Forum: Politik
80. Jahrestag des Überfalls: Steinmeier bittet Polen für deutschen Terror um Vergebun
Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Bundespräsident sprach von Menschheitsverbrechen: Beim Gedenken zum 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs hat sich Frank-Walter Steinmeier in Polen vor den Opfern des deutschen Überfalls verneigt.

Seite 1 von 10
Nils Melzer 01.09.2019, 09:11
1. Starkes und wichtiges Zeichen

des Bundespräsidenten. Ich hoffe, am 22.6.2021 passiert etwas Ähnliches.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Spiegelleserin57 01.09.2019, 09:14
2.

auch Willi Brandt tat dies bereits schon in Warschau am 7.12. 1970!
Hier aUS Wiki:
Als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland legte Willy Brandt am 7. Dezember 1970 unmittelbar vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags zwischen Polen und der Bundesrepublik Deutschland am Ehrenmal der Helden des Ghettos (Bild) in Warschau einen Kranz nieder. Nach dem Richten der Kranzschleife verharrte er nicht wie üblich stehend, sondern sank auf die Knie und verharrte so schweigend etwa eine halbe Minute.

Hermann Schreiber, der zugegen gewesen war, schrieb eine Woche später im Nachrichtenmagazin Der Spiegel:

„Wenn dieser nicht religiöse, für das Verbrechen nicht mitverantwortliche, damals nicht dabeigewesene Mann nun dennoch auf eigenes Betreiben seinen Weg durchs ehemalige Warschauer Ghetto nimmt und dort niederkniet – dann kniet er da also nicht um seinetwillen. Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien – weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können. Dann bekennt er sich zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hat, und bittet um eine Vergebung, derer er selber nicht bedarf. Dann kniet er da für Deutschland.“[1]

Die Demutsbekundung war überraschend: für die Delegation, die Gastgeber und die Öffentlichkeit. International wurde sie als Bitte um Vergebung verstanden und zum Symbol der Ostpolitik, für die Willy Brandt 1971 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland stieß sie auch auf Ablehnung – nicht zuletzt aus den Reihen der CDU; Günter Grass sprach gar vom »Haß […], der damals von den politischen Gegnern bewußt geschürt« worden sei.[2] Einer Spiegel-Umfrage zufolge fanden damals 48 Prozent der Westdeutschen den Kniefall übertrieben, 41 Prozent angemessen, 11 Prozent hatten keine Meinung dazu.[3] Die Presse der DDR erwähnte die Geste nicht.[4]

Wie überrascht und besorgt über die Wirkung in Deutschland Brandts Freunde waren, spiegelt sich auch in einem Text, den Günter Grass fünf Tage später verfasste:

„Wie wird man zu Hause davon berichten? Wird unterschwellig der Hang zur Verleumdung Nahrung finden und den Kniefall zum Kotau verbiegen? Aber alle Anzeichen – erstaunte, erschreckte, beschämte – bewiesen Betroffensein. (Ähnlich die polnischen Gastgeber: meinten sie doch, deutsches Verhalten zu kennen; dieses war ihnen neu. Das Wort ›Israel‹ wurde halblaut. Auch mag ein Rest Antisemitismus sich in seiner antizionistischen Verkleidung erkannt gefühlt haben
Wann aber wird der Weltkrieg zur Geschichte? Vergessen werden wir alle diesen Krieg nie und auch nicht die Verbrechen der Nazis:
Man sollte aber endlich auch dazu übergehen und diese bösen Ereignisse als Geschichte anerkennen. Sonst kann nie eine Freundschaft entstehen. Es ist wie in einer Ehe: verzeihen ist das Eine
aber auch da beginnt ein Reset, sonst steht die Scheidung vor der Türe.. Den allerdings sollte wir nicht verpassen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stoepse 01.09.2019, 09:19
3. Absurd - Steinmeiser bestätigt die These der deutschen Kollektivschuld

Dessen Verhalten, die alten Wunden in den Völkern wieder aufzureissen, deutet auf ein pathologisches Schuldgefühl hin. Oder nur auf eine Publicitygeilheit, die diese Kriegsvorgänge für Propaganda nutzen will.

Man sollte nicht den gedeihlichen Umgang mit anderen Nationen damit vergiften, dass man die Leichen aus den Särgen holt und aufstellt. Man muss auch ruhen lassen können.

Der Bundespräsident ist übrigens -anders als Trump oder Putin- nicht vom Volke gewählt worden, sondern ein Ergebnis politischer Schiebereien.

P.S.
Was Willy Brandt mit seinem Kniefall in Warschau machte, war richtig und gut.Aber Solitär. Der Schuldtourismus des Herrn Steinmeier hat eine sehr unangenehme Konnotation. Alle Deutschen (auch die Nachkommen) generell in Haftung für die Untaten einer Diktatur zu nehmen, weist auf ein sehr schwaches historisches Wissen hin.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Atheist_Crusader 01.09.2019, 09:32
4.

Polen hat die Angelegenheit bereits in der Vergangenheit als erledigt betrachtet. Jetzt kann man natürlich sagen, dass das auf Druck der Sowjetunion geschah... ändert aber nichts daran, dass es eine massive Entschädigung in Form von deutschem Territorium gegeben hat. Wenn sie das zurückgeben wollen, können wir ja nochmal über Geld reden. Aber werden sie selbstverständlich nicht. Denn es geht nicht wirklich um Wiedergutmachung, sondern um einen politischen Schachzug. Die wissen, dass Deutschland das nicht zahlen wird, aber eben diese Nichterfüllung ihrer Forderungen gibt ihnen dann die Möglichkeit auch 80 Jahre nach dem Krieg ihren Status als ewiges Opfer neu zu befeuern - ein Status der regelmäßig als Schutzschild gegen jegliche Kritik missbraucht wird.

Wer das anders sieht, möge sich mal anschauen wie Polen in der Hinsicht mit Russland umgeht. Die Sowjetunion hat ebenfalls massive Grausamkeiten an Polen ausgeübt (nicht so umfangreich wie Nazideutschland, aber dennoch gravierend) und diesem auch dauerhaft Land abgenommen - da jedoch hält man sich aber mit solchen Tönen zurück.
Jetzt kann jeder selbst für sich entscheiden ob das daran liegt, dass Polen sich von Russland als angemessen entschädigt sieht... oder daran dass man weiß dass Deutschland eben ein Papiertiger ist den man gefahrlos vor den heimischen Nationalisten zum ewigen Feindbild hochhypen kann, während Russland als eine echte Bedrohung gesehen wird die man lieber nicht zu sehr antagonisiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Paddel2 01.09.2019, 09:35
5. Das ist nicht richtig

Ich finde es gut und richtig, als deutscher Präsident an solchen Gedenkfeiern teilzunehmen. Die Bitte um Vergebung ist jedoch nicht angemessen. Das heutige Deutschland verbindet mit dem Nazi-Regime lediglich die Ethnie. Weder tragen Enkel die Schuld für Taten ihrer Großeltern noch haften sie dafür. Wir lehnen Sippenhaft ab und aus diesem Grund sind auch Reparationsforderungen zurückzuweisen. Man darf auch nicht vergessen, dass der historische Verzicht die wirtschaftliche Stärke Deutschlands erst ermöglicht hat und Deutschland deswegen heute in der EU der größte Beitragszahler ist. Der größte Empfänger von EU-Geldern ist übrigens Polen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wachtberg62 01.09.2019, 09:49
6. JA zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur

gegen Antisemitismus - aber mein Vor - forist weist zu Recht darauf hin, dass Vergebung unter Nationen ein schwieriges Thema ist. Jedes Jahr um Vergebung bitten für die Untaten der Vorfahren stünde vielen gut...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pvonwerther 01.09.2019, 09:52
7. Schuld-Kultur und Revanchismus!

Die junge Generation der 20-jährigen Deutschen versteht das Verhalten von BP Steinmeier nicht mehr;
80 Jahre nach Kriegsbeginn ist die ostentative Schuldsymbolik und permanente zur Schau gestellte Buße den jungen Leuten schwer vermittelbar!
Die neue Generation Europas sollen die Geschichte kennen und auch nicht vergessen , aber es müssen neue Wege der für die Zukunft der EU entwickelt werden ; aber neo-nationalistischer Populismus gepaart mit Geschichts-Revanchismus ist Gift für das Zusammenleben innerhalb Europas !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tairen 01.09.2019, 09:56
8. meine Güte reicht doch langsam oder?

Dieses ewige zu Kreuze kriechen. Das ist ewig her und Geschichte. Deutschland ist wirklich so armseelig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
archi47 01.09.2019, 09:58
9. " Wir können es auch nicht aufrechnen"

Ein wichtiger Satz. Er könnte noch ein Stoßgebet gedacht haben: Herr, laß Hirn regnen.

Anders als in Griechenland hat Polen als "Vorabentschädigung" und im Interesse der Sowjetunion die deutschen Ostgebiete "unentgeltlich" erhalten und die rechtmäßigen Eigentümer und zusätzlich noch die deutschen Bewohner, die jahrhundertelang dort ansässig waren, von dort vertrieben. Alles ohne Friedensvertrag. Die Siegermächte haben Deutschland besetzt und sich mehr oder weniger ihre Reparationen geholt, Polen das deutsche Eigentum der Deutschen in Polen und die Ostgebiete an sich.

Es waren immer nationale und von ihrem Nationentum nahezu besoffene Regierungen, die hier wie dort "ihre Nation" wie einen Fetisch gegen andere Nationen hochhielten.
Dabei ist Europa zu heterogen geprägt, dass dieses nationale Zerrbild sich bis in die Nachbarschaften von Dörfern in Mitten in Deutschland, wie auch in Polen, hätte aufrecht erhalten lassen.
Hätten Hitler und Himmler mal selbstkritisch in einen Spiegel gesehen, dann hätte sie doch sehen müssen, wie weit hergeholt diese "nordische Rassenspinnerei" ist. Neuerdings sehe ich ähnliche Menetekel wieder auferstehen.
Ich hatte gehofft, alle hätten ihre Lektionen aus den Kriegen mit abermillionen Toten gelernt. Und jetzt geht es wieder los, lästerlicherweise auch schon wieder "mit Gottes Hilfe".
Dabei wäre ein vereintes laizistisches demokratisches Europa von nöten, das die 200 Jahre Nationalismus Geschichte werden läßt.

Die polnische Westverschiebung war wohl vor allem Stalins Wunsch und das Ergebnis seiner expansiven Westpolitik, siehe auch Hitler-Stalin-Pakt.

Wollten wir anfangen über sächsisch/polnische Altrechte in den Latifundien, über Preußen und Österreich/Ungarn, von WK I über WK II alles staatliches und persönliches Unrecht und Übergriffe, Besitz und Verlust alles gegeneinander krämergleich aufzurechnen, dann müßte man in diesem Prozeß mit Weißrußland, Litauen, Rußland, Ukraine und vielleicht noch auch mit den südlichen Nachbarn Polens alte Rechnungen aufmachen, Wunden aufreißen, usw.. Das kann doch niemals gutgehen.

Ich verstehe nicht, was diese Pisregierung reitet, dieses Fass der Pandora aufmachen zu wollen. So geschichtsblind und kurzsichtig kann doch keine Regierung handeln.
Ich kann nur raten nicht zurückzuschauen, sonst weckt man allerorten revanchistische Gelüste, die sich wieder in einem Krieg entladen könnten ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 10