Forum: Politik
Angewandte Sozialdemokratie: Nehmt's den Armen und gebt's den Reichen
Ralph Orlowski/ REUTERS

Kaum ein Thema bewegt Sozialdemokraten so sehr wie die steigenden Mieten. Kleiner Schönheitsfehler: Ausgerechnet die von der SPD favorisierte Europapolitik ist für den Irrsinn am Immobilienmarkt verantwortlich.

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pmhausen 09.05.2019, 20:51
120. Das Auge des Geldes ...

Weshalb hat eigentlich „der Anleger“ ein Anrecht darauf, dass sich sein Geld ohne weiteres Zutun vermehrt? Geld arbeitet nicht ...

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mother_sky 09.05.2019, 20:52
121. Wer ist schon frei von Vorurteilen?

Zitat von chense90
Ihr werft Herrn Fleischhauer immer vor Konservativ zu sein (bisweilen ist er dann Afd-Fan oder Nazi) ... was ihr verkennt ist, dass ein Medium alle Strömungen bedienen sollte ... Ich als doch sehr konservativer Mensch lese den Spiegel und SPON gerne weil dort noch relativ vorurteilsfrei geschrieben wird obwohl es ja "Linkstendenzen" gibt ... würde man Herrn Fleischhauer rausschmeissen wäre unter den Kolumnisten die im Gegensatz zur restlichen "Seriösen" Berichterstattung wirklich stärker nach links tendieren kaum mehr ein Gegengewicht da ... dies würde fehlen ... denn am Ende werden sich Lösungen nur unter Abwägung aller Ansätze finden lassen
Zum Beitrag Nr. 105: Sie sind also der Meinung, im SPIEGEL und auf SPON werde "noch relativ vorurteilsfrei geschrieben", wenngleich es "Linkstendenzen" gebe. Dazu möchte ich nur sagen: Wer frei ist von Vorurteilen, der werfe den ersten Stein! Außerdem bzw. im Übrigen war es die Devise des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein, stets Haltung zu zeigen. Und der SPIEGEL, der groß wurde durch die Enthüllung politischer Affären, war von Anfang an bzw. schon immer ein linksliberales Blatt mit einer besonderen Schreibe, nämlich einer Mischung aus Bericht und Meinungsmache. Wer abwich von der herrschenden Meinung der SPIEGEL-Redaktion, der wurde gegangen bzw. höflichst gebeten, sein Glück doch bei einem anderen Blatt zu suchen, und wechselte, wie beispielsweise Stefan Aust, nicht selten zur rechts der Mitte angesiedelten Konkurrenz. Insofern passt Jan Fleischhauers leicht nach rechts driftende spitze Feder, mit der er sich immerzu über die Welt lustig macht, eher zur WELT und weniger zum stets nur nüchterne "Fakten, Fakten, Fakten" in den Vordergrund stellenden FOCUS. Ob er sich jemals wirklich wohlgefühlt hat bei SPIEGEL und SPON, wird er selbst am besten wissen.

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Aberlour A ' Bunadh 09.05.2019, 20:57
122. Mythos der bösen EZB-Geldpolitik

Zitat von pygmy-twylyte
Erstens: Den unteren Einkommensschichten ist es wegen der hohen Lebenshaltungskosten kaum oder nur sehr schwer möglich, zu sparen. Zweitens: Die EZB-Niedrigzinspolitik, gedacht als Instrument zur Zurückführung der südlichen Staaten der Euro-Zone auf Wachstums- und Beschäftigungskurs, hat einerseits zu einem vermehrten Immobilienerwerb geführt, andererseits aber auch zu einem dramatischen Anstieg der Immobilienpreise, vor allem in den vergangenen drei Jahren, insbesondere in den Ballungsgebieten. Heißt unter anderem: Der Vorteil des billigen Geldes wird durch die gestiegenen Immobilienpreise zunichte gemacht. Drittens: Die negativen Auswirkungen der "draghischen" Geldpolitik durch Niedrigzinsen (für die Sparer und die Altersvorsorge) und Anleiheaufkäufe haben nicht nur die von Fleischhauer ins Visier genommenen Sozialdemokraten, sondern auch die Christdemokraten nicht frühzeitig genug erkannt, bzw., es stehen sowohl Sozial- als auch Christdemokraten der "Quasi-Diktatur" bzw. der verdeckten und offenen Staatsfinanzierung seitens der EZB machtlos gegenüber. Viertens: Unter Berücksichtigung der ersten drei genannten Punkte kritisiert Fleischhauer zu Recht die an Schizophrenie grenzenden Parolen der SPD-Europakandidatin Katarina Barley. Ein Schlamassel selbst mit zu verursachen, im Wahlkampf aber dagegen populistisch anzugehen, um gewählt zu werden, das geht nun überhaupt nicht. Fünftens: Darf sich die SPD angesichts ihrer seit Gerhard Schröder gegen den kleinen Mann gerichteten Politik über den zunehmenden Verlust an Vertrauen und Stimmen bzw. ihren unaufhörlichen Abstieg wundern?
Nochmal: die Fleischhauerschen Thesen könne das Wasser vorne und hinten nicht halten: "Denn wie Studien der Bundesbank zeigen, haben 40 Prozent der deutschen Haushalte praktisch kein Nettovermögen. Für diese Haushalte macht es also keinen Unterschied, ob die Zinsen bei null oder zehn Prozent liegen - wer kein Erspartes hat und sein gesamtes Monatseinkommen für den Lebensunterhalt ausgeben muss, der hat auch von höheren Zinsen keinen Vorteil. Mehr noch, über zehn Prozent der ärmsten Haushalte sind netto verschuldet. Die niedrigeren Zinsen helfen diesen Menschen, ihre Schulden etwas besser bedienen zu können. Kurzum, die EZB-Geldpolitik hat über Nettozinseinkommen die Ungleichheit in Deutschland tendenziell eher reduziert." Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in der "Zeit" (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/europaeische-zentralbank-geldpolitik-zinspolitik-fratzscher/seite-2).
Für die überhöhten Mieten in den Städten IST EINE VERFEHLTE WOHNUNGSBAUPOLITIK in Deutschland verantwortlich, nicht die EZB. Und auch Deutschland hat natürlich makroökonomisch von der EZB-Politik profitiert, weil das "Jobwunder" in der vom Export abhängigen Deutschen Wirtschaft sonst niemals möglich gewesen wäre. Somit wurde mittelbar - über makroökonomische Einkommenseffekte - auch einkommenschwachen Schichten, über mehr Beschäftigungsmöglichkeiten, durch die EZB-Politik geholfen.

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schramkl 09.05.2019, 21:04
123. Mieten

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis; gerade und besonders auch für Wohnraum. Da sich das Angebot nicht so ohnewas vergrößern lässt ohne dass jemand „Zersiedelung der Landschaft“ schreit, muss man halt mal was bei der Nachfrage machen. Bei tendenziell abnehmender deutscher Bevölkerung ist klar , was ich meine. Hr. Fleischhauer bespricht hier nur einen „Nebenkriegsschauplatz“.

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rurei 09.05.2019, 21:10
124. So ist es, wie kam es dazu?

Zitat von mantrid
...auch wenn er teilweise falsch argumentiert. Draghis Geld aus der Druckerpresse haben natürlich nicht die ärmeren Bevölkerungsschichten in Europa bekommen, sondern in erster Linie die Banken. Inzwischen ist das soviel Geld, dass nicht nur Kredite an Pleite-würdige Firmen gegangen, sondern muss irgendwie verliehen werden, wenn die Banken keine Strafzinsen zahlen wollen. Immobilien sind recht sicher, in Deutschland noch sicherer, also wird bei uns gerade eine Immobilienblase aufgepumpt. Hätte man einige Banken oder gar Staaten pleite gehen lassen, wäre das Geld aus dem Markt verschwunden. So zahlen vor allen Dingen deutsche Sparer die Zeche und inzwischen auch die Mieter.
Wer erinnert sich noch an die Kreditklemme?
Ein paar alte Schlagzeilen von damals (googlen):
-> Es sind eher überschuldete Unternehmen beziehungsweise hohe Kreditrisiken, die in den Peripherieländern eine Ausweitung der Kreditvergabe verhindern
-> Allerdings horten die Banken das billige Zentralbankgeld statt es an kreditsuchende Firmen weiterzuleiten. Inzwischen zahlen die Institute die langfristigen Kredite sogar an die Zentralbank zurück.
-> EZB-Kampf gegen Kreditklemme, Draghis Experiment: Draghi macht den Banken Druck. Es will die EZB Geldströme im Volumen von mehreren Hundert Milliarden Euro zielgerichtet dorthin leiten, wo es am meisten hakt: in die Unternehmen und Privathaushalte, die vor allem in Südeuropa schon seit Jahren darunter leiden, dass risikoscheue Banken ihnen nicht genug Kredit geben. Viele Banken lehnten das Angebot ab.
-> Finanzminister Peer Steinbrück hat die Bundesbank ins Spiel gebracht: Statt den Umweg über die Geschäftsbanken zu wählen, könnten die Währungshüter Kredite direkt an die Unternehmen vergeben.
-> Der Präsident des Sparkassenverbandes hat der Europäischen Zentralbank vorgeworfen, das Finanzsystem zu gefährden. Die Märkte könnten das Geld nicht mehr aufnehmen !!!

Es funktioniert "so" nicht !!!!!!!!!!!!!!!!

Sind es nun die Banken oder die Politiker mit „ihren“ Notenbanken?
Die vorgeschriebene Einlagensicherung der Banken wird nicht mehr reichen wenn die Zombies zusammenkrachen. Aber man wird wieder den Banken die Schuld geben. Einer wir nicht schuld sein: Die Politiker mit „ihren unabhängigen“ Notenbanken.

Niemals vergessen das !
Jetzt heißt es nur noch: Sicherheit!

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dasdauertaber 09.05.2019, 21:14
125. Ohne Fleischhauer...

...wird dem Spon was fehlen. Schade dass Spon ihn gehen lässt. Für mich Grund genug, demnächst nach Jahrzehnten mal wieder beim Focus reinzuschauen.

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Aberlour A ' Bunadh 09.05.2019, 21:19
126. Ihr werft Herrn Fleischhauer immer vor konservativ zu sein?

Zitat von chense90
Ihr werft Herrn Fleischhauer immer vor Konservativ zu sein (bisweilen ist er dann Afd-Fan oder Nazi) ... was ihr verkennt ist, dass ein Medium alle Strömungen bedienen sollte ... Ich als doch sehr konservativer Mensch lese den Spiegel und SPON gerne weil dort noch relativ vorurteilsfrei geschrieben wird obwohl es ja "Linkstendenzen" gibt ... würde man Herrn Fleischhauer rausschmeissen wäre unter den Kolumnisten die im Gegensatz zur restlichen "Seriösen" Berichterstattung wirklich stärker nach links tendieren kaum mehr ein Gegengewicht da ... dies würde fehlen ... denn am Ende werden sich Lösungen nur unter Abwägung aller Ansätze finden lassen
Ich würde Herrn Fleischhauer niemals vorwerfen, konservativ zu sein.
Es kann ja Spaß machen, mit Konservativen, die was auf dem Kasten haben, zu diskutieren. Aber was Fleischhauer macht, ist billigste konservative Polemik. Eigentlich tragisch für so ein Qualitätsmedium wie dem Spiegel. Wieso kann man seitens SPON nicht einen "serösen" Konservativen für so eine Kolumne verpflichten? Er muss ja nicht gleich die Dr. Rainer Barzel-Gedächtnismedaille vorweisen können.

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Aberlour A ' Bunadh 09.05.2019, 21:35
127. er wird mir fehlen?

Zitat von dasdauertaber
...wird dem Spon was fehlen. Schade dass Spon ihn gehen lässt. Für mich Grund genug, demnächst nach Jahrzehnten mal wieder beim Focus reinzuschauen.
War mir gar nicht bewusst, dass Fleischhauer zum Focus geht. Da der Focus aber schon immer der "Spiegel für Arme" war, kann er ja jetzt die in seiner Kolumne angedeutete Politik für Arme machen. So, das war jetzt ausnahmsweise mal ein Beitrag auf Fleischhauer-Niveau von mir. Ein billige Polemik eben. Jetzt wird mir auch klar, warum Fleischhauer eine so kurze Kolumne geschrieben hat. Er übt schon mal für den Focus. Also mehr Bildchen, kaum Text.

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pygmy-twylyte 09.05.2019, 21:54
128. Wann endlich wird die Politik tätig?

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
Nochmal: die Fleischhauerschen Thesen könne das Wasser vorne und hinten nicht halten: "Denn wie Studien der Bundesbank zeigen, haben 40 Prozent der deutschen Haushalte praktisch kein Nettovermögen. Für diese Haushalte macht es also keinen Unterschied, ob die Zinsen bei null oder zehn Prozent liegen - wer kein Erspartes hat und sein gesamtes Monatseinkommen für den Lebensunterhalt ausgeben muss, der hat auch von höheren Zinsen keinen Vorteil. Mehr noch, über zehn Prozent der ärmsten Haushalte sind netto verschuldet. Die niedrigeren Zinsen helfen diesen Menschen, ihre Schulden etwas besser bedienen zu können. Kurzum, die EZB-Geldpolitik hat über Nettozinseinkommen die Ungleichheit in Deutschland tendenziell eher reduziert." Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in der "Zeit" (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/europaeische-zentralbank-geldpolitik-zinspolitik-fratzscher/seite-2). Für die überhöhten Mieten in den Städten IST EINE VERFEHLTE WOHNUNGSBAUPOLITIK in Deutschland verantwortlich, nicht die EZB. Und auch Deutschland hat natürlich makroökonomisch von der EZB-Politik profitiert, weil das "Jobwunder" in der vom Export abhängigen Deutschen Wirtschaft sonst niemals möglich gewesen wäre. Somit wurde mittelbar - über makroökonomische Einkommenseffekte - auch einkommenschwachen Schichten, über mehr Beschäftigungsmöglichkeiten, durch die EZB-Politik geholfen.
Was Marcel Fratzscher sagt, will ich gar nicht bestreiten: Geringverdiener, praktisch ohne Nettovermögen und teils verschuldet, profitieren letztlich sogar von der Niedrigzinspolitik der EZB. Fratzscher in der "Zeit": "Kurzum, die EZB-Geldpolitik hat über Nettozinseinkommen die Ungleichheit in Deutschland tendenziell eher reduziert." Sparer und Altersvorsorgetreibende jedoch profitieren nicht von der EZB-Politik, ganz im Gegenteil. Und: Vor allem in den Ballungszentren haben sich die Immobilien enorm, ja dramatisch verteuert. Es bedarf besonderer Rechenkünste, um herauszukriegen, ob sich trotz billigen Geldes der Erwerb einer teuren, ja überteuerten Immobilie auch wirklich lohnt. Und natürlich haben Sie recht, wenn Sie sagen, eine verfehlte Wohnungsbaupolitik in Deutschland sei verantwortlich für überhöhte Mieten in Städten. Als Beispiel möge Berlin dienen, wo städtische Wohnungen privatisiert und der soziale Wohnungsbau gedrosselt wurden, wie übrigens auch in anderen deutschen Städten. Der anhaltende Zustrom zu den Ballungszentren sowie der Zuzug von Migranten hat die Situation der Wohungsuchenden und Mieter zudem dramatisch verschlechtert. Aufgabe der Politik wäre es, endlich Nägel mit Köpfen zu machen, d.h. neben echten Mietpreisbremsen Anreize zum Bau von Wohnungen zu schaffen, beispielsweise durch Abschreibmöglichkeiten, Bezuschussungen, Entlastungen etc., sowie insbesondere den Bau von Sozialwohnungen (verstärkt) in Angriff zu nehmen (Fördertopf für die Kommunen).

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rurei 09.05.2019, 22:00
129. Keiner will hier eine Mauer bauen:

Druckerpresse ist nicht QE (Quantitative Ease = Ankauf von Anleihen von Staaten und Unternehmen auch Nullzinspolitik):
Druckerpresse kommt, auch extensiv, bei den Leuten an und frisst Schulden auf, weil es Inflation verursacht.
QE kommt bei den Leuten nicht an; der Ankauf von Anleihen hält Zombiefirmen am Leben (das heißt schlechte Kredite, darum wehren sich die Banken), brechen diese zusammen haben wir die Katastrophe, denn es reißt die guten Firmen mit; katastrophal ist: Der Anleihenmarkt ist jetzt schon vernichtet; Nullzinspolitik schmälert Rücklagen und Altersvorsorge (machen sie noch Riester?); die Folge ist Deflation, der schlimmste Fall.
Am besten wäre natürlich, man braucht beides nicht.
Aber, ist die Situation nun mal so, wie sie ist, wäre Druckerpresse noch besser.
Denn Druckerpresse mach zwar Inflation, von Schuldenstaaten gewünscht, aber keine „Hyper“„Inflation. Hyperinflation kommt von Vertrauensverlust, wenn das Geld auf der Suche nach nur noch Sicherheit davonläuft (inkl. auch von außen hier niemand mehr was ausgleicht, das Geld läuft genauso davon).
Nochmals: Am besten wäre natürlich, man braucht weder Druckerpresse noch QE, aber:
Angesichts der aktuellen Situation in der EU ist die deutsche Austeritätspolitik tatsächlich die maximale Katastrophe.

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