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Außenpolitischer Coup: Merkel schmiedet EU-Bündnis gegen Sarkozys Herausforderer
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Die wichtigsten EU-Länder greifen in den französischen Präsidentschaftswahlkampf ein. Nach SPIEGEL-Informationen haben Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien vereinbart: Der sozialistische Sarkozy-Herausforderer François Hollande wird im Wahlkampf nicht empfangen.

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sjarndt 03.03.2012, 19:45
70. Unsittliche Einmischung

Zitat von sysop
Die wichtigsten EU-Länder greifen in den französischen Präsidentschaftswahlkampf ein. Nach SPIEGEL-Informationen haben Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien vereinbart: Der sozialistische Sarkozy-Herausforderer François Hollande wird im Wahlkampf nicht empfangen.
Es galt jahrezehntelang als gute Übung und Sitte, dass man auch den Oppositionsführer und Herausfordererkandidaten aus anderen Ländern empfangen hat. Und selbst wenn man Antipathien hegte, gab es solange ich mich erinnern kann, keine derart offene, ja fast schon dreiste Absprache.

Ich denke auch Frau Merkel ist, bei aller liebe zu Machtspielen, gut daran beraten die Freiheit, die nicht zuletzt auch ihr als Geschenk nach der Wende zugute gekommen ist, jetzt nicht dahingehend zu missbrauchen, indem sie falsch verstandene und fast schon "bauernschlaue" Hegemonialpolitik a la Bismarck zu betreiben sucht. Wie wir alle wissen, waren dessen Bündnisnetze auch nur sehr dünn gesponnen.

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!!# 03.03.2012, 19:46
71. Was soll diese Einmischung?

Zitat von Bezahler
Wenn die Franzosen wirklich glauben das durch die Wahl dieses Wohltatenversprechers etwas besser wird wird es Ihnen ergehen wie den Spaniern nach der Wahl von Zapatero.Eine halbe Dekade später war Spanien der Sanierungsfall,welcher es nun ist. Weitergedacht bedeutet dies,das der € dann definitiv nicht mehr zu halten sein wird.Wenn Hollande drankommt,dann war es das mit dem €. Ein mit unerfüllbaren Wahlversprechen intronisierter Sozialist wird den € völlig reinreiten und am Ende die anderen (Deutschland) dafür verantwortlich machen . Der € kann sich derzeit überhaupt keine Sozialkakophonie leisten. Deshalb stehen die anderen in solch völlig unüblicher Weise zusammen. Sollte dieser Wohltäter drankommen,dann müssen wir schnellstens auf unsere Rettungsschirme,Target2 Salden und was noch alles verzichten und aus dem € schleunigst raus.Das kostet uns über eine Billion. Aber dieses "Rette sich wer kann " ist dann die einzige Chance mit einer noch nennenswerten Wirtschaftlichen Struktur herauszukommen. Seriöse Länder wie die Finnen und Letten oder die Slowaken und Tschechen werden mangels Masse die A....karte haben.
Die europäische Union hat es sogar nicht geschafft, einen einheitlichen Umsatzsteuersatz einzuführen. Wenn dem so ist, dann ist die Qualität des Kandidaten Francois Hollande Sache der Franzosen, nicht unsere.

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garfield 03.03.2012, 19:47
72.

Zitat von Cotti
Das wird hoffentlich den Trotz der frz. Wähler wecken, so dass Hollande am Ende deutlich triumphiert.
Das war auch gleich mein erster Gedanke. Nachdem die Krise in Spanien und Italien dazu geführt hat, das ausgerechnet Konservative - die an erster Front standen, wenn es um Deregulierung der Finanzmärkte ging - an die Regierung gespült wurden - ein makabrer Treppenwitz der Geschichte - scheint ja nun langsam das Umdenken unter den europäischen Völkern einzusetzen. Merkel sollte jeden Tag dankbar zu ihrem Gott beten, dass die linken Parteien in Griechenland, die wohl inzwischen zusammen vorn liegen, so zersplittert sind.
Sonst wären wohl ein militärisches Einschreiten nicht nur bloße Gedankenspiele.
(Man lese sich mal den dort zitierten Artikel 222 AEUV durch. Da kann es einem kalt den Rücken runter laufen.)
Zitat von Cotti
Diese undemokratische Einmischung sollte er zum Thema seines eigenen Wahlkampfes nutzen - er führt also jetzt auch einen Wahlkampf gegen demokratiefeindliche ausländische Regierungen.
Denkwürdig dazu der letzte Satz aus dem SpOn-Artikel:
"Das Eingreifen einer ausländischen Regierung in den Wahlkampf eines souveränen Staats gilt international als verpönt."
Das ist der aktuelle Stand zu dem unsere "Demokratie" inzwischen verkommen ist. Linke Parteien ausgrenzen (BP-Wahl), ein Aufschrei, wenn ein Staatschef mit dem Rücken zur Wand sein Volk befragen will (Papandreou und das griechische Referendum), militärische Gedankenspiele, wenn die Situation so aussieht, dass das Volk "nicht gern gesehene" Parteien wählen könnte und nun gezielte Einmischung in den Wahlkampf eines anderen Landes.
Ich habe ja nichts gegen das bisherige Ausmaß an Merkels zugesagter Unterstützung für Sarkozy. Eine bessere Wahlkampfhilfe für Hollande konnte sie kaum bieten. Den Gegner aber durch die jetzt gemachten Erklärungen praktisch zum Paria zu erklären, geht wohl ein bißchen weit.
Ich hoffe, die Franzosen ziehen daraus ihre eigenen Schlüsse.

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seine-et-marnais 03.03.2012, 19:48
73. Asterix vs Brunhildes Kollaboratix

Zitat von sysop
Die wichtigsten EU-Länder greifen in den französischen Präsidentschaftswahlkampf ein. Nach SPIEGEL-Informationen haben Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien vereinbart: Der sozialistische Sarkozy-Herausforderer François Hollande wird im Wahlkampf nicht empfangen.
Schon zum Zeitpunkt des TV-Interviews mit Sarkozy hatte Hollande vergeblich um einen Termin bei der Kanzlerin gefragt. Dass er nicht von Cameron empfangen wurde, was soll's.
Aber dass sich die Merkel als Kanzlerin, nicht als CDU-Politikerin, offen zu Sarkozy bekannt hat, hatte offensichtlich einen sehr negativen Effekt. Laut 'Canard enchaîné' der vorletzten Woche soll Merkel wegen kontraproduktiver Reaktionen nicht! mehr auftreten.
Dabei steht eines schon fest, der Fiskalpakt ist tot. Sarkozy hat in Bruessel unterschrieben obwohl er weiss dass Frankreich das nicht einhaelt. Sarkozy wollte den Kongress einberufen, hat dieses aber nicht gemacht als klar war dass die 'règle d'or' keine Chance hat in die Verfassung geschrieben zu werden. Selbst wenn Sarkozy die Wahlen gewinnt aendert das nichts an dieser Tatsache, denn er muesste die anschliessenden Parlamentswahlen mit noch groesserer Mehrheit gewinnen als er es mit einem Rekordergebnis 2007 gemacht hat.
Die Hetze der Presse gegen Hollande hat ja bereits begonnen. Wir werden bearbeitet mit Artikeln, wenn Hollande gewaehlt wird bricht eine Katastrophe ueber Frankreich herein, da gegen Frankreich spekuliert wird. Auch die auslaendische Presse hetzt mit, ein haessliches Beispiel
Kommentar: Albtraum Hollande - Nachrichten Print - DIE WELT - Debatte - WELT ONLINE
Die Transatlantiker haben ganz Europa mit ihren Kohorten erobert, nur ein kleines Dorf leistet noch Widerstand. Da wird der arme Hollande nun wohl als 'de Gaulle' und Sarkozy als 'Petain' in den Wahlkampf eingehen, der blasse Hollande wird zur Hoffnung Frankreichs nicht nur der Linken, sondern auch der Rechten die Sarkozys Abhaengigkeit von Merkel mehr als kritisiert.
Hollande ist zwar nicht mein Wunschkandidat, mais à la guerre comme à la guerre, Vive la France, Vive la république, Vive Hollande.
Vielleicht feiert die Linke dann den Sieg in Paris nicht auf der Place de la Bastille, sondern auf der Place de la bataille de Stalingrad. Uebrigens dort sehr nahe ging frueher die Avenue d'Allemagne (jetzt Avenue Jean Jaurès) mit der Metro-Station 'Allemagne' (jetzt Jean-Jaurès) zur Porte d'Allemagne (jetzt Porte de Pantin). Unter Merkel erreichen die deutsch-franzoesischen Beziehungen ungeahnte Tiefpunkte.

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Systemrelevanter 03.03.2012, 19:51
74. unser demokratieverständnis

Immer wieder spannend, unsere westliche Demokratie in der Praxis zu erleben. Und dann zetern, wenn in Russland genauso, nur eben mit offenem Blatt gespielt wird. Peinliche Bande, die wir uns da gewählt haben.

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Antipodas 03.03.2012, 19:51
75. Leistungsträger???

Zitat von weltsichtig
Bin noch unentschlossen, wie ich es finden soll, falls Hollande Präsident wird: einerseits könnten wir stark davon profitieren, wenn er die französischen Leistungsträger mit 75% Besteuerung aus dem Land treibt und diese zu uns kommen, andererseits könnte es auch damit enden, dass wir neben den Griechen auch noch den Franzosen die Rente mit 60 finanzieren müssen, wenn Hollande seine disbezüglichen Vorstellungen umsetzen kann. Ernsthaft: ich halte es für ein Unding, wie sich Merkel in den französischen Wahlkampf einmischt. Für mich sind antideutsche Ressentiments deswegen zunehmend verständlich. Umgekehrt bitte ich aber auch um Verständnis dafür, dass ich nicht mit meinem Geld für die verfehlte Politik anderer Länder gerade stehen will.
Als Zugehöriger der hier als "Leistungsträger" /Grossverdiener genannten Gruppe, finde diesen Begriff völlig falsch und propangadistisch im Sinne eben dieser Gruppe von "Priviligierten".

Die Leistungsträger in dieser Gesellschaft sind vor allem die Bevölkerungsschichten, die Monsieur Hollande ganz sicher nicht mit 75% besteuern würde.

Als Priviligierter könnte ich es mir ohne weiteres leisten 75% Steuern zu zahlen und wäre noch immer finanziell absolut abgesichert und zufrieden.

Zudem glaube ich nicht, dass die französischen "Leistungsträger" unbedingt zu uns nach Deutschland kommen wollen. Da gibt es duchaus auch andere interessante Länder mit noch geringeren Steuersätzen, leider.

Zur Rente mit 60 in Frankreich sei gesagt, dass dies das Mindestalter ist, ab dem man in Rente gehen kann. Im Landesdurchschnitt jedoch gehen die Franzosen mit 64 Jahren in Rente, genau wie bei uns.

By the way, mit den Milliarden für die Rettung Griechenlands werden keineswegs die "faulen Griechen" gerettet. Im Gegenteil, vor allem Banken (also Zocker und Spekulanten => Leistungsträger) aus Frankreich und Deutschland profitieren am meisten von diesem Geld. Denn sollten die Griechen tatsächlich in die Insolvenz gehen, bekommen sie keinen müden "Spekulationscent" zurück, nada, niente, rien.

Beste Grüsse

Antipodas

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Foul Breitner 03.03.2012, 19:54
76. Naja

Zitat von Cotti
Ich frage mich, wie überhaupt ein Regierungs-Chef eines Fremdstaates auf die Idee kommt, dass ein Kandidat vom Auftritt im Ausland profitieren könnte, bzw. ihm ein Mobbing schaden. Wahrscheinlich denkt Merkel, der Obama ist damals nur deshalb Präser werden konnte, weil sie ihm erlaubte, im Wahkampf in der BRD eine Rede zu halten. Also muss es umgekehrt wohl auch funktionieren...
das kann schon passieren, denn die Wähler sind unterschiedlich. In den USA wählen auch viele arme Menschen die Republikaner, obwohl diese sich nur der oberen Oberschicht verpflichtet fühlen.
In Frankreich wohnen viele auf dem Land und sind bodenständig. Sarkozys größte Patzer waren eben auch auf internationalem Parkett, aktuell die Abstufung und die hohen Refinanzierungszinsen für Staatsanleihen und der Abfall gegenüber Deutschland, da liegt es nahe wenn man "Waffengleichheit" herstellt, indem man den Gegenkandidaten international madig macht.

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parismatique 03.03.2012, 19:55
77. Das hat gerade noch gefehlt...

Zitat von sysop
Die wichtigsten EU-Länder greifen in den französischen Präsidentschaftswahlkampf ein.
Die Dame Merkel scheint immer noch nicht gemerkt zu haben, dass ihre Parteinahme für Sarkozy gerade bei konservativen Franzosen als Todeskuss gesehen wird. Und wenn sie jetzt auch noch diese konservativen Verlegenheitslösungen an der Spitze von drei der kränksten EU-Staaten gegen den künftigen französischen Staatspräsidenten aufhetzt, zeugt das wieder mal von ihrem üblichen Elefant-im-Porzellanladen-Feingefühl.

Es sei denn, es sei denn... ...sie will das Rumpelstilzchen im Élysée-Palast endlich los haben. Bei Guttenberg, Wulff und Co. hat sie ja vorgemacht, wie effizient ihre Unterstützung sei kann.

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Foul Breitner 03.03.2012, 19:58
78. Sicher kommt das

Zitat von Bono Beau
erbärmliches Demokratieverständnis. Sie haben Recht, wenn es um eine europäische Innenpolitik geht, wenn man so will und glaubt, das es da (noch) Chancen gibt. Aber dazu gehört dann eine aktive Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner! Eine "Kontaktsperre" ist da komplett Banane. Das kann Bimbes sein Mädchen vielleicht mit den bundesdeutschen Linken machen - in Frankreich kommt das überhaupt nicht gut. Es gärt da gewaltig. Viel mehr, als wir wissen.
in Frankreich nicht an - aber Sarkozy kommt in Frankreich aktuell auch nicht an.

Man muß bei der Gelegenheit auch noch mal daran erinnern, daß Sarkozy gegen Strauss-Kahn überhaupt keine Chance gehabt hätte. Und die Hotelgeschichte war ja auch mehr als merkwürdig.

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knieselstein 03.03.2012, 19:59
79. Verstehe das ganze Geblöke

hier nicht. In Frankreich ist Wahlkampf. Andere EU Regierungschefs haben beschlossen, daß dieser Wahlkampf nicht in ihr jeweiliges Land getragen wird, weil sie da besseres zu tun haben. Dann müssten sie auch die anderen Kandidaten empfangen. Man stelle sich dann Merkel & Le Pen auf einer Pressekonferenz in Berlin vor. Da würden glatt alle SPON-Server platzen ;-)

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