Forum: Politik
Angewandte Sozialdemokratie: Nehmt's den Armen und gebt's den Reichen
Ralph Orlowski/ REUTERS

Kaum ein Thema bewegt Sozialdemokraten so sehr wie die steigenden Mieten. Kleiner Schönheitsfehler: Ausgerechnet die von der SPD favorisierte Europapolitik ist für den Irrsinn am Immobilienmarkt verantwortlich.

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Richard.M 09.05.2019, 17:55
40. Draghi ist nur mit dem Strom geschwommen

Es gibt so was wie ein natürliches Zinsniveau, das sich aus Angebot und Nachfrage nach Kapital ergibt. Wenn die Wirtschaft schwächelt (Immo-Krise, Demographie, Sparkurs), es aber noch genug wohlhabende Menschen und Institutionen gibt, die Geld anlegen wollen, fällt dieser Zinssatz entsprechend niedrig aus. Eine Zentralbank kann diesen Satz entweder unterbieten (dann gibt's Wirtschaftswachstum, erkauft mit Inflation - klappt aber nicht, wenn der natürliche Zinssatz schon um die 0 liegt), oder überbieten (dann wird die Wirtschaft gezügelt - will man nicht bei Arbeitslosenquoten im zweistelligen Bereich in Italien, Spanien, Griechenland), oder man schwimmt mit dem Strom und passt sich dem natürlichen Zins an. Das hat die EZB gemacht und damit erreicht, dass der ganze Laden nicht auseinanderfliegt, trotz des Spar-Diktats von Schäuble und Merkel. Das jetzt der SPD vor die Füße zu kippen ist Unfug.

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carbon_smith 09.05.2019, 17:57
41. Sehr, sehr schwach...

Kausalketten die irgendwo mittendrin dicke Löcher haben; Arme die sparen können; Mieten der Bestandsimmobilien die steigen, weil die Investoren von Neubauten zu viel Geld ausgeben können; SPD/Barley als Verursacher der Finanzkrise und Bankenrettung. Lieber bald Focus Fleischhauer, tut mir natürlich leid, das sie in Lebensversicherungen investiert haben, bezweifle aber, dass das der Fehler von Frau Barley war....

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hannesmann 09.05.2019, 17:59
42.

Zitat von halverhahn
Ich kann mich mit Draghis Zinspolitik auch nicht richtig mit anfreunden. Doch auch wenn man sich in D darüber beklagt. Mit dieser Politik hat man den ärmeren EU-Ländern wie u.a. Spanien, Portugal und Co. geholfen. Was wäre denn die Alternative gewesen? Die u.a. halbe südliche EU wäre womöglich quasi pleite gegangen und dann hätten wir zig Male Griechenland gehabt... Was dann?! EU wäre dann wohl Geschichte. Oder hatte D für alle wieder die Kohlen ausm Feuer holen sollen a la Griechenland-Rettung?!! Ne Herr Fleischhauer, hier beim Thema liegen Sie falsch bzw. das ist reines Schwarz-Weiß-Denken. Sorry Thema verfehlt, setzen!!
Die von Ihnen genannten Länder zzgl. Irland wurden über den ESM gerettet und nicht durch die EZB. Es ist eben nicht Aufgabe der EZB Länder der Eurozone zu retten sondern den Euro stabil zu halten. Sehen Sie sich mal die Entwicklung des Außenwertes des Euro gegenüber dem Dollar an, dann sehen Sie wie viel Wert der Euro neben der Inflation verloren hat seitdem Draghi sein Unwesen treibt. Für Investoren aus dem Dollarraum sind Immobilienkäufe durch den aufgeweichten Euro zu einem Schnäppchen geworden. Dadurch ist viel spekulatives Geld vorrangig nach Deutschland geflossen und hat die Preise in den Himmel getrieben.

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yogi65 09.05.2019, 18:00
43. Steile These

Na ja, jetzt die SPD in Person von Frau Barley für die unerfreuliche Niedrigzinspolitik des Herrn Draghi verantwortlich zu machen ist dann doch etwas zu billig. Das ist offensichtlich eher von einer tief sitzenden Abneigung gegen alles politisch links der rechten Mitte Liegende geleitet. Tatsache ist, das der typische SPD-Wähler zwar nicht von den niedrigen Zinsen profitiert, weil er nicht der typische Häuslebauer ist, aber auch nicht so sehr unter den geringen Zinsen leidet weil er i.d.R. auch andere Probleme als sein Geld anzulegen hat. Natürlich leidet er unter steigenden Mieten. Allerdings würden die vermutlich noch stärker steigen wenn nicht so extrem viele gebaut werden würde. Also was außer SPD-Bashing soll der Beitrag?

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Realist111 09.05.2019, 18:00
44. Der Widerspruch liegt darin, ...

Zitat von westgigi
Kann ich nicht sowohl die Niedrigzinspolitik prinzipiell für notwendig erachten, als auch deren negativen sozialen Folgen abfedern wollen?
... dass das Eine gemacht wird ( darüber, ob's nun notwendig ist oder nicht, streiten sich die Gelehrten ) und beim Anderen das "Wollen" nicht ausreicht ...

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rocky_heike 09.05.2019, 18:00
45.

Sehr geehrter Herr Fleischhauer: Schreiben Sie doch bitte mal einen Beitrag zu einem entscheidenden Satz aus unserem Grundgesetz: "Eigentum verpflichtet". Es ist ja schön, wenn sie Herrn Draghi kritisieren. Aber bitte: Ich warte auf eine Antwort. Ich warte schon sehr lange darauf.

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lazyfox 09.05.2019, 18:01
46. Ein ungemein sympathischer unsinniger Artikel

Zum einen sugeriert der Artikel, dass Barley im Besonderen mit Schönsprech statt mit Fakten und konkreten Zielen ihren Wahlkampf führt. Das kann uns nicht gefallen, da stimme ich zu. Aber so zu tun als wäre das ein Barley Problem ist unfair. So agieren doch 95 % der Wahlkämpfer und an erster Stelle unsere Bundeskanzlerin. Nur nicht festlegen, ist seit Jahren die Devise der Politiker. Noch schlimmer finde ich die Unterstellung, die 0-Zins-Politik von Dragi hat die Mieten hoch getrieben. Das ist im einfachen wirtschaftlichen Kontext nicht erklärbar. Denn mehr bauen führt zu mehr Wohnraum und dies würde unter normalen Umständen Mieten verbilligen. Leider - und da ist sicher nicht die SPD allein schuld - führen die unsinnigen von Lobbygruppen getriebenen Bestimmungen und Regulierungen des Marktes zu solchen Verwerfungen. Um solches zu verhindern müssen Regierungen deutlich mehr Marktwirtschaft als Regulativ akzeptieren.

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Schreiber5.1 09.05.2019, 18:02
47. Ist ja klar!

Warum sollte die Partei, die uns Hartz IV und die Agenda-Verarmung bescherte, in diesem Falle besser sein, als unter Schröder? Die sPD ist an mehr als 400 Firmen beteiligt und zum Teil deren Eigentümer! Folglich eine glasklare kapitalistische Partei mit dem Decknamen "Sozial"! Mit sozial hat diese Partei seit Schröder jedoch nichts mehr zu tun! Stattdessen ist sie zur Schatten-CDU verkommen, die allerdings auch keiner braucht. Leute, die diese Richtung wählen wollen, wählen dann lieber das Original, was für das Volk genauso schädlich ist, wie die kapitalistische sPD. Da verwundert es direkt, dass es bei den Jungsozialisten noch den Herrn Kühnert gibt. Erstaunlich, dass sie ihn nicht schon aus der Partei entfernten, obwohl er der zur Zeit wohl vernünftigste Sozialdemokrat ist!

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rurei 09.05.2019, 18:03
48. QE funktioniert nicht, Beweis: Siehe die letzten 10 Jahre:

Keynes zum Ende seines Lebens:
“I find myself more and more relying for a solution of our problems on the (Adam Smith’s) invisible hand which I tried to eject from economic thinking twenty years ago.”
Keynes sagt selbst, dass er falsch liegt.

Denn es ist nur in Ausnahmefällen eine Krise der Nachfrage, z.B. wenn nach Krisen alles wieder in den Startlöchern steht und sich keiner anfangen traut. Eine Geldspritze in den Markt kann dann ein Startschus, ist aber nie mehr als das.
Ansonsten ist es prinzipiell keine Krise der Nachfrage, sondern des Angebots (business cycle). Der Ankauf von Staats- und Firmenanleihen hat den Anleihenmarkt zerstört. Ohne Vertrauen (!!!) ist Nullzinspolitik zur Steigerung der Nachfrage katastrophal, weil das Geld nicht investiert wird und so keine Löhne generiert. Wenn einer was nicht braucht, schon gleich wenn durch die Nullzinspolitik Rücklagen schwinden und Zukunftsängste wie Altersarmut drohen, kann man ihm viel Geld schenken (MMT !!!!!!!!!!), er kauft nicht, maximal ein Strohfeuer. Wir haben Deflation, die Inflation will ums Verrecken nicht anspringen.
Die Märkte können das Geld dann nicht mehr aufnehmen, die Suche nach Sicherheit treibt Immobilien-Blasen und zieht die Mieten nach, was das verfügbare Einkommen blos noch mehr schmälert. Immer (!!!) die Folge dieser Politik: Es erwischt wie immer die Masse.
Wird die Immobilien-Blase als solche erkannt, erfolgt die Flucht in $–Anleihen, so haben die schon inverted yield, die Zinsen der langfristigen sinken, weil sie sich auch so verkaufen. Nichts ist so flüchtig wie Geld, schon gleich wenn nur noch Sicherheit zählt ... und schon gleich, wenn man von Enteignung auch nur spricht. Würden Sie investieren, wo diese nicht sicher ist?
Man kann das als in Erwartung einer Katastrophe bezüglich des Euro werten.
Vor diesem Hintergrund sind auch die Äußerungen des neuen „Großen Vorsitzenden“ zu bewerten: Niemals die Folgen seines unwissenden Handelns nur lokal sehen, immer der selbe Fehler.

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brotfresser 09.05.2019, 18:04
49. Dieser Artikel sollte als Wahlkampfspot gekennzeichnet werden.

Wenn Herr Fleischhauer schon Wahlkampfhilfe machen muss (ist er schon so verzweifelt über die Lage der FDP?), dann sollte er auch dazu stehen.

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