Forum: Politik
Afghanistan-Debatte: Käßmanns kleine Geschichtsstunde

Ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz sorgte für Aufregung. Dabei wurde fast übersehen, dass die EKD-Vorsitzende Käßmann unlängst auch eine moralische Neubewertung des Zweiten Weltkriegs vornahm. Und die ist fast noch interessanter als ihre Analyse der Lage am Hindukusch.

Seite 11 von 65
gegenüber 17.01.2010, 12:50
100. Käßmann

Das erwähnte Interview in der Berliner Zeitung gibt kaum Aufschluss darüber, was Frau Käßmann letztlich meint. Dazu sind Fragen und Antworten nicht konkret genug. Käßmann äußert lediglich dass Krieg nicht gerecht ist, weil die Zivilbevölkerung in jedem Fall leidet. Und das kann man ihr schwer absprechen. Inbseondere nicht bei einem Krieg, der geschätzte 60 Millionen Menschen getötet und weitere dutzende Millionen ihrer Heimat beraubt hat.

Man kann aus dem Interview nicht ableiten, dass Käßmann die Allierten dafür verurteilt, gegen Hitler gekämpft zu haben. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass ihr ein Europa unter dem Hakenkreuz auf Dauer lieber gewesen wäre.

Sie spricht lediglich an, dass man damals sicher nicht alles versucht hat, um den Krieg in diesem perversen Ausmass zu verhindern. Wer hier bspw. Käßmanns Haltung mit der Appeasement Politik Englands gleichsetzt, tut ihr evtl. unrecht. Denn diese hat gerade bewiesen, dass sie den Krieg nicht verhindern kann. Ich lese aus ihren Andeutungen eher, dass man die demokratisch gesinnte Opposition in Deutschland schon viel früher hätte unterstützen, und gleichzeitig die Vertreter des NS-Regimes hätte ächten können.

Hitler brauchte die Ruhe vor dem Sturm, um das Land auf den Krieg vorzubereiten. Man denke an die Olympischen Spiele 1936, für die man antijüdische Schilder in Berlin abmontierte, um die Welt abzulenken vom barbarischen Wesen des nationalsozialistischen Deutschlands, von der jüngst wieder eingeführten Wehrpflicht, von der Umstellung der Industrie auf Kriegsproduktion.

Die Amerikaner und Engländer haben in diesen Jahren die Augen verschlossen.

http://www.berlinonline.de/berliner-...015/index.html

Beitrag melden
crustacea 17.01.2010, 12:51
101. Flächenbombardements

Zitat von peterbruells
Wieso die Gleise nicht bombardiert wurden, kann sich jeder beantworten, indem er sich die Trefferquote vom Bombenabwürfen ansieht. Wer die Frage dann dennoch stellt, ist nicht frech und unbequem, sondern bestenfalls faul.
Aus diesem Grunde haben die Angloamerikaner ja alle deutschen Großstädte dem Erdboden gleich gemacht und "nebenbei" alle Verkehrswege zerstört.

Beitrag melden
peternmartin 17.01.2010, 12:51
102. Gutmenschen sehen die Welt

Es ist ja sicherlich rühmlich, die Welt in Gegenwart und Vergangeheit darauf abzuklopfen, ob etwas anders hätte laufen oder besser gemacht werden können. Zusätzliche Handlungsmöglichkeiten nahe zu legen, kann ja nicht falsch sein. In diesem Sinne mag man auch mit Frau Käßmanns Gedanken leben können. Wenngleich mir die Phantasie fehlt, welche Kompetenz sie zur Lösung von Weltfragen mitbringt.

Aber einfach in den Raum zu stellen, alles müsste irgendwie schöner und edler von statten gehen, ist doch wohl für eine Weltverbesserung zu wenig. Es ist viel einfacher: Die Frau Bischöfin findet in Deutschland eine breite Klientel vor (siehe z.B. Kommentare in diesem Blog), die sie mit ihren Sprechblasen bedient. Wie ein Seifenpulververkäuder seinen Kunden, liefert sie ihr, was die Gutmenschen im Lande hören wollen.

Der Afghanistan-Krieg ist Blödsinn, weil niemand weiß wie er zielgerecht enden soll und Deutschland mit diesem Problem auch rein gar nichts zu tun hat (weder historisch, noch geopolitisch).

Aber es gilt: Wenn wirklich wichtige Interessen auf dem Spiel stehen, dann muß ein Land dafür auch massiv eintreten und kann sich nicht darauf verlassen, dass der Gegner am Ende schon irgendwie doch das Richtige tun wird. Alles andere ist Geplauder im Kaffeekränzchen der Kirchengemeinde. Das dann im Übrigen doch vor den bösen Mächten beschützt werden will.

Beitrag melden
Le Commissaire 17.01.2010, 12:52
103. ..

Zitat von h0l0fernes
werden in dem Artikel wieder nur die us-amerikanischen Verluste im Zweiten Weltkrieg erwähnt und nicht auch z.B. die russischen, die um ein Vielfaches höher waren?
Weil im aktuellen Fall die Amerikaner die treibende Kraft sind und die Russen nicht teilnehmen.

Beitrag melden
circul 17.01.2010, 12:52
104. circul

Der Afghanistankrieg der Westmächte ist schon jetzt verloren. Es ging nur darum, die schwindende Macht der USA und Westeuropa etwas über die Zeit zu bringen. Da wir uns derartige "Spielchen" rein ökonomisch nicht mehr leisten können, wird es unsere weltweite Vormachtstellung nur noch schneller beenden.
Es gibt keine vernünftige Alternative zum Abzug, es sei denn wir wollen unsere Soldten einzeln in Zinksärgen zurückbekommen.

Beitrag melden
altais 17.01.2010, 12:52
105. Aus Versehen Journalist

Ach ja, die Bischöfin äußert sich in einem Berliner Blatt und hier wird ein Artikel daraus! Mit zwei drei Zitaten die Teestuben-Seriösität der Bischöfin belegt? Und das nennt sich dann Journalismus? Früher haben Zeitungen wie das Berliner Blatt beim Spiegel abgeschrieben. Und jetzt das, Zitate aus dem Zusammenhang, glauben Sie wirklich Herr Fleischhauer, dass mir Ihre Interpretation genügt? Angeblich haben Politiker einmal vor dem Spiegel gezittert. Heute müssen sie eher die Bildzeitung fürchten. Augstein hätte wirklich 100 Jahre alt werden sollen.

Beitrag melden
der-theo 17.01.2010, 12:53
106. Was wollt ihr, Spiegel?

Einerseits liest man bei Ihnen Beschwerden über farblose Predigten die nur noch Wohlfühlspiritualität verbreiten und Sie beklagen sich, dass die Kirche sich nicht mehr in gesellschaftliche Debatten einmischt, und andererseits bockt Ihr hohes politikwissenschaftliches Ross sobald ein Diener der Kirche die Welt nicht so sieht, wie es Ihr Studium als "richtig" einstuft.

Fr. Käßmann hält keine Vorlesungen in Geschichte oder Politik, sie gibt Meinungen wieder als eine Person, die so oder so einer anderen Wirklichkeitsdeutung verpflichtet ist als Sie.

Wenn Sie sich intellektuell redlich verhalten wollen dann sollten Sie derartige Schreibe überdenken.

Mfg...

Beitrag melden
lichtschalter 17.01.2010, 12:54
107. Unterstützung reicht

Zitat von Andree Barthel
Aber selbst wenn man die Aussagen nur für sich nimmt, hat Käßmann so unrecht nicht – beispielsweise waren die Alliierten nicht bereit, die Staufenberg-Gruppe, die, um auszuloten, wie sich die Westmächte verhalten würden, vor dem Attentat mit den anglo-amerikanischen Geheimdiensten in Verbindung traten, zu unterstützen.
Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen konnte sich der sozialistische Präsident in Kabul genau so lange halten, wie er von Moskau noch materiell und finanziell unterstützt wurde. Es würde demnach vermutlich genügen afghanische Polizei im benachbarten Ausland auszubilden und das Land auch sonst gut auszustatten. Ein befriedetes Afghanistan ist aber gar nicht das Ziel des Westens. Das Ziel ist ein instabiles Land, was mit einem Minimum an Truppen dennoch gehalten werden kann. Damit behält man sein Aufmarschgebiet.
Der Westen meint es eben gar nicht gut mit den Afghanen.
Man könnt es "controlled demolition" nennen, eine amerikanische Spezialität.

Beitrag melden
testthewest 17.01.2010, 12:56
108. Wahrheit verdreht?

Zitat von Interessierter0815
Vielleicht möchte SIe uns damit sagen, das es genauso sinnvoll war die Talibanen zu finanzieren wie damals Hitler, der nachweislich durch westliche Konzerne, Banken an die Macht geschoben wurde? Wie wäre es gewesen, die Opposition zu finanzieren bzw. aufzuklären bzw. es nicht zu flächendeckenden Hunger zwischen 1929-33 kommen zu lassen?
Wieder so ein Forum Neonazi, der um jeden Preis die Schuld der Deutschen am WW2 weglügen möchte.

Hitler hat von vielen Industriellen Geld erhalten. Das waren jedoch zu allermeist deutsche Firmen. Und Geld ist nicht alles, die Deutschen haben ihn zum großen teil mit Begeisterung gewählt.
Und weshalb muss das Ausland (wahrscheinlich meinen sie die USA) eigentlich dafür sorgen, dass in jeden überbevölkerten Landstrich dieser Erde genug zu fressen da ist?
Wieso haben deutsche Politiker damals nicht selber was gegen die Entstehung von Massenarbeitslosigkeit und Hunger getan um Hitler zu verhindern?
Weshalb muss das durchd as Ausland besorgt werden?
Vorallem wenn man bedenkt, das Deutschland zum damaligen Zeitpunkt schon eine Industrienation war, und in der Forschung führend?

Beitrag melden
Kapnix 17.01.2010, 12:56
109. n/a

Zitat von lichtschalter
Ohne den 2WK hätte sich der geopolitische Aufstieg der VSA nicht fortgesetzt. Sie werden also das ihrige getan haben, um es zur Katastrophe in Europa kommen zu lassen. Tja liebe Erzieher, die Mär vom Bösen im Deutschen könnt ihr euch sonst wohin stecken - ein für allemal. Das ist der Rassismus, gegen den ihr euch in aller Scheinheiligkeit immer wendet. Jeder, nicht nur eine Bischöfin , hat das Recht Fragen zu stellen und Erklärungen zu finden. D.h. sich über die Elemente des jeweiligen (damaligen) Systems klar zu werden, und zu schauen was (heute) davon (noch) wirkt.
Also an Stelle des U ein V zu setzten zeigt doch einen gewissen Hang zu einer dem "Böse" nachstehenden Ideologie, der Rest Ihres Beitrages bestätigt den Eindruck nur.

Beitrag melden
Seite 11 von 65
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!