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Ägypten: Prozess gegen Mursi nach Tumulten vertagt
AP

Beim Prozess gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Mursi ist es zum Eklat gekommen. Der Ex-Staatschef weigerte sich, statt seines Jacketts eine Häftlingsuniform anzuziehen, zudem skandierten die Angeklagten Protestrufe. Der Richter brach die Sitzung ab.

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SysLevel 04.11.2013, 11:23
1.

Zitat von sysop
Hunderte Anhänger der entmachteten Islamisten protestierten am Morgen vor der Polizeiakademie. Sie riefen: "Islamisch, islamisch, Ägypten bleibt islamisch."
Das ist ja auch gar nicht die Frage. Zwischen "islamisch" und "islamistisch" besteht dennoch ein oft gewalt(tät)iger Unterschied.

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Ballonmütze 04.11.2013, 11:29
2. zwickmühle

Freie und demokratische Wahlen sind die Grundbedingung der Demokratie, aber die führen in den maghrebinischen Ländern fast immer in den Fundamentalismus.
Solange ein Großteil der Bevölkerung arm, abgehangen und ungebildet ist, wird sich das nicht ändern.
Diese Zwickmühle hat es auch in der europäischen Geschichte häufig gegeben.
Das braucht Zeit, Geld in die Bildung - und Sozialstaat.
Ich wünsche den Ägyptern nur das Beste, aber es wird ein langer Weg. Und zu gehen ist der nur miteinander.

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BaMargera 04.11.2013, 11:30
3. Mursis Wahl war legal, aber nicht legitim

Wer sich auf demokratischem Weg wählen lässt um im Anschluss daran aus dem höchsten Amt agierend die Demokratie abzuschaffen und die Gesellschaft einer schleichenden Islamisierung zuzuführen, gehört vom Militär abgesetzt und vor ein Gericht gestellt. Die Muslimbrüder möchten die politischen und gesellschaftlichen Spielregeln in Ägypten alleine bestimmen. Sie verdammen die Militärdiktatur, wollen aber an ihrer Stelle eine Diktatur des Islam bzw. der Scharia errichten.

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Whitejack 04.11.2013, 11:42
4.

Zitat von BaMargera
Wer sich auf demokratischem Weg wählen lässt um im Anschluss daran aus dem höchsten Amt agierend die Demokratie abzuschaffen und die Gesellschaft einer schleichenden Islamisierung zuzuführen, gehört vom Militär abgesetzt und vor ein Gericht gestellt. Die Muslimbrüder möchten die politischen und gesellschaftlichen Spielregeln in Ägypten alleine bestimmen. Sie verdammen die Militärdiktatur, wollen aber an ihrer Stelle eine Diktatur des Islam bzw. der Scharia errichten.
Aber ist die Militärdiktatur irgendwie legitimer? Die machen doch genau dasselbe, weswegen man die Muslimbrüder weghaben wollte. Nur sind sie nicht einmal gewählt worden.

Da hat man doch die Sau durch Erschießen vorm Ertrinken gerettet.

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Hermes75 04.11.2013, 12:12
5.

Zitat von BaMargera
Wer sich auf demokratischem Weg wählen lässt um im Anschluss daran aus dem höchsten Amt agierend die Demokratie abzuschaffen und die Gesellschaft einer schleichenden Islamisierung zuzuführen, gehört vom Militär abgesetzt und vor ein Gericht gestellt. Die Muslimbrüder möchten die politischen und gesellschaftlichen Spielregeln in Ägypten alleine bestimmen. Sie verdammen die Militärdiktatur, wollen aber an ihrer Stelle eine Diktatur des Islam bzw. der Scharia errichten.
Gewählte Regierungen per Militärputsch zu entsorgen und anschließend Schauprozesse zu veranstalten ist nun einmal kein guter Weg um zu einer Demokratie zu gelangen.
Die jetzige ägyptische Regierung hat noch weniger Legitimation als die Mursis. Sie wird nur akzeptiert, weil sie für einflußreiche Gruppen das kleinere Übel zu sein scheint.
Der Wille des Volkes ist offenkundig nicht von Interesse.

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romaval 04.11.2013, 12:40
6. Man kann zu Mursi stehen

wie man will aber ihm vorzuwerfen unter seiner Präsidentschaft habe er auf Demonstranten schießen und deren Tod in kauf genommen ist besonders von einem Militär beklagt wirklich fadenscheinig. Aber wie heisst es so treffend....der Gewinner hat immer recht...

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BaMargera 04.11.2013, 12:47
7. @Whitejack

Guter Einwand... ich bin prinzipiell gegen jede Form von Diktatur - ob durch das Militär oder durch islamistische Gruppierungen. Auf mich macht das ägyptische Militär jedoch den Eindruck, dass sie sich selbst nur als "Übergangsregierung" sehen und die Macht freiwillig wieder abgeben werden, sobald es eine neue, demokratisch gewählte Regierung gibt, die stark genug ist und die Trennung von Staat und Religion achtet. Außerdem stellt das ägyptische Militär - ebenso wie in der Türkei - die Instanz dar, die das säkulare Prinzip garantiert und notfalls auch mit Gewalt wieder durchsetzt. Die Muslimbrüder möchten eine stark religiös geprägte Staats- und Gesellschaftsform, was der modern lebende und denkende Teil der ägyptischen Gesellschaft - aus meiner Sicht zu Recht - strikt ablehnt. Die Islamisten möchten, wenn sie an der Macht sind, der gesamten Gesellschaft ihre religiösen Vorschriften (Alkoholverbot, Bikiniverbot, etc.) aufzwingen. Die säkular und freiheitlich-demokratisch eingestellten Ägypter hingegen werden, wenn sie an der Macht sind, von den Islamisten nicht verlangen, dass diese ihre Frauen nun unverschleiert auf die Straße schicken, nicht mehr 5x am Tag beten und Alkohol trinken. Die Ägypter werden sich ihre Revolution nicht stehlen lassen - weder vom Militär, noch von den Muslimbrüdern. Mursi wäre wohl noch Präsident des Landes, wenn er auf die Forderungen der Demonstranten gehört und Neuwahlen angekündigt hätte. In seiner einjährigen Amtszeit hat Mursi und seine Mulimbruderschaft jedoch versagt. Es gab regelmäßig Stromausfälle im Land, eine mangelhafte Wasserversorgung, den Preisanstieg und das ständige Sicherheitsvakuum. Keiner dieser Probleme konnte bzw. wollte Mursi lösen, er war reformunfähig und unwillig - sein vorrangiges Ziel war die sogenannte Akhwana, die "Muslimbruderisierung des Landes". Muslimbrüder sollten in allen Ministerien und staatlichen Institutionen sitzen. Ab da konnte nur noch das Militär den Willen des Volkes durchsetzen - welche andere Kraft hätte die Muslimbrüder von den Positionen der Macht entfernen können? Und wie bereits gesagt: aus meiner Sicht hat das Militär Mursi nicht abgesetzt, um sich selbst dauerhaft als Regierung zu etablieren. Sie werden die Macht wieder abgeben.

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DonMcM 04.11.2013, 12:49
8. Der Militärputsch war ein Fehler

Und es ist ein Fehler der westlichen Demokratien solch ein Vorgehen zu gutieren. Es ist demokratisch gewählt worden. Das der schwache Mursi ein Handlanger der radikalen Strömung innerhalb der Muslimbrüder geworden war, kann da nicht als Argument her halten ihn abzusetzen. Es wäre im Gegenteil einmal richtig dass der Islam selbst einen Weg zur Demokratie findet. Das das Pendel in die eine (extrem-islamische ) Richtung zunächst ausschlägen würde, war doch vorher klar. Aber das ist eben der Weg, den das Volk der Ägypter gewählt hat. Jetzt ist der Weg zur Demokratie insgesamt wieder verloren, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Es ist zuviel Vertrauen zerstört. Das wird sich nicht wieder einrenken lassen.

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spon-facebook-1353271999 04.11.2013, 12:59
9. optional

Hallo an alle, zu Mitschreiben: Das Militär hat auf Wunsch der Opposition den islamistischen Präsidenten abgesetzt. Es wurde eine zivile Übergangsregierung gebildet, die sich übrigens freiwillig (als "Frass für die Legitim-Prinzipienreiter) für diese Ämter zur Verfügung gestellt hatten. Das Militär geht immer noch ausschliesslich seiner eigentlichen Aufgabe nach, es sorgt für die Sicherheits des Staates, seiner Bürger und der Landesgrenzen. Die zivile Übergangsregierung arbeitet an neuen Strukturen, und das Militär ist bei Regerungsbesprechungen mit nur einer Person vertreten genau so wie die anderen Ministerien auch. Wieso sich das Gerücht über das böse, böse Militär so hartnäckig hält, scheint geschickte Propaganda der gestürzten Partei oder einfach nur Papageiengeplapper zu sein.

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