Forum: Politik
Analyse: Was der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran für den Nahen Osten bedeute
DPA

Die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen lässt den Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran eskalieren. Die Folgen erschüttern schon jetzt den gesamten Nahen Osten - von Syrien und Libanon über den Irak und den Jemen bis zum Erdölgeschäft.

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luett_butscher 04.01.2016, 14:46
70. Seit der Kolonialzeit

Die Kolonialherren von damals sind die Unterstützer und Nutznießer von heute. Sie zogen willkürlich, ohne Rücksichtnahme (weil fehlendes Wissen) auf Kultur, Stämme und Glaubensrichtungen Grenzen um zukünftige Claims, die es auszubeuten galt. Und von damals bis heute haben die Industriestaaten, die Kolonialherren der Moderne keinerlei Interesse an einer selbstständigen Entwicklung der arabischen Welt. Es könnten sich ja eigene, stabile, fortschrittliche und vor allem säkulare Systeme herausbilden - wie in Libyen oder Syrien. Aber genau das gilt es aus Sicht des Westems zu verhindern.

An die Spiegel-Redaktion: ich lese hier immer wieder, "der Iran destabilisiert", der Iran sei aggressiv, der Iran provoziere usw. usf. Wann hat der Iran nach der islamischen Revolution einen anderen Staat angegriffen, destabilisiert, aggressiv provoziert? Dagegen lese ich aber, Saudi-Arabien führe mit einer arabischen (sunnitischen) Allianz eine Militärintervention im Jemen. So sauber das auch klingt, aber Saudi-Arabien führt eine militärische Intervention in einem souveränen Staat ohne Legitimation der Regierung oder der UN.

Und jaha, sie erwähnen, auch Bahrain habe die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Es gäbe in Bahrain Proteste, die von "Sicherheitsbeamten" mit Schußwaffen niedergeschlagen werden. In Bahrain unterdrückt eine sunnitische Minderheit eine schiitische Mehrheit - wie auch im (ölreichen) Osten Saudi-Arabiens. In der Ukraine, in Libyen, in Syrien ... sind "Sicherheitsbeamte" mit einem Mal "Schergen", "Regime-Truppen", "Häscher eines Dikators". Erstaunlich.

"Russland hat 2015 so viel Öl gefördert wie noch nie seit dem Ende der Sowjetunion.", gegen die "Empfehlung" der Opec, die Fördermengen zu drosseln. Diese Nachricht erklärt einiges und zeigt, wie sehr (nicht nur) Saudi-Arabien mit dem Rücken zur Wand steht.

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freigeist1964 04.01.2016, 14:47
71. Sie werden feststellen, dass

Zitat von Ovid
Dies wäre mal ein Vergleich. Bisher kenne ich nur einen mehr plakativen Vergleich zwischen der "Rechtssprechung" des IS und Saudi-Arabien, der kaum Unterschiede aufweist. Wie steht es um die Frauenrechte, Wahlrecht, Strafen im Vergleich von Iran und Saudi-Arabien. Wie wird mit......
Iran im Vergleich zu anderen prowestlichen Ländern im arabischen Raum ein Hort der Freiheit, der Demokratie und der kulturellen Vielfältigkeit ist. Daher sollte der Iran der natürliche Verbündete des Westens sein und nicht diese Religionsfaschisten in Riad und Co.

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säkularist 04.01.2016, 14:47
72.

Zitat von MarkusRiedhaus
Die Hamas und die Hisbollah brüsten sich sogar mit den Waffenlieferungen aus dem Iran und natürlich sind dies auch Terrororganisationen. Gerade schiitische Spezialkorps sind für Massaker an sunnitischen Zivilisten in Syrien und im Irak verantworlich, sonst würden Sunnitische Terrorbanden gar nicht so viel Zulauf von Seiten der Bevölkerung kriegen.
Selber Unsinn.
Die Hamas wird vor allem von Sunnitischen Diktaturen finanziert.
Die Hisbollah ist in erster Linie eine ziemlich disziplinierte Miliz und keine Terror-Organisation. Dass die Hisbollah sinn und wahllos massenhaft unbeteiligte Zivilisten allein weil sie keine Schiiten sind ermordet wie es IS, Nusra, Boko Haram, Al Schabab und ähnliche sunnitischen Terroristen praktisch täglich tun, das können Sie gerne mal belegen.

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kral1905 04.01.2016, 14:48
73. Israel und Saudi-Arabien

sind ganz enge Verbündete, das muss man so langsam erkennen. Denn beide haben ein gemeinsames Feindbild: Iran.
Nicht zu vergessen auch die guten Beziehungen der USA und EU zu den Saudis. Deutschland verkauft an Saudi-Arabien Waffen, die sicherlich den Frieden in der Region gewährleisten werden. Die Region braucht immer mehr und mehr Waffen für den Frieden, da sitzen nämlich überall Humanisten an der Macht, die die Waffen dann entsorgen werden, für immer und ewig.
Wir steuern auf sehr schlechte Zeiten zu, wenn es so weitergeht.

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biesi61 04.01.2016, 14:50
74. Iran praktiziert die Todesstrafe - das stimmt!

Aber niemand in der Welt macht das derart exzessiv wie Saudi Arabien. Und diesen Fakt wegzulassen, führt beim Leser zum Gefühl, manipuliert zu werden. Die Saudis sind keinen Deut besser als Iran, in vielfältiger Hinsicht aber menschenverachtender und aggressiver!

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forumgehts? 04.01.2016, 14:50
75. Es

wird ja auch höchste Zeit für einen triftigen Grund um im Ölgeschäft die Preise wieder in die Profitzone zu bringen. Die beiden Hauptlieferanten Iran und SA fallen aus wg. Meinungsverschiedenheiten. Wenn das kein Grund zum Feiern ist - die Läger sind voll mit Billigst-Öl, das man nun teuerst verkaufen kann!

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säkularist 04.01.2016, 14:51
76.

Zitat von beob_achter
Ich würde sehr einen Spiegel-Artikel begrüßen, der in einer "einfachen" Vergleichstabelle die 5 oder 10 wichtigsten konkreten und möglicherweise von "Ungläubigen" nachvollziehbaren Unterschiede darstellen könnte.
Ich würde mir mal einen Spiegel-Artikel wünschen, der klar auflistet wie viele Terrororganisationen von SA/Katar finanziert werden und wie viele vom Iran. Und dazu bitte noch die Anzahl der durch diese Organisationen getöteten.
Vielleicht auch mal als "Special" die im Westen Getöteten.

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GeoffBTate 04.01.2016, 14:54
77. Geschwafel der Ahnungslosen

Der Spiegel entpuppt sich immer mehr als ein Forum von Fantasten.
Saudi-Arabien und der Iran waren sich immer spinnefeind.
Hatte Mitte der siebziger Jahre z.B. Dubai vor, im Bereich Jebel Ali eine Art zweites Las Vegas zu installieren, so nahmen sie davon umgehend Abstand, als Chomeni den Iran übernahm. Sie fürchteten nicht nur den Iran als schiitischen Staat, sondern vor allem die in Dubai lebenden Iraner, die als Gastarbeiter dort lebten. Mit Sharja verhielt es sich ähnlich.
Was Saudi-Arabien anbelangt, so erinnere mich an den Fall eines Kollegen, der mit einer erheblichen Geldstrafe belegt wurde, weil er sein Auto an einer besseren Trinkhalle am Highway sein Auto geparkt hatte. Auf den geparkten Wagen fuhr dann ein Saudi mit seiner Fahrzeug auf. Das Urteil des Gerichts: Der Fahrer des geparkten Wagens hatte als Ungläubiger in Arabien nicht zu suchen. Demzufolge hätte er auch nicht sein Fahrzeug dort parken können, weshalb dann der Saudi auch nicht darauf hätte auffahren können.
Das ist kein Witz, es ist ein vollstrecktes Urteil gewesen.
Nur soviel zu der Rechtsprechung dort.
Was den Iran angeht, kenne ich diesen nur aus der Schah-Zeit aus eigener Erfahrung und Anschauung.
Damals, in den siebzigern war bereits absehbar, dass dessen Zeit ablaufen würde, was dann ja auch geschah. I, das war noch wurde, als ich zurückkam, noch zu Schah-Zeiten, gefragt, wie ich denn die Zukunft dort einschätze. Meine Antwort war damals: Wenn der Schah weg ist, gehen dort die Lichter aus.
Nebenbei bemerkt, man errichtete dort damals in Ahvaz ein Stahlwerk (NISIC), mit dem die damalige Regierung das Land vollends in die Neuzeit führen wollte. Und als der Schah dann meinte, den islamischen Kalender durch einen neue, persischen, ersetzen zu sollen, der das Land dann schlagartig zahlenmäßig in ein Jahr um fünftausend katapultieren sollte, um damit den Iranern das Gefühl der Zurückgebliebenen gegenüber dem Westen zu nehmen, hatte er gegenüber dem Klerus völlig verspielt. Dazu kamen dann noch die "Maßnahmen" der USA, die Einfluss auf die Regierungsführung nahmen und die auch durchsetzten, womit dann dessen Schicksal besiegelt war. (u.a. die Liquidierung der Savak).
Es geht nun einfach nur wieder alles von vorne los.
Auf die Affäre Mossageh, muss man dann schon nicht mehr eingehen.

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Kitu 04.01.2016, 15:05
78. Genau

Zitat von santoku03
Ich gehe davon aus, dass die saudische Regierung ebenso klug ist wie Sie, bzw. ihre eigenen Interessen sogar besser kennt als Sie. Daher ist der Schluss "Die Saudis sind in eine Falle getappt" wohl eher verkehrt, sondern es handelt sich wohl um eine bewusste Provokation eines Konflikts. Vielleicht sogar mit der Absicht, auszutesten, wo die USA nun wirklich stehen.
Sehe ich ähnlich.
Die Saudis wussten sehr genau, was sie tun und welche Wirkung damit einhergeht.
Zielsetzung m. M. nach zum einen, die USA als Partner stärker zu positionieren und zum anderen, den von den Saudis eher ungeliebten Iran in eine Position zu manövrieren, welche die beginnende Annäherung Iran / Westen torpediert.
Alles in allem also schlicht Politik. Hat im Grunde genommen nix mit Religion zu tun. Religion wird nur mal wieder missbraucht um politische Interessen durchzusetzen.

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säkularist 04.01.2016, 15:08
79.

Zitat von chjuma
brandgefährlich und irreführend. Vorab- ich mag keine Hinrichtungen. Weil ich hier sozialisiert und erzogen wurde. Wir sollten uns hüten, die Geschehnisse im Orient zu werten. Nimr al Nimr ist hingerichtet worden. So weit so schlecht. Aber ist er ein Opfer?? Nein. Er ist nur langsamer gewesen als die Wahabiten. Sonst wäre es 1:1 umgedreht gewesen. Nimr ist es gewesen, der den souveränen Staat KSA spalten wollte. Und was er getan hätte wenn das geklappt hätte, sehen wir live bei Taliban und Al Quaida.
Taliban und Al Khaida sind beiden radikal-sunnitische Organisationen. Genauso wie IS, Nusra, BokoHaram, Al Schabab und viele mehr.
Wieso Sie annehmen dass die saudischen Schiiten planten ähnliche Organisationen zu gründen hätte ich gerne erläutert.
Und was wäre an einer Spaltung von SA so schlimm? Finden Sie den derzeitigen Zustand, in dem saudische Schiiten brutalstmöglich unterdrückt werden für diese dauerhaft zumutbar? Was wäre Ihr Lösungsvorschlag für die saudischen Schiiten?

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