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100 Jahre Verdun: Die Welt als Schlachthaus
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Die Schlacht von Verdun ist das Sinnbild des menschlichen Frevels. Wir feiern die Gedenktage des Erstens Weltkriegs. Gleichzeitig steuern Ost und West mit Lust in einen neuen Großkonflikt. Wir sind nicht in Sicherheit.

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accademico 22.02.2016, 20:55
50. Schlafwandler

Die Nationen sind nach der Auffassung eines Historikers 1914 wie Schlafwandler in den Krieg getaumelt. Deutschland strotzte vor Kraft, Frankreich hatte von 1870 noch eine Rechnung offen, England sah seine Vorherrschaft als Industrienation in Gefahr, das multiethnische Österreich-Ungarn zerfiel, Russland sah sich als Schutzmacht aller slavischen Völker etc. Das alles mundete in die erste Katastrophe von 1914-1918 und von dort aus in die zweite von 1933-1945. Als Lehre aus zwei Weltkriegen wurde 1957 die EWG gegründet und zur EG sowie zur EU weiterentwickelt. Seit den 1990er-Jahren ist jedoch etwas schiefgelaufen. Eine zu enge Verzahnung der Nationen bei gleichzeitiger Aushöhlung der parlamentarischen Demokratie, eine zunehmende Machtentfaltung demokratisch nicht legitimierter Institutionen (EZB etc.), Strafmaßnahmen gegen einzelne Staaten etc. haben zur Renaissance der Nationalstaaten geführt (vgl. Flüchtlingskrise). Frieden in Europa ist ein hohes Gut. Hoffentlich wachen die Schlafwandler dieses Mal rechtzeitig auf. Ich habe Verdun auf Klassenfahrt 1982 gesehen....

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m.s.schneider 22.02.2016, 20:55
51.

Kriege passieren nicht. Kriege werden gemacht. Um sie zu machen, muss man sie wollen. Und um sie zu wollen, braucht es Gründe. Diese Gründe sind keine Bündnisse oder Verträge. Das greift nichts ineinander, da entsteht nichts, das entwickelt und das wächst nichts. Kriegt ist nicht Natur oder Kultur, sondern Interesse. An der Erlangung von Ressourcen direkt oder am Reset durch maximale Zerstörung und "kostenpflichtigen" Wiederaufbau usw. Und Krieg ist nicht nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln (und ebenso umgekehrt Politik gern die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln), er ist nicht horizontal, sondern Krieg wird immer von oben nach unten geführt. Es muss Einigkeit bestehen zwischen denen, die andere sich bekriegen lassen. Die Unternehmensführungen leiten vielleicht konkurrierende Firmen, was aber dem gemeinsamen Bankett oder Golfspiel nicht im Wege stehen sollte.

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Heinrich_Hoert 22.02.2016, 20:57
52. Zusammenhänge

Auschwitz und Treblika halt ich für weit hergeholt. Aber unbestritten dürfte sein ohne den 1. Weltkrieg und den Friedensvertrag hätte es die Nazis und Hitler nicht in der Form gegeben.

Wir hätten vermutlich noch ein Kaiserreich die Russen einen Zaren usw.

Mit vielem hat Augstein in dem Beitrag Recht. Wer über die Felder von Verdun geht spürt eine Art Wahnsinn. Aber er spürt auch eine Faszination des Gigantischen Irrsinns.

Und er hat sehr Recht mit der Auffassung das Adam noch immer mehr mit der Keule (heute Atomar) unterwegs ist als mit dem Kopf.

Für mich waren in meinem Leben zwei Romane zum Thema interessant. Ettinghofer Verdun und Arnold Zweit Erziehung vor Verdun.

Ettinghofer Nationalist und Zweig Pazifist. Der Spannungsbogen war es die Sichtweise und die Frage Als Kain Abel erschlug, wo war da Gott?

Um den Bogen zu Ihnen zu schliessen, wo war Gott als es galt Auschwitz zu verhindern und wo seine irdischen Vertreter.

Die Verrrohung von Verdun machte erst Auschwitz möglich und zwar in den Erzählungen an die Söhne weitergegeben.

Auschwitz das waren die Jahrgänge 1911 bis 1926 unter den Tätern

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globus1 22.02.2016, 20:57
53. Krieg Ost gegen West? Ich denke Obama und Putin sind sich bedingt einig.

Ich schätze, sie haben sich schon längst darüber verständigt, wie sie das handhaben wollen, was die Türkei da alles so anstellt oder wie reagiert wird, wenn die Türkei mal wieder daneben schlägt. Nur werden sie es der Frau Merkel wohl nicht erzählen. Erdogan meinte ja wohl, dass die Türken Amerika entdeckt hätten und mit Russland hat er es ja auch nicht mehr so. Während in der Vergangenheit deutsche Soldaten in der Türkei zu Syrien stationiert waren, ballert Erdogan auf einmal gegen die Kurden los, ohen Deutschland darüber zu informieren. Also Mann weiß, was man an ihm hat.

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meine_foren 22.02.2016, 21:10
54.

Zitat von weem
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es nochmals einen Krieg in dieser Größenordnung auf diesem Erdball geben wird. Regionalkonflikte werden leider aus den verschiedensten Gründen immer wieder ausbrechen und auch (hoffentlich) bald (bei den aktuellen) beendet werden. Für einen 3. Weltkrieg halte ich die Menschheit (sowieso) bzw. die zur Zeit verantwortlichen Entscheider für zu intelligent, um alles (in wahrsten Sinne des Wortes) aufs Spiel zu setzen. Seien wir mal ehrlich, ein neuer globaler Krieg wäre spätestens nach 1 Woche zu Ende..und alles andere auch.
An einen 3. Weltkrieg glaube ich auch nicht, aber was zur Zeit in der islamisch geprägten Welt abgeht, hat durchaus Potenzial für einen Flächenbrand: Türkei, Syrien, Afghanistan, Irak, Jemen, Ägypten, Mali, Sudan, Somalia, Tunesien, Libyen, Algerien, Nigeria,... Einige dieser Staaten sind bereits als gescheitert anzusehen. Hoffen wir das Beste! :-)

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globus1 22.02.2016, 21:15
55. Kriegsursache Machtvakuum

Instabile oder Staaten ohne innere funktinierende Staatsordnung wie Libyen beeinhalten im Grunde nur einen Scheinfrieden. Ursachen der Instabilität sind hohe Besiedlungsdichten mit Menschen von geringer Qualifikation, weil diese sich häfuig tatsächlich auch für Übervorteilungen aller Art anbieten. Die Übervorteilten, wenn sie ihre eigene schamlose Ausnutzung erkannt haben, rotten sich zusammen und wehren sich ohne staatliche Hilfe auf eigene Faust und schon kann man von inneren Unruhen sprechen, die bis zum Bürgerkrieg führen können. So kann man die Bestrebungen von Putin nachvollziehen, dass er Assad unterstützt, um überhaupt in diesem Land eine staatliche Macht herzustellen, wie immer die auch aussieht.

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skeptikerjörg 22.02.2016, 21:16
56. Augstein halt

Lieber Herr Augstein, ich unterstreiche alles, was Sie zu Verdun gesagt haben, auch, dass Krieg in Europa nicht für alle Zeiten verbannt ist. Aber was hat das mit Russland zu tun?
Ach so, Sie brauchten einen Aufhänger für Ihr Amerika Bashing. Und der böse Westen bekommt natürlich auch sein Fett ab. Wo rüstet der Westen gegen Russland? Und wo annektiert der Westen Teile eines souveränen Nachbarstaates? Und weil Obama einfach nur eine Tatsache ausgesprochen hat, führt Russland zusammen mit Assat einen gerechten Krieg in Syrien. Ok, ich vergaß, dass alle russischen Kriege gerechte Kriege sind. Oder verwechsel ich das mit Kommunistischen Kriegen?
Egal, wenn jemand in Europa die Lehren aus zwei Weltkriegen nicht kapiert hat, dann heißt der Putin! Und nicht zuletzt deshalb muss man ihm entgegen treten.

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demokratie-troll 22.02.2016, 21:41
57. Eine Elite, die uns in den Abrund führt

Der Sinn des 1. Weltkriegs war das Ergebnis: der Untergang der Kaiserreiche und des türkischen Sultanats. Das war die von Thomas Mann blind beschworene Befreiung oder Reinigung mit den Mitteln der Barbarei des Kriegs. Den Koninent hatte es nachaltig ruiniert; weil man sich revolutionär der aristokratischen Clique, die sich selbst in der Macht längst überlebt hatte, nicht entledigen konnte, zahlte man den größtmöglichen Preis dafür. Dieser Suizid der herrschenden Elite war eine Monströsität, wie sie die Geschichte der Menschheit noch nie vorher erlebte.

Wenn wir also was daraus lernen können, so die Mahnung, unsere versagenden Elite rechtzeitig von der Macht zu entfernen. Denn ist der Krieg erstmal da, ist alles zu spät, er lässt sich zivilisatorisch nicht einhegen.

Und heute, stehen wir in Deutschland nicht schon wieder vor dem Suizid, weil wir uns der versagenden Elite nicht entziehen können? Einer Elite, die uns in den Abrund führt?

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info@buch-perl.de 22.02.2016, 21:42
58. Der Krieg der Foristen

Zitat von MrMokel
Interessanter ist doch die Frage, was Feinde überhaupt sind. Leben wir immer noch in einem Land, wo der Begriff „Feind“ überhaupt verwendet wird? In einem Land, wo wir „Feind“ dann auch direkt mit Krieg assoziieren? Echt jetzt, warum müssen in dieser Diskussion überhaupt 300.000 umsonst gestorbene Menschen für irgendeine politische Anschauung instrumentalisiert werden? Kann vielleicht mal langsam wieder Vernunft in diese Debatte einkehren? Im Zweifel links? Ab jetzt ohne mich, im Zweifel Vernunft.
Ja, wir leben in einem Land, das den Begriff Feind nicht nur verwendet, sondern lebt. Wie Sie, der sie gar nicht auf die Kolumne eingehen können, weil Ihre fixen Feindbilder Sie so stark daran hindern, dass Sie nicht merken, wenn Sie mit dem Kolumnisten einer Meinung sind. Der darf, zur Illustration seiner Warnung, Verdun verwenden. Er könnte auch einen Bezug zu einem anderen grauenvollen Krieg wählen. Er hat, was viele hier kraft Feindbild ausblenden, vor einer russischen Agression gewarnt. Er hat diese Warnung begründet, indem er darlegte, wie Putin und das russische Volk ticken. Mehr nicht.

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raphaela45 22.02.2016, 21:54
59. Umgekehrt

...wird ein Schuh draus: Trotz aller Vorwände (bzw. Provokationen), die der NATO-Block schon geliefert hat (Förderung der islamistischen Terroristen in Tschetschenien, Anstiftung zum Mord an russischen Friedenstruppen in Georgien, Regime changes mit militärischer Zielrichtung in immer mehr Grenzländern der RF, Anstiftung der Türkei zu Aggressionsverhalten gegenüber Syrien und der RF, um nur einige zu nennen) hat die russische Regierung bisher immer diplomatisch, defensiv und unterhalb der "angemessenheits"grenze reagiert. - Je mehr man sich mit der Geschichte des Verhältnisses der RF und des NATO-Blocks, den Hintergründen des Jugoslawienkriegs, der Politik der US-Administration, dem "tiefen Staat" (nicht nur) der Türkei beschäftigt (alle Bücher und sonstigen Quellen sind frei zugänglich und es reicht aus, "rein westliche" zu lesen), desto mehr weiß man zu schätzen, wie die russische Regierung handelt, nämlich friedenserhaltend. - Lesen Sie doch mal was von Scholl-Latour zum Einstieg und beschäftigen Sie sich mit Zbigniew Brezinski zum Beispiel, statt nur deutsche MSM zu konsumieren: Es hilft, einen umfassenderen Blick auf vergangene und aktuelle Geschehnisse zu bekommen.

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