Forum: Panorama
Zeugen im Brunner-Prozess: Ich sehe was, was du nicht siehst

Augenzeugen sind Wackelkandidaten, ihre Erinnerungen oft trügerisch - jeder weiß das, der sich mit Strafjustiz beschäftigt. Im Münchner Mordfall Brunner bekommt die Weisheit nun eine besondere Bedeutung. Die Geschichte des Helden ohne Fehl und Tadel ist auf zweifelhafte Aussagen gebaut.

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unterländer 21.07.2010, 16:54
10. Ach ja, der Titel

Zitat von sysop
Augenzeugen sind Wackelkandidaten, ihre Erinnerungen oft trügerisch - jeder weiß das, der sich mit Strafjustiz beschäftigt. Im Münchner Mordfall Brunner bekommt die Weisheit nun eine besondere Bedeutung. Die Geschichte des Helden ohne Fehl und Tadel ist auf zweifelhafte Aussagen gebaut.
Einmal mehr bewertet die Autorin die Aussagen der Zeugen höchst selektiv. Während für sie klar zu sein scheint, dass der eine Zeuge, der sich als Helfer für Herrn Brunner darstellte, indem er ihn angeblich in eine stabile Seitenlagesich brachte, in einem heldenhaften Bild darstellen wollte, ist für sie andererseits wiederum klar, dass andere Zeugen, wie z.B. der Zugführer, weitaus glaubwürdiger zu beurteilen sind, obwohl auch dieser gute Gründe hat, die Situation anders darzustellen, als sie tatsächlich war. Wäre es nämlich wirklich zu einer derart bedrohlichen Lage gekommen, wie einige Zeugen es dargestellt haben, dann könnte man sich schon fragen, warum er nicht selbst zu Hilfe geeilt ist und sich deshalb u.U. der unterlassenen Hilfeleistung verdächtig gemacht hat.

Aber wie gesagt, diese Sichtweise blendet Frau Friedrichsen konsequent aus. Es scheint ihr in erster Linie darum zu gehen, erstens die Arbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft zu diskreditieren und zweitens Herrn Brunner als den eigentlichen Agressor darzustellen. In einem vorhergegangenen Artikel hatte sie die Tat Brunners und dessen Anerkennung durch die bayerische Politik sogar noch als wahlkampfmotiviert dargestellt. Frau Friedrichsen mag keiner der beiden Prozessparteien angehören. Objektiv ist sie deshalb noch lange nicht.

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coriolanus 21.07.2010, 17:00
11. Aussagen

Zitat von sysop
Augenzeugen sind Wackelkandidaten, ihre Erinnerungen oft trügerisch - jeder weiß das, der sich mit Strafjustiz beschäftigt. Im Münchner Mordfall Brunner bekommt die Weisheit nun eine besondere Bedeutung. Die Geschichte des Helden ohne Fehl und Tadel ist auf zweifelhafte Aussagen gebaut.
Auch scheinbar unvoreingenommene, distanzierte Aussagen können interessengeleitet sein.
Mir drängt sich der Eindruck bei den Aussagen des Zugführers auf.
Zutreffend dürften noch am ehesten die Vernehmungen unmittelbar nach dem Tatgeschehen gewesen sein.
Jetzt, mehr als zehn Monate danach verschwimmen in der Erinnerung die Bilder der Wahrnehmung und assoziieren sich mit intersubjektiven Eindrücken: Man hat sich darüber ausgetauscht, es ein Dutzend mal geschildert, hatte den Presselärm um die Ohren, das Echo der Wertungen etc. Nichts bleibt davon unbeeinflußt.
Die ruhige, sterile Aussage des Zugführers könnte hingegen schon aus Gründen der Schadensbegrenzung zuvor zurechtgelegt gewesen sein.
Ich habe als Tatzeuge und Beteiligter die Aussage einer Zeugin erlebt, die das Geschehene gewaltig aufbauschte, vermutlich, um sich herauszustreichen und aus Voreingenommenheit.

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NomNomNom 21.07.2010, 17:06
12.

Zitat von Sponator
Dass jetzt etliche Zeugen anders aussagen als unmittelbar nach der Tat lässt sich psychologisch auch so erklären, dass sie unbewusst eigene Schuldgefühle, Brunner nicht geholfen zu haben, dadurch zu verdrängen versuchen, dass sie den Tatablauf in ihrer Erinnerung allmählich umkonstruieren.
Das kann man aber auch ganz anders herumdrehen.
Vielleicht haben sie sich damals auch verpflichtet gefühlt nicht gegen den "Helden" auszusagen?
Gerade mit dem Druck aus der Presse, von der Polizei oder ihrem Umfeld.
Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich das Bild mit der Zeit in die negative Richtung ändern würde, wenn es nicht stimmen würde.

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peter-wdc 21.07.2010, 17:09
13. Verkehrte Welt...

Zitat von sysop
Augenzeugen sind Wackelkandidaten, ihre Erinnerungen oft trügerisch - jeder weiß das, der sich mit Strafjustiz beschäftigt. Im Münchner Mordfall Brunner bekommt die Weisheit nun eine besondere Bedeutung. Die Geschichte des Helden ohne Fehl und Tadel ist auf zweifelhafte Aussagen gebaut.
Nun hat also ein böser Manager zwei sozial benachteiligte Jugendliche (die sich doch nur ihr Taschengeld aufbessern wollten) kaltblütig bedroht und geschlagen.
Wahrscheinlich wird er jetzt posthum noch wegen Körperverletzung verurteilt und die armen Jugendlichen bekommen das Bundesverdienstkreuz...

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fmfx 21.07.2010, 17:10
14. wer hilft stirbt

Liebe Mitleser, wem sollte man denn jetzt zuhören? Den Medien, die sich auf den Helden Brunner stürzten oder den Medien, die jetzt den gefallenen Helden Brunner sehen?
Jeder hat offenbar ein eigenes Interesse am Fall Brunner. Die einen möchten seinen Tod auf dem Bahnsteig als einen beispiellosen Akt uneigennütziger Hilfe sehen. Hingegen die Angeklagten sähen es sicher gern, wenn Dominik Brunner im Laufe des Prozesses zu einem rauflustigen, herzkranken Draufgänger mutiert, dessen Tat eher dumm denn mutig war.

Egal wie diese Schmonzette auch ausgeht. Dem Bürger wird eines im Gedächtnis bleiben. Derangierte Jugendliche sind gemeingefährlich und wer anderen hilft stirbt. Ich sehe hier ganz dunkle Zeiten für Zivilcourage aufziehen.

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tobiii 21.07.2010, 17:12
15. ...

Zitat von agKaneda
Der öffentliche Druck auf die Zeugen zugunsten Brunners aussagen zu müssen, ist wohl gewaltig. Denn Hinterfragen des vermuteten Tathergangs war bis vor einigen Tagen kaum möglich, weil man dirket einer empörten Mehrheit ......
Das der Lokführer zur Wahrheit bewegt werden konnte bezweifele ich, die Aussage wirkte eher so als wolle er die Geschichte so zurechtdrehen dass man ihn selbst nicht wegen unterlassener Hilfeleistung anklagen (oder in den Medien anprangern) kann.
Sicherlich muss der Tathergang hinterfragt werden, aber die einseitige Berichterstattung hier im Spiegel in der die Aussage des Lokführers der laut Artikel "alles ganz genau beobachtet hat" zum Maß der Dinge gemacht wird wundert mich schon. Mit einer objektiven Berichterstattung die ich mir vom Spiegel wünschen würde hat das leider nichts zu tun.

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Willi Wacker 21.07.2010, 17:15
16. Kampfsport

Zitat von xjazz
Da er früher Boxtraining hatte, ist das nicht ganz abwegig, es passt auch zu der Aussage, dass er tänzelte - das macht man ja nur beim .....
Jeder Kampfsportler, egal wie gut er sein mag oder mal gewesen ist, weiss das gegen Straßenschläger fast kein Kraut gewachsen ist.

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Hyäne 21.07.2010, 17:16
17. ?

Zitat von Paveman
Ich kann mich über Frau Friedrichsen, deren Artikel bisher immer einen guten Eindruck hinterließen, und ihre einseitige Berichterstattung nur wundern. Warum ergreift sie Partei für die angeklagten Totschläger (vielleicht.....
Mal jetzt ohne eine Brille. Bisher hat Frau Friedrichsen ein sehr gutes Gespür für Prozesse bewiesen. Sie beschreibt in der Regel sehr vorsichtig. Sollte dass was sich durch die Aussage des Zugführers ergibt, so gewesen sein, ergibt sich tatsächlich ein neues Bild. Ich bin sehr gespannt, wie dieser Prozess weitergeht und ob Frau Friedrichsen mit ihrer Einschätzung richtig liegt.

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mossburger 21.07.2010, 17:18
18. Journalistenwerk

Zitat von sysop
Augenzeugen sind Wackelkandidaten, ihre Erinnerungen oft trügerisch - jeder weiß das, der sich mit Strafjustiz beschäftigt.
Das mag ja sein. Aber am stärksten wird die Wirklichkeit ja wohl von der Verteidigung uminterpretiert - und dazu hat sie ein gutes Recht. Verkehrt ist es allerdings, wenn Berichterstatter allzu bereitwillig der Führung durch die Täteranwälte folgen. Dazu gehört zum Beispiel die künstliche Herstellung der Fallhöhe Held - Nichtheld. Das sind ja Kategorien, die in dem Prozess keine Rolle spielen und daher auch von Gerichtsreportern nicht in so tendenziöser Weise ausgeschlachtet werden dürfen, wie das hier geschieht.

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unterländer 21.07.2010, 17:18
19.

Zitat von NomNomNom
Das kann man aber auch ganz anders herumdrehen. Vielleicht haben sie sich damals auch verpflichtet gefühlt nicht gegen den "Helden" auszusagen? Gerade mit dem Druck aus der Presse, von der Polizei oder ihrem Umfeld. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich das Bild mit der Zeit in die negative Richtung ändern würde, wenn es nicht stimmen würde.
Was befähigt Sie denn zu dieser Aussage? Druck aus der Presse? Druck von der Polizei? Sicherlich waren Sie bei der Vernehmung der Zeugen durch die Polizei anwesend, so dass Sie beurteilen können, ob die Polizei Druck auf die Zeugen ausgeübt hat. Oder sind Sie einfach dem "Druck der Presse", die Sie gerade gelesen haben, unterlegen und haben deshalb einfach mal deren Feindbilder - die anderen Medien, insbesondere der Boulevard, und die Polizei - übernommen?

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