Forum: Panorama
Verena Bahlsens Äußerungen über NS-Zwangsarbeiter: Braune Kekse
Monika Skolimowska/ DPA

Firmenerbin Verena Bahlsen behauptet, NS-Zwangsarbeiter seien im Unternehmen "gut behandelt" worden. Die Firma habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Solche Worte zeugen von völliger Geschichtsvergessenheit.

Seite 6 von 34
karlo1952 13.05.2019, 20:24
50. @ 36. frenchhornplayer85 - Ich habe nichts

von 'Vergessen' geschrieben. Aber warum sollte sich ein heute 25-jähriger große Schuldgefühle machen für eine Zeit in der er/ sie noch gar nicht gelebt haben. Ich mache mir auch keine Schuldgefühle und bin schon ein paar Jahre älter. Deshalb vergesse ich nicht was während der NS-Zeit alles passiert ist.

Beitrag melden
larsmach 13.05.2019, 20:26
51. Wir sind wohlfeil und diskutieren anonym...

Die eher undifferenzierten Aussagen einer jungen Frau sind zweifellos kritisierbar - vor allem für Menschen mit großem Interesse an den vielen Aspekten unserer Geschichte. Gleichzeitig schaue ich mir die Welt an und frage mich, wer - wie mein Opa - in der Zeit des Nationalsozialismus NICHT systemtreu gewesen wäre, wenn schon Kommentare und Meinungen selbst zu belanglosen Themen nur anonym veröffentlich werden. Mein Großvater kritisierte offen die Besetzung Norwegens und wurde dafür bestraft; mein Urgroßvater (sein Schwiegervater) diente als Unteroffizier in der SS und kam erst ins Grübeln, als seine Batterie Granaten über den Rhein auf anrückende alliierte Truppen schoss - dorthin, wo seine Tochter lebte. Die beiden alten Herren lebten nachher unter einem Dach, wo ich die frostige Atmosphäre im Umgang miteinander miterlebte; die beiden redeten nur das Nötigste miteinander. Erst viel später erfuhr ich den Grund dafür. Und so frage ich mich, wie es um unsere Gesellschaft und deren feste Verankerung in demokratischen Grundwerten steht, wenn selbst belanglose Themen (neulich: KITA-Gebühren...) nur unter Pseudonym kommentiert werden. Wir haben kein Regime, keine Konzentrationslager, keine Blockwarte und keine Gestapo, die uns nach einem unvorsichtigen Witz abholen kommt. Trotzdem finde ich kaum Menschen, die in dieser unserer Demokratie mit ihrem Vor- und Zunamen hinter ihren Meinungen stehen. Es wird kommentiert und kritisiert - und das besonders gerne gegen Menschen, die ebendies tun: Offen eine Meinung äußern - als Persönlichkeiten, auch als junge. Das irritiert mich. Kann man aus dem "Versteck", der "Deckung" heraus Stellung beziehen zu Dingen, die während einer Diktatur geschehen sind - von Menschen, die (auch als Unternehmer!) überhaupt Mut gebraucht hätten, um die Zuteilung von Zwangsarbeitern abzulehnen ebenso wie die Klassifizierung als "kriegswichtiger Betrieb"? Wie hätten wir als Unternehmer gehandelt, wenn viele von uns nicht einmal "mutig" genug sind, sich offen hinzustellen mit ihrer Meinung!? Wenn wir heute eine 25-jährige Erbin eines solchen Unternehmens kritisieren, dann ist das in o.g. Zusammenhang des Artikels sicher richtig - doch warum können wir das nicht einmal mit offenem Visier tun!??

Beitrag melden
dr.klugscheisser 13.05.2019, 20:28
52. Naja

von Beruf Erbin und musste nie wirklich nachdenken. Dass jemand, der sein Vermögen geschenkt bekommt der Meinung ist andere müssten (und könnten, hahaha) sich das bitte hart erarbeiten. Das ist eine Grundeigenschaft von Leuten, die wirklich niemand braucht.

Beitrag melden
viwaldi 13.05.2019, 20:29
53. Kriegszeiten sind für alle schlimm

Ein kriegswichtiger Betrieb zu sein hat mit dem Thema gar nichts zu tun, legt aber eine tendenziöse Sichtweise des Autor nahe. Damit Bahlsen für die Versorgung weitermachen konnte, wurden Arbeiter die eingezogen wurden durch Zwangsarbeiter ersetzt. Nicht Bahlsens Entscheidung. 48 Stunden war damals normal, warum hätten Zwangsarbeiter kürzer als reguläre Arbeiter arbeiten sollen? Wieder eine ungeschichtliche und tendenziöse Beschreibung durch den Autor. War Zwangsarbeit schlimm und grausam? Sicher. Wären die Zwangsarbeiter von Bahlsen besser einem anderen Betrieb zugeordnet worden? Wohl kaum. Wieviele haben überlebt? Wie war die Quote in anderen Betrieben? Das hätte der Autor mal nennen sollen, um die Zustände bei Bahlsen besser einordnen zu können. Auch ein Vergleich mit Zwangsarbeitern NACH dem Krieg in Sibieren oder in französischen Kohleminien könnte man ja mal wagen. Wir sollten Geschichte nicht zu schwarz - weiß sehen. Das gilt für die naive Bahlsen Erbin, aber leider auch für den geschulten Autor.

Beitrag melden
GyrosPita 13.05.2019, 20:30
54.

Was ist das wieder? Soll das nächste deutsche Unternehmen sturmreif geschossen werden? Prima Idee, am besten stampfen wir alle Unternehmen ein die zu Adis Zeiten schon existiert haben. Dann leben wir nur noch Klatschen, Singen und Namen tanzen, das entsprechende Fachpersonal tummelt sich ja bereits in der Politik und in Kampfblättern wie Spiegel und Taz. Wie ärgerlich das das jüngste Geschm, ähem, der jüngste hochwertvolle Beitrag von Fr. Stokowski schon fertig war, die hätte sich gleich mal abarbeiten können. Frauen, Zwangsarbeit, Nazis (bestimmt auch noch alt und weiß!), da hätte man doch was draus machen können.

Selbst in Ländern wie Polen werden Bahlsen-Kekse gefuttert, ohne das sich da einer ins Hemd macht eine Nazi-Firma zu unterstützen. Ich habe Bahlsen-Kekse immer gern gegessen und werde das auch weiterhin tun, komme was wolle.

Beitrag melden
adama. 13.05.2019, 20:32
55. Schindler

Wie war das mit Oskar Schindler? Man hört, dass er viele Juden als Zwangsarbeiter beschäftigt hat und glänzende Geschäfte machte. Und von den glänzenden Geschäften im Krieg. Ich glaube kein Industriebetrieb hat während des Krieges glänzende Geschäfte gemacht. So ziemlich alle Betriebe sind mit Versprechungen auf den Gewinn des Krieges bezahlt worden. Nach dem Krieg waren diese Versprechungen und die Reichsmark sowieso, nichts mehr wert. Die Nationalsozialistische Wirtschaftspolitik, die aus Schulden und damit auf Geldentwertung basierte, hatte die gleichen Folgen wie in einem Sozialistischen System. Die Zwangsarbeiter wurden zwar nicht gut bezahlt, aber die SS, die ua. die Zwangsarbeiter zur Verfügung stellte. Der wirkliche Ausbeuter war nicht Balsen, sondern der Staat, das 3. Reich, damit ihre Eltern und/oder Großeltern.
Das kommunistische Märchen, dass das Volk von den Kapitalisten "verführt" worden wäre ist eine Lüge.

Beitrag melden
droptableall 13.05.2019, 20:33
56. Leistung muss sich wieder lohnen

Diese Frau hat kaum etwas geleistet was ihren Reichtum rechtfertigt. Sie sollte den nötigen Respekt vor denen haben, die sich für den Reichtum ihrer Vorfahren (jetzt ihr Reichtum) regelrecht krumm gemacht haben und sich über die Zeit richtig informieren bevor sie solche Interviews gibt. Das scheint sie hier nicht geleistet zu haben.

Beitrag melden
granitfindling 13.05.2019, 20:34
57. ..sehr viele Betrieb haben damals...

... diese Zwangsarbeiter wesentlich besser behandelt, als in der alternativen Unterbringung, dem Kriegsgefangenenlager oder sonstigen Zwangsanstalten. Nicht alle Zwangsarbeiter kamen aus einem KZ oder wurden verschleppt. Handwerksbetriebe und die Landwirtschaft z.B. bekamen auch qualifizierte Kriegsgefangene, meist der Westallierten, zugeteilt, die sich für diese Arbeiten gemeldet hatten, weil die Situation dort im Betrieb besser war als das Gefangenenlager. Das galt insbesondere auch für die Verpflegungssituation. Was aus heutiger Sicht immer noch deutlich und tatsächlich nach Zwangsarbeit aussieht, was es ja auch war, erschien damals manchmal als eine bessere Alternative. Alles ist relativ.

Beitrag melden
pwk 13.05.2019, 20:35
58. Wie lange ist das vorbei? Sitzt noch ein Verantwortlicher von Damals

In der Geschäftsleitung?
Hat sich jemals jemand aus England, Frankreich, Spanien, Portugal, USA, Japan und so weiter. Gedanken darüber gemacht was in der Kolonialzeit für Verbrechen geschehen sind? Die Kriegsverbrechen der Siegermächte sind niemals angezeigt worden. Die USA hat im zweiten Weltkrieg die in den USA leben den Japanern enteignet und Anlage gesperrt und niemand hat sie später darum gekümmert. Ich kann das irgendwie Sohlen in direkt der Vergangenheit nicht mehr Hören

Beitrag melden
hw7370 13.05.2019, 20:39
59. Gut gehabt?

Die Banalisierung des Sklavenlebens bei den Nazis, die hier durch eine naive Erbin Balsen (sie ist alt genug um lesen und damit auch recherchieren zu koennen) zu Tage tritt und in manchen der Leserbriefe (es muss endlich Schluss sein) betont wird , finde ich als Betroffener ungeheuerlich. Ich bin der Sohn eines Nazisklaven.
Ich habe die Schwusswunden meines Vaters im Hals und am Kinn gesehen und seine Krankheiten erlebt und seine Todesaengste und Schreie und Schlaflosigkeit in den Naechten als kleines Kind mitbekommen, er starb jung, noch bevor ich fragen konnte wieviel Angst er hatte. Seine damalige erste Frau wurde ermordet, seine ersten Kinder vergast, und er litt so sehr unter Heimweh, dass er nach dem Krieg in Deutschland Nacht fuer Nacht heimlich Heimatradio hoerte, weil das Verbot, Fremdsender zu hoeren, tief in ihm steckte. Und so erlebte ich ihn als Kind auf dem Sterbebett und habe seine letzten Worte in Erinnerung: Ich will nach Hause.
Ja, Bahlsen hat die Sklaven wahrlich gut behandelt, sie haben, wie alle, vergessen dass diese Menschen aus den KZs und eroberten Laendern eine Seele haben. Die wurde gefoltert.
Mein Vater, junge Erbin Bahlsen, hat fuer Sie als Deutsche unter Todesangst gestanden, vergessen Sie das nie in ihrer Naivitaet.
Eine Schande dass ich das mehr als 70 Jahre nach Kriegsende erklaeren muss. Und wer hier denkt, es sie nun alles vorbei, der will es einfach nicht wissen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf folgendes Buch
"Die Kinder der Verfolgten - Die Nachkommen der Naziopfer und Flüchtlingskinder heute (German Edition)Edición Kindle
Diese Schrift thematisierte früh, wie Verfolgung, Folter und Mord an den Eltern deren Kinder und ihr Leben als Erwachsene beeinträchtigen. Das Grundsätzliche dieser Auswirkungen wird durch den Vergleich von Nachkommen der Holocaust-Opfer mit Kindern von Flüchtlingen der chilenischen Diktatur deutlich."

Auch als alter Mann sehe ich heute noch meinen Vater weinen und Sehnsucht nach seinen ermordeten Kindern haben. Und ja, ich habe darunter gelitten und leide heute noch darunter, wie Deutsche "brave Buerger" die Sklaven "menschlich gut" behandelt haben. Was, glaubt ihr, macht das in der Seele der Nachkommen aus? Was erzeugt es in mir , wenn ich sehe wie mein Vater unter eurem Sklavendenken gelitten hat und heute von einer naiven und sorgenlos lebenden jungen Frau hoere :"aber sie haben es bei uns gut gehabt..."
Es ist derart widerlich so eine dreiste Aussage einer sich unwisend stellenden jungen Frau lesen zu muessen, dass mir mehr als die Galle hoch kommt. Keiner, nicht ein einziger der Nazisklaven hatte es gut. Sie alle haben gelitten. Unter Ermordung ihrer Angehoerigen, unter Todesangst wenn sie nicht so gearbeitet haben wie die Deutschen es wollten, unter Hunger, unter Pruegel, - ach, zuviel. In wievielen Herzen werden noch heute die Sklaven als elendes Pack angesehen, Untermenschen aus eroberten Laendern, aus KZs und Arbeitslager. Und dann zu sagen "sie haben es bei uns gut gehabt" ist Hohn und Spott. Niemand hatte es gut gehabt.

Beitrag melden
Seite 6 von 34
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!