Forum: Panorama
Verena Bahlsens Äußerungen über NS-Zwangsarbeiter: Braune Kekse
Monika Skolimowska/ DPA

Firmenerbin Verena Bahlsen behauptet, NS-Zwangsarbeiter seien im Unternehmen "gut behandelt" worden. Die Firma habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Solche Worte zeugen von völliger Geschichtsvergessenheit.

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the-observer 14.05.2019, 10:45
250.

Schlimm. Einfach nur schlimm. Was hat ein solcher "Kommentar" noch mit Journalismus zu tun? Das sicher gut gemeinte Anliegen wird durch die holprige Aneinanderreihung von Fakten und Zitaten ad absurdum geführt: Was Wunder, dass sich hier in den Kommentaren einige Leser wünschen, dass endlich ein Schlussstrich gezogen werden müsse über die NS-Vergangenheit. Schon die Überschrift gehört in die Bild-Zeitung und zeigt, dass es Herrn Bohr offenkundig mehr um einen reißerische Story als um das zugrunde liegende Thema geht: Die reiche Kapitalisten-Göre eines bekannten deutschen Unternehmens taugt eben wunderbar als Projektionsfläche und bedient die gängigen Stereotypen des Manchester-Kapitalimus, der nur durch Ausbeutung des Humankapitals funktioniert. Dass das System des Dritten Reichs nicht nur durch Keksfabriken und anderes Großkapital gestützt wurde, sondern eben auch von der - schweigenden - Mehrheit der Bevölkerung, ist eine sperrige Wahrheit, die sich nicht unter wohlfeilen Überschriften wie "Glänzende Geschäfte" abhandeln lässt. "Historische Verantwortung" aber nur dort zu postulieren, wo sich Einzelheiten schnell und einfach recherchieren (oder abschreiben?) lassen, wird dem Thema einfach nicht gerecht. Insbesondere dann, wenn jede zeitgeschichtliche Einordnung der dargebotenen Details z.b. zu den Bedingunngen der Zwangsarbeit fehlt - wer weiß schon, wie hoch die gesetzliche Wochenarbeitszeit während des 2. Weltkriegs war? (50 Std.).

Das ändert natürlich nichts daran, dass AUCH die Unternehmensleitung der Fa. Bahlsen Schuld auf sich geladen hat. Wer aber gegen die Geschichtsvergessenheit ankämpfen will, sollte selbst aus ihr gelernt haben: Die junge Generation hat nach 1945 die Chance bekommen, ein demokratisches Land aufzubauen. Entstanden ist eine soziale Marktwirtschaft, von dessen "Wirtschaftswunder" wir noch heute profitieren. Und zwar alle, egal ob wir uns selbst zu den Unternehmern zählen oder nicht. Deshalb sollten wir auch tolerieren können, dass eine junge Unternehmerin heute die Rechtfertigung der Vergangenheit ihres Unternhmens in Kategorien sucht, die uns auf den ersten Blick als unmoralisch erscheinen.

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Aberlour A ' Bunadh 14.05.2019, 10:51
251. die sich vom Kapitalismus hingezogen fühlt

Zitat von Margaretefan
...sollte das bayrische Motorenwerk von der Last als Beispiel für seine durchaus überlegenswerten Gesellschaftsmodelle für die Zukunft herhalten zu müssen befreien. Bahlsen scheint mir als Beispiel geeigneter zu sein. Wäre auch ein netterer Zweikampf, wenn er zwischen einer 25-Jährigen Erbin, die sich vom Kapitalismus hingezogen fühlt und einem ähnlich alten, bei konservativen Menschen als Taugenix verschrienen JuSo-Vorsitzenden ausgefochten würde. Ich würde drauf wetten, dass der Kevin die junge Dame locker in die Schranken weisen würde und die junge Dame gar zu Äußerungen hinreißen könnte, bei der eine Mehrheit in der Bevölkerung für Enteignungen gewonnen werden würde.
Wieso ist Bahlsen geeigneter? Das Geld, mit dem BMW am Anfang der
60er Jahre durch einen gewissen Herrn Quandt gerettet wurde, ist ja auch mit "Blutzoll" aus der Nazizeit belegt. Nicht nur durch Zwangsarbeit, sondern darüber hinaus auch durch Enteignung und dann Aneignung vormals jüdischen Eigentums. Das gehört eben zur ganzen Wahrheit. Zurück zu Bahlsen. Es geht ja nicht darum, dass eine junge Frau, die von Beruf Tochter ist, mal Unsinn erzählen darf oder Empathie vermissen lässt. Aber wenn sie öffentlich erzählt, dass sie aus der Dividende des vom Daddy geschenkten Aktienpakets sich erstmal ein paar Jachten kaufen will, dann werde ich natürlich künftig vor dem Supermarktregal nachdenklich, ob ich solches Verhalten mit meinen hart erarbeiteten Euros auch noch unterstützen soll. Jedenfalls die große Kapitalistin spielen, obwohl ihr einziger Beitrag die glückliche Fügung ist, dass sie qua Geburt Erbin ist, lässt tief blicken. Es wird wieder klar, warum der liberale Schweizer Ökonom
Guy Kirsch hohe Erbschaften zu 100 Prozent besteuern will: "Der Liberalismus geht davon aus, dass mit jedem Individuum das Leben neu beginnt" - ohne leistungslos erworbenes Vermögen.

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wahrsager26 14.05.2019, 10:54
252. An Aberlour A Bunadh. Nr128

Ja, mit einem Schluck Kaffee wäre der Bahlsenkuchen gut 'gerutscht', und es hätte Ihnen geschmeckt.Die ganze moralische Erregung wäre besser auf die heutige Zeit zu richten, gerade im Hinblick auf !!!! die Vergangenheit! Ich für meinen Teil sehe Ansätze, die nicht gestoppt und dann in vernünftige Bahnen gelenkt ,neues Unheil anrichten werden.Mit diesem von mir vorgeschlagenen Handeln wäre dann auch demonstriert, das man aus der Vergangenheit wirklich gelernt hat. Guten Appetit! Danke

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h.hass 14.05.2019, 10:57
253.

Zitat von der.belgarath
deutsche Zwangsarbeiter z.B. in der Sowjetunion oder in Osteuropa während oder nach dem zweiten Weltkrieg seien auch nur ein Jota besser behandelt worden als ausländische in Deutschland?
Ohne Whataboutism geht es offensichtlich nicht. Diese Diskussion handelt von Bahlsen-Zwangsarbeitern, ist das so schwer zu verstehen?

Mit unsinnigen Relativierungen kann man jede Diskussion abwürgen.

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spon_7924415 14.05.2019, 11:00
254. Reiche Kriegsgewinnler ...

1999 sind alle Ansprüche gegenüber deutschen Firmen, die mit Zwangsarbeitern reich geworden sind, „verjährt“.
Bis dahin hatte man den Firmen auch auch schon sehr erfolgreich den Rücken freigehalten und Entschädigungszahlungen abgewiesen.
Man spielte in Deutschland auf Zeit und hoffte, das die anspruchsberechtigten Zwangsarbeiter schon irgendwann sterben würden.
2000 folgte dann ein „juristischer“ Schlußstrich. Es sollte ein Entschädigungsfond gebildet werden, in den der Bund 5 Milliarden und die deutschen Unternehmen 5 Milliarden einzahlen sollten. Die deutsche Industrie hat nicht einmal diese Minimal-Forderung nicht erfüllt.
Wenn sich Fr. Bahlsen nun auf dieses Trauerspiel beruft, um die Unschuld ihrer Firma zu belegen, ist das wohl ziemlich am Thema vorbei.

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wahrsager26 14.05.2019, 11:01
255. An the-observier. Nr250

Gut geschrieben! Die junge Generation im Hotel Mama muss nur aufpassen, nicht die Äste abzusägen, auf dem einst das 'Wirtschaftswunder ' entstand. Auch wenn seit damals viel Zeit ins Land gegangen ist , gewisse Dinge gelten nach wie vor, wobei der Sozialismus als der natürliche Feind des ganzen erscheint .Nicht enteignen ist das Mittel der Wahl , sondern Einseitigkeiten wie kein! sozialer Wohnungsbau sind zu beseitigen .Denn auch das gehört zur Vergangenheit: Einseitigkeiten Bergen die Gefahr,soziale Unruhen und ein entsprechendes Wahlverhalten.....und dann hilft die Vergangenheit gar nicht mehr! Danke

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majidovnuri 14.05.2019, 11:13
256. Kommentare von Lesern sollten registriert werden, Moderatoren sollten

Es ist unmöglich, über die Verbrechen der Nazis zu schreiben, die vor fast 100 Jahren begangen wurden, und die Bedingungen für Verbrechen im frühen 21. Jahrhundert zu schaffen.
Leider ist in Deutschland und in vielen europäischen Medien die Arbeit mit Lesern schlecht organisiert. Viele europäische Medien haben in ihrer Arbeit mit Lesern absichtlich ein Chaos geschaffen und versuchen daher, eine Diktatur im Internet zu etablieren. In solchen Medien werden Leserkommentare gestohlen, und die Moderatoren dieser Medien verstoßen häufig gegen das Gesetz. Es ist notwendig, dass alle europäischen Medien das Gesetz einhalten. spiegel muss die ordnung wiederherstellen und keine bedingungen für cyberkriminelle schaffen. Kommentare von Lesern sollten registriert werden, Moderatoren sollten nicht anonym sein.

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spaceagency 14.05.2019, 11:19
257. derbelgarath - ach so

die armen deutschen Zwangsarbeiter im Osten? Wieviele waren es denn? Auch 13 Mio wie in Deutschland? Und mir muss da etwas entfallen sein....wie war das nochmals mit dem Krieg? Das arme Deutschland wurde überfallen und versklavt? Ich hoffe nicht, dass ihnen Ernst ist mit der Forderung an Wiedergutmachung von Seiten der von Deutschland überfallenen Staaten

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eulenspiegel2014 14.05.2019, 11:33
258. Gilt das nicht für alle?

Es mag wohlfeil sein, der vierten Generation die Nazi-Vergangenheit der Urgrossväter vorzuwerfen. Damit verbessert man aber nicht das Diskussionsklima und die Bereitschaft, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Letztlich gilt fast für uns alle mit deutschen Vorfahren im dritten Reich, dass wir von Ausbeutung und Sklavenarbeit profitiert haben, mittel- oder unmittelbar; nur der Kalte Krieg hat uns und unseren Eltern ein gnädiges Schicksal erspart

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andre_36 14.05.2019, 11:35
259.

Die Verantwortung für das Zustandekommen der NS-Diktatur trug neben den konservativen Parteien und dem Großkapital auch das Volk, das nicht deutlich gegen die Braunen stimmte, als es noch möglich war. Finanziellen Gewinn durch die Ausbeutung von Zwangsarbeitern zu erzielen, ist aber eine andere Liga. Für einen sauberen Neuanfang hätten sämtliche Unternehmen enteignet werden müssen, die an dem Leid der Opfer verdienten. Aber, und das ist der eigentliche Skandal, finanzieller Gewinn steht bis heute über jeder moralischen Frage. Insofern war die Ausbeutung von Zwangsarbeitern nur eine besonders perverse Form der Ideologie, die bis heute herrscht und die im euphemistischen Neusprech als soziale Marktwirtschaft verklärt wird. Wenn Flüchtlinge,Langzeitarbeitslose und Gastarbeiter aus Osteuropa für niedrigste Löhne schuften müssen, ist das auch nur verdeckte Zwangsarbeit. Sie sind ja gezwungen zu miesesten Bedingungen zu arbeiten, da sie überleben müssen. Die Bahlsen Trulla spricht nur aus, was jeder Unternehmer denkt: Gewinn über Moral

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