Forum: Panorama
Verkleiden als Hobby: Bitte lachen Sie jetzt nicht!
Klaus Pichler/ AnzenbergerGallery

Krümelmonster am Esstisch, Stormtrooper in Wohnlandschaft, Drachen am Klavier: Klaus Pichler fotografiert Menschen, die sich gern verkleiden. Er lichtet sie zu Hause ab, in ihrem Reich. Im Interview erklärt er, wer und was hinter den Masken steckt.

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rjlegrand 21.11.2013, 09:31
10. Sympathisch

sind diese Leute! Obwohl ich selbst höchstens mal zum Karneval einen Cowboyhut aufsetze, sind mir Menschen mit so einem Hobby tausendmal lieber, als andere, die mit Schaum vor dem Mund im Fußballstadion toben oder mich mit dem Kampfrad in der Fußgängerzone anrempeln! Suum cuique.

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sponomat 21.11.2013, 09:33
11. Aufmerksamkeitsökonomie

Ja, man sollte nicht alle Leute über einen Kamm scheren, aber wenn man soziokulturelle Phänomene versteht und in ihrem historischen Kontext betrachtet, dann darfen ein Lachen schon mal erlaubt sein. Es sind halt doch viele Leute dabei die im Alltag das Gegenteil von auffällig sind und die es dann in Ihrer Freizeit Überkompensieren vor dem Hintergrund postmoderner (ja, ja, überstrapaziertes Wort) Medienhorizonte. Anders formuliert, wer ein authentisches und stimulierendes Leben führt, ist auf Fasching nicht angewiesen. Hahahaha.

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spon-facebook-10000003523 21.11.2013, 10:00
12. Unreif?

Man möchte rufen: "jaaaa, ich hab verstanden, dass der Journalist das Ganze nicht nachvollziehen kann und lächerlich findet." Ich persönlich hätte den Artikel wahrscheinlich interessanter gefunden, wenn der Gute mal sein Unverständnis beiseite gelassen hätte und mit seinen Fragen etwas weiter tiefer in die Materie eingedrungen wäre. So bekommt man natürlich immer nur Antworten, die die Verkleideten verteidigen und in ihrer Würde schützen wollen. Langweilig, wenn man als Leser diese pubertären Vorurteile gegenüber anderen nicht teilt.

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KnoKo 21.11.2013, 10:21
13. Anscheinend bin ich...

...der Einzige, der es gruselig findet, wenn Erwachsene Erfüllung darin finden, sich als Krümelmonster oder Teddybär zu verkleiden.
Was wohl der Herr Freud dazu sagen würde?!

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Augustusrex 21.11.2013, 10:26
14. Jeder verkleidet sich

Jeder verkleidet sich iregndwie. Der eine mit Anzug, Schlips und Kragen, der andere mit Jeans und TShirt und der dritte eben als Darth Vader. Da gibt es nichts was daran lächerlich wäre. Wie hat das der Alte Fritz gesagt: "In meinem Königreich soll jeder nach seiner Facon selig werden." Also bitte Respekt gegenüber jedem, unabhängig von dem was er trägt.

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Jan B. 21.11.2013, 10:45
15.

Zitat von KnoKo
...der Einzige, der es gruselig findet, wenn Erwachsene Erfüllung darin finden, sich als Krümelmonster oder Teddybär zu verkleiden. Was wohl der Herr Freud dazu sagen würde?!
Dann müsste Freud jeden Menschen der sich zu Fasching oder Halloween verkleidet auf die Couch bitten. Dabei ist dieses Verkleiden doch wirklich mehr als eine reine Spinnerei. Haben Sie sich mal die Kostüme angeschaut? Keins davon bekommen Sie irgendwo im Laden zu kaufen und in der Regel sind so aufwendige Kostüme reine Handarbeit. Sie zeugen von Kreativität und Phantasie, also Eigenschaften die in der heutigen In/Out-Konsumwelt mehr und mehr verloren gehen. Ich persönlich finde ja eher gruselig (oder dumm), wenn sich Menschen Stunden vor der Öffnung eines Ladens anstellen, weil eine neue Komsole oder neue Schuhe verkauft werden. Da wirken doch solche Kostüme eher entspannend dagegen.

Und mal ehrlich...der schwarze Ritter hinterm Bügelbrett ist doch mal richtig episch. :D

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jboerner 21.11.2013, 10:51
16. Lächerlich gemacht

...fühle ich mich nicht, und ich würde wohl pauschal auch zu "Mittelalterklamotten tragenden Leuten" gerechnet werden. Ich vermute allerdings stark, dass dort eher weniger wirkliches "Mittelalter" im Sinne von Rekonstruktion zu sehen sein wird, sondern eher Marktgänger. Gleichwohl ist allen wirklich gemeinsam: faktisch verkleidet man sich, egal ob nun akkurat recherchiert, oder nicht, es bleibt ein Kostüm. Was auch jeweils dahintersteckt. Man muss halt sich auch einen gewissen distanzierten Blick waren, und dann wird man zugeben, manches besitzt schlicht auch unfreiwillige Komik.

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leyley 21.11.2013, 10:53
17.

Jaaa.. das Krümelmonster war cool! Fand ich auch! :D
Unabhängig davon, was man von Erwachsenen in Kostümierung hält, finde ich, dass die Bilder ganz große Klasse sind. Die Kostüme sehen unglaublich aufwändig aus (ich könnte so etwas definitiv nicht), die dazu ausgesuchten Motive sind wunderbar skurril und alles ist toll in Szene gesetzt. Großes Lob! :))

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stiip 21.11.2013, 10:58
18. Eine todernste Sache

Zitat von Artgarfunkel
Wieso aufregen? In der Überschrift zum Artikel steht doch bereits: "Bitte lachen Sie jetzt nicht!". Das zeigt doch, dass es eine toternste Sache ist, die auf keinen Fall Freude oder Spaß machen darf. Und sich in Mittelalterklamotten gegenseitig mit dem Morgenstern zu beharken ist schließlich eine toternste Angelegenheit.
Zwischen "Lachen über etwas" und "jemanden auslachen/lächerlich machen" besteht ein großer Unterschied, das haben Sie wohl genauso wie ich schon als Kind gelernt. Unterstellen Sie also bitte nicht jemandem Humorlosigkeit, der/die nicht ausgelacht werden will.

Schließlich ist Lächerlichkeit ja geradezu definiert als der unfreiwillige Kontrast zwischen dem hohen Anspruch und dem banalen Kontext (der "Hinterhof-Napoleon") -- oder umgekehrt (der Armeegeneral, den bei seiner Rede Darmwinde plagen). Wer lächerlich gemacht wird, dem wird nicht nur Scheitern, sondern auch Uneinsichtigkeit (bis zum Krankhaften) zugeschrieben. Das kann emanzipatorisch wirken (Brüderle als angeheiterter Gigolo, Merkel-Raute, Steinbrücks "Kavallerie"), wird im Diskurs aber wohl ebenso oft diffamierend eingesetzt: Ziel sind häufig Minderheiten (z. B. Ausländer), "Abnorme" (Schwule, Behinderte), Menschen oder Gruppen mit weniger "Definitionsmacht" oder schlicht Menschen, die eine andere Meinung oder einen anderen Lebensstil vertreten. Auch Mobbing bezieht seine zerstörerische Kraft zum großen Teil daraus, dass das Opfer lächerlich gemacht wird, also seine Ansprüche auf Würde negiert werden. Besonders wirksam ist diese rhetorische Waffe, weil dem Angegriffenen leicht Humorlosigkeit unterstellt werden kann, wenn er in das herabwürdigende Gelächter nicht einstimmt. Wie unsere Altvorderen schon wussten: Auch Lächerlichkeit kann töten. Sie sehen: Komik kann eine todernste Sache sein.

Pichler unterstelle ich nun nicht, dass es sein Ziel war, seine Modelle lächerlich zu machen -- aber ihm hätte klar sein müssen, dass es in den meisten Fällen genau so wirkt. Ein Krampus in der "guten Stube", das passt, weil es Teil des lokalen Brauchtums ist. Ebenso das Krümelmonster in der Küche. Der bügelnde Ritter ist eher dazu angetan, ganze Gruppen von Leuten als "Spinner" abzutun. Der subversive Aspekt des Verkleidens -- nämlich dass man aus der gesellschaftlichen Normierung für eine gewisse Zeit ausbrechen und unter der Maske auch eher die Wahrheit sagen kann (die sogenannte "Narrenfreiheit") -- kommt mir dabei zu kurz. Übrigens auch der gesamte Karneval.

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Artgarfunkel 21.11.2013, 12:21
19.

Zitat von stiip
Pichler unterstelle ich nun nicht, dass es sein Ziel war, seine Modelle lächerlich zu machen -- aber ihm hätte klar sein müssen, dass es in den meisten Fällen genau so wirkt.

Offenbar haben Sie und ich verschiedene Bilder angeschaut.
Ich sah Bilder, die Menschen in ihren Kostümen zeigen in ihrer gewohnten Umgebung (die sie sich, wie man lesen konnte, übrigens selbst ausgesucht haben).
Wenn sich diese Menschen, die wohl auch ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben haben, sich nicht selbst "lächerlich" vorkamen, dann steht Ihnen eigentlich nicht zu, deren Urteil und Selbstempfindung zu negieren.

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