Forum: Politik
Assange-Verfahren - wie geht es weiter mit WikiLeaks?

Julian Assange ist im Gewahrsam der britischen Polizei. Der von Schweden wegen Vergewaltigungsverdachts gesuchte WikiLeaks-Gründer hat sich in London den Beamten gestellt. Wie geht es nun weiter führ WikiLeaks?

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Thomas Paine 11.12.2010, 10:41
2810. Wir sind an einem Scheideweg angekommen

Ohne dass es wie eine der üblichen Übertreibungen klingen soll, aber jetzt wird sich entscheiden (müssen), wie es mit unserer Welt weiter gehen wird. Werden die allgemeinen Freiheitsrechte gestärkt werden, oder werden dem "unmündigen" Michel die Flügel gestutzt werden? Wird sich wirklich etwas ändern, oder wird jetzt ganz schnell der "Internetführerschein" durch alle relevanten Instanzen durchgejagt werden, aufdass sich viele einfach nicht mehr trauen ihre wahre Meinung, wenn auch nur in einem Forum wie diesem hier, zu verkünden, da sie Nachteile aller Arten (Vorstellunggespräche etc.) in kauf nehmen müssten.

Das hat schon gute Gründe, dass man auf seinem Stimmzettel bei der Wahl (noch) nicht seine Personalien angeben muss, sondern dies anonym erfolgt. Aber das Thema mit den (Q)Wahlen ist ein anderes.

"Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten" Kurt Tucholsky

Die Gefahr, das dies so kommen wird, ist durchaus real und die "mächtigen" in Wirtschaft und Politik (ja, ich weiß, die Grenzen sind da sehr fliessend) sind allerspätestens jetzt auf die Gefahren des aufgeklärten und mündigen Staatsbürgers aufmerksam geworden, und werden entsprechende Massnahmen ergreifen.
Das fängt doch schon bei der bewussten Desinformation durch die Mainstream Medien an, egal ob das jetzt die TAGESSCHAU um 20:00 oder die Printmedien (ja, auch der Spiegel darf sich da angesprochen fühlen) sind. Da werden die Tatsachen auf eine Art und Weise verdreht und zusammengekürzt, es werden Informationen einfach vorenthalten um einen falschen Eindruck zu vermitteln, und ein (grosser) Teil der Bürgerschaft plappert es dann gebetsmühlenartig einfach nach.

Wir, die wir uns im Netz informieren (auch wenn wir nicht der selben Meinung sind, und das ist gut so) sind da schon ein Stückchen weiter. Auch wenn nicht alles der Wahrheit entspricht, was man da so findet und liest, aber man sollte bekanntermaßen nichts einfach unkritisch und vorbehaltlos als die "eine" Wahrheit annehmen.

Aber mal ehrlich, was hat sich denn geändert nach dem Bekanntwerden der erfundenen Kriegsgründe 2003 im Irak, der Veröffentlichung des Hubschraubervideos im Irak, oder der Folter in Guantanamo? Ist da irgendjemand (nicht die üblichen Bauernopfer) weiter oben in der Befehlskette für zur Rechenschaft gezogen worden? Steht gerade einer in Den Haag vor Gericht? Wo ist da die Glaubwürdigkeit unserer achso freiheitlich Rechtsstaatlichen Auffassung? Business as usual.

"Die Gerichte dienen ausschließlich dem Zweck, den Fortbestand der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung zu sichern." Leo N. Tolstoi

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kleiner-moritz 11.12.2010, 10:42
2811.

Zitat von stormking
Je mächtiger jemand ist, desto genauer muß ihm auf die Finger geschaut werden. Das gilt natürlich auch für private Unternehmen, ist doch klar!
Dass das klar ist, ist nur eben nicht allen klar!

Und wenn Unternehmen die MasterCard und Co. gegen eine Person vorgehen, dann ist eben auch klar, dass sie das aufgrund von massivem Druck seiten kriminelle Politiker tun!

Kriminell sind sie deshalb, weil sie mangels rechtlicher Möglichkeiten versuchen, Wikileaks im rechtswidriger Methoden auszuschalten, was im Übrigen schon Züge einer kriminellen Vereinigung hat.

An dieser Stelle betrone ich noch mals, dass es aus dem gleichen Grund an der Zeit ist, mal die Machenschaften der EU und ihrer "DIE Kommission" offenzulegen. Die haben nämlich nichts anderes zu tun, als den lieben langen Tage Pläne auszuhecken, wie man die Meinungsfreiheit in der EU und besonders beim Zahlmeister Deutschland mit Strafrechtsparagrafen aushöhlen kann!

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Linus Haagedam 11.12.2010, 10:54
2812. ...

...schon bezeichnend, dass Leuten, die von ihrer Sichtweise der „Wahrheit“ so überzeugt sind, dass sie diese mit der Wahrheit verwechseln, nichts anderes einfällt als andere, die eine andere Meinung haben zu denunzieren. Gesinnungsdiktatur eben. Denunziation der Meinung anderer als moralisch minderwertig ist ja ein beliebtes Mittel von Ideologen (und seien es Ideologen des freien Netzes oder der vorgeblichen Aufklärung).

Wer nicht bereit ist, in den Mainstream des Bessermenschenboykottjubel einzustimmen und das (bereits im WikiLeaks-Symbol klar dargestellte) schwarz-weiße Weltbild der WikiLeaks-Jünger zu teilen, gilt als verdächtig. Hier: Das Gute, die Aufklärung, das Gerechte, die Wahrheit. Dort: Das Böse, die Verdunklung, die Verschwörung.
Wer die US-Regierung (außer Obama), die Katholische Kirche, nunmehr Amazon oder Israel verteidigt ist sowieso entweder bezahlt oder böse. Verschwörungstheorien bestätigen sich eben gerne selbst und/oder gegenseitig.

Es erinnern schon ein wenig an den Zeitgeist, der die RAF-Sympathisanten in den 70ern beseelte. Als es beim Mainstream des linken Bildungsbürgertums und bei denen, die dazugehören wollten, zum guten Ton gehörte, den Terror als letztes Mittel zur Durchsetzung des Guten und Richtigen gegen das Böse schönzureden. Na ja, die meisten haben es irgendwann, irgendwie überwunden und schämen sich heute für ihre damalige Haltung. Damit das klar ist: Ich Vergleiche hier nicht WikiLeaks und Co. mit der RAF. Es geht um das Zeitgeistphänomen und die Motivation der Unterstützer.

Bei WikiLeaks geht es – ebenfalls ganz ähnlich wie bei der linken Jugend der 70er und 80er - um die Faszination einiger angry young men an der eigenen Macht oder das, was sie dafür halten.
Es geht dabei weniger um die Inhalte. Diese dienen mehr als Rechtfertigung, Hintergrund und Vorwand für das Abenteuer postadoleszenter Rebellion. Damals: Revolutions- und Faschismusgequatsche. Heute: Konspirativ (inner circle) oder konzertiert (Unterstützer) mit der Informationtechnik dem Bösen eins auswischen. Eigentlich geht es um Style, Haltung, Habitus, Allmachtsphantasien. Folgen werden negiert, ignoriert, umgedeutet oder als Kollateralschäden bei der Herstellung von mehr Gerechtigkeit auf der Welt gerechtfertigt.
Es sind doch die selben Leute, die den zum Glück abgeebbten Piraten-Nepp protegiert haben, die nun aufgrund der in jüngerer Zeit relativen medialen Erfolglosigkeit der Piraten auf den WikiLeaks- und Netzkampagnenzug aufspringen. Schon bei den Piraten ging (und geht) es doch in Wahrheit um Wichtigtuerei. Mit dem verbrämten Politbrimborium des Kampfes gegen die Zensur werden die eigentlichen Interessen verschleiert: Unbehelligt Sexfilmchen gucken und illegale Video- und Musik-Downloads unbehelligt aus dem Netz ziehen. Kein Wunder, dass da auch wegen Kinderpornographie Verurteilte gerne gegen die „Überwachung im Netz“ mitmischen...
O.k., ich schweife ab...

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Linus Haagedam 11.12.2010, 10:55
2813. ...

Ja, ich habe auch kurz gezweifelt, ob ich mit der oben geschilderten Kritik möglicherweise über das Ziel hinausschieße: Als ich aber Monitorvorgestern sag und dort drei Beispiele von echten Enthüllungen z.B. bzgl. des amerikanischen Drucks auf die afghanische Regierung, was die Erlaubnis zum Einsatz von Streubomben betrifft, gezeigt wurden, da war es sonnenklar: Echte Skandale, Missstände, Verbrechen müssen ans Licht. Ein Informant spielt dem Enthüllungsjournalisten Dokumente zu, der recherchiert Relevanz, Zusammenhänge, vergleicht mit anderen Quellen, ordnet ein und macht daraus eine Geschichte, die Hand und Fuß hat und den Missstand aufdeckt. Das ist guter Journalismus. Das kann man aus den gleichen Informationen auch machen. Insofern: Es geht mir nicht, darum, dass irgendwelche Informationen über echte Skandale nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen, es geht um die selbstgefällige Haltung der WikiLeaks-Fans, die die echten Skandale gar nicht interessieren und die ohne Sinn und Verstand Kollateralschäden in Kauf nehmen. Wäre WikiLeaks eine Organisation, die solche Dokumente sammelt und brisante Informationen seriösen Journalisten zur weiteren Recherche zur Verfügung stellt - ich wäre ihr Unterstützer. WikiLeaks geht es aber um selbstgefällige Selbstdarstellung Hype und den Thrill. Man sieht es Ja: Die Sache mit den Streubomben ist unsexy und bald wieder vergessen, Westerwelles Informant oder Klatsch und Tratsch über Putin dominiert die Presse. Alles ist gleich wichtig, Hauptsache geleakt. WikiLeaks ist nur Lifestyle von 16jährigen Holländern und sonstigen Wohlstandskids.
Gestern im Fernsehen war irgensoein bärtiger Typ, der sagte, dass sich Firmen und Regierungen nunmehr darauf einstellen müssten, dass mit ihren internen Informationen so transparent umgegangen werde, wie es im Privaten schon immer der Fall sei - Weitergabe vertraulicher Gespräche, Vertrauenbruch, Konspiration, Denunziation ist also das Idealbild zwischenmenschlicher Kommunikation? Vielleicht in der DDR oder anderen totalitären Regimen.

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chatter 11.12.2010, 11:16
2814. Taz lesenswert?

Zitat von roflem
lesenswert....
Noch viel lesenswerter als der zitierte Artikel der Taz - der weit unter dem sonstigen Niveau dieser Zeitung liegt - sind die Leserbriefe, die man direkt darunter findet.

C

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henningr 11.12.2010, 11:17
2815.

Zitat von Linus Haagedam
...schon bezeichnend, dass Leuten, die von ihrer Sichtweise der „Wahrheit“ so überzeugt sind, dass sie diese mit der Wahrheit verwechseln, nichts anderes einfällt als andere, die eine andere Meinung haben zu denunzieren. Gesinnungsdiktatur eben. Denunziation der Meinung anderer als moralisch minderwertig ist ja ein beliebtes Mittel von Ideologen (und seien es Ideologen des freien Netzes oder der vorgeblichen Aufklärung). ... Kein Wunder, dass da auch wegen Kinderpornographie Verurteilte gerne gegen die „Überwachung im Netz“ mitmischen... O.k., ich schweife ab...
Das übliche konservative Gehetze, der Reflex wenn im Alter das konservative Weltbild ins Wabnken gerät. 99 Prozent von Kindesmissbrauch findet außerhalb des Netzes statt schon gewusst? Ich schweife ab...

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tig13 11.12.2010, 11:21
2816.

Zitat von shezana
ich mache mir langsam Gedanken in andere Richtung... was ist letztendlich die Konsequenz aus diesen Veröffentlichungen? Ideen???
Zwei, teils noch unreflektierte, denkbare Szenarien:

(1) Es wird mehrere Netze geben. Die Regulierung insgesamt wird stark zunehmen. Was heute als "Internet" bezeichnet wird, wird zu einem, von Kommerz und unreflektierten Informationen überquellendem, frei verfügbaren "Rest"-Netz mutieren und an Bedeutung, bzw. Glaubwürdigkeit verlieren. Alle anderen Dienste, Informationen, Musik, Wisswn, etc... werden, gegen Bezahlung, in verschiedenen speziellen "Netzen angeboten. Kurz gesagt, Unterschiedliche Gruppen von "Privilegierten werden auf die Netze auf unterschiedliche Arten zugreifen können. Dies ist in Ansätzen bereits vorhanden.

(2) Die "westliche" Welt, insbesondere die USA, büßen enorm an Einfluss ein. Die Kräfteverhältnisse in der Welt werden verschoben, zu unseren Ungunsten. Das Konzept der westlichen Demokratie ist als verbrecherisch enttarnt und taugt nicht mehr als Vorbild. Dieser Prozess ist bereits im Gange. Meiner Meinung nach befindet sich die einstige, alleinige Supermacht USA "auf dem absteigenden" Ast und wir, als deren "Vasallen" ebenso. Die Strahlkraft und die moralische Autorität haben sie bereits seit der Reaktion auf 9/11 verloren. Andere Mächte, die vor 20 Jahren noch als Schwellenländer galten, haben inzwischen technisch wie wirtschaftlich mächtig aufgeholt, bzw. gleichgezogen und ihre ganz eigene "Anziehungskraft" auf die Menschen entwickelt. Zudem sind wir teilweise von diesen Ländern abhängig (Öl, seltene Erden, etc.). Immer unverhohlener werden Positionen vertreten, die unseren westlichen Moralvorstellungen komplett zuwiderlaufen. Unsere Werte verlieren an Bedeutung, denn auch andere politische Systeme können sich in der Welt behaupten und nun wird klar dass die westlichen Regierungen teils genauso verbrecherisch vorgehen.

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Against_NWO 11.12.2010, 11:26
2817. Ja

Zitat von Walter Sobchak
Englische Doku aus Schweden ueber wikileaks. Unbedingt anschauen!
die hatte ich gestern auch schon geschaut und würde mich freuen, eine ähnlich gut recherchierte und objektive Berichterstattung auch mal im deutschen Fernsehen schauen zu können. Und dann bitte mal nicht um 0:30 Uhr...

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chatter 11.12.2010, 11:29
2818. public company

Mein Zitat:
Die Wahrheit ist, lieber Eimer, dass öffentliche Institutionen - und dazu zählen auch börsennotierte Aktiengesellschaften (auf englisch public companies) - primär dem Menschen zu dienen haben. Eine Privatsphäre zum Vertuschen von Verbrechen hat es da nicht zu geben.

Zitat von jasyd
Und wieder fehlt das Verständnis für die englische Sprache. A public company ist keine öffentliche Institution im deutschen Sinne. Public Television is allgemeines Fernsehen, während in Deutschland das öffentliche Fernsehen ein staatliches Fernsehen ist.
Missverständnis. Vielleicht habe ich mich unglücklich ausgedrückt. Public bedeutet natürlich nicht staatlich, das war auch nicht gemeint. Public ist aber der Gegensatz zu private. Börsennotierte Gesellschaften werden "public" genannt, weil sie erheblichen Berichtspflichten zum Zweck des Aktionärsschutzes unterliegen. Sie dienen dem Aktionär. An diesem Punkt setzt meine Analogie an. Regierungen dienen dem Volk und haben gefälligst ebenfalls Berichtspflichten.

Das war mein Punkt: "Geheimnisse" sind hier wie da unangemessen. Ganz anders im Fall (natürlicher) Privatpersonen. Die haben zu Recht eine Privatsphäre und Geheimnisse.

Nur hat der Staat bzw. faktisch die Regierung diverse Rechte (z.B. Gewaltmonopol), die eine Einzelperson nicht hat. Mit diesen Rechten kommen Pflichten: die zur Offenheit gegenüber dem Souverän (=Volk).

Hoffentlich habe ich es diesmal klarer ausgedrückt.

C

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greymouse 11.12.2010, 11:30
2819. Wikileaks _ Internet-Zensur

..das sowas von sowas kommt....hätten sich die Erfinder des Internet und die USA nicht gedacht. Selbst ausspionieren ja, aber das Gleiches mit Gleichem "vergolten" werden könnte (gleiches Recht für Alle ist doch der Wahlspruch der Demokratie) davon war nicht die Rede nicht wahr?

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