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Wladimir Kaminer zur Russland-Debatte: Putin ist Sanktion genug
DPA

Wirtschaftliche Sanktionen? Absage der Fußball-WM? Man darf Russland jetzt nicht im eigenen Saft schmoren lassen, findet <i>Wladimir Kaminer</i>. Denn Putin hat nur vor einem wirklich Angst: sich zu blamieren.

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Atheist_Crusader 29.07.2014, 11:40
1.

Irgendwie erinnert mich die Situation an die Japaner in den späten 30ern. Während die in China rumgewütet haben, hat man auch nur versucht sie mit Sanktionen zu stoppen - ein echter Dialog wurde aber nicht gesucht. Die internationale Ächtung war nicht genug um sie in die Knie zu zwingen, aber genug dass man plötzlich anfing den Hardlinern zuzuhören.

Himmel, bei einzelnen Menschen ist es doch auch nicht anders. Manche verrennen sich in blöde Ideen - selbst wenn sie genau wissen, dass sie blöd sind - nur um nicht zugeben zu müssen, dass sie sich einmal geirrt haben. Sowas kann auch Nationen passieren. Speziell wenn die vor allem von einem Menschen gelenkt werden.


Zitat von sysop
Der Gerechtigkeit halber muss hinzugefügt werden: Die russische Sackgasse ist mehr als zur Hälfte hausgemacht. Putins Plan war, den Westen zu spalten, einen Keil zwischen Amerika und Europa zu treiben und gleichzeitig die widerspenstige Ukraine langsam zurück unter seine Kontrolle zu bringen.
Hätte er den Westen spalten wollen, hätte er nur gegenüber den USA die harte Linie fahren, aber gegenüber Europa einen auf nett und verhandlungsbereit machen müssen. Alles weitere hätten die politischen und geheimdienstlichen Amokläufe der USA erledigt.
Jetzt hat er das Gegenteil erreicht: die Europäer (speziell die Osteuropäer, die die Umarmung von Mütterchen Russland noch zu gut kennen) daran erinnert, dass es keine Garantie auf Frieden gibt. Und weil sie tendenziell zu feige sind um sich diesen Realitäten zu stellen (speziell Deutschland), herrscht plötzlich wieder Bedarf an einer omniphobischen, überbewaffneten Möchtegern-Supermacht.

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ornitologe 29.07.2014, 11:56
2. Ich kann

mich nicht daran erinnern, dass Sanktionen irgendwann mal etwas gebracht haben, ausser dass die die Schwelle zu einem Krieg abgesenkt wurde. Es ist immer noch nicht zu erkennen, dass man statt ÜBER Putin zu reden, MIT ihm reden will. Diplomatisches Versagen des Westens auf ganzer Linie.

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dertieftaucher 29.07.2014, 11:58
3. Einer der wenigen Russen mit Durchblick...

...dieser Herr Kaminer. Russland kann in dieser Krise nichts gewinnen. Trotzdem halte ich die Sanktionen für richtig. Mann muss beides machen: Einerseits die fehlgeleiteten Aktionen der Russen durch die Sanktionen mit einem Preisschild versehen und andererseits gleichzeitig alle Türen für einen Dialog offen halten. Und genau das machen die Europäer.

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ozoli 29.07.2014, 11:59
4. Super Artikel

Super Artikel, Kaminer halt!

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aurelius.stahl 29.07.2014, 12:01
5. Richtig!

Das sehe ich auch so. Russland sollte jetzt nicht weiter in die Ecke getrieben werden. Stattdessen müsste der Westen zwei Garantien aussprechen und diese durch Multilaterale Verträge absichern. Die Ukranine wird niemals Mitglied in der Nato. Die Ukraine bekommt eine mindestens 100 Kilometer tiefe demilitarisierte Zone zu russischen Grenze. Und zum Schluss, die Ukraine wird nicht Vollmitglied der EU kann aber Kooperationsabkommen treffen. Wenn irgendein verantwortlicher Politiker das endlich begreifen würde und entsprechend initiiert das die anderen mitziehen ist die Ukraine Krise Übermorgen vorbei.

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schicksal_00 29.07.2014, 12:07
6. Hört hört!

Das Verbringen im Schrebergarten hat dem Herrn Kaminer doch noch gutgetan. In seinem Buch eben über seine Erfahrungen zum Thema Schrebergärten ("Mein Leben im Schrebergarten") beschwert er sich über den Westen: Weil dieser die Schwulenpolitik in Russland so kritisiert. Und er würde mit seinen Kinder lieber nicht den Urlaub beim schwulen Onkel verbringen.
Nun hat sich gezeigt, dass eben die Kritik des Westens mehr als angebracht war!
Aber nicht nur Politiker sondern auch Schriftsteller machen Fehler und schätzen Situationen manchmal falsch ein.
Aber dennoch: Dieser Artikel gefällt mir sehr gut. Der richtige Umgang mit Russland, laut Meinung des Autors, finde ich sehr klug!

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heinzpeter0508 29.07.2014, 12:07
7. Gleicher unter Gleichen

Putin in einer Runde mit Merkel Bier trinken und mit Obama Hamburger essen – was wäre denn daran so falsch gewesen? Putin hat ja Merkel und der EU genug Avancen gemacht, wie z.B. zu einer Wirtschaftsunion von Lissabon bis Wladiwostock. Russland mit seinem grossen Nachholbedarf an innovativer europäischer Technologie, und Russland mit seinen immensen Ressourcen für Europa. Zwei ideale Partner, doch europäische Kurzsichtigkeit und Arroganz gegenüber Russland, dazu die Affenliebe zu den uns aushorchenden und uns kontrollierenden Amis, haben das Verhältnis zu Russland zerstört, forciert eine neue Eiszeit zwischen West und Ost, herbeigeführt durch den Westen. Der Deutsche fühlt sich pudelwohl unter einer Obrigkeit, sei es Kaiser, Diktator, oder jetzt allgegenwärtiger und allwissender Ami. Erwachsensein und Selbständigkeit taugt anscheinend nicht für die Europäer, und so murksen sie halt weiter die Ami Vasallen, mit Mutti, Cameron, Hollande, Renzi und Co. Und gemeinsame Werte mit USA, was sind denn die ? In dem Cowboy Land mit Todesstrafe, den meissten Morden, dem grössten Waffenhersteller und Exporteur, den meissten Knackies, dem globalen Unruhestifter Nr. 1, dem grössten Umweltverpester, dem grössten Schuldner! Wenn das unsere Werte sind, oder die unsere Politiker, dann bald gute Nacht Europa. Europa braucht dringend den Putsch, von dem Helmut Schmidt vor einiger Zeit sprach, ansonsten werden die Völker Europas von ihren derzeitigen Politikern verkauft.

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brunellot 29.07.2014, 12:07
8. mit Putin redenn...

selbstverständlich wird mit Putin geredet und zwar auf allen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanälen. Allerdings gibt es keinerlei Notwendigkeit, jedes stattgefundene Gespräch mit Hillfe der Medien bekannt zu machen und zu kommentieren. Diplomatie findet eben oft im (für die Öffentlichkeit) Stillen statt. Nicht zu wissen dass Gespräche stattfinden heisst aber noch lange nicht, dass die Konfliktparteien nicht miteinander reden würden. Hier zu suggerieren, dass die Entscheidungsträger schweigen, ist mehr als naiv und fern jeder diplomatischen Realität.

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ralph111 29.07.2014, 12:09
9. Es gibt nur ein Rezept gegen Putin

Schachgroßmeister Kasparov sagt: "Sanktionen gegen 140 russische Oligarchen verhängen! Wie jeder Diktator braucht Putin seine Verbündeten, seine Freunde, seine Handlanger. Dort ist er verwundbar. Putin wird so weit gehen, wie man es ihm erlaubt. Ein Diktator wie Putin kann nur durch Demonstrationen der Stärke gestoppt werden. Er wächst mit unserer Schwäche, mit unserer Unentschlossenheit. Es ist gefährlich, Putin heute mit Sanktionen zu konfrontieren, aber morgen wird es noch gefährlicher und teurer sein."

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