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Wegen Hunderter Badetoter: Lebensretter kämpfen um Schwimmbäder
DPA

Die Zahl der tödlichen Badeunfälle ist zuletzt drastisch gestiegen, der DLRG sieht dahinter ein grundsätzliches Problem. Eine Petition soll nun dazu beitragen, dass mehr Kinder richtig schwimmen können.

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supernicky_reloaded 06.06.2019, 09:56
30. Nr.3

"Ich bin ein Ostkind und hatte mit 5 das Seepferdchen und in der 3. Klasse regulär schwimmen in der Schule, wo bis auf ein Kind damals alle schon schwimmen konnten." In meiner Westkindklasse in den 70ern hatten wir ebenfalls in der dritten Klasse Schwimmunterricht, wo bereits fast alle Kinder schwimmen konnten. Zugegeben, mit 5 hatte ich kein Seepferdchen, ich wäre mit 6 mal fast im Mittelmeer ertrunken und daraufhin haben meine Eltern mich zum Schwimmverein verdonnert. Heutzutage fehlen für so Vereinsgeschichten aber auch an allen Ecken und Enden Übungsleiter, das kommt ja noch dazu.

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almeo 06.06.2019, 10:11
31.

Zitat von die_WahrheitXXL
[...] Der Schul-Unterricht fand in 10 Doppelstunden statt, wovon 2 wegen Krankheit des Lehrers ausfielen. Resultat: die Schule hat ihre offizielle Pflicht erfüllt und es können weiterhin immer nur noch drei Kinder aus der Klasse schwimmen. Gebracht hat dieser Unterricht rein gar nichts.
Grundsätzlich ist der Schwimmunterricht vermutlich mit das aufwändigste, was eine Schule abseits von Schulausflügen organisieren muss. Dazu ist "Schwimmunterricht" kein Fach, dass im Studium oder Referendariat umfassend gelehrt wird. Meine damaligen Kollegen mit Sport als Schwerpunkt haben wirklich jedes noch so blöde Ballspiel gelernt, aber beim Thema schwimmen musste man sich hier aktiv selbst mit entsprechenden Kursen weiterbilden. Ich hatte später Kollegen, die mit voller Straßenklamotte am Beckenrand standen, denen ich als kleiner Referendar erstmal erklären musste, dass sie natürlich ins Becken springen müssten, wenn eines der Kids absaufen würde - und ob sie jemals komplett bekleidet geschwommen, geschweige denn jemanden gerettet hätten? Über sowas machen sich gerade die älteren Kollegen absolut keine Gedanken, viele haben nicht mal Schwimmkleidung dabei, uralte Rettungsschwimmerscheine und waren teils seit Jahren privat nicht mehr schwimmen. Ich kenne Schulen, die hier gegen jegliche Schulgesetze verstoßen und Sportlehrer ohne Rettungsschwimmerschein, Fachlehrer oder sogar Referendare und Praktikanten mitgenomen werden, weil es an fachkundigem Personal mangelt. Zuletzt ist es grenzwertig genug, 20 Kinder in einem Schwimmbecken zu haben und zwei oder drei Lehrkräfte, vielleicht noch einen Schwimmtrainer dazwischen. Lehrkräfte machen drei Kreuze, wenn der Schwimmunterricht vorbei ist und kein Kind ertrunken ist. Ich habe selten Kollegen so angespannt gesehen wie während des Schwimmunterrichts! Im Endeffekt hat der Schwimmunterricht früher immer gut funktioniert, als die meisten Kids noch schwimmen konnten und es halt 3-4 Kinder gab, denen man es in dieser Zeit versucht hat beizubringen. Das ist zumindest das Ideal, was man uns damals an der Uni noch erzählt hat: 3-4 Kinder werden vom Schwimmlehrer betreut, ein Lehrer ist im Wasser im Schwimmerbereich und gibt Anweisungen an die anderen 16 Kids die Bahnen schwimmen und eine Lehrkraft steht am Beckenrand und zählt die Köpfe, damit keiner absäuft. Das funktioniert so halt hinten und vorne nicht mehr...

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Sibylle1969 06.06.2019, 10:13
32.

In meinem Freundeskreis (alles Akademiker) kann ein Kind mit 11 Jahren auch noch nicht richtig schwimmen. Er hatte in der Grundschule nur 2 Blöcke mit Schwimmunterricht, von denen er einen wegen Krankheit verpasst hat. Die Eltern wollten ihn zu einem privaten Schwimmkurs schicken, aber da gibt es hier in Frankfurt lange Wartelisten. Kinder aus bildungsfernem Elternhaus, die in der Schule nicht richtig schwimmen lernen, kriegen ganz sicher keinen privaten Schwimmkurs von ihren Eltern finanziert.

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blonderzahnarzt 06.06.2019, 10:17
33. Wo ist das Problem ?

Zitat von pharmakon
Das fängt ja schon damit an, dass es mir als Vollzeit berufstätige Mutter unmöglich gemacht wird, meine 4-jährige zur schwimmhalle zu fahren... Die Kurse sind halt für die kleinen nachmittags um 15:00. Wer bitte, außer Teilzeit-Bürokauffrauen und Hausfrauen kann dies in Anspruch nehmen?
Also bei uns haben wir uns im Kindergarten privat zusammengeschlossen. Dann ist immer ein Elternteil mit 4 Kindern zum Schwimmunterricht gefahren. Mit etwas Networking bekommt man das dann auch als Berufstätiger hin.
Dann gibt es ggf. auch Oma, Tante, Paten. Ausserdem gibt es Kurse im Urlaub und wenn man will, kann man mit dem Kind auch selbst mal am Wochenende üben.
Wenn man es entsprechen hoch priorisiert, können auch die Kinder von berufstätigen Eltern schwimmen lernen. Man muss es eben nur wollen.

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dr.eldontyrell 06.06.2019, 10:21
34. Unsere Jungs

hatten beide mit 6 das Seepferdchen und sind mittlerweile Jugendschwimmer silber.
Wir haben es den Kindern selber beigebracht. Der Älteste war über Monate in so einem Frosch-Kurs, ohne Ergebnis, nur Planscherei. Da haben wir dann einen Urlaub, bei dem man eh dauernd im Wasser ist, dazu genutzt. Nach 5 Tagen hatten sie es drauf, der Bademeister nahm die Prüfung ab, fertig.
Der kleine würde gerne in den Schwimmverein gehen, leider ist das aber in Köln rechtsrheinisch eine Katastrophe. Zu meiner Zeit hatte fast jedes Hallenbad auch einen Verein. Jetzt gibt es kaum noch Hallenbäder, die nicht zur Therme, Wellness-Oase oder zum Spaßbad umgebaut oder gänzlich geschlossen wurden.
Naja, der hässliche Betonklotz von Oper war in Köln wohl wichtiger...

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Ralf1234 06.06.2019, 10:22
35.

Ich habe meine Kinder mit 5 Jahren einen DLRG-Schwimmkurs besuchen lassen und anschliessend mit Ihnen im Hallen bzw. Freibad noch so lange weitergeübt bis sie das Seepferdchen hatten. Das ausdauerndere Schwimmen haben sich die Kinder dann beim baden voll selber beigebracht. Die Eltern sind in aller erster Linie für das Wohl ihrer Kinder verantwortlich und haben dafür sorgen zu tragen, dass sie elementare Dinge wie schwimmen oder Fahrradfahren im Verkehr beherrschen. Wenn Mami oder Papi aber zu bequem sind um dass selber in die Hand zu nehmen, dann braucht man sich über nichts mehr zu wundern. Der Staat kann da nichts für!

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giwi21 06.06.2019, 10:24
36. Und

Zitat von pharmakon
Das fängt ja schon damit an, dass es mir als Vollzeit berufstätige Mutter unmöglich gemacht wird, meine 4-jährige zur schwimmhalle zu fahren... Die Kurse sind halt für die kleinen nachmittags um 15:00. Wer bitte, außer Teilzeit-Bürokauffrauen und Hausfrauen kann dies in Anspruch nehmen? Kein Schwimmen im Kindergarten, keins in der Grundschule. Ich bin ein Ostkind und hatte mit 5 das Seepferdchen und in der 3. Klasse regulär schwimmen in der Schule, wo bis auf ein Kind damals alle schon schwimmen konnten.
am Wochenende haben sie keine Zeit sich um ihr Kind zu kümmern und mit ihm ins Schwimmbad zugehen? Ich habe einige Vollzeitarbeitende, alleinerziehende Freunde aber sie hatten alle Zeit ihren Kindern das Schwimmen beizubringen. Außerdem gibt es gerade in D. genug Urlaubstage in denen man sich um seine Kinder kümmern kann.

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unglaublich_ungläubig 06.06.2019, 10:26
37. Es muss alles zusammen wirken

In der Fußballmannschaft meines Sohnes (alle so 16, 17) können alle gut schwimmen, auch die Flüchtlinge. Es scheint mir eher etwas damit zu tun zu haben, ob Kinder generell sportlich sind und ihre Eltern Sport und Bewegung schätzen und fördern. Dass man Schwimmen nicht lernen kann, wenn es keine Schwimmbäder gibt, ist natürlich eine Binse. Aber: wer will, dass niemand ertrinkt, der muss die Vereine unterstützen, die Schwimmunterricht anbieten. Es wäre an den Schulen, darauf zu drängen, dass jedes Kind schwimmen lernt; es muss ja nicht in der Schule und während des Unterrichts geschehen. Schwimmen lernen ist wie Impfen unverzichtbare Vorsorge, das muss den Eltern eingebläut werden!

Im Übrigen geben die Zahlen den Alarmismus des Artikels nicht her. Im vorherigen Jahr war die Zahl ungewöhnlich niedrig, da ist ein Anstieg im Jahr 2018 auf den langjährigen Mittelwert nichts Ungewöhnliches. Dennoch ist jeder Ertrunkene einer zu viel! Der kleine Zynist in mir denkt dann zwar "Evolution", aber der Humanist schreit laut dagegen an. Meine Frau und ich haben nicht geruht, bis unsere Kinder gut schwimmen konnten -- bei der Einschulung. Dem örtlichen Schwimmverein sei Dank für sein großes Engagement seit Jahrzehnten -- in unserer Kleinstadt können die meisten Kinder spätestens nach der Grundschule schwimmen.

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MioMioMimi 06.06.2019, 10:27
38.

Zitat von pharmakon
Das fängt ja schon damit an, dass es mir als Vollzeit berufstätige Mutter unmöglich gemacht wird, meine 4-jährige zur schwimmhalle zu fahren... Die Kurse sind halt für die kleinen nachmittags um 15:00. Wer bitte, außer Teilzeit-Bürokauffrauen und Hausfrauen kann dies in Anspruch nehmen? Kein Schwimmen im Kindergarten, keins in der Grundschule. Ich bin ein Ostkind und hatte mit 5 das Seepferdchen und in der 3. Klasse regulär schwimmen in der Schule, wo bis auf ein Kind damals alle schon schwimmen konnten.
Das ist für mich eine ganz schlechte Ausrede. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, dort gab es keine Schwimmkurse. Meine Eltern, die beide auch Vollzeit arbeiten gegangen sind, sind mit uns regelmäßig am Wochenende in das einzige Schwimmbad in der Umgebung gefahren und haben mir und meiner Schwester dort das Schwimmen beigebracht.

Die Eltern heute versuchen ständig die eigene Verantwortung von sich zu schieben. Was hindert sie am Wochenende an einem Besuch im Schwimmbad?

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njotha 06.06.2019, 10:31
39. @knacks5401

Hallo knacks,

Offensichtlich wissen Sie nicht, was "früher" (also vor 20, 30 Jahren, keineswegs zu Kaisers Zeiten) an Ressourcen für die Kinder vorhanden war und gepflegt wurde. Bitte machen Sie sich sachkundig, bevor Sie pauschale Behauptungen aufstellen.
Und, einen wir uns: Die DLRG und in der Folge das Schulschwimmen wurde 1913 nach einem Landungsbrücken-Einsturz in Binz auf Rügen mit einigen Ertrunkenen gegründet - heute veranlassen 500 Ertrunkene pro Jahr niemanden dazu, das Schulschwimmen wieder aufzuwerten und ernst zu nehmen

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