Forum: Politik
Affäre im Verteidigungsministerium: Der Berater und seine Freunde
Maurizio Gambarini/DPA

Im Untersuchungsausschuss zur Berateraffäre kommen brisante Details ans Licht. Ex-Verteidigungsstaatssekretärin Katrin Suder gab dem Berater Timo Noetzel offenbar Hinweise, wie er neue Aufträge an Land ziehen könnte.

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hmueller0 28.06.2019, 10:52
20. Verstehe den Focus auf die Berater nicht

Kommt es mir nur so vor, oder wird hier der schwarze Peter bei den Beratern gesucht? Die Berater und entsprechenden Firmen sind eben wie sie sind - und solange sie gegen keine Gesetze verstoßen wird ja wohl Jeder seine Kontakte nutzen - so funktioniert das in der Wirtschaft (oder warum gibt es Xing, Linked in etc?) und ach ja - in der Politik auch. Odeer wie genau werden da die Posten vergeben / "geeignete" Personen gefunden/vorgeschlagen, wenn nicht aus den eigenen, bekannten Reihen?
Das eigentliche Problem ist doch - bzw. die Aufgabe - hier auf der Seite des Staates/Ministeriums, dass man eben keine Bevorzugung zulässt, in dem man zB Informationen an "seine" Bekannten weiterreicht, die man der Konkurrenz nicht gibt, Ausschreibungen korrekt durchführt etc. Oh - und dann bliebe ja auch noch die Frage, weshalb sich in den Ministerien so geballte Inkompetenz versammelt, dass man sich Beraterunternehmen dann völlig ausgeliefert sieht (nicht verwechseln - man sollte schon Experten beauftragen - aber man sollte schon noch in der Lage sein, den Überblick auch fachlich zu behalten)

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klimaterium 28.06.2019, 10:54
21. @1

Ausnutzung privater Kontakte zur Auftraggenerierung im öffentlichen Sektor sind ein NO GO für den Vertriebler. Sich mit den Compliance-Verstössen dann noch öffentlich zu brüsten, ist einfach Dummheit. Darüber hinaus scheint Frau Süßer sich auch permanent auf sehr dünnem Eis bewegt zu haben.

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Johanna Remi 28.06.2019, 10:54
22. Von der Leyen

Man schaue sich nur mal die Jahresberichte der Atlantik-Brücke an. Da kann man sehen, wie Frau von der Leyen auf dem elitären Atlantik-Brücke-Ball mit den Generälen des US-Militärs tanzt. Sie lässt sich führen. Die werden ihr zudem schon sagen, wie es in den USA und beim US-Militär mit den Beraterverträgen so läuft.

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spiegelneuronen 28.06.2019, 10:57
23. fatal

Zitat von hardy.stiefel
und zwar um mich. In meinem Beruf war ich 6 Jahre im Außendienst, da gab es einfach mehr Geld (was nicht immer zutraf). Ich kümmerte mich um meine Kunden, brachte kleine Geschenke zum Geburtstag, auch den Kindern im Betrieb, war auf deren Veranstaltungen und bei Essen - und bekam so gute Aufträge. Kurz, ich verhielt mich so wie ein guter ADler es sein sollte. Persönlicher Einsatz, denn auch die besten Produkte müssen erst einmal bekannt gemacht und dann auch noch verkauft werden. So sehe ich auch diesen Einsatz von Nötzel. Er machte das, wofür er bezahlt wird. Mit Sicherheit hat er nicht bestochen oder illegales gemacht. Denn Geld hinterlässt immer Spuren, dass weiß er/jeder. Als ADler gibt es eine fristlose Kündigung bei Spesenbetrug - und zwar unabhängig vom Betrag. Aber er war Egoist und prahlte mit seinen Erfolgen öffentlich. Das wird ihm jetzt vorgeworfen. Nicht, ob er seine Arbeit ordentlich gemacht hat oder nicht. Angst bekomme ich davor, ob ich irgend eine Äußerung aus der Vergangenheit heute in einem ganz anderen Kontext als "Vergehen" vorgeworfen bekomme. Auszuschließen ist es nicht, wenn ich solche Berichte lese. Diese Zeiten werden einfach nur noch nervig.
In jedem größeren AD ist der Bereich Behörden / Ämter oder öffentliche Stellen separat strukturiert. Das dient dazu, dass den Besonderheiten dieses Kundenkreises separat Rechnung getragen werden kann. Ob in der Automobilbranche, wo Geländewagen schnell als Kriegsgerät (Dachluke und Maschinengewehrständer dazu) benutzt werden können und deshalb als Dual-Use klassifiziert sind oder im Computerbereich. Wenn der Kunde "Bundeswehr" heißt, dann sollte sich ein AD´ler dessen bewusst sein und nicht so tun als wäre er "Hallo Herr Kaiser 4.0" - so wirkt Accenture hier allerdings und das ist ein Sicherheitsproblem, wenn im Miisterium die Kontrollmechanismen nicht greifen oder möglicherweise sogar bewußt ignoriert werden.

Während in der Bank- und Versicherungsbranche die Dokumentationspflichten vielfach erhöht wurden, um die Verbraucher zu schützen, soll hier ein derartiges Vorgehen bei der Bundeswehr als "oh, dumm gelaufen" abgetan werden und in einem UA versanden?
Das wäre ein höchst fatales Vorgehen.

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postmaterialist2011 28.06.2019, 11:00
24. Nichts kapiert !

Zitat von hardy.stiefel
und zwar um mich. In meinem Beruf war ich 6 Jahre im Außendienst, da gab es einfach mehr Geld (was nicht immer zutraf). Ich kümmerte mich um meine Kunden, brachte kleine Geschenke zum Geburtstag, auch den Kindern im Betrieb, war auf deren Veranstaltungen und bei Essen - und bekam so gute Aufträge. Kurz, ich verhielt mich so wie ein guter ADler es sein sollte. Persönlicher Einsatz, denn auch die besten Produkte müssen erst einmal bekannt gemacht und dann auch noch verkauft werden. So sehe ich auch diesen Einsatz von Nötzel. Er machte das, wofür er bezahlt wird. Mit Sicherheit hat er nicht bestochen oder illegales gemacht. Denn Geld hinterlässt immer Spuren, dass weiß er/jeder. Als ADler gibt es eine fristlose Kündigung bei Spesenbetrug - und zwar unabhängig vom Betrag. Aber er war Egoist und prahlte mit seinen Erfolgen öffentlich. Das wird ihm jetzt vorgeworfen. Nicht, ob er seine Arbeit ordentlich gemacht hat oder nicht. Angst bekomme ich davor, ob ich irgend eine Äußerung aus der Vergangenheit heute in einem ganz anderen Kontext als "Vergehen" vorgeworfen bekomme. Auszuschließen ist es nicht, wenn ich solche Berichte lese. Diese Zeiten werden einfach nur noch nervig.
Es gibt in professionellen Unternehmen einen ganz klaren Verhaltenskodex. Und da gibt es für "Geschenke" nunmal Grenzen. Für die Kinder mal Schokolade mitbringen, oder einen Kuli plus Notizzettel ist fast überall akzeptabel, alles was darüber hinausgeht nunmal nicht. Auch lässt man sich von Kunden nicht zum Essen einladen, da sich diese hiervon einen Vorteil erwarten. Was hier im Bereich der Berater vor sich geht ist schon fast dem organisierten Verbrechen zuzuordnen. Dass die vielen Beraterstunden so gar keinen positiven Erfolg zu verzeichnen haben sieht man ja an der desolaten Verfassung der Bundeswehr. Aber selbst bei privaten Unternehmen wie der Lufthansa bringen die vielen Berater so rein gar nichts. Die vielen Strategieschwenks, die meist mit dem Abbau von Personal ihr Ende finden würden echte Profis aus dem Unternehmen die Ahnung von der Materie haben niemals verordnen.

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olliver_123 28.06.2019, 11:03
25.

Zitat von hardy.stiefel
und zwar um mich. In meinem Beruf war ich 6 Jahre im Außendienst, da gab es einfach mehr Geld (was nicht immer zutraf). Ich kümmerte mich um meine Kunden, brachte kleine Geschenke zum Geburtstag, auch den Kindern im Betrieb, war auf deren Veranstaltungen und bei Essen - und bekam so gute Aufträge. Kurz, ich verhielt mich so wie ein guter ADler es sein sollte. Persönlicher Einsatz, denn auch die besten Produkte müssen erst einmal bekannt gemacht und dann auch noch verkauft werden. So sehe ich auch diesen Einsatz von Nötzel. Er machte das, wofür er bezahlt wird. Mit Sicherheit hat er nicht bestochen oder illegales gemacht. Denn Geld hinterlässt immer Spuren, dass weiß er/jeder. Als ADler gibt es eine fristlose Kündigung bei Spesenbetrug - und zwar unabhängig vom Betrag. Aber er war Egoist und prahlte mit seinen Erfolgen öffentlich. Das wird ihm jetzt vorgeworfen. Nicht, ob er seine Arbeit ordentlich gemacht hat oder nicht. Angst bekomme ich davor, ob ich irgend eine Äußerung aus der Vergangenheit heute in einem ganz anderen Kontext als "Vergehen" vorgeworfen bekomme. Auszuschließen ist es nicht, wenn ich solche Berichte lese. Diese Zeiten werden einfach nur noch nervig.
Grundsätzlich ist es natürlich so, dass am Ende die Leistung bzw. das Ergebnis zählt. Aber hier handelt es sich um einen öffentlichen Auftraggeber und der hat nunmal die Pflicht zunächst allen Anbietern die selben Chancen einzuräumen unabhängig davon, ob ggf. schon klar ist, dass (in diesem Fall) Accenture die beste Arbeit machen wird. Schließlich bezahlen auch die anderen Firmen und deren Mitarbeiter letztlich auch die für die Bundeswehr bzw. auch für das Budget, was hier investiert wird. Der 'Schuldige' ist dann hier auch nicht der Berater bzw. die Beratungsfirma, sondern der Auftraggeber.

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aku12 28.06.2019, 11:09
26. zu... Das kann ich auch ..*6

Zitat von coyote38
"Projekt Produktlebenszyklusmanagement (PLM)" ... wenn ich diesen "Berater-Sprech" schon höre, dann klappen mir die Fußnägel hoch ...^^ Wenn ich dafür sorgen will, dass "mein" militärisches Großgerät weniger oft ausfällt, dann brauche ich eine funktionerende Ersatzteilversorgung, eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Mechanikern, entsprechende Wartungszeit und nicht zuletzt die Bereitstellung der dafür notwendigen finanziellen Mittel. NICHTS von all dem jedoch haben die hochgelobte und mal wieder abgetauchte Frau Verteidigungsministerin oder auch ihre ach so smarte ehemalige Rüstungsstaatssekretärin in der Zeit ihres gemeinsamen Wirkens "auf die Reihe gekriegt". Und dafür brauche ich keinen "Berater", der mir das erklärt. Problem gelöst. An wen im BMVg kann ich jetzt die Rechnung über 20 Millionen Euro schicken ...?
Selbstverständlich können Sie das auch. (Ich lese Ihre sachkundigen Beiträge aufmerksam)
Aber - und das wissen Sie selbstverständlich auch - fehlt Ihnen Zitat (SPON):""strong client intimacy at the c-level", also einer großen Nähe zur Führungsspitze. Dank derer könne man die Wettbewerber "outperformen".
Wer als Refernt oder Referatsleiter kennt nicht die Anrufe aus den Büros der Staatssekretäre oder gar des Ministers in denen Wünsche geäußert werden, die abzulehnen nicht karriereförderlich sind. Schon die Bitte, diesen Wunsch des Ministers oder Staatssekretärs in schriftlicher Form zu äußern, wirkt karrierehemmend.
Ich nehme an, dass Ihre Karriere - wie bei anderen aufrechten Kameraden auch - weit unter ihren Möglichkeiten geblieben ist.

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Bellagio 28.06.2019, 11:12
27. Beraterfirmen sind die Pipeline

mit der nicht nur unsere korrupten Poltiker, Steuergelder in ihre eigenen Taschen, die ihrer Freunde, ihrer Briefkastenfirmen und ihrer anonymen Nummerkonten abpumpen...Fakt aus. Kein Mensch braucht diese Berater. Heute bei der Bundeswehr fürs Bleistifte zählen Millionen kassieren, morgen beim Kronprinzen von Saudi Arabien die Stiefel lecken...Die Moral von Accenture und Konsorten beginnt und endet genau da wo sie geschreiben steht, in ihren wertlosen Compilance Policies...alles freiwillig. Mit sowas wischt sich der Amigo am liebsten den Hintern ab...Hier stehts geschrieben, so machen wir es natürlich immer...zwinkerzwinker

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Haarfoen 28.06.2019, 11:15
28.

Zitat von Tante_Frieda
(...) Heißt es nicht immer von konservativer Seite,Sozis könnten nicht mit Geld umgehen?Die beiden erwähnten Minister sind,man höre und staune,übrigens keine Sozis,sondern Unionschristen...
Die Sozialdemokraten haben sich (überregional) selten ein Bulllshit-Castel geleistet, da war die Union schon immer wegweisend: Die Söhne von Strauß verticken Waffen, Schäuble hoppelt mit Bargeldkoffern durch die Gegend, "Old Schwurhand" CSU- Zimmermann, in den Sitzungen von Kohl ging es zu 80% um "Bimbes", Frau Klöckner sitzt bei Nestlé auf dem Schoss... Die Liste ist lang und wird nie enden. Die Kollaboration der Union mit der Wirtschaft ist gewollt und sichert unseren Wohlstand und Arbeitsplätze. Das müssen sie glauben.

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sasahivi 28.06.2019, 11:16
29. @palimpalom

Genau so und nicht anders. Ich sehe das so, wie sie es fordern. Leider ist eine solche Ethik/Moral nur noch in Büchern oder in ?verschrobenen Gehirnen wie den unseren zu finden. In der real gelebten Politikinszenierung ist für Moral kein Platz. Das Selbstverständnis der Politikschaffenden ist zutiefst asozial, wird jedoch in keinster Weise geahndet. Das System funktioniert in sich und unterliegt quasi keiner wirklichen Gerichtsbarkeit.

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