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Wegen Hunderter Badetoter: Lebensretter kämpfen um Schwimmbäder
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Die Zahl der tödlichen Badeunfälle ist zuletzt drastisch gestiegen, der DLRG sieht dahinter ein grundsätzliches Problem. Eine Petition soll nun dazu beitragen, dass mehr Kinder richtig schwimmen können.

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DerAumeister 06.06.2019, 07:29
1. Das ist zu einfach

Ja, das mag stimmen, zumindest in einigen Regionen Deutschlands. Aber zu behaupten, dass wäre DER Grund geht m.E. am Problem vorbei.

In der Grundschul-Klasse meiner 7-jährigen Tochter können gerade einmal 5!!! Kinder schwimmen. In München, einer Stadt, die soviel Geld hat, dass es nicht nur Schwimmbäder gibt, nein, in der sie sogar seit diesem Jahr für Kinder frei sind, zumindest die Freibäder.

An Möglichkeiten mangelt es also nicht.

Es sind eher die Eltern, die das gnadenlos verbocken. Es ist das geänderte Freizeit-Verhalten. Es ist das Helikopter-Eltern Phänomen.

Wer geht denn noch mit seinen Kindern regelmäßig schwimmen? Wer bleibt denn noch in der Stadt statt regelmäßig Event-Ausflüge zu machen? Wer lässt denn seine Kinder noch alleine ziehen, um ihnen Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen beizubringen?

Meine Kinder jedenfalls können alle schwimmen.

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die_WahrheitXXL 06.06.2019, 07:36
2. Es ist wirklich schlimm

Im Gegensatz zu meiner Kindheit nehmen heute weder der Staat noch die meisten Eltern ihre Fürsorgepflicht ernst. Als mein Sohn dieses Jahr mit 8 Jahren in der Grundschule seinen ersten Schwimmunterricht hatte, gehörte er zu den einzigen drei Kindern, die bereits schwimmen könnten. Er hatte als einziger bereits den Goldkurs besucht. Der Schul-Unterricht fand in 10 Doppelstunden statt, wovon 2 wegen Krankheit des Lehrers ausfielen. Resultat: die Schule hat ihre offizielle Pflicht erfüllt und es können weiterhin immer nur noch drei Kinder aus der Klasse schwimmen. Gebracht hat dieser Unterricht rein gar nichts.

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pharmakon 06.06.2019, 07:45
3. Strukturproblem

Das fängt ja schon damit an, dass es mir als Vollzeit berufstätige Mutter unmöglich gemacht wird, meine 4-jährige zur schwimmhalle zu fahren... Die Kurse sind halt für die kleinen nachmittags um 15:00. Wer bitte, außer Teilzeit-Bürokauffrauen und Hausfrauen kann dies in Anspruch nehmen? Kein Schwimmen im Kindergarten, keins in der Grundschule. Ich bin ein Ostkind und hatte mit 5 das Seepferdchen und in der 3. Klasse regulär schwimmen in der Schule, wo bis auf ein Kind damals alle schon schwimmen konnten.

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fundador 06.06.2019, 07:58
4. Schwimmunterricht ist schon immer unzureichend gewesen...

das war schon in meiner 40 Jahre zurückliegenden Jugend so. Auch damals haben nur diejenigen richtig schwimmen gelernt, deren Eltern dafür gesorgt haben, damals noch im Rahmen von Vereinen. Letztere sterben heute aus und das ist - neben dem Schwimmbadsterben - auch eine der wesentlichen Ursachen dafür, dass immer weniger Kinder schwimmen können. Früher war der Schwimmunterricht mit einem vergleichsweise moderaten Vereinsbeitrag inklusive, heute muss man die Kinder in den teuren Privatunterricht schicken und immer weniger Eltern sind bereit und in der Lage, das zu bezahlen. Deshalb: Schwimmunterricht für alle und umsonst oder für minimale Unkostenbeiträge im Schulschwimmbecken! Da könnte sich die DLRG auch stärker einbringen, indem sie solche Kurse anbietet.

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Hans-Dampf 06.06.2019, 08:05
5.

Die Beobachtung mag stimmen, dass es immer weniger Schwimmbäder gibt und gleichzeitig gleich viele oder ein paar mehr Tote durch Ertrinken.
Ich vermisse da aber den Nachweis der Kausalität. Es kann viele Gründe haben, warum mehr Menschen ertrinken: z. B. mangelnde Schwimmkenntnisse, Über-/Unterschätzung von sich selbst oder dem Gewässer, Leichtsinn usw. Nur weil es mehr Schwimmbäder gibt, heißt es ja nicht zwangsläufig, dass der Anteil derjenigen steigt, die Schwimmen kann und/oder die eigenen Kenntnisse gut einschätzen kann. Immerhin liegen Daten ja seit vielen Janren vor und es gab ca. ebenso viele Badetote damals wie heute.

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Cailean 06.06.2019, 08:06
6. Preisstrategie

Der Eintrittspreis für die städtischen Bäder liegt bei uns bei 2-5 Euro, je nachdem ob Kind oder Erwachsener. Die Bäder arbeiten nicht kostendeckend. Die Freibäder werden im Sommer an einzelnen Tagen überrannt, an vielen anderen Tagen herrscht Leere. Ein Vorschlag: einen günstigen Pauschalpreis, z.B. 20 Euro und damit bekommt man einen Ausweis, mit dem jeder Eintritt nur noch 1 Euro kostet. Wenn dann die halbe Stadt diesen Ausweis kauft, hat die Stadt viel mehr finanziellen Spielraum und Planungssicherheit. Beim Halbtaxabo in der Schweiz funktioniert das doch prima.

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widower+2 06.06.2019, 08:09
7. Bäderschließungen

Bei Bäderschließungen geht es immer öfter nicht nur um Einsparungen der Unterhaltungskosten für die Kommunen. Inzwischen wurden einige Bäder geschlossen, weil schlicht keine Schwimmmeister gefunden werden konnten.

In dem Bereich macht sich der Fachkräftemangel schon deutlich bemerkbar.

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danielc. 06.06.2019, 08:11
8.

Beim Rückblick auf meine eigene Entwicklung denke ich daran, dass ich in der Familie das Schwimmen gelernt habe. Der schulische Schwimmunterricht war da nur ein Witz. Bei nur einem Lehrer in der Klasse und einer Wassertiefe von ca 1m machte es zwar Spass, aber an das lernen von Schwimmen war nicht zu denken. Das bringt allenfalls etwas, um bei Kindern die Angst zu überwinden und Lust auf mehr zu machen. Schluss mit Nostalgie... während ich mit ca 8 recht sicher schwimmen konnte (das Schwimmbad war in Autoreichweite), waren meine Kinder schon mit 5 soweit. Das Freibad in Dorf nebst Saisonkarte hatte seine Wirkung. Von daher gebe ich der DLRG recht. Wenn sie Gelegenheit nicht mehr gegeben ist, läuft nichts mehr. Was die Nutzung angeht, sind jedoch die Familien gefragt. Die Schule hat dazu nicht die Ressourcen. Wenn es um Schließung geht, müssen Kommunen genau abwägen, ob ein Freibad nicht wichtiger ist als bsw. ein Theater.

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specialsymbol 06.06.2019, 08:21
9. Stacheldraht unter Wasser

Ist in Binnengewässern ein einfaches Mittel Leute vom Baden abzuhalten. Manche Menschen sind echt zu doof zum Leben, man muss sie vor sich selbst schützen.

In einem geregelten Umfeld wie einem Freibad ist das Schwimmen gefahrlos möglich. Für den Eintritt bekommt man eine sichere Umgebung, geschulte Betreuer und im Notfall kompetente Hilfe.

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