Forum: Panorama
Vermächtnis der RAF: Die Untoten der Bonner Republik

Wer den Deutschen Herbst und dessen Bedeutung nicht versteht - der kann auch die Geschichte der Bundesrepublik nicht begreifen. Politisch ist die RAF zwar mausetot - doch kulturell wirkt sie weiter, argumentiert der Politologe Wolfgang Kraushaar in einem Exklusiv-Essay.

Inuit 05.09.2007, 15:44
1. Warum wird diese Geschichte so hochgekocht?

Was wollen unsre Politiker und in ihrem Schlepptau die Medien bezwecken, wenn sie nach mehreren Jahrzehnten diese Geschichte wieder hochkochen lassen? Gibt es vielleicht noch Sympathisanten von RAF und Co? Beim momentanen Regierungsstil unserer kapitalgei*** - ähm - kapitalverliebten Macht-Eliten könnte man's sich manchmal schon wünschen.
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Michael KaiRo 05.09.2007, 16:04
2. Beitrag ist recht verherrlichend!

Ein m.E. recht verbrämender Beitrag, der kaum auf die tatsächlich Lage der damaligen Bundesrepublik eingeht.

In Anbetracht der damaligen extremen terroristischen Lage zu titeln: "Politisch mausetot, kulturell quicklebendig" ist m.E. extrem geschmacklos aund voll daneben.

Nun ja, Ewiggestrige gibt es vielerorts. Mich wundert es nur, sie hier zu finden.

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NikoK 05.09.2007, 16:04
3. angeblich, vorgeblich, vergeblich?

Im Spiegel und anderen Medien ist immer die Rede von "angebliche(n) Kontinuitäten mit der NS-Vergangenheit [...]" und vom "...ausgegebenen Antiamerikanismus, ... als Antifaschismus verbrämten Antizionismus ... angeblicher Freundschaft mit den Palästinensern...".

Alles Lug und Trug also? Worauf basierte dann der "Kampf" der RAF? Reine Mordlust - glaub ich nicht. Egomanie? Geisteskrankheit? Verblendete Naivlinge? Waren also letzten Endes Juden- und Amerikahasser.
Scheinbar also die wirklichen Faschisten? Ahh! Daher Horst Mahler. Der hat sich also gar nicht gewandelt sondern sagt jetzt nur was damals die ganze RAF dachte?

Kann ich mir alles (als ausschließliche Motivation) nicht vorstellen, liegt aber vielleicht an meinem nicht BUNDESdeutschen Lebenslauf.

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Daniel Hoogland 05.09.2007, 17:10
4. von Wegen Geschichtsverständnis....

Es scheint mir dass hier auch ein bisschen leichtfertig mit der Geschichte der BRD umgegangen wird. Ich verstehe die
Bedeutung dieser Deutschen Herbst und die der BRD sehr wohl.
Aber ich verstehe Beides eben anders als der Autor,der ungerechtermassen seine Auffassung als "die Wahrheit" darstellt in einer solchen These.
Tatsache ist, dass damals 20Jährigen aufwuchsen in einer
Gesellschaft die einerseits noch tief erschüttert war von
den Folgen des Krieges. Sie hatten Eltern die "Mittätet" oder "Mitläufer" gewesen waren. Selbst das Wort Vergangenheitsbewältigung war noch nicht so offen und geläufig in der Diskussion.
Und warum ? Das hatten nämlich diese 20 jährigen auch begriffen : Andererseits war nämlich die ganze Gesellschaft von miefendem Filz geradezu durchzogen! Einen Riesenhaufen
Altnazis und ähnliches Gesindel war überall in der Gesellschaft zu finden, auf allen - und sogar auf sehr hohen Ebenen. Das da eine gewaltsame Reaktion, eine Art
verspätetes Aufräumen der verlogenen Herrschenden, (obwohl
abartig und kriminell), hervorkam schien mir damals nicht
verwunderlich.Natürlich war die Idee der RAF abstruss.
Aber nicht die Vorzeit vergessen......

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Stefan Albrecht 05.09.2007, 18:27
5. Größenwahnsinnige Kriminelle

Zitat von sysop
Wer den Deutschen Herbst und dessen Bedeutung nicht versteht - der kann auch die Geschichte der Bundesrepublik nicht begreifen. Politisch ist die RAF zwar mausetot - doch kulturell wirkt sie weiter, argumentiert der Politologe Wolfgang Kraushaar in einem Exklusiv-Essay.
Das Beispiel Helmut Mahler zeigt welche politischen Ziele die RAF hatte: Keine. Es war einfach, wie immer bei kriminellen, den Frust seiner eigenen Unfähigkeit an anderen auszulassen und dann versuchen, sich irgendwie wichtig zu machen mit pseudointelektuellem Geschwätz.
Was der Artikel über Helmut Schmidt schreibt, teile ich nicht, in keinster Weise. Ich halte es für richtig, daß er den Erpressungsversuchen stand gehalten hat. Sonst wären die Größenwahnsinnigen Kriminellen der RAF noch Größenwahnsinniger geworden, hätten noch mehr dumme Mitläufer gefunden und die Situation wäre komplett eskaliert. In so einer Situation muß der Staat konsequent sein und daß Helmut Schmidt selber sagt, er sei in Schuld verstrickt zeugt davon, daß er ein Gewissen hat. Aber er wäre sicher in mehr Schuld verstrickt, wenn er (und die Kollegen aus dem damaligen Krisenstab) sich aus der Verantwortung gestohlen hätten. Sie haben seinerzeit alle ihren Job gemacht, und zwar aus meiner Sicht sehr gut.
Für die Tatsache, dass es ein Sch...job war, beschuldige ich keinen.

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akunos 05.09.2007, 19:31
6. Jaja halt ein Politologe...

- wirklich ein netter, süffig zu lesender Schreibstil - aber, aus meiner Sicht, in der Schilderung der Entwicklung der RAF voll daneben.
Offen gesagt habe ich keine Ahnung, ob und wie die RAF noch bis heute ihre "kulturelle Auswirkung" hat. Ich weiss nur wie bei mir - und vielen anderen - die in den 50er Jahren heranwuchsen, wie mich die durch und durch verlogene, vergangenheitsverdrängende Haltung vieler Erwachsener anwiderte. Ich weiss noch genau, wie - zumindest latent - in meinem Elternhaus, der deutsche Nationalismus, und klar erkennbar auch eine gewisse augenzwinkernd versteckte nationalsozialistische Grundhaltung weiter gepflegt wurde. Obwohl mehr als die Hälfte unserer Familie durch Krieg und in den Hungerjahren der Nachkriegszeit gefallen, verbrannt, verhungert oder an Entkräftung gestorben war. Aber - über die Vergangenheit, über Verstrickungen oder gar Schuld wurde nicht gesprochen. Bis zu meinem 10. Lebensjahr (1955) war es mein innigster Wunsch deutscher Offizier zu werden, um meine gefallenen Onkels zu rächen.
Erst 1959 öffnete mir der Film "Auschwitz" ein wenig die Augen, begann die Nachdenklichkeit, wurden Fragen gestellt - und keine oder nur ausweichende Antworten gegeben. Von niemanden. Erst viel später ist mir klar geworden daß die damalige gesellschaftliche Elite fast ausnahmslos in die Nazibewegung mehr oder weniger verstrickt war - und ohne sie das sogeannte Wirtsschaftswunder kaum möglich gewesen wäre. Die Jugend aber - wir - wollten diese Haltung der Lüge und Verdrängung nicht länger hinnehmen. Wir wollten Antworten, was war und bekamen sie nicht. Dann im Zuge der ersten großen Koalition wurdem 1967 die Notstandsgesetze verabschiedet - und weit weg, aber durch die Präsenz der USA in Deutschland sehr nah, eskalierte langsam, aber zunehmend mörderisch der Vietnamkrieg. Erste große Demos. Der erste Tote Benno Ohnesorg. Wieder - wie vor 1945 zeigte (in unseren damaligen Augen) der Staat seine unterdrückende diktatorische Fratze - brutal und unmenschlich. So war meine Wahrnehmung damals gestrickt - und ich war nicht allein. Auch heute noch, denke ich daß der Staat und seine Chargen damals denkbar ungeschickt und hilflos reagierte. Ich vergesse nie, wie brutal wir 1967 vor der Frankfurter Paulskirche durch Wasserwerfer und Polizeiknüppel als friedliche Demonstranten zusammengehauen wurden. Man braucht nicht viel Fantasie, dass es so erklärbar ist, dass in dieser schlimmen Grundstimmung im Lande ein idealer Nährboden für die Gründung der RAF entstanden war. Hungertote wie Holger Meins, erschossene "Kämpfer" wie Georg von Rauch, Isolationshäftlinge wie die frühere Topjournalistin Ulrike Meinhof etc. radikalisierten weitere Anhänger. Kein Zweifel - die Aktionen, die Morde, die Straftaten der RAF sind durch nichts zu entschuldigen. Jedoch - sie sind erklärbar, so wie die menschliche Natur, menschliches Handeln mit all seinen Unzulänglichkeiten und Irrtümern (oft) erklärbar ist. Ich halte es daher für voll daneben ein Mythos RAF zu stricken. Die RAF wirkt weiter? Leider ja - durch das unendliche Leid welches vielen Menschen durch diese völlig verrannten Leute angetan wurde. Die RAF wirkt weiter - durch die damals erzeugte Atmosphäre des Mißtrauens und der Angst, die wiederum den heutigen Überwachungsstaat mit befördert hat. Aber - diese Folgerungen als kulturelles Erbe zu bezeichnen? Ich hoffe nicht.

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