Forum: Politik
Affäre Wulff : Nicht alle machen alles

Billiger Kredit, Luxusurlaub und Drohanrufe: Ist das Gebaren des Bundespräsidenten Christian Wulff ein Zeichen für den allgemeinen Niedergang unseres politischen Systems? Wer*dieses Pauschalurteil fällt, macht es denen zu leicht, die präzise Kritik verdient haben.

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Whitejack 09.01.2012, 18:01
170.

Zitat von fabrikarbeiter
Ernsthaft: Wer als Jet-Pilot arbeiten will braucht einen tadellosen Körper und ein tolles Konzentrationsvermögen, aber keine besondere persönliche Moral. Wer als Politiker arbeiten will, braucht eine tadellose Moral, darf aber ruhig 90 Zigaretten am Tag rauchen.
Und eben das entspricht nicht der Wahrheit. Wer als Politiker arbeiten will, muss in der Lage sein, tadellose Moral zu SIMULIEREN. Genau aus dem Grund haben wir doch eine Politikerkaste, die es blendend versteht, aalglatt und vollkommen unverfänglich zu reden, aber moralisch keinen Deut besser ist als die Vorgänger von anno dazumal. Es entscheidet ja eben nicht über Gedeih und Verderb, ob man moralisch ist, sondern ob etwas herauskommt. Natürlich, wer sich stets moralisch verhält, hat nichts zu befürchten. Aber das dürfte auf einen guten Teil der Politiker (wie auch der Bürger) nicht zutreffen. Also muss man eben simulieren. Seien wir ehrlich: Guttenberg hätte auch Kanzler werden können, wenn durch das Internet seine Plagiiererei nicht aufgefallen wäre. Und das war keineswegs zwingend.

Mal abgesehen davon, dass diese Ansicht auch etwas seltsam anachronistisch wirkt. Aus einer Zeit, in der die Politiker eben noch aus einer eigenen Gesellschaftsschicht kamen und als die Aristokratie angesehen wurden. Aber diese Zeit war alles andere als demokratisch...

Zitat von
Darum geht es hier. Ein Politiker hat einen Job zu machen und die dafür nötigen Vorraussetzungen zu bringen. Das ist in jedem Beruf so und wir Steuerzahler als Arbeitgeber dieser Leute haben ein Recht das zu fordern. Jeder Arbeitnehmer -gleich in welcher Position- muss sich in diesem Licht messen lassen und da darf es keine Sentimentalitäten geben, da dies der Sache schadet. Das ist nicht schön aber notwendig und die Presse mit ihren Blogs und Foren ist das Werkzeug der Wahl zur Durchsetzung unseres berechtigten Interesses. Schimpfen Sie nicht auf das Werkzeug! Was kann die Zange dafür, daß der Wasserhahn tropft?
Ich schimpfe darüber, dass man - um das Beispiel des Werkzeugs zu bemühen und auf die Politiker umzudeuten - die Qualität des Werkzeugs daran bemisst, ob der Lack abgeplatzt ist, nicht aber darüber, ob es seinen Zweck erfüllt. Ein Politiker, der im Amt inkompetent ist, hat nichts zu befürchten, aber moralische Fehltritte, auch außerhalb des Amtes, können zum Rücktritt zwingen. Wer solch eine Leitlinie verfolgt, wird auf Dauer vor allem eines in seinem Werkzeugkasten haben: Gut lackierte Werkzeuge mäßiger Qualität.

Und genau das kann man heutzutage in der Politik beobachten.

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Dion 09.01.2012, 19:02
171.

Zitat von Piri
Wulffs Fehler sind die eine Sache, aber die zum Himmel stinkende Selbstgerechtigkeit vieler Kritiker und die immer größere Eigendynamik öffentlicher Tribunale widert mich langsam an.
So ist das, zumal ein System dahinter sichtbar ist: Es kommen immer mehr „Enthüllungen“ an den Tag, mitunter auch solche, die keine sind – zum Beispiel: Bettina Wulff hätte von edlen Bekleidungsfirmen kostenlos teure Kleidung bekommen. Das im Gegensatz zu Angela Merkel, die solche Geschenke nicht annimmt. Nicht gesagt wird, dass viele Politiker und exponierte Persönlichkeiten solche Kleidung bekommen (u.a. auch die Frau von Guttenberg) und niemand fand etwas Anstößiges daran oder fragte, ob die alle, wie Bettina Wulff, sie auch als geldwerten Vorteil versteuerten.

Man schlägt auf Bettina, um ihren Mann zu treffen.

Oder gestern bei Jauch: Die (kostenlosen) Übernachtungen bei Freunden, die Wulff seit seinem 14.Lebensjahr kennt, waren plötzlich kein Thema mehr, obwohl man sie zuvor als etwas unethisches und eines Bundespräsidenten unwürdig beschrieb – man sagt jetzt, es stünden auch Übernachtungen bei anderen Freunden im Raum, die Wulffs noch nicht so lange kennen.

Dauer der Freundschaft als Maßstab für ethisches bzw. unethisches Verhalten? Wenn man will, kann man überall Korruption sehen, auch in der Annahme eines Kugelschreibers oder Bleistifts, wie vor ein paar Jahren in Belgien geschehen.

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Whitejack 10.01.2012, 04:43
172.

Zitat von shine31
Ach sind sie naiv oder einfach nur Wulff-Fan? Das solld er eizige Grund gewesen sein? Der Grund war, daß zwar Wulff den Vertrag deen Bild-Redaktueren offengelegt hat, aber eine Zusicherung wollte, daß keine Namen genannt werden. Bild sah das anders und hat wollte Frau Geerkens als Kreditgeberin nennen. Deswegen ist Wulff ausgeflippt.
Ich denke eher, er ist ausgeflippt, weil er genau wusste, was die BILD wollte - ihn demontieren. Er hat aller Wahrscheinlichkeit nach deshalb von "Kriegführen" geredet, weil er kapiert hatte, dass das auf ihn zukam. Das Zitat "und dann können wir uns zusammensetzen und schauen, wie wir Krieg führen" (oder so ähnlich) deutet ja eher darauf hin, dass er sich als Angegriffener sah.

Und er glaubte offenbar, dass Diekmann irgendwie trotzdem noch so eine Art Vertrauter sei, mit dem man zumindest offen reden konnte. Naivität und Emotionalität - nicht gerade eine Ruhmestat des BP, aber was daraus gemacht wurde, der Präsident als Angreifer auf die Pressefreiheit, ist einfach nur noch absurd.

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fabrikarbeiter 10.01.2012, 19:31
173.

Zitat von Whitejack
Und eben das entspricht nicht der Wahrheit. Wer als Politiker arbeiten will, muss in der Lage sein, tadellose Moral zu SIMULIEREN. Genau aus dem Grund haben wir doch eine Politikerkaste, die es blendend versteht, aalglatt und vollkommen unverfänglich zu reden, aber moralisch keinen Deut besser ist als die Vorgänger von anno dazumal. Es entscheidet ja eben nicht über Gedeih und Verderb, ob man moralisch ist, sondern ob etwas herauskommt. Natürlich, wer sich stets moralisch verhält, hat nichts zu befürchten. Aber das dürfte auf einen guten Teil der Politiker (wie auch der Bürger) nicht zutreffen. Also muss man eben simulieren. Seien wir ehrlich: Guttenberg hätte auch Kanzler werden können, wenn durch das Internet seine Plagiiererei nicht aufgefallen wäre. Und das war keineswegs zwingend..
Es ist genau diese Haltung, die Korruption erst ermöglicht, bzw dazu einlädt. Diese Leute sollen Moral nicht vorgaukeln, sondern praktizieren. Ich kenne das aus dem Berufsleben auch: Menschen, die wirklich Tag und Nacht und Wochenends arbeiten und das nachweislich, konsequent und dauerhaft.
Bei Guttenberg war es doch richtig brutal. Die Inkompetenz dieses Menschen entsprach doch seinen mässigen Studienbemühungen. Da war nun wirklich alles nur Fassade.
Was für Politiker schon vor 2000 Jahren galt, wird auch in 2000 Jahren noch gelten. Dieser Diskurs ist so alt wie die Politik und den Kampf gegen Inkompetenz, Korruption und Klüngel wird es immer geben. Lesen Sie mal ein Geschichtsbuch! Immer wenn der Kampf verloren wurde, ist es in die Hose gegangen - oft nach generationenlanger quälender Agonie. Wir dürfen nicht aufgeben, niemals!

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ruediger5050@googlemail.c 01.02.2012, 10:18
174. Wulff ?

Zitat von sysop
Billiger Kredit, Luxusurlaub und Drohanrufe: Ist das Gebaren des Bundespräsidenten Christian Wulff ein Zeichen für den allgemeinen Niedergang unseres politischen Systems? Wer*dieses Pauschalurteil fällt, macht es denen zu leicht, die präzise Kritik verdient haben.
Für jeden normalen deutschen Bürger ist schon seit längerem erkennbar, die Person Wulff ist nicht das ernste Problem für Deutschland.

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