Forum: Panorama
Wer ist für die Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich?

Den Deutschen geht es im internationalen Vergleich gut, aber nicht allen gleich gut. Der Mittelstand leidet seit vielen Jahren unter Schwund, die Kluft zwischen oben und unten wird größer, eine Tendenz, die die Politik mit Sorge erfüllt. Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Und wie kann man ihr effizient entgegenwirken?

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eigentlicher_Schwan 25.02.2012, 10:49
1.

Zitat von sysop
(...) Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Und wie kann man ihr effizient entgegenwirken?
Von Franzosen höre ich manchmal, wie sie unsere "Effizienz" fürchten. Und es stimmt, darin waren wir öfters "gut".
Die Effizienz der Armutsbekämpfung war es denn auch, die zur Armenbekämpfung pervertierte. Neue Behörden wurden geschaffen, um die als faul Verdächtigten zu schickanieren. Dazu wurde sogar die Beweisumkehr praktiziert und vieles mehr.
Es stellt sich aber die Frage nach dem Ziel. Ist die Wirtschaft für die Menschen da, oder ist es umgekehrt? In wessen Interesse muss die Politik letztendlich handeln? Doch dem der Wähler?
Vermutlich trägt fast jeder Wähler und Gewählte mehr Verantwortung, als er sich zunächst eingestehen will.

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querulant_99 25.02.2012, 11:42
2.

Wer ist für die Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich?

Eigentlich fühlt sich niemand dafür verantwortlich.
Jedenfalls ist dieses Problem für alle Parteien (mit Ausnahme der Linken) keine Herzensangelegenheit mehr. Somit hat auch der Wähler kaum Einflussmöglichkeiten.

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Luminata 25.02.2012, 11:48
3. Gewinner

Zitat von sysop
Den Deutschen geht es im internationalen Vergleich gut, aber nicht allen gleich gut. Der Mittelstand leidet seit vielen Jahren unter Schwund, die Kluft zwischen oben und unten wird größer, eine Tendenz, die die Politik mit Sorge erfüllt. Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Und wie kann man ihr effizient entgegenwirken?

Eine Gesellschaft, in der Menschen in Gewinner und Looser sortiert werden, ist auf dem besten Weg, zu einer Kastengesellschaft zu werden.
Die Unberührbaren gibt es auch schon. (Verarmte Rentner und Penner)

Milliardengewinne in manchen Wirtschaftbranchen, Milliardengewinne bei den Krankenkassen, unerwartete Milliardenüberschüsse bei den Steuereinnahmen, all diese Überschüsse wurden vom normalen Bürger, der zur unteren Mittelkaste gehört, kassiert. Wenn nun diese Milliardengewinne wieder aufgeteilt werden, bekommen die hoch bezahlten Manager ihre Luxuszulagen, wenn es um Gehalts- und Lohnerhöhungen geht, wird prozentual erhöht, denn wer wenig hat, der kommt ja auch in Zukunft mit nur wenig mehr aus, z. B. 35,- € mehr im Monat für die nächsten zwei Jahre, was ja wohl kaum die Benzinpreiserhöhungen und Energiekosten decken wird.

Solange es diese prozentualen Erhöhungen gibt, ist es doch ganz klar, dass der Abstand zwischen arm und reich immer größer wird.

In der Verantwortung dafür stehen die Damen und Herren Politiker, die sich ihre Diäten aber auch immer gleich so erhöhen, dass allein von der Erhöhung fast zwei Hartz4 Empfänger gesponsert werden könnten.

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sagmalwasdazu 25.02.2012, 12:02
4. Wohl Wahr !

Zitat von querulant_99
Wer ist für die Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich? Eigentlich fühlt sich niemand dafür verantwortlich. Jedenfalls ist dieses Problem für alle Parteien (mit Ausnahme der Linken) keine Herzensangelegenheit mehr. Somit hat auch der Wähler kaum Einflussmöglichkeiten.
...hinzu kommt, die Linken werden fortwährend in die
kommunistische Ecke gedrängt und kriminalisiert.
No go Aera eben. Wer outet sich da schon als Links-Sympathisant?
Mind control trifft es ganz gut.
Und die Verantwortung tragen zu einem großen Teil die gekauften Gewerkschaften. Auf Bezirksebene konnte ich genau das erleben.
Ich trat nach 12Jahren aktivität aus.

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zins-bürger 25.02.2012, 12:20
5. Gewinner und Verlierer

Zitat von Luminata
Eine Gesellschaft, in der Menschen in Gewinner und Looser sortiert werden, ist auf dem besten Weg, zu einer Kastengesellschaft zu werden. Die Unberührbaren gibt es auch schon. (Verarmte Rentner und Penner) Milliardengewinne in manchen Wirtschaftbranchen, Milliardengewinne bei den Krankenkassen, unerwartete Milliardenüberschüsse bei den Steuereinnahmen, all diese Überschüsse wurden vom normalen Bürger, der zur unteren Mittelkaste gehört, kassiert. Wenn nun diese Milliardengewinne wieder aufgeteilt werden, bekommen die hoch bezahlten Manager ihre Luxuszulagen, wenn es um Gehalts- und Lohnerhöhungen geht, wird prozentual erhöht, denn wer wenig hat, der kommt ja auch in Zukunft mit nur wenig mehr aus, z. B. 35,- € mehr im Monat für die nächsten zwei Jahre, was ja wohl kaum die Benzinpreiserhöhungen und Energiekosten decken wird. Solange es diese prozentualen Erhöhungen gibt, ist es doch ganz klar, dass der Abstand zwischen arm und reich immer größer wird. In der Verantwortung dafür stehen die Damen und Herren Politiker, die sich ihre Diäten aber auch immer gleich so erhöhen, dass allein von der Erhöhung fast zwei Hartz4 Empfänger gesponsert werden könnten.
Neben den Prozenten ist es der Zins (auf Geld und Grund & Boden):

Ein durchschnittlicher Haushalt gibt jährlich ca. 25.000 Euro für seinen Lebensunterhalt aus und bezahlt somit Jahr für Jahr rund 10.000 Euro Zinsen, sofern er auf der anderen Seite keine Zinseinnahmen hat. Verfügt der Haushalt über ein rentabel angelegtes Vermögen in Höhe von etwa einer halben bis einer Million Euro, dann fließen ihm Kapitalerträge zu, aus denen er seinen Zinsdienst ohne Arbeit bestreiten kann. Hat ein Haushalt jedoch kein Vermögen, so muss er unterm Strich Zinsen bezahlen – auch wenn er eigentlich gar nicht verschuldet ist.

Das ist die VERMÖGENS-Steuer, die der fleißige, aber arme Mann an den reichen Mann zahlen muss, ist doch prima oder ?

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syracusa 25.02.2012, 12:48
6.

Zitat von sysop
Den Deutschen geht es im internationalen Vergleich gut, aber nicht allen gleich gut. Der Mittelstand leidet seit vielen Jahren unter Schwund, die Kluft zwischen oben und unten wird größer, eine Tendenz, die die Politik mit Sorge erfüllt. Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Und wie kann man ihr effizient entgegenwirken?
Für die immer rascher immer weiter auseinanderklaffende soziale Schere gibt es mehrere Gründe:

1. Kapital ist beweglicher als Arbeitskraft
2. Arbeitskraft und Kapital sind auf dem Arbeitsmarkt keine gleichwertigen Marktteilnehmer, weil die menschliche Existenz der Arbeitnehmer von der Vermarktung ihrer Arbeitskraft abhängt. Sie müssen notfalls nehmen, was geboten wird.
3. Unser Staat ist nicht nur marktwirtschaftlich, sondern neigt ideologisch dem Kapitalismus zu (man beachte bitte die feine Differenzierung zwischen dem Wirtschaftssystem der Marktwirtschaft und der Ideologie des Kapitalismus!). Dies zeigt sich immer wieder an starker Benachteiligung der Arbeitskraft:
3a. beispielsweise durch extrem höhere Besteuerung von Einkommen aus Arbeit gegenüber Einkommen aus Kapital und Erbschaft
3b. durch staatliche Eingriffe in den Arbeitsmarkt zum Nachteil der Arbeitskraft, wie beispielsweise Entzug von Sozialleistungen bei Verweigerung sittenwidrig niedrig entlohnter Arbeit.
3c. durch fehlende Regulierung des Arbeitsmarktes, die zu einer gleich starken und damit marktwirtschaftlich funktionierenden Stellung von Kapital und Arbeitskraft führen könnte.
3d. durch ein Sozialsystem, das einseitig die Arbeitnehmer mit den wesentlichen Kosten gesellschaftlicher Risiken belastet (z.B. können sich Reiche durch private Krankenversicherung der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung entziehen)
4. durch ein Bildungsystem, das sozial undurchlässig ist.

Effiziente Maßnahmen gegen das Auseinanderklaffen der sozialen Schere sind in unserem Staat und in unserer Neidkultur nicht zu erwarten. Im Zweifel betrachten die durch Lohndumping und befristete Arbeistverträge in ihrer sozial und wirtschaftlich bedrängten Existenz bedrohten Arbeitnehmer nicht die untätigen Politiker und die Reichen als ihre Gegner, sondern die noch ärmeren und noch stärker bedrohten anderen Arbeitnehmer.

Wie effektive Maßnahmen aussehen könnten, kann man am Beispiel Dänemarks sehr gut studieren:

1. ein starkes Sozialsystem, in dem weder Arbeitslosigkeit noch Kinderreichtum als Armutsrisiko gelten.

2. starke Gewerkschaften, die auf der Grundlage einer gesicherten wirtschaftlichen Existenz der Arbeitnehmer als gleichberechtigte Tarifpartner auftreten können.

3. einen schnell und flexibel regulierten Arbeitsmarkt, der insbesondere die existentielle Ungleichheit der Marktteilnehmer ausgleicht

4. ohne Deckelung steuerfinanzierte Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung

5. ein starkes Bildungsystem ohne Zugangsschranken.

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klaus meucht 26.02.2012, 10:45
7. Realwirtschaft gegenüber Kapitalwirtschaft

Das Problem ist, dass die Kapitalmenge deutlich schneller gestiegen ist, als die Menge an Waren. D.h. dem Kapital stehen keine realen Werte gegenüber.

Die Preise steigen nur deshalb nicht, weil das Vermögen extrem ungleich verteilt ist. Der Bäcker richtet seine Preise, nicht an den 1% der Superreichen - weil diese soviel Brötchen wie er produziert gar nicht essen kann.

Im Nachhinein ist es unmöglich zu unterscheiden welcher Euro bzw. Dollar realen Werten und Arbeit entspricht, und welcher nur aus Spekulation entstanden ist.

Die Vermögen der einen sind die Schulden der anderen. Schulden können nur dann abgetragen werden in dem die Schuldner ihre Arbeitskraft und die daraus resultierenden Waren verkaufen. Dies wird natürlich umso schwieriger wenn die Arbeitskraft immer weniger wert wird.

Im Prinzip sehe ich wenn man keine Inflation will, nur die Chance durch einen Lastenausgleich. Das Vermögen der Reichen wird genommen um die Schulden auszugleichen. Der Nachteil dabei ist, es trifft auch dijenigen die durch Leistung und harte Arbeit etwas aufgebaut haben - und nicht nur dijenigen die in erster Linie nur über Finanztransaktionen reich geworden sind.

Man wird von Enteignung sprechen, aber wie schon erwäht steht dem meisten Kapital keine produzierte Sachwerte gegenüber. Die Enteignung läuft schon sehr lange. Es gab und gibt eine Enteignung von den Fleissigen zu den Reichen. (Wobei ich nicht unterstellen will dass alle Reichen faul sind).

Die Kapitalwirtschaft muss wieder an die Realwirtschaft gekoppelt werden. Bei einem Wachstum von 2% darf die Kapitalmenge auch nur um 2% wachsen. Wenn die Kaptitalmenge andauernd schneller wächst, als die Realwirtschaft muss die breite Masse automatisch immer ärmer werden.

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kaffeepause 26.02.2012, 11:29
8.

Ich vermute es liegt grundsätzlich daran, dass der Bund den einzelnen Ländern zu wenig verpflichtet ist. Weder politisch noch finanziell.

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Websingularität 26.02.2012, 11:32
9. Gelenkte Demokratie

Zitat von sysop
Den Deutschen geht es im internationalen Vergleich gut, aber nicht allen gleich gut. Der Mittelstand leidet seit vielen Jahren unter Schwund, die Kluft zwischen oben und unten wird größer, eine Tendenz, die die Politik mit Sorge erfüllt. Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Und wie kann man ihr effizient entgegenwirken?
Naja, Reichtum hat ja nichts mit Talent zu tun.
Die Eliten machen halt die Spielregeln.
Und in einem Spiel indem man selbst die Spielregeln bestimmt, gewinnt man immer!!!
Das Problem ist, dass der gutgläubige Bürger das alles so akzeptiert.
In dieser mediengelenkten Demokratie glaube ich längst keinen Hochrechungen und Umfragen mehr.
Ich vertraue keiner Regierung mehr, in meinem Interesse und dem Interesse vieler Landsleute Politik zu machen.
Am Ende ist doch alles eine Frage der Macht, welchen Leute man Macht gibt, und welchen man Macht wegnimmt.

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