Forum: Panorama
Zeugen im Brunner-Prozess: Ich sehe was, was du nicht siehst

Augenzeugen sind Wackelkandidaten, ihre Erinnerungen oft trügerisch - jeder weiß das, der sich mit Strafjustiz beschäftigt. Im Münchner Mordfall Brunner bekommt die Weisheit nun eine besondere Bedeutung. Die Geschichte des Helden ohne Fehl und Tadel ist auf zweifelhafte Aussagen gebaut.

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stormking 21.07.2010, 16:28
1. .

Zitat von
Wie objektiv ist das Subjektive?
Viel wichtiger: Wie objektiv - oder wenigstens um Objektivität bemüht - ist die Autorin der Artikelreihe? Und muß es wirklich jeden Tag einen neuen Thread zum Thema geben?

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Kurt G 21.07.2010, 16:37
2. Selbstverständlich...

...muss ein objektives Bild gefunden werden, soweit dies aus den unterschiedlichen subjektiven Beobachtungen und Erinnerungen möglich ist .
Aber : eins kann und darf nicht relativiert werden. Die beiden Täter haben schon mit einem Vorlauf von mndestens 30 Minuten (reine Fahrstrecke Donnersbergerbrücke nach Solln : 20 Minuten) andere Fahrgäste bedrängt und verängstigt. Sie sind justament dort ausgestiegen, wo auch Brunner und die Schüler ausgestiegen sind.
Wieso ?

Wenn die Angeklagten nicht schlüssig und jenseits allen Zweifels darlegen können, was sie zu dieser Zeit, nach dem bekannten vorherigen Geschehensablauf gerade in Solln gewollt haben, kann es nur eine Schlussfolgerung geben : sie verfolgten weiterhin Brunner und die Schüler.
Und gegen eine fortgesetzte Verfolgung kann man sich wehren.

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xjazz 21.07.2010, 16:39
3. "Brunner schlug zuerst zu"

"Brunner schlug zuerst zu" - diese Aussage war doch schon von Anfang an von einem Zeugen zu hören, dass die Medien das Ideal-Bild des Helden transportierten wird jetzt der Pressearbeit der Polizei zugeschoben - wenn Journalisten genauer hinsehen würden, wären die Berichte vielleicht differenzierter gewesen. Dass Brunner boxen konnte war damals auch bekannt. Es kann durchaus sein, dass er sich in einer Mischung aus Angriff und Verteidigung Respekt verschaffen wollte. Die Brutalität mit Todesfolge ist trotzdem nicht zu entschuldigen. Mord wird als Anklage aber nicht zu halten sein.
Trotzdem wurde durch die Diskussion einiges in Gang gesetzt, was vielleicht auch Positives bewirkt, hoffen wir´s!

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rkinfo 21.07.2010, 16:39
4. Objektive Indizien

Zitat von sysop
Augenzeugen sind Wackelkandidaten, ihre Erinnerungen oft trügerisch - jeder weiß das, der sich mit Strafjustiz beschäftigt.
Zitat:
"Und außerdem der "kalte, höhnische Blick voll Verachtung" aus den rotgeränderten Augen des einen Angeklagten, der langsam einen Schlüssel aus der Tasche genommen und ihn sich zwischen die Finger gesteckt habe, um dann damit zuzuschlagen."
Das sind emotional gestaltete Details zum Tathergang.
Allerdings gabs den toten Herrn Brunner der deutlich mehr Verletzungen hatte als nach Herzinfakt oder Rauferei zu erwarten gewesen wäre.
Das menschliche Gedächtnis arbeitet nicht wie ein Videoband dass alles exakt wiederholt.
Und solange jemand nicht realisiert können Informationen auch einfach fehlen oder verfälscht hinterlegt sein.
Dazu kommt dass auch die Zeugen nachträglich noch aus anderen Quellen Tatschilderungen erhalten haben und somit sich Fremdes mit Eigenem vermischen kann.

Fakt ist die Expressung die bereits beim 3. Beteiligten zum Urteil führte. Und damit ist auch eine logische Kette der Nothilfe bei Brunner ersichtlich.
Zudem - wieso sollte sich Jemand als Kämpfer ausspielen wollen wenn er nicht tatsächlich Bedrohliches erlebt hat ?
Und wieso haben 'arme Jugendliche' so zugeschlagen dass Herr Brunner schwere Verletzungen ab bekam ?
Es ist sicherlich verwirrend wenn die Tat nun stündlich neu erzählt wird. Aber am Ende jeder Erzählung ist Brunner wieder tot ... reicht das nicht aus ?
"Körperverletzung mit Todesfolge" - so unsere Strafrecht das ein Staatsanwalt auch noch zu Mord oder versuchten Mord mutieren lassen kann. Keiner kommt normalerweise auf die Idee nach einen Fausthieb den Angreifer brutal nieder machen zu wollen. Entweder die Sache ist dann erledigt oder es gibt eine kurze Schlägerei. Und wenn es anders läuft dann weil da jemand ein gemeingefährlicher Killer ist und dann in Blutrausch gerät. So jemand soll noch frei rum laufen dürfen ?

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takeo_ischi 21.07.2010, 16:40
5. .

Zitat von stormking
Viel wichtiger: Wie objektiv - oder wenigstens um Objektivität bemüht - ist die Autorin der Artikelreihe? Und muß es wirklich jeden Tag einen neuen Thread zum Thema geben?
Wie sagt man so schön:
Wenn das Kind schonmal in den Brunner gefallen ist, kann man das ja auch medial ausschlachten...

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Sponator 21.07.2010, 16:46
6. Aussagen als Selbstschutz

Dass jetzt etliche Zeugen anders aussagen als unmittelbar nach der Tat lässt sich psychologisch auch so erklären, dass sie unbewusst eigene Schuldgefühle, Brunner nicht geholfen zu haben, dadurch zu verdrängen versuchen, dass sie den Tatablauf in ihrer Erinnerung allmählich umkonstruieren.

Ansonsten halte ich es für reichlich abwegig, dass Brunner von sich aus ohne Not eine Schlägerei mit den beiden Angeklagten gesucht hat.

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Paveman 21.07.2010, 16:52
7. Einseitig Berichterstattung

Ich kann mich über Frau Friedrichsen, deren Artikel bisher immer einen guten Eindruck hinterließen, und ihre einseitige Berichterstattung nur wundern.
Warum ergreift sie Partei für die angeklagten Totschläger (vielleicht sogar Mörder, lt. Anklage)?
Warum haben sind alle Augenzeugen bis auf den Lokführer, der nur einen kurzen Ausschnitt des insgesamt viel längeren Konflikts auf dem Bahnsteig gesehen hat und dann gleichgültig ohne jede Reaktion weitergefahren ist, anzweifelbar?
Warum soll ausgerechnet der Lokführer, der, wenn er die Situation als für Herrn Brunner bedrohlich dargestellt hätte, durchaus mit Konsequenzen hinsichtlich unterlassener Hilfeleistung zu befürchten hätte, glaubhaft sein? Er ist doch der Einzige, der ein Motiv hat zu lügen.

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xjazz 21.07.2010, 16:53
8. Ein wenig Kaffeesatz

Zitat von Sponator
Ansonsten halte ich es für reichlich abwegig, dass Brunner von sich aus ohne Not eine Schlägerei mit den beiden Angeklagten gesucht hat.
Da er früher Boxtraining hatte, ist das nicht ganz abwegig, es passt auch zu der Aussage, dass er tänzelte - das macht man ja nur beim Boxsport.

Aber er wird schon seinen Grund gehabt haben, ich denke er fühlte die Bedrohung durch die Schläger und wollte von den Kindern ablenken. Das ist zwar alles Kaffeesatzleserei aber ich denke das Gericht wird genug Informationen erhalten um ein gerechtes Urteil zu fällen.

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agKaneda 21.07.2010, 16:53
9. Öffentlicher Druck

Der öffentliche Druck auf die Zeugen zugunsten Brunners aussagen zu müssen, ist wohl gewaltig. Denn Hinterfragen des vermuteten Tathergangs war bis vor einigen Tagen kaum möglich, weil man dirket einer empörten Mehrheit entgegen stand, die keine Kritik am Heldenimage duldete und sehr emotional reagierte. Es spricht für das Gericht, dass es die Zeugen hier offensichtlich zur Wahrheit bewegen kann - wie am Beispiel des Lokführers zu sehen.

Die Aussagen der Kinder sind wohl sehr mit Vorsicht zu genießen, weil sie deutlich manipulierbarer sind und diesem öffentlichen Druck viel weniger entgegen setzen können.

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