Forum: Politik
Altbundespräsident: Joachim Gauck hält AfD für "verzichtbar"
Stefan Sauer/ DPA

"Ich habe keinerlei Sympathie": Joachim Gauck hat in deutlichen Worten klar gemacht, was er von der AfD hält. Zugleich mahnte der Altbundespräsident, die Wähler der Partei nicht als Faschisten abzutun.

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winterwoods 08.11.2019, 02:23
1. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose

"Zugleich mahnte der Altbundespräsident, die Wähler der Partei nicht als Faschisten abzutun.". Doch, doch: Es sind Faschisten, wie Sascha Lobo neulich und sehr richtig in seinem Podcast feststellte. Wer so ganz offenkundig braun wählt, ist braun. Denn er wurde von niemandem dazu gezwungen, weiß, wofür Leute wie Höcke stehen. Ganz einfach. Und man muss das schon beim Namen nennen. Die Gefahr für die Demokratie beginnt nämlich erst dann so richtig, wenn man das Braune verharmlost und, noch schlimmer, sich mit den Nazis zusammen tut, sie ins politische Boot holt. So war es auch im 3. Reich ("Wir haben ihn uns engagiert", selten so geirrt, Herr Franz von Papen, als er derart über Hitler und die NSDAP dachte). Es sei also dringend davor gewarnt mit den NAZIS der Afd politisch zusammen zu arbeiten. Und auch davor, deren Wähler durch die rosarote Chamberlain-Brille betrachten zu wollen. Wer für AfD steht, steht meines Erachtens für Faschismus, für Revolutionssehnsucht, für die Sehnsucht nach dem Zusammenbruch des Systems, also gegen Deutschland, gegen den Volksfrieden und gegen unsere Demokratie. Und gegen Menschlichkeit sowieso.

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Tubus 08.11.2019, 02:46
2. Auf keinen Fall

Nun ist es eine Sache, wen die Herren Gauck oder Steinmeier für verzichtbar halten. Tatsache ist, dass eine zunehmende Zahl von Wählern die SPD und auch die CDU für verzichtbar halten. Als langjähriger CDU Wähler bedaure ich diese Entwicklung zutiefst. Dass die SPD als ehemalige Schutzmacht der kleinen Leute die Interessen ihrer Stammklientel zugunsten von wahllosen Minderheiten verraten hat, ist sicher ein Teil des Problems. Allein Frau Merkel hat mit ihren erratischen Entscheidungen die politische Tektonik nicht nur unseres Landes zerstört. Ihre Flüchtlingspolitik war auch der letzte Tropfen für den Brexit. Man muss sich nur mal mit Italienern, Griechen oder Polen unterhalten. Alle wissen, ohne Deutschland geht es in Europa nicht, aber mit diesem Deutschland auf keinen Fall.

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mcf75 08.11.2019, 02:59
3. echt gute Sätze (ohne Zynismus), klingt gut als Konzept

Aber wie geht das dann konkret? Was heißt das? Wie übersetzt das ein Kommunalpolitiker? Kann er das übersetzen?

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heissSPOrN 08.11.2019, 03:01
4.

"Wir müssen uns auch um die bemühen, die irritierend anderer Meinung sind."

Wie die Nazis das machen, wissen wir ja - die konzentrieren diejenigen, die "irritierend anderer Meinung" als sie selbst sind, in Lagern, sobald sie in der Position dazu sind. Vorher hetzen sie gegen sie, bedrohen sie, schlagen sie zusammen, einige ermorden sie.

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m_e_m 08.11.2019, 05:17
5. Mit Verlaub Herr Gauck ...

... es ist nicht jeder AFD Wähler ein Faschist, allerdings legitimiert er/sie mit der Stimme eine Partei die einen faschistuiden Ansatz und eine deutlich rechtsradikale Linie mit dem Vertreter Höcke deutlich unterstützt.
Ich weigere mich hier auf Augenhöhe diskutieren zu wollen. Wer eine Partei unterstützt zu deren Kern die Verharmlosung geschichtlicher Ereignisse gehört ist kein Protestwähler sondern Brandstifter.

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NichtdeinErnst 08.11.2019, 05:36
6. Bin gespannt...

Was wäre Gauck denn lieber als die Bezeichnung 'Faschist' für Leute, die AfD wählen, obwohl die Führungsspitze (schöner Ausdruck in diesem Zusammenhang) dieser Partei von Faschisten, Holocaustrelativierern und fremdenfeindlichen und menschenverachtenden Personen durchsetzt ist? Wäre 'ganz exorbitant doof' besser? Oder lieber 'komplett geschichtsvergessen und latent fremdenfeindlich'? Oder vielleicht 'hochgradig frustriert und im Anschluss nicht mehr zurechnungsfähig'? Stimmt wahrscheinlich alles. Aber wer Faschisten wählt, der muss sich gefallen lassen, wenn man ihn ebenfalls des Faschismus verdächtigt.
Und nein, Herr Gauck, es gibt Dinge, für die man kein Verständnis haben muss und darf! Und dazu gehört für jemanden, der an die Demokratie glaubt (und nicht wie Sie Kapitalismus mit Freiheit verwechselt), dass er Faschismus Faschismus nennt und seine Stimme gegen alle erhebt, die mitmachen - und es nachher wieder nicht gewesen sein wollen und nicht verstehen können, was daraus geworden ist.

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Phil2302 08.11.2019, 05:37
7. Für wen stimmten die Leute früher?

Das ist sich die Frage, die es zu beantworten gilt. Im August 2015 war die AFD unter 5 Prozent. Also, was haben die Parteien damals anders gemacht als heute, dass die AFD Wähler anderen Parteien den Rücken gekehrt haben? Das ist doch die Frage, die man sich stellen muss, und dann findet man auch die Antwort, wie man die Wähler zurück gewinnt.

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lindadaheim 08.11.2019, 06:07
8. Die Mehrheit schweigt gar nicht

Als überzeugte Demokratin und als Kind der 80er/90er Jahre überzeugte Europäerin sehe ich mich in der bürgerlichen Mitte Deutschlands. Und wie die meisten anderen schweige ich gar nicht.
Ich verhalte mich so gut wie möglich umweltfreundlich, bemühe mich, ein weltoffener Mensch, gute Mutter und faire Chefin zu sein.
Ich schleppe mich noch immer zur Wahl und mache da keine Protestkreuzchen (wie pubertär!), sondern lese wirklich vorher Zeitung und wenn ich Zeit finde, sogar Wahlprogramme, obwohl auch ich mich von den etablierten Parteien verraten und verkauft fühle. Ich gehe auf Demos gegen rechts und habe mich auch lange in Vereinen engagiert, jetzt aus Zeitmangel leider eher passiv.
Und das habe ich mit sehr vielen Menschen hier in Deutschland gemeinsam. Wir gestalten unser Umfeld ganz aktiv, jeden Tag. Wir sind die Bürgerliche Säule, auf der unsere Gesellschaft ruht, sind die Mittelschicht, die die Steuern generiert. Wir halten viel aus.

Und dafür wird man dann vom Bundespräsidenten als "schweigende Mehrheit" beschimpft. Weil wir nicht aus lauter Frust Politiker erschießen, Autos anzünden oder Nazis wählen? Diese Art von Lautstärke, lieber Herr Steinmeier, müssen Sie schon in einem anderen Lager suchen.
Vielleicht sollte die Deutsche Politik die Bürger nicht so undankbar behandeln, dann gäbs auch nicht so viele "Protestwähler"

So, jetzt war ich auch mal frustriert. Laut genug?

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kizfonis 08.11.2019, 06:12
9.

Er erwarte "von der schweigenden Mehrheit, (.) endlich laut zu werden und Position zu beziehen". - Nur sollte er dabei einkalkulieren, dass das eine ihn auch sehr irritierende Position werden könnte. Manchmal ist Schweigen auch eine Position. In meiner Wahrnehmung ist die Demokratie oft eine Sklavin der von ihr gepäppelten Bürokratie. Da haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Insbesondere Steinmeier ist jemand, der in meinen Augen in seiner aktiven Politikerzeit der Prototyp des Beförderers von Politikverdrossenheit war. Wegen Figuren wie ihm bin ich vor 14 Jahren aus der SPD ausgetreten. Der beklagenswerte Rechtsruck samt Aufkommen der "Alternative für Destruktive" ist letztlich auch seinem Politikstil zu verdanken. Vom Niedergang der SPD ganz zu schweigen. Die, die jetzt große Krokodilstränen weinen, sind die, die die Situation zu verantworten haben. Nicht die schweigende Mehrheit muss sich positionieren, die etablierten Politiker*innen müssen sich ändern. Es zeigt sich doch, dass Bürger*innennähe in z. B. in der Kommunalpolitik die AfD marginalisiert (siehe beispielsweise Augustusburg im politisch rechtsanfälligen Sachsen). Vielleicht sollten Politiker*innen mal die schlicht jesuanische Haltung einnehmen. Der fragte immer: "Was willst Du, dass ich Dir tue?" Politiker*innen meinen immer wissen zu müssen, was für Bürger*innen gut. Statt paternalistischem Politikgehabe mehr emanzipatorische Partnerschaft mit Bürger*innen. Leider steht dem zu oft die von Politiker*innen in der Vergangenheit gemästete Bürokratie im Wege.
Norbert Sinofzik, Rheinstadt Uerdingen

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