Forum: Politik
Affäre im Verteidigungsministerium: Der Berater und seine Freunde
Maurizio Gambarini/DPA

Im Untersuchungsausschuss zur Berateraffäre kommen brisante Details ans Licht. Ex-Verteidigungsstaatssekretärin Katrin Suder gab dem Berater Timo Noetzel offenbar Hinweise, wie er neue Aufträge an Land ziehen könnte.

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spon-facebook-10000012354 28.06.2019, 11:37
40. Fatale Symbolkraft

Der Betrag selber ist für die Verhältnisse der Bundeswehr eine Bagatelle. Man fragt sich bei Personen wie Frau Suder, die sicherlich einen extrem hohen IQ hat, was sie sich bei solchen Aktionen gedacht hat, wenn sie sich überhaupt etwas gedacht hat. Es wirkt so als wäre die Arroganz der Macht auch in diesem Bereich der Faktor, der alle Hemmungen fallen lässt. Für eine Truppe, die mit Pannen, Abstürzen usw. fast täglich die Journale füllt ist eine solche Führungsspitze, die Chaos erzeugt und sich dann einfach ins Privatleben zurückzieht, schwer erträglich. Dabei ist weniger der Umstand der Vorteilsannahme bedeutsam als das völlige Fehlen von jeglichem Gefühl für die Situation der Truppe.

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bieberh 28.06.2019, 11:48
41. Schade...

... das alles ohne Konsequenzen bleibt. Das war in der Vergangenheit so und wird sich nicht ändern. Herr Noetzel und die Anderen sollten in Zukunft nur etwas vorsichtiger sein. In solchen Positionen spricht man nicht darüber, wie man sein Geld verdient. Man verdient es und gut ist es....

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mcmercy 28.06.2019, 11:48
42. Wofür das Geld ist die Frage

Zitat von smart75
Ich lese daraus, dass Accenture eine gute und intensive Kundenbeziehung hatte und das Geschäft einfach smart und strategisch mit dem Kunden ausgebaut hat.
Ich sehe da auch von Seiten accenture keine direkte Korruption, außer es sind Provisionen an besagte Generäle ode Incentives geflossen. Dass nun Beamte alten Weggefährten Aufträge zuschanzen, ja fragwürdig, dass Suder davon profitiert klar, sie wird nach dem Staatssekretär Job wieder schön in der Wirtschaft einsteigen und dort sicher exorbitatnte Dankbarkeitsgehälter kassieren, alles strikt legal natürlich. Was man sich vielmehr Fragen sollte, welchen Nutzen haben die 20 investierten Millionen gebracht, läuft jetzt irgendwas besser bei der BW oder wurde hier nur Geld verbrannt. Bei 20 Millionen erwarte ich auch einen Return of Invest in mindestens der doppelten Höhe, wozu sollte das sonst gut sein. Welche IT-Projekte wurden umgesetzt, wie läuft das besagte Wartungsprojekt, wie wurden die Ergebnisse validiert?

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matimax 28.06.2019, 11:49
43. Der Erfolgsdruck blieb trotzdem

Zitat von hardy.stiefel
Langsam bekomme ich Angst, und zwar um mich. In meinem Beruf war ich 6 Jahre im Außendienst, da gab es einfach mehr Geld (was nicht immer zutraf). Ich kümmerte mich um meine Kunden, brachte kleine Geschenke zum Geburtstag, auch den Kindern im Betrieb, war auf deren Veranstaltungen und bei Essen - und bekam so gute Aufträge. Kurz, ich verhielt mich so wie ein guter ADler es sein sollte. Persönlicher Einsatz, denn auch die besten Produkte müssen erst einmal bekannt gemacht und dann auch noch verkauft werden. So sehe ich auch diesen Einsatz von Nötzel. Er machte das, wofür er bezahlt wird. Mit Sicherheit hat er nicht bestochen oder illegales gemacht. Denn Geld hinterlässt immer Spuren, dass weiß er/jeder. Als ADler gibt es eine fristlose Kündigung bei Spesenbetrug - und zwar unabhängig vom Betrag. Aber er war Egoist und prahlte mit seinen Erfolgen öffentlich. Das wird ihm jetzt vorgeworfen. Nicht, ob er seine Arbeit ordentlich gemacht hat oder nicht. Angst bekomme ich davor, ob ich irgend eine Äußerung aus der Vergangenheit heute in einem ganz anderen Kontext als "Vergehen" vorgeworfen bekomme. Auszuschließen ist es nicht, wenn ich solche Berichte lese. Diese Zeiten werden einfach nur noch nervig.
Tja, das waren noch Zeiten.
Bis 1999 konnten "nützliche Aufwendungen" noch völlig legal und selbstverständlich steuermindernd geltend gemacht werden.

Danach war Schluss mit ganz offener Bestechung und wir ADler vom Export hatten tatsächlich Angst - schließlich wurden wir alle schriftlich über die neue Gesetzeslage von der Geschäftsführung informiert.

"Ambitionierte" Budgetziele gibt es heute aber immer noch - und stets locken die Boni... .

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reinerotto 28.06.2019, 11:53
44. Berater fuer PLM ?

Hab selber mal technische IT-Projekte fuer eine dt. Fluggesellschaft abgewickelt, sowohl als "Koter" als auch als Projektleiter.
Dabei gab es Abnahmen, welche meiner Ansicht nach praktisch kein System der BW bestehen wuerde. Z.B. Induktion von hochfrequenten und niederfrequenten Stoerungen auf den Datenleitungen; Stoeranfaelligkeitstest durch Abschalten zwischengeschalteter Komponenten und Beobachtung der Auswirkungen nach Wiederinbetriebnahme/Instandsetzung. Sprich: Es musste einfach weitergehen.
Alle Abnahmetests wurden natuerlich nur unmittelbar vor Beginn der eigentlichen Abnahme dem Lieferanten bekanntgemacht.
Waere doch durchaus interessant, zu wissen, ob dieses Verfahren bei aktuellen Ruestungsauftraegen auch ueblich ist ...
Hintergrund: Wenn die Abnahmeprozeduren fruehzeitig bekannt sind, besteht die Gefahr, dass der Lieferant auf Bestehen genauer dieser Szenarien hin entwickelt. Und die allgemeine Betriebssicherheit hintenan stellt.
Werden allerdings diese "unbekannten" Tests bestanden, ist dies ein sehr guter Hinweis auf die generelle Qualitaet der Lieferung.
Schon hier faengt PLM an. Und dafuer sind keine Herden von sog. "Beratern" notwendig.

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Aleae iactae sunt 28.06.2019, 11:57
45. Den Verteidigern der Lobbyaktivitäten sei gesagt

Zitat von Bellagio
mit der nicht nur unsere korrupten Poltiker, Steuergelder in ihre eigenen Taschen, die ihrer Freunde, ihrer Briefkastenfirmen und ihrer anonymen Nummerkonten abpumpen...Fakt aus. Kein Mensch braucht diese Berater. Heute bei der Bundeswehr fürs Bleistifte zählen Millionen kassieren, morgen beim Kronprinzen von Saudi Arabien die Stiefel lecken...Die Moral von Accenture und Konsorten beginnt und endet genau da wo sie geschreiben steht, in ihren wertlosen Compilance Policies...alles freiwillig. Mit sowas wischt sich der Amigo am liebsten den Hintern ab...Hier stehts geschrieben, so machen wir es natürlich immer...zwinkerzwinker
Ein guter Lobbyist wirkt in jedem Forum und Bereich um seinem Auftraggeber Vorteile zu verschaffen und Nachteile zu verhindern.
Well done hier

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grussausberlin 28.06.2019, 12:01
46. Man kennt sich, man hilft sich...

….hätte Adenauer gesagt. Wenn man weiß, dass man schon bei Ausschreibungen für Beratungsleistungen in der bundesministeriellen Welt im 5-stelligen Bereich an einem kriteriengestützten Auswahlverfahren teilnehmen muss, dann ist völlig klar, was hier in großem Massstab passiert: eine Verschiebung öffentlicher Gelder in einem System von Selbstdarstellern und Menschen mit überbordenden Omnipotenzphantasien. Gier lässt alle Hemmungen fallen. Frau von der Leyen muss gehen, und alle, die im Ministerium an dem Geshacher beteiligt waren müssen disziplinarisch und strafrechtlich belangt werden.

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Alfredo Spencer 28.06.2019, 12:01
47.

Zitat von DoyleMusgrave
20 Mio. Euro Umsatz = ca. 50 FTE Berater p.a. Das ist für ein Großprojekt bei einem Tanker wieder Bundeswehr doch nicht viel. Verschreckt von den großen Zahlen? Lieber Spiegel, die Steigerung ist doch viel interessanter!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass 50 Berater strategisch sinnvoll agieren können. Mit 50 hochqualifizierten Leuten kann man etwas BAUEN! Nicht nur übers bauen reden. Sicher muss in komplexen Organisationen zugearbeitet werden, aber ein Berater ist da zu teuer. Wenn man jetzt noch überlegt, dass man für das Geld ein neues Segelschiff bekommen hätte, zeigt sich doch die ganze Problematik.
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt_II

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lollopa1 28.06.2019, 12:04
48. mal an alle Accenture-Fans

Klar hat da einer seinen Job gemacht, Aufträge für seine Firma reinzuholen, ist nixx gegen zu sagen. Darum geht es aber nicht, hier wurden Millionenschwere Aufträge mal locker unter der Hand vergeben, und das ist sanktionierbar. Ich war selbst im ÖD, 8 Jahre im BMVg in Bonn, wir durften noch nicht mal nen Kugelschreiber annehmen, ist auch ok so, Einkäufe über 500€ mal locker aus der Hand, geht nicht. Was aber da passiert ist sprengt jeden Rahmen. Und derjenige/diejenige/dasjenige welche das zu verantworten hat: es gibt Gesetze und auch Sanktionen, bitte mal so anwenden wie bei einem der dem Finanzamt 22,35€ schuldig bleibt, da gibt es auch keine Gnade. Und was der gute Mann da in seinem Blog schreibt, so smart kann er ja dann doch nicht sein.

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robbie.mcguire 28.06.2019, 12:04
49. Die Beziehung Suder und Noetzel erinnert...

mich stark an eine Geschäftsbeziehung eines Konkurrenten mit einem Unternehmen in Norddeutschland, bei dem ich über Jahre versuchte, ins Geschäft zu kommen. Als letzten Test habe ich für bestimmte Produkte zu einem Wert von 50 % des Marktpreises angeboten. Trotzdem keine Chance, Aufträge zu generieren. Wie ich wenig später erfuhr, gab es ein sehr enges Verhältnis zwischen der Einkaufsleiterin und dem Vertriebsleiter meines Konkurrenten.

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