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Zugunglück in Bad Aibling: So funktioniert der Verkehr auf eingleisigen Strecken
DPA

Nach dem Zugunglück in Bad Aibling suchen Ermittler nach der Ursache. Konnten Mitarbeiter Regeln ignorieren? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Lapporten 10.02.2016, 16:48
1. Leider so nicht richtig!

"Das Eisenbahn-Bundesamt übte in den vergangenen Jahren mehrfach Kritik an eingleisigen Schienensystemen. Hintergrund sind Sandkörner, die Lokführer bei schlechtem Wetter auf die Gleise sprühen können. Der Sand soll ein schnelleres Anhalten ermöglichen, kann aber die Signaltechnik stören. Eine eigentlich befahrene Strecke könnte so fälschlicherweise als frei angezeigt werden."

Das ist in dieser Allgemeinheit schlicht falsch.

Das Problem, dass Bremssand durch seine isolierende Wirkung Gleisfreimeldeanlagen beeinträchtigen kann, tritt nur auf, wenn bis kurz vor Fahrzeugstillstand noch gesandet wird, so dass sich auch unter den zum Stillstand gekommenen Rädern noch Sand befindet. Daher soll das Sanden bei Bremsvorgängen bei 25 km/h beendet werden. Muss bei niedrigeren Geschwindigkeiten noch gesandet werden, ist der Fahrdienstleiter unter Angabe des Orts des Sandens zu verständigen.

Von dem Problem betroffen sind auch nur Gleisfreimeldeanlagen mit Gleisstromkreisen, nicht solche mit Achszähleinrichtungen.

Damit, ob eine Strecke ein- oder mehrgleisig ist, hat das ganze überhaupt nichts zu tun.

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calinda.b 10.02.2016, 16:49
2. Naja

"Rein technisch sei es auch möglich, sagt Verkehrstechniker Trinckauf, dass der Lokführer das PZB 90 ausschaltet."

War 40 Jahre Fahrdienstleiter.

Nicht nur "rein technisch" ist das möglich, ohne dies zu tun, bleibt der Zug stehen, wenn mit Hilfssignal oder schriftlichem Befehl operiert wird, da ist das so vorgesehen, sonst kann der Zug nicht weiterfahren.

Wenn der Fahrer das nicht wieder einschaltet, nach dem Passieren des defekten Signals, dann wird beim nächsten Signal (oder SignalE) keine automatische Bremsung geschehen, wenn durch Rot gefahren wird.

Auch gibt der Fahrdienstleiter nur "die Strecke mit einem Knopfdruck frei" auf uralten Stellwerken, die das noch nicht automatisch tun.

Ausserdem ist ein Relaisstellwerk keineswegs 'elektronisch', das gehört alles in die Elektromechanik.

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frankenbaer 10.02.2016, 16:58
3. Kontrollsysem abschaltbar?

Wenn, wie dargestellt, auch der Lokführer das PZB90 abschalten kann, wäre es doch denkbar, dass irgend wann jemand einen sogen. erweiterten Suizid durchführt (siehe Flugzeugabsturz). Hier sollte man dringend nach echter Sicherheit suchen.

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WagnerHessen1971 10.02.2016, 17:10
4. Gurtpflicht im Zug???

Warum gibt es im Zug keine Anschnallpflicht wie im Reisebus?? Ich bin sicher, viele der hier Verletzten wären damit besser gefahren.... Aber die Bahn spielt immer eine Extrawurst als quasi-unantastbares schienengebundenes Verkehrsmittel, bei dem ja so gar nichts passieren kann.

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Greggi 10.02.2016, 17:13
5. Einfach abschalten?

Das PZB 90 kann durch eine Person einfach abgeschaltet werden? Nicht zu glauben. Warum greift hier nicht das 4-Augen-Prinzip? Warum aktiviert sich das System nicht nach einem definierten Zeitraum, falls vergessen wurde, es wieder zu aktivieren? Eigentlich sind ja elektronische Sicherheitssysteme dazu da, menschliche Fehler auszugleichen. Ich glaube, da ist noch Verbesserungspotenzial (wenn es letztendlich nicht an den Kosten -wiederma- scheitern wird.

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ollifast 10.02.2016, 17:14
6. schlecht recherchiert

Lieber SPON, mit Computer hat ein Relaisstellwerk ungefähr bauartmäßig soviel gemein wie ein Motorrad mit einer Elektrolok: Beides sind Fortbewegungsmittel und das war es auch schon.

Die Relaisstellwerke mit Gleisbildstellpult wurden seit den 50er Jahren, als man sehr gut Elektrotechnik, aber noch nicht wirklich Computer konnte, wegen ihrer Vorteile in Massen verbaut und gelten auch heute noch als im Grunde grundsolide Technik. Wenn man die vorschriftsmäßig bedient, ist kaum ein Unfall vorstellbar. Sollte etwas ausfallen, dann immer zur sicheren Seite, das ist eigens so konstruiert. Allerdings ist jede logische Verknüpfung eben mittels Relais, also elektromechanischer Bauteile, von Hand verdrahtet, für Anpassungen ist das nicht sehr flexibel.

Die heutigen elektronischen Stellwerke haben den Vorteil größerer Effizienz und außerdem kann man noch ein paar mehr "Dummheiten" abfangen, weil es mittels Rechner keine große Mühe bereitet, ein "das kann man machen" von einem "tu das nie" zu unterscheiden.

Für ein "ich will das aber so und schalte dich ab" des Fahrdienstleiters kann die Technik aber nichts.

Teilweise ist man auch dazu übergegangen, Relaisstellwerke fernzusteuern, d.h. die Tasten werden dann von einem Computer fernbedient, die Sicherheitsfunktionen verbleiben aber auf der Relaisebene. Das funktioniert auch gut und ist u.U. in kleinen Bahnhöfen übergangsweise wirtschaftlicher als eine komplette Erneuerung, bei gleicher Sicherheit.

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zick-zack 10.02.2016, 17:16
7. Unsinn!

"Fahrdienstleiter...kontrollieren den technischen Zustand der Wagen..." Ich bin Lokführer bei der DB und habe selten so einen Unsinn gelesen. Wenn die Presse versucht, das Signalsystem, den Betriebsablauf oder die PZB zu erklären, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

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spon_2601733 10.02.2016, 17:18
8. Ein schrecklicher Unfall.

Ich habe größtes Mitgefühl für alle, die von diesem Unfall betroffen sind. Wir vertrauen alle auf die Technik, aber wie haben wir in meiner Jugend solche "Missverständnisse "wirkungsvoll verhindert. Die Linie 12 von Düsseldorf nach Ratingen war auf ca. 3 km einspurig. Und oft nicht übersichtlich da kurvenreich.
Da gab es an jeder Einfahrt ein Kästchen für ein Stöckchen von 30cm Länge. Lag ein Stöckchen im Kasten, wurde es herausgenommen und die Bahn durfte weiterfahren. Wenn nicht, musste sie auf den Gegenverkehr mit den Stöckchen warten. Zugegeben, passt nicht mehr in unsere Zeit, hat aber gut funktioniert.

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villager44 10.02.2016, 17:19
9. Zugführer vs. Lokfürer

"Die Zugführer wurden deshalb angewiesen ..." (keinen Sand zu streuen). Wann begreifen Journalisten den Unterschied zwischen Lokführer (Triebfahrzeugführer) und Zugführer (Zugbegleiter)? Wikipedia wäre hilfreich. Ein Zugführer streut keinen Sand, und einLokführer

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