Forum: Panorama
Wut der Schwarzen: Die Botschaft von Baltimore
Holger Stark

Warren Savage gehörte einer der berüchtigsten Gangs Baltimores an und wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Heute arbeitet er als Pfarrer mit schwarzen Jugendlichen. Für die Krawalle hat er eine Erklärung.

Seite 1 von 7
tailspin 30.04.2015, 14:03
1. Insiderinfo

Gutes Stimmungsbild von der Situation. Das sieht nicht nach einer schnellen Loesung aus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
licorne 30.04.2015, 14:17
2. Man darf nicht vergessen,

dass es 75% der Schwarzen viel besser geht als vor ~30 Jahren und die meisten in der Mittelschicht angekommen sind, eine Schule absolviert oder studiert haben. Diese sind alle aus den Problemvierteln weggezogen. Dazu kommt, dass die Industrie in Baltimore, wie in vielen anderen Städten zusammengebrochen ist. Zurück bleiben eine Gruppe, die es irgendwie nicht schafft, sich aus dem eigenen Elend zu befreien.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
menkenke 30.04.2015, 14:18
3. the wire

...und es ist zu gruselig, wenn man die Serie kennt. alles ist dort genau so beschrieben, wie es jetzt (wieder) zu Tage tritt. Lösungsansätze gibt es, aber sie fallen allesamt den kurzsichtigen Interessen von Gangstern (Gewinn, Macht), Spekulanten (Gewinn), Politikern (Macht, Ansehen), Medien (Auflage) und der Uninteressiertheit der (zunächst) Nichtbetroffenen zum Opfer. Todtraurig...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neanderspezi 30.04.2015, 14:45
4. Wer glaubt, dass sich Randalierer der Aufarbeitung von Perspektivlosigkeit hingeben, hat eine sehr nette Vision

Für viele, die sich an der Randale in Baltimore beteiligen, ist vielleicht Perspektivlosigkeit ein durchaus erträglicher Zustand. Darin sich zu etablieren kostet kaum intellektuelle oder ätzenderweise gar physische Anstrengungen, erlaubt einen gepflegten Hass gegen die Gesellschaft und lässt durch Beteiligung am Gangunwesen Aufstiegsmöglichkeiten in einem mit Wohlbehagen und Reichtum assoziierten und durchaus geschätzten kriminellen Kastenwesen zu und damit eine besondere Art des Aufstiegs in einer Parallelgesellschaft, die nach Gebrauch effizienter Hilfsmittel mit Nadelstreifen und exquisiter Ausstattung unauffällig ihren Hass auf die Gesellschaft weiter kultivieren kann und dem Nachwuchs, neben der zu erwartenden Bequemlichkeit auch die Vorzüge kriminellen Establishments vorführen kann. Im Prinzip hat eine so ausgestattete Parallelgesellschaft eine ebenso streng eingehaltene hierarchische Struktur und legt sich auf keinen Fall Leistungsbereitschaft als erstrebenswerte Grundlage für einen Aufstieg aus einer sogenannten Perspektivlosigkeit zurecht. Hier werden andere Eigenschaften als adelnde Tribute wesentlich höher eingeschätzt und ein Feuerchen hier, ein Plündern da und ein Drogendeal dort rangieren auf der Skala anerkannter Aktivitäten für den Aufstieg im absolut oberen Bereich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gandhiforever 30.04.2015, 14:47
5. Thugs

Die Ueberpatrioten von rechts waren sich scyhnell einig, dass es sich bei den Krawallbruedern um Kriminelle/Gangster handelte, selbst der Praesident gebrauchte den Ausdruck.

Doch so einfach ist es eben nicht.

Als schwarze Halbwuechsige , unterprivilegiert und diskriminiert, am Montag die Schule verliessen, sahen sie vor der Schule mit Maschinenpistole bewaffnete "Ordnungskraefte".

Wenn Halbwuechsige als Feinde behandelt werden, dann handeln sie auch so. Von den am Montag verhafteten Jugendlichen ist mehr als die Haelfte vorher nicht polizeibekannt gewesen.

Heute nun soll der Bericht ueber die Umstaende zu Freddies Ermoedung herauskommen, Allerdings wird er der Oeffentlichkeit vorenthalten, nur die Justiz wird informiert . Man will wohl weitere Krawalle mittels Geheimhaltung unterdruecken.

Die Polizei in Baltimore scheint des oefteren in Gewahrsam genommene Menschen auf eine spezielle Fahrt mitgenommen zu haben:

http://www.dailykos.com/story/2015/04/29/1381184/-Freddie-Gray-only-the-latest-victim-of-Baltimore-s-rough-rides-in-police-vans#

Die Herrschenden sollten nicht langsam sondern schnell einsehen, dass ihre Methoden von gestern heute nicht mehr hingenommen, hingenommen werden muessen.

Wenn hier weiter geheimgehalten wird, dann kann das anderen, schlimme folgen, auch fuer Polizisten, haben.

Mittlerweile haben sich Reaktionaere darauf verlegt zu behaupten, Freddie habe seine toedlichen Verletzungen selbst zu verantworten. Aber von den Typen ist nichts anderes zu erwarten. Irgendwie muessen sie ihren Rassismus ausleben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hesekiel 30.04.2015, 14:48
6.

Fuer mich klingt in fast jedem Satz doch wieder Fremdverantwortung mit, ob er ueber seine eigene Vergangenheit oder ueber die "30-40 jaehrigen Vaeter, die im Gefaengnis sitzen" spricht. Man habe ja nix zu verlieren, get rich or die tryin'.. Nur ist man dann auch selber Ursache fuer den Niedergang der eigenen Nachbarschaft und verwirkt jegliches Recht, sich als zweimalig verurteilter Schwerkrimineller noch mit Vorwuerfen an die Gesellschaft zu wenden. Seine eigene Familie ging an Drogen zugrunde, er vercheckte das Zeug, an dem wieder zahllose Familien zugrunde gingen aber Schuld ist die (weisse) Gesellschaft. Bitte klarkommen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
darthmax 30.04.2015, 14:50
7. Häuserspekulanten?

Die Besitzer sind weggezogen und können Ihre Immobilie nicht verkaufen.
Lohnt sich in einem solchen Fall eine Renovierung?
Bewohner können nicht einmal die Wasserechnung bezahlen.. warum wohl nicht ?
Das Geld wird für Drogen ausgegeben, denn wenn die Gangs Drogen verkaufen, dann zumeist an Mitbewohner der Ghettos.
Die Väter sollten Ihren Söhnen mitteilen, dass sich die Arbeit, eine Ausbildung zu erwerben lohnt.. aber die Väter die so denken sind mit Ihren Familien schon fortgezogen. Bleibt eine Gesellschaft, Väter im Gefängnis, die nur über leicht verdientes Geld sich gegenseitig ausbeutet.
Niemand kann für diese eine Lösung anbieten, die Sie nicht will.
Renovierungen bestehender Gebäude gehören in den USA wohl sowieso eher zur Ausnahme. Man reisst ab und baut neu.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Hesekiel 30.04.2015, 15:03
8.

Zitat von gandhiforever
Die Ueberpatrioten von rechts waren sich scyhnell einig, dass es sich bei den Krawallbruedern um Kriminelle/Gangster handelte, selbst der Praesident gebrauchte den Ausdruck. Doch so einfach ist es eben nicht. Als schwarze Halbwuechsige , unterprivilegiert und diskriminiert, am Montag die Schule verliessen, sahen sie vor der Schule mit Maschinenpistole bewaffnete "Ordnungskraefte". Wenn Halbwuechsige als Feinde behandelt werden, dann handeln sie auch so. Von den am Montag verhafteten Jugendlichen ist mehr als die Haelfte vorher nicht polizeibekannt gewesen.
Interessant, die Ueberpatrioten sind also der Pauschalisierung ueberfuehrt, in Ihrer Darstellung sind hingegen alle schwarzen Halbwuechsigen "unterprivilegiert und diskriminiert" - was, wenn nicht Pauschalisierung soll denn das bitte sein? Ansonsten hat der Praesident mit seiner Darstellung durchaus Recht, wer an Ausschreitungen und Pluenderungen teilnimmt ist definitiv kriminell, vermutete Unterprivilegierung hin oder her. Auch interessant, wie angebliche Diskriminierung irgendwelcher "Weissen" herangezogen wird, wenn Afroamerikaner die Laeden asiatisch-staemmiger Amerikaner pluendern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
themistokles 30.04.2015, 15:14
9.

Hm... Ohne jetzt die Situation der gesamten schwarzen Bevölkerung der USA oder das Thema Polizeigewalt bewerten oder aufarbeiten zu wollen. Aber: Aus dem gesamten Artikel lese ich eigentlich nur heraus, dass die Einwohner des Viertels selbst an deren Zustände schuld sind. Sie haben aus, Zitar Artikel, "ein intaktes Milieu schwarzer Arbeiter" ein Viertel voller Gewalt, Drogen und Kriminalität gemacht. Drogenhandel und Drogenkonsum haben die Familien und die Nachbarschaft zerstört. Beschaffungskriminalität und Abhängigkeit Gewalt und Brutalität erhöht. Wer hat nun also Schuld an den jetzigen Zuständen und den Gewalteskalationen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 7