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100 Jahre Verdun: Die Welt als Schlachthaus
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Die Schlacht von Verdun ist das Sinnbild des menschlichen Frevels. Wir feiern die Gedenktage des Erstens Weltkriegs. Gleichzeitig steuern Ost und West mit Lust in einen neuen Großkonflikt. Wir sind nicht in Sicherheit.

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pippipankau 23.02.2016, 05:14
70. solange es schlachthäuser gibt, wird es schlachtfelder geben

schade, dass es kaum jemand versteht, obwohl kluge köpfe seit 3000 jahren darüber sprechen (aristoteles, phytagoras, gandhi, ovid, leonardo da vinci...):
solange der mensch tiere und natur ermordet, ermordet er auch menschen. und je voller die welt wird, desto schlimmer wird es werden. aber im "augen zu" sind ja nesonders die deutschen ganz groß.

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maxuli 23.02.2016, 05:45
71. kein Krieg mehr

So sollte man die EU sehen: nicht nur als Wirtschaftsunion, sondern als politische Union, wo Konflikte besprochen und ausgehandelt werden. Dass das meist nicht harmonisch und reibungsfrei abläuft, versteht sich von selbst. Aber man ist in der Union immer wieder gezwungen, miteinander zu streiten und keiner würde heute auf die Idee kommen, innerhalb der Union zu den Waffen zu greifen, auch nicht die Nationalisten in Polen, Ungarn und Frankreich (beispielsweise). Dieses Selbstverständliche, bei Meinungsverschiedenheiten eben nicht seinen Nachbarn mit Waffen zu bedrohen, ist das Verdienst der EU. Und dieses Verständnis sollten wir auch den europäischen Nachbarn im Osten und Süden nahebringen. Aus diesem sich in Syrien entwickelten Weltkrieg (schließlich stehen sich dort nicht nur „Regionalmächte“ kriegerisch gegenüber) sollten wir uns als EU heraushalten. Wir können stattdessen mehr noch als bisher den Menschen helfen, nicht sinnlose Opfer des Krieges zu werden.

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Ashurnasirapli 23.02.2016, 05:46
72.

Ich hoffe, die Herren Putin und Erdogan haben auf ihrem Nachttisch "The Sleepwalkers" vom angesprochenen Christopher Clark zu liegen. Darin zu lesen: wie man durch schlichtes Verpokern, durch die völlig falsche Einschätzung der Reaktion der Gegenseite (in diesem Fall Russland) aus Versehen ein Weltkrieg auslösen kann. Ok, im Buch ist deutlich komplexer dargestellt, trotzdem eine Lehre für heute.

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maxuli 23.02.2016, 06:14
73.

Zitat von geando
Es ist wahr: der Mensch bleibt Mensch und der Mensch hat auch eine tiefe dunkle Seite. Aber: zumindest in Europa hat sich auch viel verändert. Man muss sich mal klar machen, welches Bild die Gesellschaft Deutschlands, Englands oder auch Frankreichs am Beginn des 20. Jahrhunderts abgab: Männlichkeit und Ehre waren feste Begriffe in der Erziehung, Autorität und Unterordnung waren tief verankert, der britische Adel sah Kriege als "Reinigungsmaßnahme" um den Arbeiter-Pöbel von der Strasse zu bekommen und nebenbei das Empire zu vergrössern, Menschen mit schwarzer Hautfarbe und Behinderte wurden in ganz Europa durch Zirkus-Shows gezerrt um begafft zu werden, Lehrer schlugen Schüler "Grün und Blau" wenn sie nicht folgten und die Eltern legten zuhause noch mal einen drauf. Lohnsklaven arbeiteten für einen Hungerlohn 16 Stunden am Tag um irgendwie überleben zu können und in ländlichen Gegenden Europas lief der Alltag noch auf dem Stand vom Spätmittelalter ab, ohne fliessend Wasser, ohne Eisenbahn, Zeitungen, Elektrizität, Traktoren. Die Kirche und die Religion war für die meisten Menschen absolut unantastbar und die Hochzeit zwischen einem Katholiken und einer Protestantin war ein kleiner Skandal. Diese Gesellschaft war letztlich für einen solchen Krieg viel anfälliger, als die heutige europäische Gesellschaft. Aber, es kann sich auch wieder zurückentwickeln. Sei es durch neue Nationalismen, die durch fahrlässige Politik geweckt werden. Oder auch indem viele Menschen zuwandern aus Bereichen der Welt in denen die Denk-Schemata immer noch auf dem Stand der Europäer vor 200 Jahren sind.
Seien wir froh, dass Europas Zivilisation auf einem sehr hohen Stand ist. Es gibt allerdings auch in der EU Gegenden ohne Trinwasserver- und Abwasserentsorgung und mit "mittelalterlicher" Vekehrsinfrastruktur. Aber das die Denk-Schemata in anderen Teilen der Welt (sie denken wahrscheinlich an Syrien, Afghanistan und den Irak, wo die meisten Flüchtlinge herkommen) in der Regel 200 Jahre zurück sind, ist dummer Chauvinismus. Ich darf das sagen, da ich vor dem jetzigen Krieg dort einige Syrer und Iraker kennengelernt habe. Und seien wir mal ehrlich, wenn es nicht gesellschaftliche Kontrollen gäbe, hätten hier in Deutschland auch einige Nationalisten Erfolg, deren Denk-Schemata auf dem Stand von vor 200 Jahren ist. Will sagen, dass alte reaktionäre Denken hängt weniger von der Nationalität ab, als vielmehr vom sozialen und Bildungsstatus.

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skywalker1609 23.02.2016, 06:40
74. Im Großen und Ganzen

einer der seltenen Artikel Augsteins, denen man zustimmen kann... Aber warum verfällt der Autor immer wieder dem USA - Bashing?? Warum erwähnt er mit keiner Silbe die Aggressionen Russlands in Syrien und der Ukraine? Sieht er hier friedensstiftende Maßnahmen? Ein relativ gelungener geschichtlicher und historischer Ansatz zum Nachdenken ohne Schuldzuweisungen hätte gereicht Herr Augstein!

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teacher20 23.02.2016, 06:51
75. Zum Teil hat Augstein Recht,...

...aber leider kann er wieder einmal nicht der Versuchung widerstehen, der NATO ihre angebliche "Aufrüstung" gegen Russland, die (ausweislich der - wenn überhaupt - geringen Zunahme der Verteidigungshaushalte nach jahrzehntelanger Vernachlässigung der Streitkräfte) gar keine ist, vorzuwerfen und dabei Russlands WIRKLICHE Aufrüstung und Putins (der für diesen, "im Zweifel linken" Publizisten ob seines Nationalismus und Chauvinismus doch ein "strange bedfellow" sein müsste) aggressives Verhalten komplett zu unterschlagen.

Man sollte zudem mit historischen Analogien bei "passenden Juiläen" (hier: Verdun) vorsichtig sein. Trotz "Ähnlichkeiten" ist keine politisch-strategische Konstellation je VÖLLIG deckungsgleich und führt daher zu denselben Ergebnissen. Zudem ist es nicht richtig, immer wieder gebetsmühlenhaft zu behaupten, "die Menschen" hätten nichts dazu gelernt. Wäre es so, hätte z.B. der Syrienkonflikt (der ja laut SPIEGEL die Welt verändert), längst GANZ ANDERE DIMENSIONEN angenommen. Und der NATO-Russland-Konflikt auf dem Umweg über eine türkische Aggression ist nicht so wahrscheinlich wie Augstein offensichtlich vermutet.

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teacher20 23.02.2016, 06:59
76. Das ist - mit Verlaub -...

Zitat von bernhard29
Ein sehr guter Beitrag. Die Frage ob die Menschen aus der Geschichte gelernt haben hat sich bereits selbst beantwortet. Der unstillbare Machtanspruch der Amerikaner macht einen 3.Weltkrieg sehr wahrscheinlich. Die taktische Vorgehensweise wurde doch beim Einmarsch in den Irak für jeden sichtbar. Mit Sicherheit wird Deutschland nicht wie im letzten Jahrhundert der Aggressor sein.
...Blödsinn.

Die Behauptung vom "unstillbaren Machthunger der Amerikaner" wird auch dann nicht glaubwürdiger, wenn ständig das angestaubte Beispiel des Irakkrieges wieder bemüht wird. Ist die aktuelle Situation in Syrien - abgesehen von halbherzigen Luftangriffen - nicht durch die (fatale!) "Machtvergessenheit" der Amerikaner gekennzeichnet? Und ist es nicht gerade Russland, das - fernab jeder humanitären "Rechtfertigung" - in Syrien am Boden und aus der Luft seinen Machthunger befriedigt?
Und wenn wir den Irakkrieg als "Urgrund" der aktuellen Tragödie bezeichnen, sollten wir dann nicht auch fairerweise den Afghanistankrieg der Sowjetunion von 1979 - 1989 als Initialzündung betrachten, die auch einen fundamentalistisch aufgeladenen Osama Bin Laden hervorbrachte, auch wenn er im strategischen "Great Game" ein falsch verstandenes "US-Pawn" darstellte?

Das Einzige, was man Ihrem Beitrag zugute halten kann ist die Behauptung, dass Deutschland nicht der Aggressor sein wird. Aber dazu bedarf es keines allzu großen politischen und militärischen Scharfsinns.

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Tapir 23.02.2016, 07:18
77. Nationalkapitalismus

Als Monsieur Mitterand Herrn Kohl die Hand reichte und Europa einen großen Schritt geeinter schien, war doch die Hoffnung einer Union der Völker die einer Wirtschaftsunion. Schau, wenn sie Handel treiben, dann sind sie mit dem Geld zu beschäftigt um Krieg zu machen... Nicht nur die Deutschen haben ihr ewiges Mantra des "Was das wieder kostet..." Da Geld aber mit der Moral der Menschen erstmal nichts zu tun hat werden wir schnell wieder merken, daß sich mit Krieg welches verdienen läßt. Das war ein verlässlicher Motor in beiden Weltkriegen. Und seit man Waffen auf Kredit bekommt...

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erzrotti 23.02.2016, 07:49
78. Ein guter Artikel

...der hier steht.
Krieg, egal wo er stattfindet, ist schlecht und verbrecherisch!
Worauf der Kommentator nicht eingeht, dass ist der Mechanismus, der dazu führt. Und seine Konsequenzen:
Die SPD hatte im Reichstag den ersten Weltkrieg voll unterstützt und befördert! Ohne sie wäre meiner Meinung nach dieser gar nicht entstanden. Was war das Ergebnis? Krieg verloren, Not und Elend im Land, Versailler Vertrag. Ergebnis: Not und Elend und der Österreicher Hitler. Ergebnis: zweiter Weltkrieg, Menschen industriell ausgerottet, deutsche Teilung....
Also wären wir ohne SPD besser dran gewesen?

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ackermart 23.02.2016, 08:07
79. Verdun ist Inbegriff verhärteter Fronten geworden...

, also nicht dafür, daß die Welt - bei jeder erstbesten Gelegenheit für Untergangsapologeten - "in Begriff" sei, sich in ein Schlachthaus zu verwandeln. Für dieses Szenario genügt uns mittleweile schließlich so Banales wie die Existenz von Nordkorea, Victor Orban oder einfach "keinen Menschen", die sie nicht wie der Autor mit ihren Worten immer wieder für ein paar Tage retten.

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