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Urteil im Brunner-Prozess: Mit aller Härte

Die Rollen in der Tragödie um Dominik Brunner waren im Prozess klar verteilt: Ein couragierter Held gegen jugendliche Schläger. Das Urteil im Prozess gegen die beiden Täter scheint dies zu bestätigen - zumindest einer der beiden wurde jedoch viel zu hart bestraft.

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Neurovore 06.09.2010, 19:12
50. ...

Zitat von Puffel
...Ich denke, das werden Sie anders beurteilen sehen wollen, wenn Sie mal auf der Anklagebank sitzen. Z.B. weil jemand Sie geschlagen hat und Sie das nicht einfach so hinnehmen wollten. Wenn Körper und Ehre ("Würde") verletzt wurden. Das rechtfertigt keinen Exzess aber Notwehr. ..
Notwehr greift nur bei einem unmittelbar bevorstehenden oder gegenwärtigen Angriff. Weder darf ich jemanden eins vor die Mappe geben, nachdem er mich geschlagen hat (es sei denn, es ist eine weitere Attacke zu vermuten) noch weil er meine subjektive "Ehre" oder diffuse "Würde" verletzt. Was sind denn das hier immer für Rechtsauffassungen? Ist das das "Friedrichsen-Syndrom"?

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der_durden 06.09.2010, 19:17
51. Da frage ich mich doch...

Zitat von sysop
Die Rollen in der Tragödie um Dominik Brunner waren im Prozess klar verteilt: Ein couragierter Held gegen jugendliche Schläger. Das Urteil im Prozess gegen die beiden Täter scheint dies zu bestätigen - zumindest einer der beiden wurde jedoch viel zu hart bestraft.
Eines verstehe ich nicht: Es ist also nun bewiesen, dass einer der Täter in Tötungsabsicht gehandelt hat? Mord impliziert doch genau dies, oder irre ich da?

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dergute 06.09.2010, 19:18
52. Fachlich nicht einwandfrei

Zitat von TommIT
Interessant!? Und Sie sind?
Zufällig selbst Jurist. Das mögen Sie mir glauben oder nicht. Auf jeden Fall reicht meine Fachkenntnis aus um festzustellen, dass Frau Friedrichsens Berichterstattung auf nichts anderem fußt als Ihrem eigenen kruden Rechtsempfinden.

Ihren Ansätzen nach würde ich vermuten, dass Sie ursprünglich mal Sozialpädagogin oder etwas in der Art war.

Mal abgesehen davon: Der Satz "Ein Täter wurde zu hoch verurteilt" gehört sicher nicht in eine Berichterstattung. Das ist für mich ein Kommentar. Dass ein Täter zu hoch verurteilt wurde ist das ganz subjektive Empfinden von Frau Friedrichsen. Und so lange eine Revision nicht das selbe sagt, ist es schlicht falsch dieses Empfinden als Tatsache zu formulieren.

In den Tagesthemen wird so etwas eingeleitet mit "Es folgt ein Kommentar von X", dann weiß auch jeder, dass man nun persönliche Meinung zu hören bekommt. Insofern ist die Berichterstattung von Frau Friedrichsen auch aus journalistischer Sicht fragwürdig, weil zu sehr eingetrübt von ihrer eigenen Meinung.

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der_durden 06.09.2010, 19:20
53. Ach ja?

Zitat von Sascha292
Sieben Jahre sind zwar ein Witz meiner Ansicht nach dafür das ein Mensch gestorben ist aber das ist jetzt nun mal so.
Ein Witz? Dafür, dass er frühzeitig aufhörte und gar dem anderen - zumindest verbal - versuchte vom weiteren zutreten abzuhalten?

Ihrer Logik möchte ich folgen können. Gelingt mir aber nicht. Was wäre für diesen "Zweiten" ihrer Meinung nach angemessen gewesen? Ich bin gespannt.

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xvxxx 06.09.2010, 19:25
54. die armen Täter und das böööse Opfer...

Zitat von gmdl
Das scheint kein Prinzip zu sein, das in unserer Justiz gilt. Wie will man denn ohne Zweifel nachgewiesen haben, dass die Täter eine Tötungsabsicht gehabt haben, wo das Opfer doch mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei Schlägen ohne Tötungsabsicht gestorben wäre?
Das spielt keine Rolle: Bei Tritten an den Kopf nimmt jedes Gericht
an, dass der Täter den Tod des Opfers billigend in kauf nimmt. Das ist dann somit Totschlag oder Mord.
Rache ist ein niederer Beweggrund, damit : Mord.

Aus meiner Sicht absolut sauber.

Der andere hat erst mässigend eingewirkt als es zu spät war.
Dazu kommt dass sie nur zu zweit in der Lage waren, Brunner in
diese Lage zu bringen.
Aus meiner Sicht auch ein korrektes Urteil.

Die Kommentare in SPON zu diesem Fall sind wirklich unerträglich. Diese "selber Schuld" Unterstellungen sind zum kotzen.

Brunner ist sicher kein Held, aber er hat getan, was jeder tun sollte.

Weggehen, wegschaun, weglaufen das sind echt tolle Ratschläge.
Sollen doch die Schwachen schaun wo sie bleiben.
Eine assoziale Kindheit rechtfertigt wohl auch assoziales Verhalten jenseits jeglicher Norm.

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GreyCrow 06.09.2010, 19:28
55. Lachhaft bis ärgerlich

Wenn kein Medieninteresse vorliegt, dann geht die Staatsanwaltschaft in ähnlichen Fällen doch gar nicht vor - und hier gleich nahe der Höchststrafe bei fragwürdigem Verhalten des Opfers?

Meine eigene Erfahrungen:

- schwere Körperverletzung (ich Zeuge, zweiter Zeuge vorhanden, Täter alleine): von Staatsanwaltschaft gar nicht angenommen.

- schwere Körperverletzung (ich Opfer, drei Zeugen, Gegenzeuge nachweislich (!) zur fraglichen Zeit nicht am Tatort): Verfahren vor Verhandlung eingestellt

In beiden Fällen hätte es mit Herzfehler auch tödlich enden können - und keine Provokation vom Opfer ging voraus.

Aber wenn die Presse dabei ist, dann ist natürlich Verfahren und heftiges Urteil garantiert.

Ich lerne: ätz: so gut wie möglich bewaffnen und immer drauf, so will das die Justiz hier anscheinend. /ätz

--

Btw.: Bevor die Vorurteile überschäumen, ich bin nicht Berufslinker sondern Akademiker in gesichertem Job. Einzig mein Kleidungsstil lässt sowas die Kollegen in Grünweiß nicht erwarten.

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senx 06.09.2010, 19:29
56. Verhaltensalternativen außerhalb von Tora Bora

Zitat von Trouby
Also Moment mal ... Nach der Vorgeschichte im Zug hat jemand wirklich berechtigte Zweifel daran, dass die beiden nur deshalb ebenfalls ausgestiegen sind, um sich die Kinder doch noch zu schnappen, sobald Brunner sie allein lässt? Das kann ich ja nur als absoluten Realitätsverlust bewerten.
Da sagt Wikipedia aber was anderes:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dominik_Brunner

Bitte ändern wenn Sie da in Ihrer "Realität" andere Informationen haben.

Es war absolut _unglücklich_ das Brunner mit den Kindern in die S-Bahn umgestiegen ist in die auch _zufälligerweise_ die beiden Deliquenten eingestiegen sind. Das hätte er rein aus Überlebensinstinkt niemals machen dürfen. Da geht man sofort raus, speziell wenn einer sichtlich angetrunken ist.

Notfalls per Notbremse. Die 100€ Strafgeld kriegt man schon erlassen.

Aber schon das Aussteigen am nächstbesten Bahnhof absolut Pflicht, Abstand zum Angreifer gewinnen etc. Das waren Junge Kids, die können laufen, sich verteilen. Zwei Leute (einer angesoffen) die vier Kids hinterherlaufen? Das möchte ich sehen.

Und wenn es nur darum geht, später den Angreifern Vorsatz zu beweisen. "Warum sind sie den Kindern hintergelaufen? Warum sind Sie hier ausgestiegen? Ist doch gar nicht ihre Station?"

Hier diese Jungs als eiskalte Soziopathen darzustellen ist mir ein wenig zu polemisch. Solche Leute verstecken sich nicht später in Bahnhofsbüschen, weil sie "zu schwach" sind popelige Zäune hochzuklettern.

senx

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de.nada 06.09.2010, 19:29
57. ♘

Zitat von TommIT
.............. Unabhängig von den Tätern hätte ich als Richter auch die Staatsanwaltschaft gemassregelt.... Jemand nachgehen ist für mich bei Notwehr schon hart an der Grenze...
Da kann man leider nur spekulieren. Ich denke sogar das ist die Absicht des Gerichts, um sich die Entscheidungsfreiheit durch Interpretation nicht nehmen zu lassen.
Die Unabhängigkeit von Gerichten gibt es wohl auch gegenüber dem Gesetz, oder so, oder auch grundsätzlich anders. ;)

Die "Notwehr" bei einem der beiden Angeklagten, nachdem Brunner sie in Notwehr angegriffen hatte wäre vermutlich günstig gewesen, also hätte sich Brunner zurückgezogen nachdem er zugeschlagen hatte, und wäre ihm dann einer gefolgt und hätte in "Notwehr" zurückgeschlagen, hätte es ihn vielleicht retten können. Denn so wäre "Notwehr" gegen "Notwehr" eingesetzt worden, ohne das sich das für irgend einen Zeugen so dargestellt hätte.


Zitat von TommIT
Was hat Herr Brunner nun dabei gewonnen, ge-massregelt' hatte er sie ja schon.. Auch diese Nach-notwehr ist staatsanwaltschaftsgefällige Notwehr...
Vielleicht war es ein seltener juristischer Außnahmefall von vorauseilend-nachträglicher-präventiv Notwehr, anwendbar bei Tatzusammehängen an verschiedenen Bahnhöfen und im Zusammenhang mit öffentlichen Verkehrsmitteln ?
Zitat von TommIT
Selbst hingehen Taschen ablegen, Dresche verbal ankündigen und ersten Schlag austeilen ist Notwehr?
Selbst bei andern als den Beschuldigten, also jedem der in der S-Bahn war, kann so eine "Notwehr" zukommen, selbst wenn der sich zur Wehr setzende (Brunner) eher unbegründet droht und evtl. nicht alleine handelt. Selbst eine "Überzahlnotwehr" gegenüber einer einzelnen Person die nicht zugeschlagen hat und die verfolgt werden muß, um auf sie einzuschlagen, ist möglich.
Oder kannmöglich sein.

Sie kennen diese Staatsanwaltschaft nicht.

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Pikanaet 06.09.2010, 19:35
58. urteil

Wer in den 50er bis frühen 60er Jahren(vor den Althippies) erzogen worden ist weiß das die Hände der Erzieher Eltern Lehrer etc, immer recht locker saßen um einen zu erziehen und zu bestrafen.Heute nennt man das schwere Kindheit.
Wenn denn dieses Gutmenschen -und 68er Argument wirklich zählen würde könnte jeder aus den oben genannten Jahren Serienmörder werden ohne jemals wirklich Angst vor einer angemessenen Strafe haben zu müssen.Fakt ist das jeder weiß das Klauen Rauben Morden Vergewaltigen Abziehen Schänden usw. verboten ist und mit Strafe bedroht.Vor allem weiß das jeder vorher!Warum also immer Entschuldigungsgründe suchen die die Straftaten letzendlich relativieren wenn nicht gar salonfähig machen.Selbst wenn nach Meinung der alles verzeihenden Kriminologen immer nur die Gesellschaft schuld ist und Strafe auch niemand bessert so kann man sie doch wenigstens lange aus dem Verkehr ziehen damit sie in der zeit keine unbescholtenen Mitmenschen verletzen können.Bis die unfähige Politkaste mal vernünftige Mittel gefunden hat zum Schutz der Bevölkerung ist das ja leider nun einmal der einzige Weg.Dummerweise ist die Polit und Gutmenschenkaste ja nicht an wirksamen Mitteln interessiert und nur mit der eigenen Nabelschau beschäftigt.Politiker werden ja auch nicht Opfer von solchen Rotzlümmeln. Genauswenig wie hochdotierte "Fachleute" und ähnliche.Solange es nur das dumme Volk als Opfer trifft braucht sich ja keiner wirklich Gedanken zu machen um den Schutz vor überbordener Gewalt durch solche Typen.

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zompel 06.09.2010, 19:41
59. weggehen, Hilfe holen

K.tz, dieses "Weggehen" hilft den Betroffen die ausgeraubt werden sollten, oder was. Weggehen heisst Wegsehen. Die beiden hätten ja auch weggehen können. Was würde die Authorin machen, wenn Sie bedroht würde und andere würden erstmal weggehen um Hilfe zu holen. Hätte Herr Brunner die Hilfe der anderen Anwesenden gehabt, wäre das anders ausgegangen

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