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Zugunglück in Bad Aibling: Fahrdienstleiter drückte falsche Notruftaste
DPA

Ursache des Zugunglücks bei Bad Aibling ist laut bayerischer Landesregierung die Fehlleistung des Fahrdienstleiters. Dieser habe die beiden aufeinander zu fahrenden Züge nicht rechtzeitig gewarnt.

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querulant_99 29.03.2016, 09:45
60.

Zitat von tuedelich
Also liegt die Schuld für das furchtbare Unglück doch bei der Bahn! Warum besteht denn diese beschriebene Lücke im Sicherheitssystem überhaupt, so dass ein FDL so falsch reagieren kann? Für mich wird hier Verantwortung auf eine Einzelperson abgeschoben!
Wozu bräuchte man noch einen Fahrdienstleiter, wenn die Technik immer das letzte Wort hat?

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JensA 29.03.2016, 09:46
61. Organisationsfehler der Leitung?

Kommt ja zum Glueck auch nicht alle Tage vor, dass man den Notruf benötigt, ist also voellig entschuldbar und wurde ja auch, leider zu spaet, berichtigt. Die wichtigere Frage: War es dort taegliche Praxis, den Zug 'manuell' durchzuwinken? Wer hat das angeordnet bzw. vorgelebt? Konnte sich der Fahrdienstleiter dieser Praxis ueberhaupt entziehen, ohne Probleme mit den Vorgesetzten zu bekommen? Eine änliche taeglich eingeübte von oben vorgegebene fehlerhafte Praxis hat auch beim Transrapid zum verheerenden Unglück geführt. Ich finde es von der Politik zu einfach, die Schuld auf den kleinsten Mitarbeiter abzuwaelzen.

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Referendumm 29.03.2016, 09:47
62.

Zitat von Gentrich
... viel Geld, viel moderne Technik, usw. Und dann scheitert die Menschheit an einer Taste? Ich stecke da sicher nicht im Thema und es ist bestimmt alles sehr kompliziert, aber für mich als "kleinen Menschen" darf sich doch die Frage stellen: Taste? Und ein Einziger soll der Schuldige sein?
Das Leben von Passagieren zählt doch bei der Bahn wenig, es geht immer nur ums Geld!
Die Technik sollte so konstruiert sein, dass sie menschliche Fehler weitgehendst ausschließt. Aber statt einem ″Sicherheitssystem PZB 90″ gibt es lediglich eine "Punktförmige Zugbeeinflussung PZB 90". Statt einem automatischen Notbremssystem gibt es irgendwelche und dazu noch zig Notruftasten.

Noch interessanter ist es, dass es ein modernes European Train Control System (ETCS) gibt, aber weil es ein bissl Geld kostet, hat man dann für viele Bahnen das uralte B-System zugelassen – Zitat dazu: ″Bestimmte nationale Zugbeeinflussungssysteme dürfen neben ETCS auch in Zukunft weiter bestehen. Dies dient dem Bestandsschutz der Bahn-Infrastruktur-Betreiber, die in diese Systeme in der Vergangenheit hohe Geldbeträge investiert haben.″ Analogie dazu: ″Ich habe in mein 40 jahre altes Auto auch viel Geld investiert, deshalb sehe ich nicht ein, dass ich es vorm TÜV auch noch aufwändig reparieren lassen muss, um weiter fahren zu dürfen″.

Personen und tödliche Unfälle interessieren im Bahnverkehr doch gar nicht, Hauptsache die Kohle stimmt und wir können mit 400 km/h (höchst unsicher) durch die Gegend brettern. Passieren Unfälle, sucht und findet man einen Verantwortlichen (search for the guilty), schiebt ihm alles in die Schuhe und macht weiter wie bisher.

Das war 1975 beim Eisenbahnunfall von Warngau so, das war beim ICE-Unfall von Eschede so und das wird auch in Zukuft so sein. Die Kohle muss stimmen, Tote und Verletzte sind doch völlig irrelevant.

P.S.: Weil sich kürzlich die Katastrophe des vom Co-Piloten bewusst herbeigeführten Germanwing-Absturzes jährte: Auch in diesem Fall ging es doch nur um Geld (Pilotenausbildung) der Lufthansa-Muttergesellschaft. Dass der Co-Pilot ein Psychopath war, wussten doch dort alle! Schon in der Ausbildung zeigte sich sein negatives Verhalten. Doch anstatt die Notbremse zu ziehen und die bis dato investierten tausende von Euro an Pilotenausbildungskosten abzuschreiben, ließ man diesen Psychopathen weitermachen. Das hatte eher etwas mit russisch Roulette zu tun, als mit einer seriösen Unternehmensführung.

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tim_struppi 29.03.2016, 09:47
63.

Zitat von Harald Schmitt
Warum gibts keine GPS Tracker für die Züge und Computerüberwachung? Sowas gibts schon bei Taxiflotten und Firmenwagen und man weiß ständig wo wer ist.
Weil GPS nicht genau genug ist, um beispielsweise bei parallelen Gleisen festzustellen, auf welchem Gleis sich der Zug befindet. Außerdem reicht es zur Kollisionsvermeidung nicht aus, die Position eines Zuges zu kennen, das System muss zusätzlich auch die Weichenstellungen der Strecke berücksichtigen. Das Ganze wird schnell sehr komplex und es ist keinesfalls allein mit dem Einbau von GPS-Empfängern in die Züge getan.

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Robert_Rostock 29.03.2016, 09:48
64.

Zitat von schmuella
Man macht es sich zu einfach, wenn man die Unfallursache (nur) beim Fahrdienstleiter sucht. Täglich werden tausende Entscheidungen von Fahrtdienstleitern getroffen. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Fehlentscheidung kommt. .....
Genau.
Die einzigen Schuldigen an sämtlichen Bahn-Unfällen weltweit sind Grube, Pofalla und Dobrindt. Wenn die zurücktreten, wird es nie mehr einen Unfall geben.

Und alle bisherigen Eisenbahner waren totale Deppen, weil die zu doof waren, "eine Technik zu entwickeln, die solche Unfälle verhindert". Dabei hätten die bloß mal die allwissenden SPON-Foristen fragen brauchen.

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Robert_Rostock 29.03.2016, 09:50
65.

Zitat von Harald Schmitt
... Warum gibts keine GPS Tracker für die Züge und Computerüberwachung? Sowas gibts schon bei Taxiflotten und Firmenwagen und man weiß ständig wo wer ist. ...
Genau. Diese banalstdenkbare Technik funktioniert ja auf der Straße bekanntlich dermaßen zuverlässig, dass es seit deren Einführung keinen einzigen Unfall gab.
Es ist völlig undenkbar, dass zwei Autos zusammenstoßen, schon gar nicht frontal.

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klangschmied 29.03.2016, 09:51
66.

Ein tragischer Unfall, fürwahr, und es tut mir leid um die Beteiligten. Alle die hier nach besseren technischen Methoden rufen und den Faktor mensch a rausnehmen wollen, schon mal bedacht:
1. Es sind tausende (wenn nicht zehtausende) Arbeitsplätze, die ihr weghaben wollt.
2. In der Not (welche nicht berechenbar ist... ich meine nicht die, welche man berechnen kann) kann nur ein Mensch helfen und keine KI. Leider kann der Mensch auch absichtlich etwas falsch machen, aber wenn wir uns die neueste Geschichte vor Augen führen, in der die Technik schon beinahe oder ganz versagt hat, dann war es nur der Mensch, der die Katastrophe verhindern konnte. Menschliches versagen mag viele Leben gekostet haben, aber der Mensch hat mehr leben gerettet, als die Maschine.

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Referendumm 29.03.2016, 09:51
67.

Zitat von boseta
... bin schon gespannt wem bei Unfällen mit autonomen Fahrzeugen die Schuld übertragen wird!
Zu Ihrem ersten teil: Völlig richtig, leider!

Bei autonomen Fahrzeugen ist es allerdings einfacher, weil dabei erneut die Eigentümer der Fahrzeuge und / oder der (Mit-) Fahrer haftbar gemacht wird und keine übergeordnete Gesellschaft! Der dt. Staat ist immer großzügig, wenn es um die Haftbarmachung von Privatpersonen geht. Geht es aber um ein großes Unternehmen oder gar einen Staatsbetrieb, dann sind immer die anderen schuld - niemals das Unternehmen selber oder deren Führung.

Ist eigentlich ganz einfach.

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friedrichgadow 29.03.2016, 09:52
68. Organisationsverschulden?

Es waere fatal, wenn dieses Ergebnis ("der Fahrdienstleiter war's") bestaetigt wuerde. Es widerspraeche allem, was in in Bezug auf sichere Prozesse (ein-endeutig, failsafe) und Unfallanalyse Stand der Erkenntnis ist. Ja, er hat beiden freigegeben - weil es technisch moeglich war. Ja, er hat in seiner Verzweiflung und Hektik auf dem falschen Kanal gesendet - weil es technisch moeglich war. Der Stand der Technik gibt sichere Alternativen seit Jahren her, ebenso ist der Stand der Erkenntnis zu sicheren Systemen (die ganz nebenbei haeufig genug von Qualitaetsmanagement-Systemen abgefragt werden) wesentlich weiter fortgeschritten. Also, liebe Bahn: macht eure Hausaufgaben bitte gruendlich, zeigt, dass Ihr lernen koennt, zeigt, dass Ihr wenigstens in der Unfallanalyse auf dem aktuellen Stand angekommen seid. Es waere ein erster Schritt, auch in Bezug auf sichere Prozesse irgendwann in der Gegenwart anzukommen.

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Robert_Rostock 29.03.2016, 09:52
69.

Zitat von spon-facebook-1629421895
Also der Fahrdienstleiter. Das es problemlos möglich wäre, Technik, welche sich in jedem besseren Mittelklassewagen befindet, einzusetzen, die sowas verhindert... EGAL.
Technik, die sich in jedem besseren Mittelklassewagen befindet?!
Deshalb gibt es ja auch niemals Unfälle auf der Straße. Deshalb stoßen niemals zwei Autos zusammen...

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