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AfD, Pegida und Co.: Volksverräter? Aber gerne doch!
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Kaum ein Begriff wird von den Anti-Flüchtlings-Demonstranten so laut und begeistert gerufen wie "Volksverräter". Er entlarvt ihr wahres Denken.

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rennflosse 04.10.2016, 17:12
250. Welche Herkunft

Zitat von Abuelo
Sprache und Denken sind nicht voneinander zu trennen. Wer im Suff Naziparolen grölt, denkt auch nüchtern so. Wer bewußt solche Terminologie wie " Volksverräter" und ähnliche Begriffe aus der Sprache des " Dritten Reiches" gebraucht, muss sich schon starke Zweifel an seiner demokratischen Gesinnung gefallen lassen.
Mein Großvater hatte dieses Vokabular auch drauf, aber er war Jahrgang 1905 und im dritten Reich sozialisiert, wenn auch kein Nazi, aber vom reaktionären Preußentum geprägt.

In der DDR waren ähnliche Kampfbegriffe an der Tagesordnung. Nur wurde das Volk durch die "sozialistische Gemeinschaft" ersetzt. Zum Verräter konnte man sehr schnell werden.

Das Volk jenseits der ehemaligen Zonengrenze hat ein Demokratiedefizit größer als die Alpen. Die intellektuellen Köpfe der Wende haben das Volk nie wirklich repräsentiert. Bei dem standen in erster Linie materielle Wünsche im Vordergrund: Westautos, Westfernseher, Westreisen, Westgeld. Meinungsvielfalt und freie Wahlen waren ihm wurscht.

Das erlernte Kampf-Vokabular und die damit verbundene autoritäre Gesinnung lassen sich leicht rot oder Blau (braun) einfärben. Was mich wundert ist, dass auch nach 26 Jahren der Vermischung von Ossis und Wessis sich in den neuen Bundesländern gar nichts bewegt hat im Punkt Demokratieverständnis.

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mcpoel 04.10.2016, 17:13
251. Genau!

Dieser Beitrag hätte eigentlich von einem gewählten Volksvertreter kommen sollen. Es braucht klare Worte, wie diese hier. Eines stimmt aber leider auch: Eine Demokratie hat auch immer die Freiheit, sich auf demokratischem Wege selbst abzuschaffen. Das ist schon einmal passiert und könnte durchaus wieder vorkommen. International scheint es auch einen Trend dahin zu geben.

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charlybird 04.10.2016, 17:13
252. Ich gehe mal davon aus ,

dass nicht wenige, die hier versuchen diese Demo als `Meinungsfreiheit ´ zu verkaufen, den östlichen Bundesländern angehören und wahrscheinlich euch einige dem `Tal der Ahnungslosen´, was es definitiv nicht mehr entschuldigt. Der Bann ist schon lange aufgehoben. Aber der Unterschied zwischen Meinungsfreiheit und Meinungsdiktat konnte eigentlich nicht entlarvender demonstriert werden, als es die hoffnungslos verbohrten `Pegidisten ´ am Montag taten. Es war ja nicht einmal der Ansatz einer verbalen Auseinandersetzung mit Andersdenkenden zu erkennen, sondern es war komplette Ignoranz der Demokratie gepaart mit monströsen Beleidigungen.
In der sicheren Gewissheit- Einbahnstraße lässt grüßen- die Weisheit mit Schöpfkellen geschluckt zu haben, hat man sich vor allen Fragen geduckt und nicht einmal formulieren können, wogegen man denn nun eigentlich sei ?
Ich dachte immer in der DDR wäre eine so gute Schulbildung möglich gewesen, sicherlich aber nicht in der Allgemeinbildung und in der Schulung argumentativer Diskurse , wenn man dem verbalen Dünnpfiff dieser Herrschaften lauschen durfte. Man wünschte sich eigentlich einen 89er Neuanfang mit politischer und sozialer Grundausbildung der damaligen Neubürger, wie es auch indirekt Lafontaine angemahnt hat.

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mrmartin19 04.10.2016, 17:14
253. super Artikel

und kann ich so zu 100% unterschreiben

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mostly_harmless 04.10.2016, 17:14
254.

Zitat von geando
Merkwürdig, trotz ihrer Scham für dieses furchtbare Land ist Deutschland scheinbar trotzdem ausserordentlich beliebt, vom Maghreb bis zum Hindukusch- oder etwa nicht?
Im Moment ist dieses Land ja auch nicht so, wie die Krakeeler in Dresden, die Pegidisten und Teile der AfD es sich wünschen.

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jan07 04.10.2016, 17:15
255. Nun mal halblang

Ich erinnere an die Anti-AKW Demos früherer Jahre oder an die militanten Demos gegen die Castortransporte.
Das sei nur als Beispiel genannt für Demos, bei denen es auch keineswegs zimperlich zuging. Und diejenigen, die damals am lautesten geschrien und gepöbelt haben, sitzen heute in linksgrünen Regierungen und regen sich über den neuen 'Pöbel' auf. Auch wenn ich selbst auch eher ein Freund der leiseren Töne bin: Demokratie ist eben unbequem und manchmal auch laut und vulgär. Das muss man ertragen können, auch wenn der Protest zur Abwechslung mal von rechts kommt.

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Earendil77 04.10.2016, 17:15
256.

Zitat von kodu
Der Autor gerät mit solchen Sätzen: "Denn Pegida-Demonstranten, AfD-Sympathisanten und Facebook-Pöbler sind eben keine besorgten Bürger, sondern Menschen mit einem nationalistischen, autoritären und völkischen Staatsverständnis." ganz schnell in den Verdacht der Parteilichkeit.
Donnerschlag aber auch! Antifaschismus ist allerdings zwangsläufig parteilich - parteilich gegen Nazis halt. Und das ist auch gut so.

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oberkellnerkarl 04.10.2016, 17:16
257. Dresden, wehr dich endlich

Habe gestern die zwei Seiten Dresdens kennengelernt. Die der freundlichen, hilfsbereiten und lieben Menschen die uns Touristen willkommen hieß. Und die häßliche, allseits geschilderte, die mich als Gast der Stadt nur kopfschüttelnd zurücklassen. Dresdner, steht doch endlich auf und vertreibt die Pöbler, Nörgler, Gegen-alles-Schreier endlich aus eurer Stadt. Die Stadt hat so viel besseres zu bieten....

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petrapanther 04.10.2016, 17:16
258.

Zitat von kodu
... mit solchen Sätzen: "Denn Pegida-Demonstranten, AfD-Sympathisanten und Facebook-Pöbler sind eben keine besorgten Bürger, sondern Menschen mit einem nationalistischen, autoritären und völkischen Staatsverständnis." ganz schnell in den Verdacht der Parteilichkeit. Und das ist schade, denn er weicht damit einer sachlichen Diskussion aus. Warum? Vielleicht muss man nochmal darauf hinweisen, daß viele von denen, die - u.a. - die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung für falsch halten, eben KEINE Nazis oder tumbe Fremdenfeinde sind. In den Reflexionen zu den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin war man mit der Frage nach der Motivation grundsolider Bürger die AfD zu wählen, schon mal weiter. Allein der Umstand, daß, obwohl in Nordostdeutschland kaum Migranten leben, die AfD gerade dort enormen Zulauf hat, sollte bei einem Journalisten doch den Verdacht aufkeimen lassen, daß es im Kern vielleicht gar nicht so sehr um Ablehnung gegenüber Fremdem geht, sondern um viel grundsätzlichere Dinge, die man von einem bequemen Eckbüro im SPIEGEL-Hochhaus an der Elbe einfach nicht wahrzunehmen bereit ist.
"Der Autor gerät ...mit solchen Sätzen: [...] ganz schnell in den Verdacht der Parteilichkeit."

Der Artikel ist klar als 'Kommentar' gekennzeichnet, insofern ist es nicht verwunderlich, dass man darin die persönliche Meinung des Autors zu lesen bekommt. Das ist der Sinn und Zweck von Kommentaren.

"Vielleicht muss man nochmal darauf hinweisen, daß viele von denen, die - u.a. - die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung für falsch halten, eben KEINE Nazis oder tumbe Fremdenfeinde sind."

Das hat auch niemand behauptet. In dem Kommentar geht es nicht um alle, die die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung für falsch halten, sondern ganz explizit um den braunen Mob, der mit Nazivokabular um sich wirft.

"In den Reflexionen zu den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin war man mit der Frage nach der Motivation grundsolider Bürger die AfD zu wählen, schon mal weiter."

So 'grundsolide' waren diese Bürger dann wohl nicht. Oder nur nach aussen hin.

"Allein der Umstand, daß, obwohl in Nordostdeutschland kaum Migranten leben, die AfD gerade dort enormen Zulauf hat, sollte bei einem Journalisten doch den Verdacht aufkeimen lassen, daß es im Kern vielleicht gar nicht so sehr um Ablehnung gegenüber Fremdem geht, sondern um viel grundsätzlichere Dinge [...]"

Nein. Es sollte den Verdacht aufkeimen lassen, dass man die grössten Rassisten dort findet, wo es gar keine 'Fremden' gibt.

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germ 04.10.2016, 17:16
259. Hören

Zitat von suedseefrachter
Ist es denn nicht möglich das die Politiker - vor allem die Lokalpolitiker direkt auf das Volk zugehen? Das Geld (Steuergeld) nehmen sie ja auch gerne, also sollten sie dafür besser auch etwas tun - und zwar für jene die das Steuergeld zahlen. Ehrlich gesagt verstehe ich den Zorn der Leute. Die Politiker hätten es aber durchaus in der Hand hier etwas zu verändern und den zornigen Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Solche Aussagen wie Herr lass Hirn regnen von Frau Rot gegenüber den vor ihr stehenden Demonstranten (welche ja auch wieder zum Teil Steuerzahler sind) sollte man sich verbieten. Natürlich ist es nicht einfach zum Volk zurückzufinden, aber versucht es doch einfach mal.
Sie doch auf mit diesem Quatsch vom Steuerzahler. Steuerzahler zu sein, rechtfertigt nicht alles. Leute, die mit rechten Parolen daherkommen wollen gar keinen demokratischen Dialog. Die wollen nur pöbeln und ihr krankes Weltbild durchsetzen.
Sie verraten sich doch auch mit Ihrer Sprache. Warum sagen Sie nicht einfach auf die "Leute" bzw. "Bevölkerung" zugehen. Nein, auch Sie benutzen diesen rechtsradikalen Duktus, in dem Sie vom "Volk" sprechen. Ich weiß, ihr merkt das gar nicht mehr.

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