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Auto-Zoff bei den Grünen: Hofreiter widerspricht Kretschmann
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Die Grünen fordern ein Verbot von Benzin- und Dieselautos ab 2030. "Schwachsinn", empörte sich Realo Winfried Kretschmann. Der Partei-Linke Anton Hofreiter hält dagegen.

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hansso 24.06.2017, 12:17
1. Kretschmann sagt wie es ist

Ich gebe Kretschmann Recht und halte die ganze Geschichte der e.mobil-Kfz's wie von den Grünen beschrieben und gefordert weit an der Realität vorbei. Weshalb kaufen denn heute sehr wenige diese e-Autos? Weil sie erstens nicht weit kommen, zweitens die Infrastruktur an e-Tankstellen fehlt und, etwas überzogen, keiner übernachten will weil gerade sein Wagen an einer e-Tankstelle "betankt". Hier eine Jahreszahl zu nennen ist schlichtweg falsch, populistisch und zeigt wie träumersich die Grünen agieren.

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womo88 24.06.2017, 12:22
2. Strom woher?

Es ist ja schön und gut, wenn die ganze Welt mit mit Elektroautos fährt. Bisher sind aber wohl die meisten verkauften Elektroautos Kleinwagen für Kurzstreckenverkehr, die nicht für einen Familienurlaub für 4 Personen taugen.
Ebenso frage ich, wo der all der Strom herkommen soll um die Welt elektromobil zu machen. In den letzten 5 Jahren ist der Anteil an Wind- und Solarstrom gerade einmal um 8 % gestiegen, und das in Deutschland! Wenn Hofreiter die gesamte Erde mit Elektroautos beglücken will, hat er noch viel zu tun. Oder bauen wir dann verstärkt Kohle- und Atomkraftwerke, um Elektromobile zu betanken?

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stempelchen 24.06.2017, 12:23
3. Wo soll der Strom herkommen

wenn nicht zum großen Teil aus Kraftwerken mit CO2 Ausstoß?

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Doktor Weisenheimer 24.06.2017, 12:24
4. Hofreiter, aufwachen! Ladeinfrastruktur in der Stadt nicht realisierbar!

Kretschmann hat absolut recht. Die Realität ist doch die, daß die allermeisten Auto in der Stadt nicht auf einem privaten Stellplatz oder in einer Garage, sondern auf der Straße parken. Wie soll das bitte schön mit dem Laden auf der Straße funktionieren? Alle vier Meter an der Bordsteinkante eine Ladesäule? Ein Kabel, daß jedem Laternenpfahl über den Gehweg zum Auto führt, so daß der Fußweg zum Hindernisparcour wird?

Mit der jetzigen Akkutechnologie und der innerstädtischen Situation vor Augen käme nur das Laden per Induktion (wir reißen bis 2030 mal eben alle Straßen auf und verlegen Induktionsschleifen) oder der Schnellakkutausch (wie von Tesla gezeigt) in Frage. Ansonsten: Wasserstoff und Brennzelle. Oder revolutionäre, neue Akkutechnologie.

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daheim 24.06.2017, 12:24
5. Da muss ich dem Hr. Hofreiter Recht geben,...

wenn die Politik möchte, ist das mit der Infrastruktur kein Problem. Vor über hundert Jahren wurden unsere Haushalte ja schließlich auf elektrifiziert. Irgendwann flogen die Kerzen, Waschbrett etc. raus und rein kam die el. Glühlampe, die Waschmaschiene, der Fön, etc.
Heute haben wir den Vorteil, dass schon überall in der Republik Stomleitungen vorhanden sind. Z.b. die Straßenbeleuchtung. In Skandinavien z.B. gibt es an fast jedem öffentlichen Parkplatz eine Steckdose um den Verbrennungsmotor im Skaninavischen Winter wor dem Einfrieren zu bewahren. Meist sind die Heizer kleine Alublöcke mit integriertem Heizstab, die direkt am Motorblock befestigt sind. Die können, je nach Größe des Motors schon mal 3 kW haben. Sie Steckdosen sehen aus wie früher die Parkuhren, die an jedem Parkplatz standen. Wenn die Skandiavier das geschaft haben, sollte das für uns doch auch kein Problem sein?! Also machbar wäre es schon, wenn es plotisch gewollt ist.

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hausfeen 24.06.2017, 12:26
6. Das Argument mit den Ladestationen zieht nicht.

Gas-Hybride sind das Gebot der Stunde. Absolut massentauglich. Überall kann Gas getankt werden für die Langstrecke. Die Kurzstrecke wird von zu Hause prima mit Strom versorgt. Kretschmann schielt auf MP in BaWü mit Unionsparteibuch.
Hofreiter hat so was von Recht.
Mittel- oder Langfristig sorgen Induktionsspuren für Energienachschub.

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gruenerwaldgeist 24.06.2017, 12:27
7. Hofreiter hat Recht

Auch wenn Kretschmann einer der wenigen Grünen ist, die mir sympathisch sind, hat er in diesem Punkt unrecht. Das Ladeproblem ist zu lösen, wenn man sich von alteingesessenen Vorstellungen einer "Tankstelle" löst. Nicht nur dezentrales Laden ist möglich, sondern auch interessante Konzepte à la Better Place. Letzteres ist nicht daran gescheitert, dass es technisch nicht umsetzbar war, sondern dass man vor lauter Euphorie die Kunden aus den Augen verloren hatte. Nur, um hier das "Henne-Ei-Problem" zu lösen, braucht es mutige Ansagen seitens der Politik. Kalifornien hat das verstanden, der vermeintliche Ökostaat Deutschland nicht. So wie ich die Grünen verstanden habe, möchten sie bis 2030 keine Neuzulassungen ohne Alternativantrieb mehr zulassen. Das mag ein anspruchsvolles Ziel sein, aber man muss sich manchmal auch anspruchsvolle Ziele setzen. Wenn die deutsche Automobilindustrie international nicht ins Hintertreffen geraten möchte, muss sie langsam mal in die Puschen kommen. Es ist fünf nach zwölf.

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geschmackspapst 24.06.2017, 12:28
8. Am Thema vorbei - eigentlich strittig ist die Wahltaktik

Wer die Videoaufzeichnung aufmerksam studiert, wird feststellen, dass der Streit sich hier weniger um das Datum "2030" und das bis dahin (angeblich?) erreichbare Verbot von Benzin- und Dieselautos dreht, als vielmehr um die Wahltaktik: Zugegeben, Kretschmann trägt anfangs allerlei Bedenken vor, warum das bis "2030" kaum zu machen sei. Er sagt aber auch, dass er selbst nicht weiß, wie lange es letztlich dauern wird, es könne auch schneller gehen. Entscheidend ist, dass mit dem "2030-Beschluss" eine Zahl in den Raum geworfen wird, die aus heutiger Sicht weder validierbar noch falsifizierbar ist. Solche Zahlen werden aus rein wahltaktischen Gründen in den Ring geworfen, so ähnlich wie bei der CSU die "Flüchtlingsobergrenze". Das sind alles Nebelkerzen die an dem eigentlichen Thema vorbei führen, nämlich: Wie man Herausforderungen in der Sache gut und zeitlich effizient löst. Und Kretschmann meint halt, dass man mit solchen plakativen Forderungen sein Wählerpotenzial einschränkt und bei 6-8 % bleibt. Die Frage ist, ob diese Einschätzung richtig ist?...

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doctoronsen 24.06.2017, 12:28
9. Hofreiter hat Recht

Ich finde Kretschmann grundsätzlich super. Aber auch er müsste wissen, dass Hofreiter Recht hat, wenn man die klimapolitischen Ziele ernst nimmt. Das Argument fehlender Zeit und Tankstellen ist vorgeschoben: mit geeigneten ordnungspolitischen Maßnahmen geht das alles viel besser als heute (auch die Autobahnen waren mal eine solche Maßnahme, btw). Vielleicht steckt hinter dem Drama eine schlaue Kommunikationsstrategie: Wenn sich keiner mehr für die Inhalte interessiert, dann liefert man halt Theaterdonner und Emotionen, und schon steht man wieder auf den Titelseiten bzw. above the fold.

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