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30 Jahre nach Tiananmen-Massaker: "Die Chinesen betäuben sich durch den Kommerz"
HOW HWEE YOUNG/EPA-EFE/REX

Drei Jahrzehnte ist das Tiananmen-Massaker her. Doch in China wird man davon wenig merken. Expertin Shi-Kupfer erklärt, wie ein Volk durch Konsum ruhiggestellt wird - und wie Enten dagegen helfen können.

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olli_b 04.06.2019, 16:38
50.

Zitat von chiefseattle
Tienanmen ist wie LA 1992. Man spricht nicht drüber. (Kurzinfo: April 1992 in Los Angeles, 53 Tote, über 1000 Verletzte, 1 Milliarde Dollar Schaden. Polizisten werden alle freigesprochen. Schwamm drüber!
1. Was hat das mit dem Artikel zu tun? Ob sich die chinesische Regierung gedacht hat "Wenn die Amis in drei Jahren Krawalle niederschlagen, dann dürfen wir das 1989 auch machen"?
2. Versucht die Regierung da auch, öffentliche Trauer oder kritische Äußerungen zu unterdrücken?

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karl-felix 04.06.2019, 17:42
51. Ein

Zitat von olli_b
Stimmt, wir müssen nur bis zu Mao und seiner Kulturrevolution zurück, um erneut auf Unruhen, Gewalt und Tote in China zu stoßen. Wir das durch das Dritte Reich oder durch Japans Kriegsverbrechen irgendwie besser oder erträglicher?
gutes Beispiel . Aufstände und Bürgerkriege in China haben Tradition und meistens kostet das Millionen Menschen das Leben . Das ist im kollektiven Gedächtnis der Chinesen tief verankert.

Nichts wird durch unsere Verbrechen besser, aber wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein . Wir Deutsche haben massenhaft Chinesen umgebracht, hat uns nie interessiert . Das dekouvriert .
Wir sollten uns sehr zurückhalten angesichts der Verbrechen und Völkermorde an denen wir uns beteiligten /die wir verübten . Ihr " Kriegsverbrechen " ist da der blanke Euphemismus. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Sie erinnern ? " Einer muss der Bluthund der Nation sein " meinte der alte Sozialdemokrat . Noch gar nicht lange her. Wir haben dank SED und Honecker verdammt viel Glück gehabt.

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Marinus_Ladegast 04.06.2019, 19:05
52.

Zitat von karl-felix
gutes Beispiel . Aufstände und Bürgerkriege in China haben Tradition und meistens kostet das Millionen Menschen das Leben . Das ist im kollektiven Gedächtnis der Chinesen tief verankert. Nichts wird durch unsere Verbrechen besser, aber wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein . Wir Deutsche haben massenhaft Chinesen umgebracht, hat uns nie interessiert . Das dekouvriert . Wir sollten uns sehr zurückhalten angesichts der Verbrechen und Völkermorde an denen wir uns beteiligten /die wir verübten . Ihr " Kriegsverbrechen " ist da der blanke Euphemismus. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Sie erinnern ? " Einer muss der Bluthund der Nation sein " meinte der alte Sozialdemokrat . Noch gar nicht lange her. Wir haben dank SED und Honecker verdammt viel Glück gehabt.
Also ich persönlich habe überhaupt keinen Chinesen umgebracht, und Sie wahrscheinlich auch nicht.

Und es kann doch nicht sein, dass man über unbestreitbare Verbrechen wie das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens nicht berichten darf, nur weil unsere Großväter selber Verbrechen begangen haben.

Meine persönliche Lehre aus Kolonialismus, Faschismus und diversen anderen Ismen ist, dass man Verbrechen gegen Recht und Menschlichkeit ansprechen muss, egal wo sie passieren - und speziell dort, wo die Betroffenen selbst keine Chance haben, sich zu verteidigen. Das muss nicht gleich in das andere Extrem umschlagen, dass man den Herrenmeschen raushängt und so tut, als wäre "der Chinese an sich" moralisch verkommen und der "Westler an sich" makellos.

Wenn ich sehe, wie jemand in der U-Bahn zusammengeschlagen wird, sage ich ja (hoffentlich) auch was. Oder soll ich mich da raushalten, weil mein Uropa vor 80 Jahren auch mal jemanden verprügelt hat?

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Marinus_Ladegast 04.06.2019, 20:08
53.

Zitat von chiefseattle
Tienanmen ist wie LA 1992. Man spricht nicht drüber. (Kurzinfo: April 1992 in Los Angeles, 53 Tote, über 1000 Verletzte, 1 Milliarde Dollar Schaden. Polizisten werden alle freigesprochen. Schwamm drüber!
Sie können über LA 1992 so viel sprechen, wie Sie möchten. Wenn das jemand nicht tut, liegt das vielleicht an seinem Desinteresse und seiner Bequemlichkeit, aber nicht daran, dass ihm die Regierung mit Verhaftung, Folter und Tod droht, wie es in China und vielen anderen Staaten geschieht.

Ich frage mich, warum diese Argumente "Bei uns spricht man ja auch nicht über Thema xy" gerade immer die Vorfälle rauspicken, die permanent in den Medien thematisiert werden. Ich möchte nicht wissen, wie oft in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der "black lives matter"-Debatte die Vorfälle um Rodney King in Erinnerung gerufen wurden.

Mir sind mindestens drei Hollywood-Filme bekannt, die die Unruhen von LA 1992 zur Sprache bringen: Dark Blue, American History X und Malcolm X. Wie viele chinesische Filme über das Tiananmen-Massaker gibt es?

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Bernd.Brincken 10.06.2019, 11:53
54. Gestörtes Verhältnis

Der Tiananmen Aufstand markiert zweifellos ein Versagen der chinesischen Führung, angemessen auf die Bewegung zu reagieren. Er markiert allerdings auch manch erstaunliche Einigkeit im Westen darin, diesen Volksaufstand nach David-Goliath Marnier zu verklären.
Es war mitnichten ein Massaker, bei dem Soldaten überraschend das Feuer auf Protestler eröffneten. Vielmehr hat sich der Aufstand über Wochen hochgeschaukelt, mit zunehmendem Gewalteinsatz auf beiden Seiten.
Die Aufständischen hatten einen Ring von Barrikaden aufgebaut, sich mit Knüppeln, Messern und Molotow-Cocktails und zuletzt auch den Soldaten abgenommenen Gewehren bewaffnet. An diesen Barrikaden und nicht auf dem Platz selbst kam es zu blutigen Kämpfen, mit Verlusten auf beiden Seiten.
"65 PLA trucks and 47 APCs ... were totally destroyed, and 485 other military vehicles were damaged" zitiert die englische Wikipedia eine dort genannte Quelle.
"At an intersection west of the square, the body of a young soldier, who had been beaten to death, was stripped naked and hung from the side of a bus. Another soldier's corpse was strung up at an intersection east of the square." berichtete die Washington Post (Quelle s.o.).
Das ging also eher in Richtung Arabische Aufstände als in Richtung G20-Proteste-in-Hamburg oder auch My-Lai-Vietnam.
In der aktuellen "Dokumentation" von ARDZDF wird der Bürgerkriegs-Charakter des Aufstands komplett unterschlagen und verklärt.
Tiananmen markiert also nicht nur für China ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit.

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