Forum: Politik
Armut in Großbritannien: Als Kris Thomas ohnmächtig zusammenbrach - vor Hunger
Thomas Victor

Großbritannien ist das fünftreichste Land der Welt - doch 14 Millionen Einwohner gelten als arm. Nach der Finanzkrise stieg die Zahl der Tafeln enorm. Die Familie von Kris Thomas hätte sonst keine Chance.

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Mister Stone 21.05.2019, 11:43
10. Kapitalistische Logik

Großbritannien ist das fünftreichste Land der Welt - doch 14 Millionen Einwohner gelten als arm.

Das ist doch kein Widerspruch - im Gegenteil. Die Einwohner verarmen ja nicht, obwohl ihr Land reich ist, sondern weil ihr "Land" (das sind die neoliberalen Regierungen unserer rein kapitalistisch orientierten Staaten) die Einwohner bis zur Revolutionsschwelle (Gelbwesten!) ausbeutet und auspresst. Nur deshalb sind diese Regierungen so reich geworden. Nur so ist es erklärbar, dass hunderte Milliarden Euros für Bankenrettungen quasi aus dem Stand aus den Hemdsärmeln der Regierungen geschüttelt werden - bei gleichzeitig ständig steigendem Armutsrisiko der Einwohner. Hohe Steuern auf Grundkonsum und Arbeit, Niedriglöhne, überhaupt prekär Beschäftigte, Armutsrentner, Verödung der Infrastrukturen, Kinderarmut... Das spart Milliarden für unsere Regierungen und scheffelt ihnen die Kassen voll. Gleichzeitig werden die Kapitaleliten geschont und gepudert. So funktioniert Kapitalismus. Andere Prioritäten gibt es nicht.

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Axel Schön 21.05.2019, 11:46
11. 19. Jahrhundert...

Alles schon mal da gewesen und nichts daraus gelernt. Die harte Hand gegenüber den Armen und Bedürftigen hat es auch schon in anderen Jahrhunderten gegeben und es ist erschütternd zu sehen, dass unsere achso modernen Staaten das "Soziale Problem" fortgesetzt mit Mitteln des 19. Jahrhunderts versuchen "in den Griff" zu bekommen. Ausgrenzung der Menschen ist schleichender Mord an den Armen und Schwachen. Alles aufgrund der Austeritätspolitik und der "so-called" New Economy des Neoliberalismus, der nichts anders bedeuet: Lasst die Löwen, Wölfe und Hyänen sich bereichern bis sie nicht mehr wissen wohin mit ihrem unanständig monströsen Reichtum - und die Armen sind selbst schuld dafür, dass sie arm sind. Sie müssten ja nur selbst auch zu Raubtieren mutieren, dann müssten sie nicht hungern. Das perverse ist am Ende, dass ein paar wenige Superreiche mit einem Rest von Gewissen dann Stiftungen gründen und nach ihrem Gusto einen verschwindend kleinen Teil ihres Reichtums an die Bedürftigen verteilen - um sich dafür feiern zu lassen. Unsere globalisierte Welt ist so kaputt, dass es schon keiner mehr wirklich sehen will. Die Nutznießer sind Populisten aller Lager - allen voran am rechten Rand. Geschichte wiederholt sich gerade weltweit. Auf neue und viel monströsere Weise als je zuvor. Amen.

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Deeds447 21.05.2019, 11:46
12. Es gibt noch andere Gründe, als die Finanzkrise

Als Gerhard Schröder und Tony Blair damals auf einer A4-Seite New Labour begründeten, machte ein paar Jahre später Schröder daraus Nägel mit Köpfen und halbierte die Sozialleistungen. In UK und weiten Teilen der EU, wo damals auch viele Anhänger dieser politischen New Labour "Kultur" regierten, passierte dagegen nichts.
Seit dem letzten Jahr müssen allerdings britische Staatsbürger, die von der Stütze leben (dla, housing benefit) müssen jetzt von einem universal credit leben, auch ähnlich wie damals in Deutschland, wurden diese Leistungen drastisch gekürzt und viele bestehen auch die Nachweise für die Bedürftigkeit nicht mehr, obwohl diese wesentlich harmloser ablaufen als damals in Deutschland. Es gibt z.B. keine örtlichen Kontrollen zu Hause bzw. nur als letzte Stufe der Sanktionierung.
Viele Menschen haben in UK jahrzehntelang vorher von Leistungen gelebt, aber nie direkt oder nur lückenhaft belegt, warum sie arbeitsunfähig sind oder bestimmte Jobs nicht annehmen. Das ist nun vorbei und das ist das Resultat, was in dieser Reportage beschrieben wurde!

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Kritik 21.05.2019, 11:47
13.

Zitat von missourians
Wenn eine Privatperson Geld von den Banken möchte, muss sie sich offenbaren und alles offen legen um zu zeigen dass sie Kreditwürdig sind und sicher das Geld zurück zahlen können.
Aber das ist doch völlig normal. Ich zumindest habe keine Lust, auf Umwegen für Ihren Kredit zu bürgen, bei dem Sie sich übernommen haben.

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Michael Kn 21.05.2019, 11:48
14.

Zitat von brux
Wenn das Kind im Krankenhaus ist, muss man nicht der Arbeit fernbleiben. Man kann Urlaub nehmen und sich mit dem Partner abwechseln.
Ist das auf britische Rechtssprechung so? Ein Urlaubsantrag kann vom Arbeitgeber auch abgelehnt werden. Selbst in Deutschland murren schon Vorgesetzte, wenn Mitarbeiter sich gem. gesetzlichen Rahmen für Ihr Kind krank schreiben lassen. Und bei mehreren Kindern ist auch die Abwechselung mit dem Partner obsolet.

Unsere Gesellschaften sind leider mit zwei Dingen überfordert. Einmal wenn ungelplante Ereignisse auftreten und für normale Menschen (denn die gibt es in der Mehrheit) Arbeiten anzubieten, die diese Leisten können. Und dabei galt mal die Aufteilung der Arbeitsschritte als Meisteridee. Heute werden wieder vermehrt Menschen gesucht, die alles von A-Z beherrschen. Gibt es die nicht, jammern man von Fachkräftemangel.....

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Strai 21.05.2019, 11:50
15. Finde den Fehler

„Auch Kris Thomas vertraut schon lange keinem Politiker mehr, geht zu keiner Wahl. Er sei zwar kein Rassist, sagt er, aber die Ausländer bekämen zu viel Geld, und deshalb ist er für den Brexit.“
Wer nicht wählt, stimmt für die Regierung. Dumm genug. Dann auch noch für den Brexit zu sein, der die Lage der armen Leute noch schlimmer machen wird, ist dann an Dummheit nicht mehr zu überbieten.

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meister_proper 21.05.2019, 11:53
16. Vielen Dank für diesen Artikel!

Es ist wichtig, dass diese Lebensgeschichten erzählt werden! Viele Menschen die im weitesten Sinn dem Mittelstand angehören, haben niemals Kontakt zu den Ärmsten der Gesellschaft und wissen gar nicht, welches Elend diese Mitbürger erdulden müssen. Rechtspopulisten machen sich das Versagen der sozialen Netze zunutze und schüren den Hass auf vermeintliche Schmarotzer. Leider habe ich den Eindruck, dass die etablierten Parteien diese Zustände weitgehend ignorieren und keine Anstrengungen unternehmen, solchen Menschen wieder eine Perspektive zu eröffnen.

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Sportzigarette 21.05.2019, 11:54
17. nicht Schuld der EU!

Zitat von Krokodilstreichler
Kein Wunder, dass die Briten die EU verlassen wollen, wenn man bedenkt, wie sehr der Neoliberalismus hier große Teile der Bevölkerung in die Armut drängt.
Sorry, aber es war Thatcher, die den Gewerkschaften die Macht entzog und GB vom Industrieland zum Finanz- und Dienstleistungsland umgebaut hat. Soziale Absicherung wie in Deutschland gibts da auch nicht. Hat also nichts mit der bösen EU zu tun, sondern einzig mit der Politik in GB. Ein Blick in die Geschichte würde manches Vorurteil gegen die EU ausräumen und ein Blick in die Programme der Parteien zur Europawahl würde auch Ihnen die Augen öffnen, dass es durchaus auch europäische Bestrebungen gäbe, soziaie Ungleichheit in Europa zu überwinden. Glauben Sie ernsthaft, es würde nach einem Austrit aus der EU in GB sozialer werden? Das Gegenteil war der Antrieb einiger Brexitiers, nämlich europäische Vorschfriften bei Kündigung und Arbeitsschutz zu umgehen. Aber es ist ja so schön einfach, alles was in den einzelnen Ländern schlecht funktioniert, auf die EU zu schieben.

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Ökofred 21.05.2019, 11:55
18. aha

Zitat von karov
Ganze Bevölkerungsschichten werden durch das Übergewicht der Finanzindustrie marginalisiert. Nachdem Brexit könnte die Party dort vorbei sein, so dass man wieder auf Menschen wie Kris Thomas zurückgreifen muss.
Und was sollen die dann produzieren, was aus Asien nicht billiger geht? Es fehlt doch die ganze industrielle Basis.

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Haarfoen 21.05.2019, 11:55
19. Thank you Margaret Thatcher!

Wir danken Ronald Reagan und Margaret Thatcher für die Einführung der neoliberalen Doktrin. Menschen wie Kris Thomas müssen maximal knapp gehalten werden. Nur so besteht ein Anreiz, sich im Verdrängungswettbewerb mit anderen Menschen aggressiver durchzusetzen, das muss er halt noch lernen. Wenn er dann vor Hunger zusammenklappt, war das ein gute Lektion, die er nicht vergessen und ihn aktiv halten wird. Die Sache mit der "online" Benachrichtigung und Streichung seiner Bezüge ist sicher nur eine Ausrede. Wer will, der kann. Nur Leistung darf belohnt werden. Wichtig ist, dass Großbritannien eines der fünfreichsten Länder dieser Welt ist. Ein Beweis für eine starke Wirtschaft und Potential für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die neo- liberale Doktrin sieht vor, dass jetzt irgendwann die "invisble hand" erscheint, als Phänomen, das alles zum Guten reichtet. Also Mr. Kris Thomas: Es besteht überhaupt kein Anlass für irgendwelches Gejammer, denn Du musst Dich nur mehr anstrengen und die "invisible hand" wird kommen. Zünde eine Kerze für Margaret Thatcher an und sei froh, dass Dir die Sozialschnorrer zurückgedrängt wurden. Sonst wäre nichts mehr da, absolut nichts mehr - noch nicht einmal eine Tafel mit "baked beans".

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