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Ägypten vor der Präsidenten-Stichwahl: "Sie haben die Revolution getötet"
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Das Parlament steht vor der Auflösung, ein Mubarak-Getreuer ist auf dem Weg in den Präsidentenpalast. Viele Ägypter haben nur noch einen Wunsch: Ruhe. Die Sehnsucht nach einem starken Mann könnte Ahmed Schafik zum Sieg verhelfen - auch wenn ihn viele für eine Marionette des Militärs halten.

Positives Denken 15.06.2012, 19:44
1. Arabischer Frühling gescheitert

Zitat von sysop
Das Parlament steht vor der Auflösung, ein Mubarak-Getreuer ist auf dem Weg in den Präsidentenpalast. Viele Ägypter haben nur noch einen Wunsch: Ruhe.
Gibt's eigentlich auch Menschen, die sich nicht "Ruhe" und ein gewisses Maß an Stabilität wünschen? Der "Arabische Frühling" ist völlig untergegangen. Ja, traurig, denn in vielen Ländern regierten grausame Diktatoren. Aber was danach kam, ist auch nicht gerade eine wünschenswerte Alternative.

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simon23 15.06.2012, 19:50
2.

Zitat von sysop
Das Parlament steht vor der Auflösung, ein Mubarak-Getreuer ist auf dem Weg in den Präsidentenpalast. Viele Ägypter haben nur noch einen Wunsch: Ruhe. Die Sehnsucht nach einem starken Mann könnte Ahmed Schafik zum Sieg verhelfen - auch wenn ihn viele für eine Marionette des Militärs halten.
In der "Welt" wird berichtet, das das Justizministerium angeordnet hat,
dem Militär auch zu ermöglichen Zivilisten festzunehmen, auch wenn die Angelegenheit nicht direkt mit dem Militär zusammenhängt. Ich denke, das ist der Staatsstreich. Wenn auf wundersame oder legale Weise Schafik dann Präsident sein wird, geht es rund.
Dieser Versuch des Militärs an der Macht zu bleiben, wird aber vermutlich Bürgerkrieg nach sich ziehen.
Und ich dachte für einen Moment, die Sache könnte gut ausgehen, mit einer verfassungsgebenden Versammlung, in der alle gesellschaftlichen Kräfte vertreten sind und von niemanden dominiert werden kann. Auf der Basis hätte man vielleicht eine Demokratie bauen können.
Chaos oder totale Repression. Das ist es wohl, was Ägypten jetzt erwartet, bzw. eine Mischung aus beiden.

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Onkel_Karl 15.06.2012, 20:05
3. vdsfab@

Zitat von sysop
Das Parlament steht vor der Auflösung, ein Mubarak-Getreuer ist auf dem Weg in den Präsidentenpalast. Viele Ägypter haben nur noch einen Wunsch: Ruhe. Die Sehnsucht nach einem starken Mann könnte Ahmed Schafik zum Sieg verhelfen - auch wenn ihn viele für eine Marionette des Militärs halten.
Wer soll es denn sonst richten,so einen Fehler wie in Irak,kann Ägypten sich nicht leisten. In Irak wurde ganze politische Elite aufgelöst,alle frühere Mitglieder der Partei und Beamte wurden entlassen...was daraus geworden ist,das bekommen wir jeden Tag mit.
So wie die Moslem-Brüder es sich vorstellen,so wird es nie Ruhe geben. Beten und hoffen,dass Allah es schon richtet. Und was doch passiert,wenn die Brüder an der Macht sind das kann man bei den Nachbarn abschauen...weder in Tunesien geht es dem Volk besser,noch in Libyen..eher schlechter.
EU muss mit verschiedenen Projekten den Menschen den Weg zeigen und nicht mit Doppelmoral punkten.

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vitalik 15.06.2012, 20:59
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Ich finde es beeindruckend, dass sich ja viele Demonstrante ein Beispiel an Ägypten genommen haben ohne durchzublicken was da eigentlich passiert ist. Fakt ist doch dass Mubarak anscheinen gar nicht die Macht in Ägypten hatte und das Militärrat ihn nur geopfert haben um weiter an der Macht zu bleiben. Jaja da wo der arabische Frühling begonenn hatte, war nur eine große Lüge. Interessant wären auch die Folgen, wenn Mubarak doch der Entscheider in Ägypten wäre und es so verlaufen würde wie in Syrien jetzt, wäre der arabische Frühling noch auf die anderen Länder, wie Lybien, Tunesien, Syrien übergesprungen. Irgendwie muss man sich doch eingestehen, dass alles nur eine Lüge war und es eine friedliche Revolution nicht geben kann.

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el-gato-lopez 15.06.2012, 21:18
5. Glücksverwöhnte und die Realität

Zitat von Positives Denken
Gibt's eigentlich auch Menschen, die sich nicht "Ruhe" und ein gewisses Maß an Stabilität wünschen? Der "Arabische Frühling" ist völlig untergegangen. Ja, traurig, denn in vielen Ländern regierten grausame Diktatoren. Aber was danach kam, ist auch nicht gerade eine wünschenswerte Alternative.
Um es kurz und knapp in die Gesichter aller Glücksverwöhnten und Wohlstandskinder der westeuropäischen Sicherheitsnetzgesellschaften zu sagen: Den meisten Erdenbewohnern ist (wirtschaftliche) Sicherheit und Stabilität - kurzum die Befriedigung von Elementarbedürfnissen weitaus wichtiger als 10 Parteien wählen zu dürfen, Schwulenrechte oder Frauenquoten. Wer sich ernsthaft darüber mokiert, zeigt eigentlich nur, das er von einer Wohlstandsinsel kommt, wo z.B. das grösste Sicherheitsbedenken darin besteht, dass einem in der U-Bahn die Brieftasche geklaut wird... Vor lauter Borniertheit und egozentrischem Hedonismus scheint man in Westeuropa ganz vergessen zu haben, dass Länder wie Deutschland, Schweiz, Niederlande etc. global gesehen nicht der "Normalzustand" sind.
Die meisten Leute in Ägypten kämpfen mit höchster materieller Not und nicht um Selbstverwirklichung und Luxusgüter. Da wird halt nach dem Schema gewählt "Wessen Brot ich es, dessen Lied ich sing". Seien das nun ultra-religiöse Spinner oder Männer in Uniform. Wer für Brot und Ruhe auf den Strassen sorgt, gewinnt...

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libertyone 15.06.2012, 21:43
6. Treffend auf den Punkt gebracht

Zitat von el-gato-lopez
Um es kurz und knapp in die Gesichter aller Glücksverwöhnten und Wohlstandskinder der westeuropäischen Sicherheitsnetzgesellschaften zu sagen: Den meisten Erdenbewohnern ist (wirtschaftliche) Sicherheit und Stabilität - kurzum die Befriedigung von Elementarbedürfnissen weitaus wichtiger als 10 Parteien wählen zu dürfen, Schwulenrechte oder Frauenquoten. Wer sich ernsthaft darüber mokiert, zeigt eigentlich nur, das er von einer Wohlstandsinsel kommt, wo z.B. das grösste Sicherheitsbedenken darin besteht, dass einem in der U-Bahn die Brieftasche geklaut wird... Vor lauter Borniertheit und egozentrischem Hedonismus scheint man in Westeuropa ganz vergessen zu haben, dass Länder wie Deutschland, Schweiz, Niederlande etc. global gesehen nicht der "Normalzustand" sind. Die meisten Leute in Ägypten kämpfen mit höchster materieller Not und nicht um Selbstverwirklichung und Luxusgüter. Da wird halt nach dem Schema gewählt "Wessen Brot ich es, dessen Lied ich sing". Seien das nun ultra-religiöse Spinner oder Männer in Uniform. Wer für Brot und Ruhe auf den Strassen sorgt, gewinnt...
Es tut gut zu wissen, dass es noch Menschen wie Sie gibt, die nicht vor lauter Euphorie bezüglich der schon im Vorfeld gefeierten Arabellion, die Ratio ausgeschaltet haben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Foristen, die der Arabellion kritisch gegenüberstanden hier auf wenig gegenliebe gestoßen sind, vielleicht begwegen die aktuellen Ereignisse doch den einen oder anderen etwas mehr Empathie für andere Regionen/Kulturen aufzubringen.

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pamiri 16.06.2012, 00:08
7. einseitig

der autor des artikels fragt fünf personen, und alle können zwar schafik nicht leiden, wählen ihn aber trotzdem. also wenn bei den wahlen schafik gewinnt, dann nicht weil die militärs betrügen, sondern weil alle ägypter doch schafik haben wollen... das ganze stinkt irgendwie doch sehr...

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saako 16.06.2012, 02:45
8. aha

Zitat von el-gato-lopez
Um es kurz und knapp in die Gesichter aller Glücksverwöhnten und Wohlstandskinder der westeuropäischen Sicherheitsnetzgesellschaften zu sagen: Den meisten Erdenbewohnern ist (wirtschaftliche) Sicherheit und Stabilität - kurzum die Befriedigung von Elementarbedürfnissen weitaus wichtiger als 10 Parteien wählen zu dürfen, Schwulenrechte oder Frauenquoten. Wer sich ernsthaft darüber mokiert, zeigt eigentlich nur, das er von einer Wohlstandsinsel kommt, wo z.B. das grösste Sicherheitsbedenken darin besteht, dass einem in der U-Bahn die Brieftasche geklaut wird... Vor lauter Borniertheit und egozentrischem Hedonismus scheint man in Westeuropa ganz vergessen zu haben, dass Länder wie Deutschland, Schweiz, Niederlande etc. global gesehen nicht der "Normalzustand" sind. Die meisten Leute in Ägypten kämpfen mit höchster materieller Not und nicht um Selbstverwirklichung und Luxusgüter. Da wird halt nach dem Schema gewählt "Wessen Brot ich es, dessen Lied ich sing". Seien das nun ultra-religiöse Spinner oder Männer in Uniform. Wer für Brot und Ruhe auf den Strassen sorgt, gewinnt...
aber auch in D sind nicht alle Erben, Her Lopez!

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horstma 16.06.2012, 03:03
9. Ruhe, richtig.

Zitat von Positives Denken
Gibt's eigentlich auch Menschen, die sich nicht "Ruhe" und ein gewisses Maß an Stabilität wünschen? Der "Arabische Frühling" ist völlig untergegangen. Ja, traurig, denn in vielen Ländern regierten grausame Diktatoren. Aber was danach kam, ist auch nicht gerade eine wünschenswerte Alternative.
Auch ich wünsche mir Ruhe und z.B. die Spiegel-Seiten lesen zu können, ohne ständig von Islamisten, Militärräten und israelischen Siedlungen lesen zu müssen. Ich bin mittlerweile dieser Meinung: Der Westen kann diese Konflikte nicht lösen, er würde alles nur noch schlimmer machen. Das betrifft den Nahostkonflikt und die ganze Region. Ausserdem scheint der Westen nicht zu verstehen, was dort vor sich geht, sonst würde man nicht von einem arabischen Frühling reden, wenn die Ägypter eine Zukunft unter der Herrschaft der Scharia der Freiheit vorziehen. Wenn man etwas nicht versteht und nicht ändern kann, sollte man erst garnicht darüber berichten, denn dann kommt nur Unsinn dabei heraus. Vielleicht sollte man für ein Jahr alle Themen, die mit dem Islam oder dem Nahostkonflikt zusammenhängen, vollkommen aus den westlichen Medien verbannen und genau die Leute diese Probleme lösen lassen, die dafür verantwortlich sind: Die Völker, die in diesen Ländern leben. Es würde reichen, über diese Regionen einmal pro Jahr eine Zusammenfassung zu publizieren, an einem vorher festgelegten Tag. An diesem Tag wäre mein PC aus, und mein Fernseher auch.

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