Forum: Panorama
Zugunglück in Bad Aibling: Fahrdienstleiter drückte falsche Notruftaste
DPA

Ursache des Zugunglücks bei Bad Aibling ist laut bayerischer Landesregierung die Fehlleistung des Fahrdienstleiters. Dieser habe die beiden aufeinander zu fahrenden Züge nicht rechtzeitig gewarnt.

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Arnero 29.03.2016, 08:37
20. weil es sonst mehr Unfälle gäbe?

Der TGV ist besser gesichert. Ist aber teurer. Gar keine Strafe geht auch nicht (wird ja wohl zur Bewährung ausgesetzt werden). Hauptsache, die bauen dort nicht so Viren-anfällige Medizin-Technik ein. Oder ICE Computer mit 0,5 s Bedenkzeit (bevor gebremst wird).

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fahrgast07 29.03.2016, 08:38
21.

Also: Der Fahrdienstleiter schickt Zug 1 auf die Strecke. Dann stellt er fest, dass er Zug 2 nicht losschicken kann (Zug 1 blockiert ja das Gleis) also gibt er ihm Ersatzsignal (für Notfälle gedacht), ohne die Strecke zu prüfen (Vorschrift!). Am Kurpark gibt er ihm gleich noch mal Ersatzsignal. Und dann drückt er noch die falsche Funk-Taste?
Das wäre eine unglaubliche Verkettung von Dummheiten und Verstößen. Sowas macht doch keiner.
Ob die Schuld nicht doch in verwirrender Technik, falschen Vorgaben oder Druck von oben liegt? Wenn ein Mensch derart versagt, muss das doch Gründe haben.

Das Ersatzsignal hat schon viele Unfälle begünstigt (Brühl, Wannsee), ob da nicht der Hase im Pfeffer liegt?

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jujo 29.03.2016, 08:38
22. ...

Da hilft nur ein zweites (!) Notfallsystem welches autonom ohne menschlichen Faktor einen Sicherheitsabstand sicherstellt und automatisch die Züge zum halten bringt.

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rskarin 29.03.2016, 08:43
23. Technische Defekte konnten komplett ausgeschlossen werden?

Das sehe ich nicht so. Wir leben im 21. Jahrhundert und es wäre relativ einfach, solche fatalen Fehler technisch zu verhindern. Auch mit einer Art "Notfahrbetrieb", den man hier offensichtlich aktiviert hat, um die vorhandenen Sicherungssysteme zu deaktivieren. Leider investiert die Bahn nicht in moderne Technik, sondern befindet sich technologisch noch irgendwo im mittleren 20. Jahrhundert. Die Störanfälligkeit dieser Technik ist aus heutiger Sicht nicht mehr akzeptabel. Ich als Bahnfahrerin erlebe fast täglich Verspätungen infolge von Weichenstörungen, Signalstörungen, Oberleitungsstörungen - und dazu kommt ein völlig chaotisches und untaugliches Störungsmanagement! Mich wundert nicht, daß es dann zu solchen Unfällen wie in Bad Aibling kommt.

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mpigerl 29.03.2016, 08:43
24. Die Technik kann nicht alles, es braucht das Hirn.

Zitat von Worldwatch
Und ich kann mir vorstellen, wie sehr der FDL nun selbst darunter leidet. Andererseits, und in Respekt vor den Opfern ... Wie kann es sein, und in Zeiten hochtechnologischer Meß-, Regel- wie Steuerungstechnik, dass solche Kollisions-Gefahrensituationen allein menschlichem "Knopfdruckverhalten" anheim gestellt werden? Unfassbar!
Ich will den FDL auch nicht vorverurteilen. Aber es ist nicht so dass er einfach ein falsches Knöpfchen gedrückt hat. Das Menschen Fehler machen war und ist in den Betrebsanweisungen mit eingearbeitet. Hier wurden aktiv Sicherungssysteme ausser Betrieb genommen und ein Verfahren verwendet, welches eigentlich nur für Wartungsarbeiten oder in Störfällen verwendet werden sollte. Wenn der FDL die Anlage im Regelbetrieb gefahren wäre, hätte es keinen Unfall gegeben. Niemand wird ihm unterstellen, dass er mit Absicht gehandelt hat und niemand wird ihm unterstellen, dass er Fehler gemacht hat. Aber er hat aktiv Sicherheitsanweisungen missachtet. Davor kann keine Technik schützen. Man kann manuell ein Flugzeug gegen den Berg fliegen. Man kann beim Auto die Reifen wechseln und die Schrauben nicht festziehen. Man kann fast jedes Sicherheitssystem ausser Betrieb nehmen und dann ist eben der doppelte Boden, den die Technik bietet weg. Ja, das geht auch bei einem Atomkraftwerk. Da versucht man es eben zu verhindern, dass man keinen Menschen alleine lässt und alle Schaltoperationen immer von 2 oder 3 Menschen überwachen lässt. Aber ein 100%iger Schutz ist dies auch nicht.

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musorki 29.03.2016, 08:48
25. vollkommen richtig

Zitat von gweihir
Wenn sowas solche drastischen Folgen haben kann, dann muss das User-Interface falsch designed sein. Der Luftverkehr mach vor, wie es richtig geht: 121,5 MHz und "Mayday", keine Zweifel wer es bekommt, denn es bekommen _alle_.
wenn ZWEI notruftasten oder emergency buttons nebeneinander liegen, dann ist die fehlerquote bei 50%. wenn ein notruf rausgeht, dann doch wirklich an alle.

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olli08 29.03.2016, 08:59
26. Man macht es sich mal wieder leicht ...

... und reduziert die Verantwortlichkeit auf eine einzige Person, die sich jetzt vermutlich den Strick nehmen darf, damit sich alle anderen wieder besser fühlen dürfen.

Aber:
Es gibt Verantwortliche für das Systemdesign der vom Fahrdienstleister falsch bedienten Geräte.
Es gibt Verantwortliche für umfassende und regelmäßige Schulung des Personals, inclusive Notfalltest und Simulation von kritischen Situationen.
Es gibt Verantwortliche für die Festlegung von Betriebsabläufen.
Es gibt Verantwortliche für den Verzicht auf zweigleisigen Streckenausbau.
Es gibt Verantwortliche für die Einrichtung von Sicherheitssystemen und deren Deaktivierbarkeit!
Es gibt Verantwortliche für das Erstellen von Dienstplänen und Stellenbesetzungen.
Und es gibt Verantwortliche für das Setzen und Kommunizieren von Prioritäten und Unternehmenszielen, zum Beispiel: "Sicherheit geht vor Pünktlichkeit!".

Aber vor allem gilt die ewige Erkenntnis: Jeder Fehler, der gemacht werden kann, wird auch irgendwann gemacht werden.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich Atomkraft ablehne?

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ugt 29.03.2016, 08:59
27. Wo Menschen Technik bedienen

Wenn Menschen hochkomplexe Technik bedienen passieren Fehler. Wir Menschen verstehen schon lange nicht mehr was wir da zusammen bauen, auch die die solche Sachen zusammenbauen verstehen die Technik nicht. Und nun soll ein "unbedarfter Laie" die Technik fehlerfrei bedienen können?
Hmm... schon seltsam.
Und es muss noch nicht einmal komplexe Technik sein wo der Mensch versagt. Die Technik die wir so lieben wird und irgend wann umbringen, weil wir ( Menschen ) zu dumm sind diese zu bedienen.

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jujo 29.03.2016, 09:04
28. ...

Zitat von Nabob
und könnte für freie Strecken Loks mit Transpondern ausstatten, die bei der Annäherung von unter xx km zu einer anderen Lok die involvierten Lokführer alarmieren und über einen sogenannten "Toter-Mann-Alarm" zwingen, die Weiterfahrt freizuschalten oder selbstständig ein Bremsmanöver einzuleiten. Das sollte technisch möglich sein und ist vermutlich nicht besonders aufwendig zu installieren, würde dem betroffenen Lokführer direkt eine Kontrollmöglichkeit über den unfallfreien Einsatz seines Zuges geben neben den Eingriffsmöglichkeiten eines Fahrdienstleiters. Bevor also eine Kollision von Zügen stattfinden würde, wären dann mehrere Personen an der Verhinderung aktiv beteiligt.
Nein, keinen "Totmannknopf! ein zwingendes automatisches Stopp beider(!) Züge sollte sein bei gefährlicher Annäherung.

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ugt 29.03.2016, 09:04
29. Nun ja ...

Zitat von markus.pfeiffer@gmx.com
"... Klar sollte man nicht am Tag nach dem Unglück mit einem "Schnellschuss" an die Öffentlichkeit gehen; aber wenn es sieben Wochen dauert, bis dieses Wissen an die Öffentlichkeit gelangt, wurde irgendwo massiv gemauert - bei der Bahn aus (falsch verstandenem) Korpsgeist? ..."
... warum sollte es bei der Bahn, die täglich gegen ihre Kunden kämpft, anders sein als bei anderen öffentlichen Bediensteten? Im öffentlichen Dienst werden Straftaten regelmäßig vertuscht.
Es hat schon Wartungsingenieure gegeben, die sich selbst angezeigt haben, weil sie von ihren Vorgesetzen Anweisungen zu Straftaten bekommen haben. Bei der Bahn also nichts neues.
Und es wird wieder eine kleine Wurst der Meute zum Fraß vorgeworfen.

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