Forum: Panorama
Was tun gegen Schläger?

Der tödliche Übergriff in München entfacht eine neue Debatte über die Sicherheit vor Schlägern - was ist das richtige Mittel?

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Martha 14.09.2009, 22:50
790. Junge Männer

Junge Männer sind oft gewaltbereit und gefährlich. In allen Kulturen wurde versucht damit umzugehen, d.h. die Gewalttätigkeit einzuhegen (Initationsriten etc).
Nun wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass höhere Strafen nicht abschrecken etc. etc, da die Taten aus einem agressiven Impuls heraus geschehen. Ist wohl auch nicht zu widerlegen aber wie rechtfertigt sich das alternative Modell, d.h. Strafe zur Erziehung ? Wo sind seine Erfolge ?
Fehlt uns nicht eine Idee im Umgang mit dem Gewaltphänomen ? Frustrationen, die ein Ventil suchen, gab es sicher zu jeder Zeit. Kann es möglicherweise daran liegen, das die Einhaltung von Regeln und der Erwerb von Frustrationstoleranz nicht eingeübt werden, die Agressionen nicht kanalisiert und Regelverstöße nicht ernsthaft geahndet werden ?

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Martha 14.09.2009, 22:50
791. Junge Männer

Junge Männer sind oft gewaltbereit und gefährlich. In allen Kulturen wurde versucht damit umzugehen, d.h. die Gewalttätigkeit einzuhegen (Initationsriten etc).
Nun wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass höhere Strafen nicht abschrecken etc. etc, da die Taten aus einem agressiven Impuls heraus geschehen. Ist wohl auch nicht zu widerlegen aber wie rechtfertigt sich das alternative Modell, d.h. Strafe zur Erziehung ? Wo sind seine Erfolge ?
Fehlt uns nicht eine Idee im Umgang mit dem Gewaltphänomen ? Frustrationen, die ein Ventil suchen, gab es sicher zu jeder Zeit. Kann es möglicherweise daran liegen, das die Einhaltung von Regeln und der Erwerb von Frustrationstoleranz nicht eingeübt werden, die Agressionen nicht kanalisiert und Regelverstöße nicht ernsthaft geahndet werden ?

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derherrhuber 14.09.2009, 22:55
792.

Zitat von sfb
So ist es. Bis unsere Regierung sich wieder auf ihre Kernaufgabe besinnt, oder ihren Untertanen das Waffentragen erlaubt, kann man nur empfehlen, Pfefferspray und einen schönen, großen Schraubenzieher mitzuführen. Das sollte juristisch einwandfrei sein.
Flegelhafte Jugendliche zurechtstutzen: Von Adenauer gibt es ein Zitat: "Wenn Sie einen jungen Mann beim Hakenkreuzschmieren erwischen, vollziehen Sie bitte das Urteil auf der Stelle und verpassen ihm ein paar Ohrfeigen!"
Würde heute ein Abgeordneter oder gar Regierungsmitglied sowas sagen..
Wie schon erwähnt: Früher wurden Kinder zuviel, heute werden sie zuwenig geschlagen!

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vancouver 14.09.2009, 22:56
793. Es fehlt ein wirkliches Konzept

Zitat von khid
Gewalt kommt nicht "aus dem Nichts" - Gewalt hat immer einen Ursprung! Selbst die totale Überwachung ist nicht in der Lage Verbrechen wie das von Solln, Terroranschläge wie in New York, Madrid oder London zu verhindern! Egal ob durch Videoüberwachung oder Internetüberwachung/ Zensur oder... Die totale Überwachung ist ein Placebo - eine ....
Danke khid für diesen guten Beitrag. Über härtere Strafen oder Videoüberwachung zu diskutieren kann man machen, jedoch kratzen diese Maßnahmen nur an der Oberfläche und helfen nicht Straftaten zu vermeiden.

Sicherlich ist das Gewalt Problem ein gesellschaftliches, doch ist auch die Politik gefordert Gegenmaßnahmen einzuleiten. Und hierbei sind nicht nur Innenminister gefragt, sondern auch Familienminister, Bildungsminister, Arbeits- und Sozialminister, usw. Wir brauchen ein politisches Konzept gegen Jugendgewalt. Die Gewalt der Jugendlichen hat in der Tat ihre Ursache meist im sogenannten sozialen Umfeld der Täter, sprich Elternhaus und Freundeskreis.

Ein politisches Konzept müsste kurzfristige und langfristige Maßnahmen enthalten.

Kurzfristige Maßnahmen könnten härtere Strafen, mehr Sicherheitspersonal, eine besondere "Betreuung" von Intensivstraftätern, mehr Gewaltprävention an Schulen, keine Abgabe von alkoholischen Getränken an Jugendliche usw. beinhalten.

Langfristige Maßnahmen müssten darauf abzielen, dass in der Gesellschaft weniger Jugendliche zu Versagern und Verlieren werden. Hierfür wäre es nach nötig das deutsche Schulsystem zu reformieren, generell mehr in Bildung, Jugendämter und Betreuungsangebote zu investieren, usw.

Die Politik hat vor den Problemen die Augen leider verschlossen. Wer redet heute noch z.B. über die Rütli Schule in Berlin? Wird sich dort an der Lage irgendwas signifikant verbessert haben? Ich wage es zu bezweifeln.

Leider wird seitens der Politik lediglich über härtere Strafen und Videoüberwachung diskutiert. Das ist populistisch, dumm und fahrlässig. Das Problem ist komplex, ja, aber dennoch durch ein echtes politisches Konzept zumindest langfristig veränderbar.

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skycop 14.09.2009, 22:59
794.

Ich würde mich jetzt sehr weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich jeden an seine Zivilcourage erinnern würde. Die gab es früher nicht und sie wird auch jetzt nicht besser. Es gibt aber ein Selbstverständnis, welches überdacht werden sollte. Es ist, mal rein biologisch so betrachtet, dass der Mensch Gefahrensituationen vermeidet bzw. Situationen, die er nicht einschätzen kann. Das ist noch völlig wertungsfrei. Mit der Vergesellschaftung setzten für den Menschen Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft ein, die sich auch gegen seine biologische Natur richten würden, wenn dadurch er im Schutz der "Gruppe" verbleibt. Das gibt ihm einen Überlebensvorteil. Aus dieser Richtung betrachtet, lassen sich sowohl das Einschreiten, als auch die fehlende Hilfe erklären. Auch das noch völlig wertungsfrei. Nun ist unsere derzeitige Gesellschaft nun nicht mehr so überschaubar wie ein Familienclan, in dem auch Blutsbande eine wichtige Rolle spielen. Ich möchte die "Gaffer" nicht verdammen, da sie sich instinktiv ja selbst geschützt haben. Aber sie leben in einer Gesellschaft, die auch gewisse Verpflichtungen erwartet. Das zu erkennen ist schwer. Als Gruppe kann man wesentlich leichter agieren, denn als einzelne Person. Die Gruppenmotivation zum Einschreiten auszulösen, dieser Impuls, woher muss der rühren? Da beginnt für mich die Debatte um die Gesellschaftsform und das eigene Selbstverständnis. Keiner wird sich rausreden können, dass er nicht schon gegafft hat. Und hilflos agierten, wenn sich einer aufrafft, aber der Rest schaut zu. Nun es muss nicht immer gleich der Schlägertrupp sein. Als Frau würde ich mir das schon aus meinem Selbsterhaltungstrieb dreimal überlegen. Würde ich aber die Geistesgegenwart besitzen, mehrere Leute zu motivieren, würde ich handeln. Doch wer hat diesen schnellen Verstand schon? Wo liegt der Impuls zur Motivation? Zivilcourage kann auch in kleinen Maßstäben sein. Jemandem zu helfen, der verletzt ist. Wenn eine ältere Person umkippt etc. man muss deshalb noch nicht mit Schlägern konkurrieren. Das wäre zuviel verlangt. Aber wenn man eine starke Gruppe hinter sich wähnt, dann können auch ein paar Schläger nur kleinbei geben.

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Joachim Baum 15.09.2009, 23:09
795.

Zitat von pit t.oresk
Was mich erschreckt hat, ist dass nur ein einzelner Mann die Courage besessen hat, sich den Jugendlichen entgegen zu stellen. Wo waren die anderen?
Auf 'ner Demo für mehr Videoüberwachung.

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ex_t_kunde 15.09.2009, 23:11
796. Krankenkasse weigert sich bei Verletzungen aufzukommen

Ich will mich gar nicht zu der ungeheuerlichen Tat äussern, die erschüttert mich schon genug. Aber dass in einer Randnotiz gesagt wird, dass sie viele Krankenkasse in Deutschland weigern, einem Helfer der bei seiner mutigen Tat verletzt wurde, zu helfen, ist doch ganz schlimm. Dann ist der oder die Helfende ja doppelt gestraft... Und im Fernsehen schimpfen die Politiker anklagend dass keiner der Umstehenden geholfen habe... Kein Wunder.

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jjh 15.09.2009, 23:33
797.

Zitat von rubicon
Soooo? Das ist mir neu. Dann müssten Sie sich erstmal für die Abschaffung von Studiengebühren etc. einsetzen. In keinem Land in Europa hängt das erreichbare Bildungsniveau so sehr vom sozialen Status der Eltern ab wie in Deutschland. Leider, leider haben Sie nicht Recht, schön wäre es...
Es gibt verschiedene Ebenen von Bildung und Erziehung. Respekt vor dem Leben und der Unversehrtheit seiner Mitmenschen kann man auch auf einem Level lernen, den es noch umsonst gibt...

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Brieli 15.09.2009, 23:37
798.

Super Herr Zensor,

ich habe 3 Beiträge geschrieben. Ich habe Psychologie studiert und ich fand meine Beiträge "ganz gut". Ich weiß nicht, warum ich keine Meinung haben darf. Aber Sie - als "Spiegel-Zensor" haben sicher ihre Gründe.

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jjh 15.09.2009, 23:46
799.

Zitat von scoopx
In den Medien steht, der getötete 50jährige habe "alles richtig gemacht", "Zivilcourage gezeigt" usw. Ich war entsetzt. Wenn sich noch mehr Leute so verhalten, gibt es noch mehr Tote. Sein Hauptfehler war daß er, nachdem er die Polizei verständigt hatte, mit den vier 13-15jährigen, die er beschützt hatte, und zwei von den Schlägern in die S-Bahn eingestiegen ist, anstatt mit seinen Schützlingen dazubleiben und die Ankunft der Polizei abzuwarten. Aber nein, er wollte den Helden spielen, und sowas macht....
Was sie schreiben, ist sicherlich taktisch richtig. Aber letztendlich bedeutet es nur, dass der Abschaum auf unseren Strassen schon gewonnen hat. Wenn das Opfer nicht eingestiegen wäre, hätte es sich von diesem asozialen Gesocks also an seinem Recht sich frei zu Bewegen abhalten lassen... Sind wir also schon soweit?

Finden wir uns damit ab: Es gibt einen Bodensatz der Gesellschaft, der nur eine Sprache versteht, die von Gewalt und Dominanz. Es gibt dort nur Fertigmachen oder fertiggemacht werden. Es ist die Aufgabe des Staates, in welcher Form auch immer, dafür zu sorgen, dass die Schwächeren vor diesen Kreaturen geschützt werden. Und macht man wirklich etwas falsch, wenn man nicht Opfer sein will?

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