Forum: Panorama
Völkerschlacht bei Leipzig: Ein guter Tag für einen Krieg
Nils A. Petersen

200 Jahre nach Napoleons großer Niederlage spielen Tausende Darsteller die Völkerschlacht bei Leipzig nach. Historisches Bewusstsein nennen das die einen, Kriegstreiberei die anderen. Ein Besuch im französischen Lager, beim Kaiser persönlich.

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jboerner 21.10.2013, 11:59
60. Grauenhafter Artikel

Das ist wohl der tendentiöseste und uninformativste Artikel, den ich seit langem gesehen habe. Man könnte ja verschiedene Aspekte von Geschichtstheater, Kulturvermittlung, Reenactment, Living History usw. beleuchten. Man könnte euch einiges kritisch hinterfragen. Man könnte die Motivation der Darsteller vermittlen.
Aber nein. Das wäre ja vernünftiger Journalismus.
Statt dessen nimmt man seine fertige Meinung, und versucht diese, sich einbildend, dies wäre hintergründig, über gezielte Herauskehrung bestimmter Topi zu vermitteln. Was hat die Bauchform eines Darstellers mit dem Thema zu tun? Die Tatsache, dass jeder, der im freien unterwegs ist, sich über gutes Wetter freut? Die Marke des Autos eines der Darsteller? Der Akzent des Sprechers der Veranstaltung?
Und spätestens, wenn der Autor sein Bedauern darüber äussert, dass es keinen potentiell gewaltätigen Konflikt mit Vertretern einer extremistischen Gruppe gegeben hat, disqualifiziert er sich vollkommen.

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jüttemann 21.10.2013, 12:10
61. Nein

Zitat von Meinungsfreiheitskämpfer
Kleine Anmerkung: "100.000 Sodaten Verlust beinhaltet sowohl die tatsäcxhlichen Toten als auch die Verwundeten". Wir reden hier von einer Massenschlacht am Anfang des 19. Jahrhunderts. Man geht davon aus, dass nur etwa 10% der Verwundeten überlebt haben. Die 100.000 Toten, manche reden sogar von 150.000, sind daher völlig korrekt.
Nein, das ist eben nicht korrekt.

Der Begriff "Verluste" beinhaltete damals zwar tatsächlich Tote UND Verwundete, aber die Genesungsrate war damals weitaus höher, als von Ihnen mit 10 % angegeben.

Der letzte Konflikt, der noch mit der "primitiven" Wundversorgung stattfand, bevor sich die Prinzipien der Sterilisierung von Wunden, Instrumenten und Verbandsmaterial durchsetzten, war der amerikanische Bürgerkrieg 1861-65.
Durchschnittlich kamen dabei auf einen im Kampf gefallenen Soldaten 4-5 Verwundete, von denen regelmäßig mehr als Zweidrittel so weit genasen, dass sie wieder aktiv zur Truppe zurückkonnten.
Selbst bei Amputationen von Gliedmaßen betrug die Überlebenschance zwischen 25 und 50%.

Als Beispiel die Verlustenliste eines New Yorker Regiments, das durchaus exemplarisch für die damalige Zeit war.
Auf 55 Verwundete, die an ihren Verletzungen starben, kamen mehr als 400, die ihre Verwundungen überlebten.

120th NY Infantry Regiment - battles and casualties during the Civil War - NY Military Museum and Veterans Research Center

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Pankower 21.10.2013, 14:04
62. Beschränkte Sichweise

Wieder ist es wie so oft. Einer unaufgeregten, unmythologischen Darstellung wird Politik und Mythologie angedichtet. Ihr wird Glorifizierung angedichtet, weil es so sein muß. Die Medien, die Kritiker, können es nicht glauben und halten es für unmöglich, das es etwas gänzlich ohne politische oder mythologische Verbrämung gibt. Also wird es flugs angedichtet, damit Autoren wir Felix Dachsel oder Bertram Haude ihr Gewissen beruhigen können, endlich auch mal gegen den Krieg geschrieben zu haben. Hierbei benutzen sie Worte, die sie vormals weder lasen noch hörten und deren Inhalt, deren Bedeutung sie bis heute nicht verstanden haben. Wie immer wird reflexartig zur Nazikeule gegriffen, sonst wäre nicht der versteckte Hinweis auf Bruno Ganz und dessen Rolle als GröFaZ in "Der Untergang" im Artikel zu finden. Wie soll sich ein ungebildeter Studienabbrecher auch die Welt anders erklären. Dinge außerhalb seiner Tellerrandes müssen zwangsläufig revanchistisch, nationalsozialistisch, oder doch wenigstens kriegslüstern sein.

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freister 21.10.2013, 16:46
63. Auch ich habe zugesehen

auch die Gegendemonstranten habe ich gesehen auf dem Fahrrad und mit Regenbogenfahnen. Überhaupt nicht militant.
Kenn der Autor den Umstand dass in der Französischen Armee von gestern viele darsteller aus anderen Nationen mitmachen. Selbst viele Russen. Wie sollen die sonst den Übergang über die Berisina darstellen, wenn keine Franzosen kommen. Es gibt nicht jedes Jahr ein Jubiläum.
Ansonsten war die Veranstaltung als Fress- und Sauffest einfach nicht geeignet. Dazu waren die Schlangen an der Ver- und Endsorgung einfach viel zu lang. Davon hat der Kollege im Pressebereich wohl nichts mitbekommen. Fragwürdig war eher das Pferdegulasch im Pressezelt.

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Tigger 21.10.2013, 23:05
64. kein Karneval ohne Uniformen

Ich schließe mich dem Tenor vieler Vorredner an und meine, die groeßte Fehlbesetzung dieses Events war der Autor dieses Artikels, er sollte sich mehr auf die Veranstaltungen konzentrieren, mit denen er sich auch besser identifizieren kann, dann kann auch ein Artikel mit Kritik beim Leser das Gefuehl hinterlassen: "Schade, dass ich nicht dabei gewesen war!"
Ich war vor einigen Jahren bei dieser Veranstaltung auf dem suedlichen Schlachtfeld von Leipzig und mir ist noch eine Szene sehr lebhaft in Erinnerung, wie ein saechsischer Soldat "Fueir unsrn Geenich!, Fueir unsrn Geenich!" schreiend vorwaerts stuermt und dann sehr theatralisch sirbt, wobei dieser dramatische Abgang bei den Zuschauern eher ein Schmunzeln, als Betroffenheit ausloeste. Aber bei Monty Python wird auch gestorben und gelacht. In aller Satiere liegt ein Funken Wahrheit. Vielleicht sollte man mal beleuchten, warum die Sachsen regimenterweise von der franzoesischen Seite auf die allierte Seite ueberliefen? Weil sie Angst hatten zum Schluss auf der Seite der Verlierer zu stehen oder wiel sie die Courage hatten, fuer etwas Sinnloses nicht bis 5 nach 12 zu kaempfen. Es war sicherlich nicht die Loyalitaet zu ihrem Koenig, die sie zu diesen Schritt veranlassten.
Zugegeben, die geschichtliche Annaeherung kann nur punktuell erfolgen und wird dem wahrhaftig Geschehenen nie ganz gerecht werden. Geschichte ist fuer den Laien besser durch konkrete Schicksale erfahrbar. Das Lesen des Tagebuchs der Anne Frank setzt mehr Emotionen frei, als die abstrakte Zahl von ueber 6 Mill. ermordeter Juden. Auch ist der Blick in die Geschichte nur ein Spiegel unserer Zeit. In 100 Jahren wird die Schrecklichkeit eines A. Hitlers noch mehr verwischt sein und ein Napoleon gilt vielleicht als Vorreiter der Europaeischen Union.
Wenn man so etwas in Frage stellt, muss man auch historische Umzuege bei Stadtjubilaeen, wo Darsteller etwa in Wehrmachtsuniformen oder gar FDJ-Hemd auftreten, hinterfragen. Aber wo zieht man die Grenze? Ich stelle mir schon den Aufschrei hierzulande vor, wenn die Schlacht um Berlin von 1945 oder gar der Polenfeldzug von 1939 historisch nachgestellt wuerde.
MfG

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marvos 22.10.2013, 00:19
65. Artikel hin...

Artikel her... Bin mal gespannt wann wir anfangen die Schlachten des zweiten 1. und 2. WK nachzuspielen und alle das ganz doll finden das sich "die Leute aus allen Ländern absprechen und was einfallen lassen, mit Kostümen und so..." Fakt ist es war Krieg und bleibt Krieg und ich glaube von den einfachen Leuten die damals beteiligt waren,egal auf welcher Seite, hatte keiner Bock auf die Schei++. Von denen käme wahrscheinlich keiner auf die Idee dieses Gemetzel nachzuspielen so wie heute niemand große Lust hat Stalingrad nachzuspielen. Cheers

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Colporteur 22.10.2013, 11:00
66.

Zitat von Layer_8
...vor 7 Jahren, 2006, nicht schon mit seinen Truppen in Berlin einmarschiert? War ein schönes Spektakel am Brandenburger Tor.
Nein; der Napoleon von damals heißt Mark Schneider, stammt aus den USA und sieht dem Original geradezu erschreckend ähnlich. Und jedes einzelne Fenster der französischen Botschaft war mit Menschen besetzt, die das Spektakel unbedingt verfolgen wollten.

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wali89 22.10.2013, 11:39
67. Schämt euch...

Ich war am Sonntag dabei und muss sagen: der Artikel entspricht in keiner weise meinem Erlebten!
Der Artikel ist tendenziös, teilweise unsachlich und schlecht recherchiert!
Während "Im Westen nichts Neues", "Das Boot" und "Soldat James Ryan" völlig zurecht als bedeutende Anti-Kriegs-Literatur bzw. -Filme gewürdigt werden, wird die analoge Darstellung der Kriegsereignisse von damals als "lustiges Schauspiel" verunglimpft?
Man könnte meinen, dass die Autoren den Artikel selbst nur auf Basis von Drittquellen erstellt haben - mich persönlich haben die Kanonen- und Musketensalven echt beeindruckt, dazu die perverse Präzision der Truppenbewegungen - die Vorstellung, dass es in Wirklichkeit bei der schlacht 50!! mal so viele Männer und Geschütze waren, dazu der Geruch von Angst(schweiß) Fäkalien und die Schreie der Verwundeten und Sterbenden zu hören gewesen sein muss, lässt mich noch zwei Tage später erschauern.
Ich bin der Meinung, dass die Darstellung wirklich gelungen als Gefecht für den Frieden war.
Ebenso wird in dem Artikel völlig vergessen oder verdrängt dass abweichend vom historischen Schlachtausgang sich die Darsteller von Napoleon und Blücher als Zeichen der Völkerfreundschaft die Hände reichten
Darüber hinaus ist es schlicht respektlos, unabhängig von der persönlichen Meinung die Arbeit der vielen Freiwilligen, die Organisation und den Aufwand der Veranstaltung schlicht mit keinem Wort zu würdigen!

Andere Dinge wie Sicherheitszäune, Bratwurstbuden und Dixis sind schlicht Bedürfnissen der modernen Welt und der DAuer der Gesamtveranstaltung von ca. 6 stunden geschuldet - oder möchten sich die Autoren für ihre Notdurft in die Büsche schlagen bzw. über live über eine Szene wie bei der Loveparade berichten, wenn ein scheuendes Pferd in eine ungeschützte Zuschauerreihe geritten wäre??

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saldat_bumaschny 22.10.2013, 16:45
68. Was man am besten gleich noch alles abschaffen sollte

Schach:
Ein reines Kriegsspiel. Man sollte soweiso nichts spielen, bei dem es darum geht, jemanden zu besiegen.

Sport:
Laufen, Speerwerfen, Ringen - schon in den Ursprüngen (Olympia) ging´s nur darum, die jeweils Besten in den militärischen Disziplinen zu finden. Reiten, Schießen, Schwimmen usw., mit der Zeit kamen viele weitere hinzu. Selbst Ballsportarten sind im Kern ja nichts anderes als kleine "Schlachten" und man "schießt", "kämpft" und "siegt" immer für die eigene Seite

Karneval:
Die vielen Gardeuniformen überall sind eine unzumutbare Verharmlosung und öffnen dem Militarismus Tür und Tor, das geht gar nicht.

Filme:
Actionfilme verherrlichen nur Gewalt. Überhaupt sollte man auch Krimis wie den "Tatort" nicht mehr ausstrahlen, denn man soll das Thema "Mord" nicht zum Inhalt von Unterhaltung machen.

Nachrichten:
Wenn über Gewalt, Kriege und Tote berichtet wird, befriedigt das letztendlich doch nur die Sensationsgier der Zuschauer

Theater:
Auch hier wird oft Böse Charaktere dargestellt und regelrecht verherrlicht

Kinder:
Denen kann man das Indianerspielen einfach nicht abgewöhnen.

Überhaupt alles was Spaß macht:
Die viele Zeit könnte man doch sowieso besser mit Altenpflege oder permanenter anderer sozialer Arbeit verbringen

Sorry, aber wer noch nie selbst an so einer Veranstaltung wie in Markkleeberg teilgenommen hat, kann einer solchen Sache einfach nicht gerecht werden. Es gibt dort genau so viele Motive und differenzierte politische Einstellungen über das gesamte Spektrum von links bis rechts wie es Teilnehmer gibt. Für mich war es jedenfalls ein tolles Gefühl, auf dem Schlachtfeld Seite an Seite mit einem aus Polen stammenden Franzosen, einem Italiener und einem als Spanier verkleideten Engländer gegen Russen und Österreicher zu kämpfen, die beim Gefecht genauso wenig ihren Spaß an der Sache verbergen konnten wie wir. Und abends hat man am Lagerfeuer zusammengesessen, ein gemütliches Bier getrunken und den Verlauf der Schlacht nochmal revue passieren lassen. Ich denke nicht, dass es viele Events gibt, bei denen die Nationalitätengrenzen so verschwimmen und man länderübergreifend so viel Austausch, Verständnis und gemeinsame Interessen finden kann, wie an diesem Wochenende. Gerade diese gemeinsamen Erlebnisse machen die Sache aus. Wer dahinter irgendwelche Kriegstreiberei oder überhaupt nur eine Befürwortung unterstellt, der sollte sich vielleicht mal selbst mal kritisch befragen, ob er nicht möglicherweise selbst derjenige ist, der nach Hass und Streit sucht und deswegen krampfhaft ein Feindbild aufbaut.

Ich hatte jedenfalls eines der schönsten, fröhlichsten und interessantesten Wochenenden meines Lebens.

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