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Wo nutzen, wo schaden Vorsorge-Untersuchungen?

Die moderne Medizin macht immer mehr Vorsorge-Untersuchungen möglich. Doch ist der technische Fortschritt immer im Sinne der Patienten?

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baldfrei 18.04.2009, 16:49
1. Kommt drauf an

Zitat von sysop
Die moderne Medizin macht immer mehr Vorsorge-Untersuchungen möglich. Doch ist der technische Fortschritt immer im Sinne der Patienten?
Ersten ab welchem Alter wird das bezahlt ?
Zweitens in welchem Abstand sollte wiederholt werden ?
Drittens was taugt der Mediziner ?

Habe gerade von einem Fall gehört, Darmspiegelung vor 8 Jahren, da ohne Befund ??? Wiederholung nach 10 Jahren angesagt. Der Patient hatte vor 2 Jahren dann einen Darmverschluß, Ursache Krebs, und ist vor 1 Jahr daran gestorben.

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Marita 18.04.2009, 19:36
2. Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Diese Impfung (http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...619759,00.html) ist die überflüssigste, die es je gegeben hat, und es ist mehr als durchschaubar, dass sie nur auf enormen Druck der Pharma-Industrie zustandegekommen ist und mit kostspieligen Werbemaßnahmen derart Furore machen konnte. Nicht nur ihr Nutzen ist umstritten, denn selbst wenn sie einen ohnehin nur sehr kleinen Prozentsatz von Frauen vor dem Krebstod rettet, so ist sie enorm gefährlich, weil sie alle anderen Frauen in einer trügerischen Sicherheit wiegt: Sie SCHÜTZT NICHT VOR HIV. Und Frauen, die sich vor HIV schützen (müssen), sind auch vor Papillomaviren geschützt. Das viele Geld, das diese teure Impfung kostet, sollte besser für andere Zwecke ausgegeben werden.

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The Godfather 19.04.2009, 12:56
3.

Zitat von baldfrei
Habe gerade von einem Fall gehört, Darmspiegelung vor 8 Jahren, da ohne Befund ??? Wiederholung nach 10 Jahren angesagt. Der Patient hatte vor 2 Jahren dann einen Darmverschluß, Ursache Krebs, und ist vor 1 Jahr daran gestorben.
Ihr Logik ist schwer nachvollziehbar. Wenn eine vorsorgliche Darmspiegelung bei 50%** hilft, bei den anderen 50% aber nicht, dann lieber gar nicht untersuchen???
(**ersetzen Sie gern 50% durch andere Prozentzahlen)

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GM64 19.04.2009, 16:38
4. wenn die Vorsorgeuntersuchung keine Nebenwirkungen hat, ist sie sinnvoll

Vorsorgliche Darmspiegelung, Brustamputation ... ist natürlich dumm.
Darmspiegelung kann man durch CT ersetzen. Denke das letztere ist angenehmer, aber wenn der Dok sich nur das erste Gerät gekauft hat, hat man ein Problem. Gesund ist ein CT aber auch nicht.

Aber tägliche Gewichtskontrolle, regelmäßige Blutzucker, Cholesterinmessung, oder Messung von Fe, Ca, Mg ... ist schon sehr sinnvoll.
Wenn einem das Fe fehlt, kann man ständig müde sein. Und wenn der Blutzuckerwert nicht mehr so ganz top ist, dann kann man durch Hungern ihn verbessern, wenn man den Blutspiegel nicht kennt, kann man Zuckerkrank werden.
Also eine regelmäßige Blutuntersuchung auf alles Mögliche finde ich gut.

Vor allem sollte man Dicken mehr Sport verordnen. Ein ständig schimpfender Arzt, der den Kranken die schlechten Cholesterin und Zuckerwerte vorhält ist ein Segen, aber vom Schimpfen kann der Arzt nicht leben, lieber verordnet er dem Kranken Tabletten.

Daher mag der Arzt Vorsorgeuntersuchungen nicht. Ein Kranker bring mehr Geld.

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otropogo 19.04.2009, 17:01
5.

Zitat von sysop
Die moderne Medizin macht immer mehr Vorsorge-Untersuchungen möglich. Doch ist der technische Fortschritt immer im Sinne der Patienten?
Hier in Kanada hoeren wir ueber technischen Fortschritt, muessen aber oefters ins Ausland reisen oder es selbts bezahlen (obwohl in vielen kanadischen Laendern wir schon heftig fuer die medizinische Fuersorge vorbezahlen muessen).

Zum Beispiel, in British Columbia werden normalerweise PSA Messungen und Augenuntersuchungen nicht bezahlt. Hat man mit den Augen Beschwerden, soll man einen Optometrist auf eigenen Kosten besuchen. Dieser muesste einen dann wahrscheinlich weiter an einen Augenartzt schicken.

Fuer Darmspiegelungen muss man mit seinem "Familienartzt" (der heutzutage hauptsaechlich der Torwachter der Medezin ist) kaempfen. Colonoscopy gibt es eigentlich kaum. Man muss meistens mit einer Sigmoidoscopy hoechstens alle sechs Jahre zufrieden sein, wenn ueberhaupt ein Chirurge dazu zu Verfuegung ist.

Auf ein MRI oder neurologische Untersuchung, usw., kann man leicht sechs Monate oder laenger warten.

Und waerend Leute auf den Wartelisten sterben, oder Blind werden, weil sie sich die Augenuntersuchung nicht leisten koennen, hat die Regierung fuer "freie" HPV Impfungen doch genuegend Geld.

Mit Fortschritt hat das alles nichts zu tun. Die Medizin ist hier nun ein Handel geworden , mit dem der Verdienst Hauptsache ist, die Gesundheit der Bevoelkerung dagegen nur ein Problem der Optik, mit dem sich hauptsaechlich die Public Relations Leute beschaeftigen.

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baldfrei 19.04.2009, 17:14
6. Oh je

Zitat von The Godfather
Ihr Logik ist schwer nachvollziehbar. Wenn eine vorsorgliche Darmspiegelung bei 50%** hilft, bei den anderen 50% aber nicht, dann lieber gar nicht untersuchen??? (**ersetzen Sie gern 50% durch andere Prozentzahlen)
Nee, das soll einfach heißen, die Abstände dieser Vorsorgeuntersuchung sind wohl viel zu großzügig gefasst.
Vorallem wenn man weiß, dass die Heilungsaussichten fast 100% sind, wenn man das Problem frühzeitig erkennt.

Außerdem ist die bezahlte Untersuchung ab 56 Jahren einfach zu spät, da das Risiko vererbt werden kann.

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The Godfather 19.04.2009, 17:20
7.

Zitat von baldfrei
Nee, das soll einfach heißen, die Abstände dieser Vorsorgeuntersuchung sind wohl viel zu großzügig gefasst. Vorallem wenn man weiß, dass die Heilungsaussichten fast 100% sind, wenn man das Problem frühzeitig erkennt. Außerdem ist die bezahlte Untersuchung ab 56 Jahren einfach zu spät, da das Risiko vererbt werden kann.
ok, kann ich nachvollziehen, gutes Argument!

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Gertrud Stamm-Holz 19.04.2009, 17:48
8.

Zitat von baldfrei
Nee, das soll einfach heißen, die Abstände dieser Vorsorgeuntersuchung sind wohl viel zu großzügig gefasst. Vorallem wenn man weiß, dass die Heilungsaussichten fast 100% sind, wenn man das Problem frühzeitig erkennt. Außerdem ist die bezahlte Untersuchung ab 56 Jahren einfach zu spät, da das Risiko vererbt werden kann.
Hmmm, ich bin weit weg von 56 Jahren und hab trotzdem 2 Darmspiegelungen innerhalb kürzseter Zeit auf Kassenkosten hinter mir.
Akutbeschwerden beim Hausarzt vortragen und los gehts.
100%ige Heilungschancen gibt es selten. Bei Darmkrebs u.A. lässt sich das Zeitfenster verschieben, ausschliessen lässt sich die vererbungsbedingte Krankheit allerdings nicht. Und auch nicht die Heilung versprechen.

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yellofin 19.04.2009, 18:00
9. Wo nutzen, wo schaden Vorsorge-Untersuchungen?

Mir hat es geschadet. Am 22.10.07 unterzog ich mich einer Routine-Darmspiegelung, durchfuehrt von einem Hausarzt in einem bekannten Krankenhaus am Bodensee. Am Nachmittag bekam ich starke Bauchschmerzen, habe gegen Abden den Hausarzt telefonisch erreicht, der mir "Paracetmol" und eine Waermflaschen "verschrieb". Ich hatte die schlimmste Nacht meines Lebens erlitten, mit Ohnmachtsanfall auf der Toilette. Gegen 08:00h am folgenden Tag habe ich ihn dann wieder erreicht, er kam und hat mich - ohne SChmerzmittel und Begleitung mit der Ambulanz ins Kranhaus fahren lassen. Dort wurde eine akute, vier Quadranten-Bauchfellenbtzuendung diagnistiziert und zwei Stunden spaeter war ich unter Vollnarose im OP, wo der Bauchraum ausbespuelt wurde. Am 25. dann der "second look", wieder unter Vollnarkose. Am 28. Oktober sollte ich von der Intensivstation auf die "normale Chirurgie£ verlegt werden. Gegen 10:00h brach meine Kreislauf zusammen und der Puls raste. Ein mehr oder weniger zufaellig auf der Station gewesene Chirurg sah die Situation und ornete eine sofortige Notoperation, wiedr in Vollnarkose, an. Diagnose: Doppelter Milzriss, 4 lt Blut im Bauchraum, 3 Std. Operation, 8 Dosen Blutplasma verbraucht und zurueck in die "Intensiv". Am uebernaechsten Morgen wurde eine Wundinfektion diagnostiziert. Der Bauch wurde wieder aufgeschnitten, die 4. Vollnarkose, die Wunde gereinigt und ein Vacuum-Verband angelegt, der alle 3 - 4 Tage gewechselt wurde, die ersten drei Mal wieder unter Vollnarkose, insgesamt sieben in zwei Wochen. Weiterhin Krankenhausaufenthalt. An Weihnachten und ueber Neujahr durfte ich dann - halb illegal - bei meiner Familie verbringen. Am 11. Januar war ich die Maschine dann endlich los, musste aber immernoch alle 2 - 3 Tage ins Krankenhaus zum Verbandwechsel, was sich bis zum 06. Februar hinzog. Ab dann konnte ich den Verbandwchsel vonmeiner Frau zu Hasue vornehmen lassen. Am 09.02. nochmal Check=up im Krankenhaus. Da die weitere w=Wundheilung problemlos verlief, war nur noch ein letzter Krankenhaus-Check am 09.03 2009. Notwending und der "medizinische" Vorgang konnte
abgeschlossen werden. Fazit: gesund ins Krankenhaus, Darmsoiegelung mit 3% Durchstossrisiko, ich war dabei, MIlzriss und Rettung in buchsaeblich letzter Minute und dann vier Monate Heilungsprozess: MIR hat die Vorsorgeuntersuchung geschadet, mal abgesehen von der entgangenen Hochzeitsreise nach Tanzania, Fahrtkosten (wir leben in Frankreich), Schmerzen und Verlust von 4 1/2 Monaten Lebensqualitaet.

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