Forum: Politik
Andrea Nahles und die SPD-Dauerkrise: Irgendwie durch
HAYOUNG JEON/ EPA-EFE/ REX

Die SPD sucht nach Erklärungen für das Wahldebakel. Parteichefin Nahles steht enorm unter Druck, bekommt aber zunächst eine Schonfrist. Woran liegt das?

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thomas_rettenmund 27.05.2019, 22:03
50. Es ist völlig egal mit welchen Erklärungen man jetzt auffährt...

Sowohl die SPD wie auch die CDU/CSU haben schlicht und einfach in den letzten Legislaturperioden keine echten, konkreten Antworten und vor allem Taten auf den Weg gebracht. Kleine Ausnahme mögen sichtbar sind und sogar Hubertus Heil bemüht sich krampfhaft um etwas Konkretes. - Zuviel blieb einfach im Konjunktiv!
Politik heisst vorausschauend handeln bevor der Druck der Aktualität zur Not wird. Da haben die etablierten Parteien schlicht und einfach geschlafen und sich in Ihrer "Einmaligkeit" gesonnt.

Die gefühlte Situation hat sich in der Bevölkerung rapide verändert. Die einzige Partei, die nicht mit ständig den alten Gesichtern und Parolen auftritt ist tatsächlich die Gründe Partei.
Die Zukunft kann man(n) nicht mit den Mitteln der Vergangenheit gestalten, oder anders rum meinte Einstein treffend: "Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind".

Wenn ich nur schon an das Mantra der "Schwarzen Null" denke wir mir echt speiübel.

Es gab einmal eine Zeit, da war Deutschland für uns Nachbarn Vorbild an Schaffenskraft, Unternehmergeist. Wo sind diese Tugenden geblieben?

Ein maroder ÖV, Bauskandale wie BER oder Stuttgard 21 usw. eine Infrastruktur die bald an ein Entwicklungsland erinnert, Skandale und Wirtschaftsbetrügereien in der Welt der Banken und Autoindustrie, endlos wird die Aufzählung.

Aussenpolitisch mag die Kanlerin der Fels in der Brandung darstellen wollen, aber wo sind die Visionen? Man kann nicht mit deklaratorischen Parolen Europa neu positionieren! Mag man mit den Vorschlängen von Macron einverstanden sein oder nicht. Aber das Ausbleiben konkreter, eigener Vorschläge ist beschämend.

Und nun, die Wähler haben die Quittung für dieses Lamentieren präsentiert. Jetzt werden wieder "Klausurtagungen" verordnet und was wir deren Resultat sein? Weiter so?

Die junge Generation wird das scharf beobachten. Die Antworten stehen noch aus. Letztes Wochenende haben die etablierten Parteien einen Warnschuss erhalten. Geschieht nicht Wesentliches, wird die nächste Salve deren Abdankung bedeuten. Vielleicht braucht es das wirklich.

PS: Als "echter 68-er" finde ich das gut so!

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endederwelt 27.05.2019, 22:09
51. Radikalkur

der Niedergang der SPD begann mit Gerhard Schröder und seiner Agenda 2010, mit dem damit eingeleitetem Niedergang des Sozialstaates, mit der Einführung der Hartz IV Reformen, mit dem Verrat Aller Werktätigen. Damit ist das Image der SPD auf lange Zeit ramponiert und ich vermute, wahrscheinlich dauerhaft. Weder Herr Gabriel, noch Herr Schulz , geschweige denn Frau Nahles werden an dieser Tatsache irgendetwas ändern können. All diese Einschnitte in das soziale Gefüge sind in dem Bewusstsein der Menschen so stark eingeprägt, dass, trotz gut gemeinter Versuche, wie die Einführung des Mindestlohns , Ausbau der Kitaplätze, Einführung einer Grundsicherungsrente etc. etc., die SPD als Volkspartei nicht mehr existent bleiben wird.
Vielen Dank Herr Schröder !

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dafe 27.05.2019, 22:14
52. dieses geifernde spd- bashing

hier geht doch an der sache voellig vorbei. gut, es keinen telegen laechelnden kinderbuchautor, der fluegelstreit ist nun mal normalitaet, ansonsten musste es halt die spd sein, die den schnitt im sozialstaat vornimmt, wer auch sonst, angesichts der kraeftearithmetik im bundestag. die groko wurde von den waehlern verursacht, oder findet irgendjemand eine tolerierte minderheitenregierung besser? pfruendenwirtschaft kann man der schrumpfenden spd, eingekeilt zwischen der lifestyle buergerini gruene, den linken und seit merkel auch noch der cdu wirklich nicht ernsthaft vorwerfen. ich kann das politische arbeitsergebnis bis jetzt nicht anders als respektabel bezeichnen.

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zeichenkette 27.05.2019, 22:15
53. Das ist ja nicht nur in Deutschland so

Den Sozialdemokraten in ganz Europa geht es so. Die SPD müsste tief in ihrer Geschichte herumwühlen und endlich wieder herausfinden, was "Sozialdemokratie" mal hieß und wann und warum sie den Kontakt zu den Wählern verloren haben. Das tut dort aber niemand, weil es keiner kann. Diese Partei hat keinen politischen Knochen mehr im Leib nach jahrzehntelanger blosser Verwaltung von als selbstverständlich empfundenen Positionen und Posten. Es kann hier gar nicht darum gehen, in Themenfeldern zu wildern, die andere schon viel besser und glaubwürdiger und länger bestellen, die SPD müsste herausfinden, wie und warum Dinge wie soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz und zukunftsfähige internationale Politik ihr Thema sein können. Das muss erst irgendwie verankert und begründet werden, bevor die Wähler ihnen da irgendwas abnehmen, denn dazu müssten die SPD-Mitglieder und -Politiker erstmal selber dran glauben. Einfach nur "wir müssen dieses und jenes vertreten, damit uns mehr Leute wählen" reicht einfach nicht. Die Leute wollen nicht mit einer Marketingmassnahme das Produkt Sozialdemokratie verkauft bekommen, sie wollen Leute und Parteien, die eine Vorstellung von der Zukunft haben und wie wir das umsetzen und das fehlt den Sozialdemokraten selber völlig. Die glauben ja noch nicht einmal an sich selber und da hilft alles hin- und herschieben von Personalien überhaupt nicht weiter. Die SPD braucht eine Grundsatzdiskussion und zwar eine ergebnisoffene, produktive Diskussion mit Ergebnissen. Ob Nahles nicht weiß, was Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert heißen soll oder es irgendwer anders nicht weiß, macht überhaupt keinen Unterschied.

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Fuscipes 27.05.2019, 22:18
54.

"Wird D wieder mal eine Gefahr für Europa, indem man sich weltvergessenen Ideologen anschliesst?", weil unter anderem die SPD und die CDU einen neoliberalen Kurs fahren haben wir dieses Desaster in Europa, und weil so vieles nicht stimmt, erstarken die Nationalisten, in Großbritannien, Frankreich, Italien, Ungarn, Polen, Österreich, nur auf europäischer Ebene und darüber hinaus lassen sich Zukunftsprobleme angehen.
Die SPD würde für Europa gebraucht, aber im derzeitigen Zustand ist sie zu gar nichts.

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Aberlour A ' Bunadh 27.05.2019, 22:19
55. Die SPD hat schlicht ihre Daseinsberechtigung verloren?

Zitat von bert1966
Die SPD hat schlicht ihre Daseinsberechtigung verloren. Ehemals vermeintlich SPD-spezifische Positionen wurden längst von der CDU, den Grünen oder der Linken besetzt. Jeder Versuch, diese Territorien für sich zurückzuerobern führt zu Ärger mit den Noch-SPD-Wählern und deren Verlust am jeweils entgegengesetzten politischen Rand, denn da gibt es mittlerweile ja immer eine bessere Alternative. Tutet Kevin Kühnert in das marxistische Enteignungshorn, dann schreckt das die Realos der Seeheimer Fraktion und treibt sie in die Arme von Grünen und CDU, das haben wir in den jüngsten Umfragen sehr deutlich gesehen. Folgt die SPD dem Impuls, mehr in die Mitte zu rücken, dann verliert sie ihre Wähler am linken Rand an die SED-Nachfolger. Daneben erwachte mittlerweile eine vergleichsweise große Gruppe eigentlich desinteressierter, mindestens politisch ungebildeter Menschen, die nie in Kategorien von rechts oder links dachten, sondern nur in tumben nationalistisch-egoistischen Kategorien. Konnten diese Deprivierten bislang von den Volksparteien noch weitgehend aufgesogen werden, oder trauten sich diese Dummen, Unverschämten und Nationalistischen aus Gründen der Selbsterkenntnis nicht aus ihrer Deckung, so melden sich diese mittlerweile wieder lautstark zu Wort und belasten Wahlausgänge zusätzlich.
Ich finde nicht, dass die SPD "schlicht ihre Daseinsberechtigung verloren" hat. Man muss auch zugeben, dass es die SPD nicht einfach hat. Die faulen Kompromisse der GROKO gehen allein zu ihren Lasten.
Das Problem der SPD ist einfach, dass ihre Kernthemen nicht mehr die Strahlkraft früherer Jahrzehnte haben. Umweltprobleme stehen heute - völlig zurecht übrigens - mehr im Mittelpunkt als die alten Kernthemen der SPD. Die SPD betreibt einfach zu viel Wischiwaschi-Politik. Da sind die Grünen einfach überzeugender. Und dann kommt noch dazu, dass sich die Partei unter Marketinggesichtspunkten katastrophal aufgestellt hat. Scholz - eine Schlaftablette. Nahles - kommt einfach zu unsympathisch rüber. Und die zweite Reihe ist einfach farblos hoch drei. Da wünscht man sich ja fast schon Sigmar Gabriel zurück. Vielleicht ist ja zukünftig grün-rot-rot wieder mal mehrheitsfähig. Mit einem Grünen Kanzler natürlich.

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christianu 27.05.2019, 22:22
56. Als Rentner- und Gewerkschaftspartei kann man nur verlieren

Die SPD setzt sich mit voller Kraft für Rentenerhöhungen und Arbeitsplatzsicherung ein, koste es, was es wolle. Niemand fragt ernsthaft, ob die Maßnahmen zukunftsgerichtet sind, am aller wenigsten die Parteichefin Andrea Nahles. Die versteht das nicht einmal. Warum soll man diese Partei noch wählen? Junge Leute werden betrogen, Menschen im mittleren Alter durch hohe Sozialkosten verprellt, und Senioren sind nicht nur Rentenempfänger, sondern häufig auch Eltern und Großeltern. Die SPD wird untergehen.

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Archie69 27.05.2019, 22:37
57. Zu #44 dagtaris

Bei sozialer Gerechtigkeit geht es doch nicht nur um arm und reich, sondern auch um Stadt/ Land, Ost/West, alt/ jung. Z.B gibt es kaum ein Land in Europa in dem der Bildungsabschluss der Kinder so stark vom Stand der Eltern abhängt wie in Deutschland. 30 Prozent der Einwohner in Deutschland sind mittlerweile von Infrastruktur wie Nahverkehr, schnellem Internet etc abgehängt.

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schlüsselkind 27.05.2019, 22:51
58.

Man kann es drehen und wenden wie man möchte: Wahlentscheidungen hängen extrem auch an den Persönlichkeiten, die man mit einer betreffenden Partei verbindet. Andrea Nahles hat m.E. frühzeitig das Problem gehabt, eher polternd, teils trotzig, teils görenhaft (das „es gibt auf die Fresse“ und andere Äußerungen) aufzutreten. So stellen sich viele Menschen eben auch keine (potentielle) Kanzlerkandidatin vor - und das ist (ok: war) man nun mal auch, als Spitzenkandidatin der SPD. Sie ist keine Person, mit der sich eine breite Masse identifizieren kann. Dass das (leider) auch eine Typfrage ist, mag hart sein, ist aber Realität. Sie sollte m.E. schnell den Weg freimachen. Und zwar ohne Pöstchenschieberei noch auf irgendwelche Ministerposten o.ä.

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toninotorino 27.05.2019, 22:58
59. Nee,

Zitat von endederwelt
der Niedergang der SPD begann mit Gerhard Schröder und seiner Agenda 2010, mit dem damit eingeleitetem Niedergang des Sozialstaates, mit der Einführung der Hartz IV Reformen, mit dem Verrat Aller Werktätigen. Damit ist das Image der SPD auf lange Zeit ramponiert und ich vermute, wahrscheinlich dauerhaft. Weder Herr Gabriel, noch Herr Schulz , geschweige denn Frau Nahles werden an dieser Tatsache irgendetwas ändern können. All diese Einschnitte in das soziale Gefüge sind in dem Bewusstsein der Menschen so stark eingeprägt, dass, trotz gut gemeinter Versuche, wie die Einführung des Mindestlohns , Ausbau der Kitaplätze, Einführung einer Grundsicherungsrente etc. etc., die SPD als Volkspartei nicht mehr existent bleiben wird. Vielen Dank Herr Schröder !
Der "Niedergang" der SPD kam mit der Aktiengeilheit in den 80er Jahren. Die SPD ist eine Roots-Partei. Gegen die Geilheit auf Aktien und easy Money, kamen sie nicht gegenan.

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