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Ägypten nach der Revolution: Freiheit kann man nicht essen

Dass Kairo nicht zur Ruhe kommt, hat einen einfachen Grund: Den meisten Ägyptern geht es heute finanziell schlechter als vor der Revolution. Also protestieren sie - und vergraulen so die letzten Touristen, die sich noch nach Ägypten trauen.

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Panslawist 27.11.2011, 14:46
1. Titel

Zitat von sysop
Dass Kairo nicht zur Ruhe kommt, hat einen einfachen Grund: Den meisten Ägyptern geht es heute finanziell schlechter als vor der Revolution. Also protestieren sie - und vergraulen so die letzten Touristen, die sich noch nach Ägypten trauen.
Ein Punkt, der bei der anfänglichen Berichterstattung vernachlässigt wurde und der in folgendem Buch Erwähnung findet:

Debt: The First 5,000 Years

http://www.amazon.de/Debt-First-5-00.../dp/1933633867

Demnach seien die Ägypter dermassen finanziell verschuldet, dass die Schläger der Gläubiger täglich die Schuldner aufsuchten, bis diese nichts mehr zu verleiren hatten und sich auf die Strasse trauten.

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Vox libertatis 27.11.2011, 15:18
2. Fatale ägyptische Wirtschaftspolitik

Vieles wäre schon erreicht, wenn die ägyptische Regierung die ökonomisch unsinnige wie ökologisch fatale Subventionierung von Benzin und Elektrizität aufgeben würde, für die ein Grossteil der Staatsausgaben draufgeht. Benzin ist als Folge billiger als Mineralwasser. In meinem Kairoer Stadtviertel brennen auch tagsüber die Strassenlaternen.
Europa könnte helfen, nicht mit weiteren Entwicklungshilfemillionen, die sowieso verschwendet werden, oder zusätzlichen Sesselfurzern von der GTZ, sondern mit offenen Agrarmärkten (Oliven, Wintergemüse etc.) Aber da werden wohl die Südeuropäer nicht mitspielen…

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Psycho Dad 27.11.2011, 15:26
3. Nicht überraschend

Zitat von sysop
Dass Kairo nicht zur Ruhe kommt, hat einen einfachen Grund: Den meisten Ägyptern geht es heute finanziell schlechter als vor der Revolution. Also protestieren sie - und vergraulen so die letzten Touristen, die sich noch nach Ägypten trauen.
Und genau das gleiche wird in den anderen Staaten des "arabischen Frühlings" passieren.
Wer (wie unsere MSM Journalisten) glaubt, dass es dem Volk primär um Freiheit geht / ging, der hat sich geschnitten. Viele glaubten, dass mit der Vertreibung der Despoten automatisch der Wohlstand einkehrt. Das wird nicht passieren.
Im Gegenteil, mittelfristig werden wir flächendeckend Iran-light Regierungen bekommen, mit freundlicher (finanzieller und ideologischer) Unterstützung der Fundamentalisten aus dem Nahen Osten. Die haben zwar auch nur bedingt Güter zu verteilen, können aber immerhin mit einem Feindbild für die eigene desolate Situation aufwarten: Dem Westen.
Und da man ja selbst unmöglich an seinem Schicksal Schuld sein kann, werden wir noch viel Freude an der "Demokratiebewegung" in Nordafrika haben.

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Panasonic 27.11.2011, 15:28
4. Interessant

Ich habe die Entwicklung in Nordafrika prognostiziert, als gerade die ersten "Facebook"_Schriftzüge an die Wänge gesprüht wurden. Ich frage mich immer, welcher "Glaube" schwinden soll. Ich kenne niemanden, der irgendwo im arabischen oder nordafrikanischen Raum Demokratie oder wirtschaftlichen Aufschwung, sondern einzig und allein Islamisierung und Unfreiheit erwartet hat.

Es ist paradox. Da kämpfen die Menschen für Freiheit, nur um bei der ersten wahl die größtmögliche Unfreiheit zu wählen.

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Layer_8 27.11.2011, 15:34
5. Misr

Zitat von sysop
Dass Kairo nicht zur Ruhe kommt, hat einen einfachen Grund: Den meisten Ägyptern geht es heute finanziell schlechter als vor der Revolution. Also protestieren sie - und vergraulen so die letzten Touristen, die sich noch nach Ägypten trauen.
'Der Glauben, dass in dem mit gut 80 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt der friedliche Übergang zur Demokratie gelingen kann, schwindet langsam aber sicher'

Ist doch scheißegal, wer dieses Land regiert. Eine offizielle Regierung brauchen die Ägypter nicht. Die Menschen handeln und wandeln auch so. So wie damals und auch in alle Ewigkeit. Kenne ich von dort aus Studentenzeiten, als ich dieses Land mal besuchte. Da hingen noch überall Sadat-Ikonen rum, nach seinem Tod. Hauptsache ein Pharao ist da, und der ist ja menschenfern

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franzdenker 27.11.2011, 15:38
6. Große Länder, große Probleme.

Zitat von sysop
Dass Kairo nicht zur Ruhe kommt, hat einen einfachen Grund: Den meisten Ägyptern geht es heute finanziell schlechter als vor der Revolution. Also protestieren sie - und vergraulen so die letzten Touristen, die sich noch nach Ägypten trauen.
Viele Ägypter sind so arm, dass sie nichts mehr zu verlieren haben. In Ostdeutschland haben die Menschen nach der Wende auch rumgeflucht und dem Westen die Hauptschult für die wirtschaftlichen Probleme gegeben. Ich glaube, dass die ägyptische Mittelschicht, die wirklich unter der aktuellen Situation Verluste erlitten hat, viel zu klein ist, um die verarmten Massen umzustimmen. Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte. Die Veranstaltung geht weiter, irgendwann dankt auch der Militärrat ab.

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rafkuß 27.11.2011, 15:43
7. Freiheit zum Essen...

Zitat von sysop
Dass Kairo nicht zur Ruhe kommt, hat einen einfachen Grund: Den meisten Ägyptern geht es heute finanziell schlechter als vor der Revolution. Also protestieren sie - und vergraulen so die letzten Touristen, die sich noch nach Ägypten trauen.
...zu verkaufen.
Freiheit kann man nicht essen, richtig!
Geld auch nicht.
Was lernen wir daraus für "unsere" Demokratie?

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tw2 27.11.2011, 15:54
8. Preissenkung? Nada!

Ägypten kann sicherlich vom Tourismus alleine nicht leben, andererseits frage ich mich, warum die Preise für Ägyptenreisen - trotz Krise - nicht dramatisch sinken? Da tut sich seltsamerweise rein gar nichts.

Der Artikel trifft übrigens wirklich ins Schwarze: der ganze "Frühling" in der arabischen Region hat nichts gebracht. Ein paar Despoten sind entsorgt worden, aber es ändert sich nichts.

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WederGutNochBöse 27.11.2011, 15:54
9. In Zukunft lieber Maya und Qin statt Cheops

Zitat von sysop
Dass Kairo nicht zur Ruhe kommt, hat einen einfachen Grund: Den meisten Ägyptern geht es heute finanziell schlechter als vor der Revolution. Also protestieren sie - und vergraulen so die letzten Touristen, die sich noch nach Ägypten trauen.
Wenn man auf den Straßen wie Schwärme von bessenen Piranjas über unverschleierte Frauen herfällt, koptische Kirchen brandschatzt und Kopten lyncht, muss man sich nicht wundern, wenn keine Touristen mehr kommen und die sich lieber in Tokio einen Schrein anschauen. Derzeit wäre selbst ein Urlaub bei der Pyramide "Tschoga Zanbil" im düsteren Iran weitaus attraktiver und ungefährlicher als in Ägypten. Nordkorea soll was die Natur angeht auch schön sein, nur wenn ich die Wahl zwischen Somalia, Afghanistan, Pakistan und Ägypten hätte, würde ich Ägypten vorziehen. Zum Glück gibt es aber auch noch andere Länder und Pyramiden gibt es auch in Peru, Guatemala, China und Mexiko, die in Peru und China sind sogar doppelt so groß wie die Cheops Pyramide, Goldfunde, geheimnisvolle heidnische Kulte und Gräber von Königen und Hohepriestern gibt es da auch in Massen. Dazu ist alles auch noch weniger erforscht und geheimnisvoller. Es geht also auch ohne Ägypten.

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