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Verherrlichung von Zigaretten: Australisches Opern-Ensemble verbannt "Carmen" aus Pro
AFP

Ein australisches Opern-Ensemble hat "Carmen" aus seinem Repertoire genommen - weil in dem Stück geraucht wird. Viele Australier fühlen sich bevormundet. Nun hat sich sogar der Premierminister eingeschaltet.

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george.dashwood 10.10.2014, 08:32
30. Neospiesser

Diese superverklemmten Neospiesser gehören in die Gummizelle oder sonst wohin wo sie ihre Mitmenschen nicht mit ihrem Totalitarismus nerven!

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proratio 10.10.2014, 08:33
31. So hat halt

jedes Land seine Taliban.

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Tiananmen 10.10.2014, 08:35
32.

Geschichtsbücher verbieten: es geht nur um Mord, Raub und Krieg.

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azumi 10.10.2014, 08:36
33.

Ich möchte den australischen Opernfreunden davon abraten den weiten Weg für die Dresdner Inszenierung auf sich zu nehmen. ...habe sie selbst Anfang des Jahres gesehen ....es lohnt die weite Reise nicht. ...

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robicon 10.10.2014, 09:05
34. Kommt schon,

da hatte ein Intendant eine fuchsige Idee: "So geht's nicht weiter, mates. Wir haben da diese müde, abgespielte Carmen-Produktion, mit der wir seit Jahren von Känguruhfarm zu Känguruhfarm touren. Die Kostüme sind verschlissen, die Inszenierung von Anno Tobak (pardon the pun). Lasst uns sie einmotten. Andererseits fehlt uns dann das Geld, das sie einspielt. Hmm.... Hey! Da fällt mir was ein!"
Welches Haus stellt denn bitte eine Produktion auf die Bühne, nur um dann zufällig in der elften Vorstellung zu merken, dass es im ersten Akt eine "La fumée"-Szene gibt??

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t.holzbein 10.10.2014, 09:54
35. Die Zauberflöte wegen Rassismus verbannen?

Es gibt jede Menge Opern, die in krassem Gegensatz zu unseren heutigen Vorstellungen von politischer Korrektheit stehen. In der Zauberflöte ist es der "böse Mohr", (zugleich wird "Weibergeschwätz" als töricht gebrandmarkt etc...). Ich wollte diese wunderbare Oper trotzdem nicht missen. Und Rassismus wäre eigentlich ein viel gewichtigerer Grund.
Trotzdem sind diese alten Opern vielleicht auch gerade wegen der gewandelten gesellschaftlichen Normen heute unglaublich komisch.

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spon-facebook-10000588991 10.10.2014, 09:55
36. Unfassbar

Egal, ob es ums Rauchen oder um das in den Kommentaren kritisierte Frauenbild geht... Kinners, das ist KLASSIK!

Würde man alle Opern verbannen, die nicht mehr ins heutige, bis zum Erbrechen langweilige politisch korrekte Weltbild passen, dürfte man von Carmen über Madame Butterfly bis zu Tosca kaum noch dramatische Opern aufführen.

Natürlich dürften auch keine Filmklassiker (wie der von Jasper Fetherstone erwähnte Streifen "Casablanca") mehr gezeigt werden. Auch bei vielen Theaterstücken - etwa Othello - müsste man aus diversen Gründen (gleich Sexismus und Rassismus in Union) verbieten. Was für ein hanebüchener Unsinn.

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des_pudels_kern 10.10.2014, 10:52
37. Die Zauberflöte ist ja auch ein ganz anderes Kaliber

Zitat von t.holzbein
Es gibt jede Menge Opern, die in krassem Gegensatz zu unseren heutigen Vorstellungen von politischer Korrektheit stehen. In der Zauberflöte ist es der "böse Mohr", (zugleich wird "Weibergeschwätz" als töricht gebrandmarkt etc...). Ich wollte diese wunderbare Oper trotzdem nicht missen. Und Rassismus wäre eigentlich ein viel gewichtigerer Grund. Trotzdem sind diese alten Opern vielleicht auch gerade wegen der gewandelten gesellschaftlichen Normen heute unglaublich komisch.
Die Zauberflöte ist in "klassischer" Inszenierung wirklich schwer erträglich. Das Problem ist dabei dass man (Zauberflöte muss ja niedlich und familienvorstellungskompatibel sein) von Nord bis Süd mit Kitsch von Everding und Co von Anno dazumal zugemüllt wird. Bei der Entführung aus dem Serail hat doch ein Calixto Bieito auch gezeigt, dass das anders (und bewegend!) geht.

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EduardFreise 10.10.2014, 11:08
38. richtig so!

sehr gut! Eine Oper hängt nicht davon ab, ob man dabei das Publikum mit krebserregenden Stoffen schädigt und dabei eine extreme Suchterkrankung glorifiziert.

Bemerkenswert, dass man in Australien schon so fortschrittlich ist, dass die Betreiber das von selber einsehen! Bei uns lebt man da ja noch hinter'm Mond...

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Larnaveux 10.10.2014, 11:56
39.

Wenn man sich die Mühe macht, mal ein wenig durch australische Quellen im Internet zu recherchieren, so gewinnt man relativ schnell den Eindruck, dass die Anti-Rauch-Kampagne des Opernensembles nicht wirklich der primäre Grund für die Absetzung dieser Carmen-Inszenierung ist (es ging anfänglich um die Inszenierung, liebe Foristen, wenn man mal weitere Quellen nachliest, nicht um Carmen an sich).

Man erfährt, dass die Finanzierung des Ensembles durch ein Zurückschrauben der üblichen kulturellen Subventionierung des Staates nicht unbedingt glänzend ist. Hier hat dieses Ensemble ein Leid zu teilen mit vielen anderen kulturellen Einrichtungen auf der Welt auch. Und nun kommt also diese staatliche Gesundheits-Agentur daher und verspricht dem Ensemble Geld, wenn diese eine medienwirksame Anti-Rauch-Kampagne starten. Hierbei ist letztendlich egal, wer wen zuerst angesprochen hat. Tatsache ist, dass es weniger um die Gesundheit der Ensemblemitglieder gehen dürfte (die übrigens keine echten Zigaretten auf der Bühne rauchen, also ist das Gesundheitsargument kein wirklich zwingendes), sondern es geht knallhart um den schnöden Mammon.

Selbstverständlich möchten die Ensemblemitglieder ihren Job behalten. Wenn Gelder gestrichen werden, suchen sich die Ensembles andere Sponsoren. In diesem Fall ist es eine andere staatliche Stelle. Wohlgemerkt, ich verstehe die Ensemblemitglieder vollkommen.

Fragwürdig ist nur, ob eine staatliche Stelle über so eine hintergründige Art einen direkten Einfluss auf den Aufführungsplan haben sollte. Ein Geldgeber kann natürlich schon Vorschriften machen, aber dann sollte man es auch genau so äußern und nicht über die angeblich ach so große Gesundheitsgefährdung der Ensemblemitglieder philosophieren.

Interessant ist auch, wie manche Foristen auf genau jenen Zug aufspringen, ohne sich im Detail zu informieren.

Zu meiner Person: Ich bin strikter Nichtraucher. Ich habe niemals geraucht in meinem Leben. Ich genieße das Rauchverbot in Lokalen und vielen öffentlichen Gebäuden. Ich genieße rauchfreie Büros. Niemals aber habe ich das alte Setting einer weit über 100 Jahre alten Oper als rauchverherrlichend angesehen. Und, ganz ehrlich, selbst Bizet dürfte das nicht so geplant haben. Er hat eine sozial schwierige Welt in einer Stadt konstruiert, und eine Tabakfabrik war sicherlich kein herrlicher Arbeitsplatz damals. Sicherlich ist Carmen auch kein hauptsächlich sozialkritisches Werk. Es spiegelt einfach die damalige Zeit wider, und darauf ist dann die Liebesgeschichte und das Drama gesetzt. Wo ist das Problem?

Wenn nun so mancher Forist hier jubiliert, dass Carmen in dieser Inszenierung nicht mehr aufgeführt wird, dann glaubt er wohl wirklich daran, dass das typische Publikum einer Oper wegen Carmen mit dem Rauchen beginnt. Au weia…

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