rein schon das Faktum des intentionalen Fusstrittes gegen den Kopf als Mordversuch bewertet wird, haette ich als Nebenklaeger in einem Prozess wegen versuchten Mordes auftreten koennen, mit voellig anderer Ausgangslage. Der Fusstritt der Polizei wurde einfach unter den Tisch gejubelt, indem behauptet wurde, es liesse sich nicht feststellen, wer von den beiden Polizisten diesen fatalen Kopf-Kick mir versetzt habe. Es wurde aber auch nie der Versuch unternommen, dies zu eruieren, und auf unsere Argumentation wurde nicht eingegangen. Das ist jetzt schon 20 Jahre her, aber ich werde diese Ungerechtigkeit nie vergessen. Wenn ich dann lese, wie in diesem Fall der reine Fusstritt schon als Mordversuch durchgeht, empfinde ich nochmals tiefes Unrecht. Viele Jahre schon kritisiere ich die mangelnde Konsequenz, mit der Verstoesse gegen Anstand in der Öffentlichkeit von Jugendlichen (nicht) geahndet werden. Aber Mord war das nicht. Nein!!

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