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Abtreibung: Wen wir leben lassen
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Wir sind stolz darauf, wie inklusiv und liberal wir sind. Wenn es jedoch darum geht, behinderten Kindern den Weg ins Leben zu ermöglichen, tun wir als Gesellschaft einiges dafür, dass dies möglichst unterbleibt.

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dannhaltnet 22.03.2018, 20:33
1.

Sie sprechen mir aus dem Herzen

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mcpoel 22.03.2018, 20:39
2. Gut!

Danke für diesen nachdenklichen Beitrag. Es ist gut, wenn wir darüber endlich anfangen zu reden, daß Abtreibungen nicht der Normalfall sind, und was Kinder im Bauch ab welcher Woche schon können. Ein sehr guter Beitrag!

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corentin 22.03.2018, 20:40
3. Nein.

Abtreibung ist nicht Unrecht.

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hansa_vor 22.03.2018, 20:48
4. Wir, meine Frau und ich

haben uns zur Abtreibung unseres Trisomie 21 geschädigten Kindes entschlossen.

Dies liegt 13 Jahre zurück und wir haben diese gemeinsam getroffene Entscheidung nie bereut.

Mein Cousin war Trisomie 21 behindert und es muss die Hölle für ihn mit uns anderen gesunden Kindern gewesen sein, bis heute.

Als "Mongoloide" noch mit Mitte 20 starben war es noch möglich als Eltern für diese Kinder bis zum Ende da zu sein, heute überleben diese Menschen ihre Eltern und verlieren den einzigen Halt den sie im Leben hatten, dies ist mehr als grausam.

Mein Cousin war maximal in der Familie "inkludiert", er hat morgens den Kalender abgerissen, ist zur Arbeit in die Behinderten Werkstatt abgeholt worden und erschien auf seine Weise "glücklich".

Seit seine Eltern beide tot sind, ist er nicht wieder zu erkennen, ein vollkommen zerstörtes Wesen.

Wer jemals nur etwas Berührung mit geistig behinderten Meschen, welche irgendwie "inkludiert" werden sollen hatte, wird eine Abtreibung gerade ZUGUNSTEN des ungeborenen Kindes als einzige Möglichkeit der Menschlichkeit erkennen.

Ja, es ist schwer diese Entscheidung (Abtreibung) zu treffen, schwerer wiegt die Entscheidung ein geistig behindertes Kind dieser Gesellschaft auszusetzen.

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Lykanthrop_ 22.03.2018, 20:59
5.

Eine mutige Kolumne von Herrn Fleischhauer, für die er sicherlich ein Shitstorm ernten wird.
Ich bin der Meinung menschliches Leben beginnt vor der Geburt, wann genau lässt sich nicht sagen.
Deswegen sollte alles was mehr ist als ein Zellhaufen nicht abgetrieben werden dürfen.
Das Recht auf Leben wiegt für mich schwerer als das auf Selbstbestimmung und Bequemlichkeit von Mann und Frau. Was mich stört ist die ideologische Ladung der Debatte. Wenn man nicht aus sachlichen Gründen für oder gegen etwas ist, sondern weil es mir und meinen Gleichgesinnten nützt, ist das in vielen Fällen das Ende der Wahrhaftigkeit. Ideologische Debatten zeichnen sich dadurch aus, dass man seine Truppen versammelt und aus Schützengräben aufeinander schießt. Doch solche Kriege sind enorm zerstörerisch und das Ende der Logik.

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emmaspon 22.03.2018, 21:00
6. Nicht so einfach

Da der Beitrag des Herrn Fleischhauer hier im speziellen auf das Austragen und Aufziehen potentiell behinderter Kinder abzielt, fehlt mir die Perspektive auf die Eltern und die Gründe ihrer Entscheidung gegen das Durchlaufen der Schwangerschaft. Ich kenne Eltern, die neben 2 gesunden ein Kind mit Trisomie 21 aufziehen. Und das ist in diesem speziellen Verlauf (Herzschwäche, kaum Sprachvermögen etc.) herausfordernd bis an deren Lebensende: Dieses Kind wird nie selbstständig sein und ohne Hilfe auskommen. Das Leben der Eltern richtet sich nur noch und unausweichlich daran aus. Ich maße mir kein Urteil an, kann aber verstehen, dass man sich das nicht willentlich zumutet.

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keine-#-ahnung 22.03.2018, 21:01
7. "Das medizinische System ist darauf angelegt ...

... Behinderung als eine Störung zu verstehen, die man behebt, bevor der Schadensfall irreversibel ist."
Hier muss ich widersprechen, es handelt sich dabei um einen Bruchteil des "medizinischen Systems", der zu aktiven Tötungshandlungen bereit ist. Trotzdem können solche Handlungen durchaus medizinisch "sinnvoll", ja mitunter geradezu indiziert sein.
Nur ist jede Art von Töten auf Verlangen nicht der primäre Focus ärztlichen Handelns, als Nichtinvolvierter weiss man, dass es das gibt. Und mehr will man eigentlich auch schon gar nicht wissen, weil der eigene Kittel schon vom Darübernachdenken Flecke kriegen könnte.
Jetzt ist das Down-Syndrom die häufigste chromosomale Anomalie, die teils erhebliche psychophysische Behinderungen bedingt, die Inzidenz liegt in Deutschland deutlich unter 0,25% Prozent. Bei rund 850.000 diagnostizierten Schwangerschaften per anno wären da maximal 2200 trisome Foeten zu erwarten.
Insofern bilden Interruptiones wegen "Behinderungen" jedweder Art maximal 5% aller Abtreibungen hierzulande ab, der Rest sind Komfortabtreibungen. Ich will das auch gar nicht moralisch bewerten ...
Das Gruselige am aktuellen Aktivist*I*innenaufstand ist jedoch, dass es gar nicht um das Recht auf Abtreibung per se, sondern ausschliesslich um die monierte mangelnde Bequemlichkeit des Erlangens ärztlicher Information über die Methodik der Interruptiones geht.

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wiealle 22.03.2018, 21:01
8. Endlich mal die richtige Frage!

Ich bin sehr froh, dass es überhaupt noch zulässig ist, über das Recht von Frauen zu diskutieren, über das ungeborene Leben in ihrem Bauch zum bestimmen. Irgendwie hatte ich ja schon das Gefühl, das würde niemals wieder jemand dürfen. Und vorab: Ich sehe schon Gründe, eine Abtreibung vorzunehmen. Vergewaltigung, Gefährdung der Mutter, Minderjährigkeit, auch Haft usw. Diese Gründe sollten durch ein Gericht geprüft und ggf. bestätigt werden. Dann kann der Eingriff durchgeführt werden. Mein krassestes Beispiel für eine Abtreibung, die es nicht hätte geben dürfen, war ein Paar, das 150.000 im Jahr verdient, 2 Häuser geerbt hat und sich durch das weitere, dritte Kind gezwungen sah, auf Urlaube in Übersee zu verzichten. Katastrophe. Und ich sehe Behinderungen von Kindern generell nicht als Abtreibungsgrund an. Diese furchtbare Pränataldiagnostik würde ich abschaffen. Wir haben die bei unseren Kindern gar nicht erst gemacht. Wir hätten uns auch gequält, wenn wir ein behindertes Kind gehabt hätten. Ich bin auch froh, dass wir diese Prüfung an uns vorübergegangen ist. Trotzdem würde ich immer wieder das "Risiko" eingehen und es so nehmen, wie es kommt.

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skeptikerin007 22.03.2018, 21:03
9. Ich verstehe nicht

Wann ist ein Kind Kind? Unlängst ist die Debatte hitzig geführt worden, ob Ärztinnen Werbung für Abtreibung machen dürfen. Die grüne und spd Frauen argumentierten, das vor vier Wochen entwickelt sich nicht das Kind. Gestern wurde in Bayern ein Verein freigesprochen, die überschüssige Embryos Frauen vermitteln. Die nicht schwanger bleiben können. Hier wurde so argumentiert, dass die befruchtete Zelle von der ersten Moment schon die Merkmale eines Menschen hat.
Also wann ist ein Mensch Mensch? Und wenn das von der ersten Sekunde Mensch ist, dann ist eine Abtreibung von der ersten Sekunde Mord.
Sie haben recht, Herr Fleischhauer, es sind zu viele Abtreibungen. Und ich bin so schlecht das zu behaupten, mindestens die Hälfte kommt zustande, weil die Frauen mit der unzähligen Möglichkeiten der Verhütung nicht leben.
Anderseits müssen sie akzeptieren, wenn eine Frau kein behindertes Kind annehmen kenn. Als Journalist können sie unzählige Menschen kennenlernen, die fast heroisch mit einem schwer behinderten Kind ihr Leben meistert. In so einer Familie leiden die anderen Kinder mit, sie werden des Öfteren vernachlässigt oder bekommen sie nicht die Aufmerksamkeit, was ihnen zusteht. Die meisten Familien haben materiell Schwierigkeiten, trotz umfangreicher Hilfe. Und die größte Sorge der Eltern, was passiert, wenn sie nicht mehr da sind. Die Gesellschaft muss auffangen, wie lange und wie gut geht das?
Und die vergewaltigten Frauen? Müssen sie das Kind austragen?
Was ich nicht akzeptieren kann, die Frauen, die infolge Abtreibung(en) keine Kinder bekommen und mit vierzig doch ein Kind wollen, die kosten soll aber die Allgemeinheit tragen.

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